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Pirate Press Records

2016 gibt es in Deutschland nurnoch Kackbands. Bands die keinerlei Humor haben und diesen daher auch nicht zeigen können. Kannibal Krach sind da anders. Problem: Es versteht kaum einer. Das zieht direkt diverse Auftrittsverbote mit sich und die Flennpolizei ist im Dauereinsatz!

Doch was hat Sänger Frustus so verkorkst? Wird er daheim geschlagen? Nein, es ist die Musik! Hier sind die 10 schönsten Platten im Herzen von Frustus Krach! Im übrigen Liebevoll mit ANSPIELTIPP!!!

1. Japanische Kampfhörspiele- Hardcore aus der ersten Welt

Hardcore aus der ersten Welt ist zu 100 % dafür verantwortlich, dass ich vorläufig damit aufgehört habe zu singen, obwohl ich mal eine richtig gute Bass-Bariton-Stimme hatte. Den JAKAs ( für unwissende, Abkürzung JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE) gefällt das Album nicht so gut, wegen dem angeblich schlechten Sound. Zumindest meine ich das mal gelesen zu haben.

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AWAY FROM LIFE Streets

Das Album war meine persönliche Entscheidungshilfe dafür, dass GymNAZIum abzubrechen. Mit einem Kopfhörer im Ohr hörte ich „Zieh die Jacke falschrum an“ in Dauerschleife, während ich im Sekretariat mein Abmeldeformular ausfüllte. Wenn ich besoffen bin begehe ich manchmal noch Sachbeschädigungen an meinem alten Schulgebäude. Mit JAKA im Gedankenplayer, weil ich unterwegs Musik ausschließlich im Kopf höre.

Anspieltipps: Zieh die Jacke falschrum an, Das Gift ist da, Du warst mein Ritalin.

2. Hammerhead- Farbe Color.

HAMMERHEAD waren der zweite Befreiungsschlag (nach JAKA), um raus aus der laschen Punkrocksimulation des Bergischen Landes zu kommen. Schließlich gab es bei uns nur so Ich-liebe-meine-Eltern-und-spiele-in-ner-Punkband-Schrott und melodischen Gute-Laune-Skatepunk unserer Lokalhelden SKIN OF TEARS. Überhaupt hatten wir in den 00er-Jahren, die größte Dichte an Scheißbands.

Mit HAMMERHEAD konnten Hardcore und Punk auch mal NICHT harmlos sein. Ein paar Jahre später war ich dann vor Ehrfurcht völlig eingeschüchterter Tourfahrer und Merchandiser bei eben dieser Band. Jahre später können wir Mittlerweile auf Augenhöhe miteinander reden. Zumindest habe ich keine Angst mehr vor ihnen, sondern echte Anerkennung.

Mit dem Album Farbe Color verbinde ich eine spezielle Erinnerung. Es lief so 2006/2007 während meines damaligen echt schlechten Jobs (Konzertplakatierer) im Auto („Wenns meinem Chef gut geht, geht’s mir auch gut!“) und gab mir Mut und Kraft, die trostlosen Nächte in Wuppertal durchzustehen.

Anspieltipps: Gaukler und Filous (Kreativ, Kreativ!), Mittelzentren („romantisches loosen, gibt’s nicht in Leverkusen!“)

3. Taktloss & Justus- Aus Liebe

Im Gegensatz zu den BRP-Alben geht es auf dem Featurealbum mit DOUBLE J etwas weniger anarchistisch zu. Dadurch wirken die Texte und Beats weniger chaotisch-witzig sondern bekommen zusätzlich eine bedrohlich-coole Komponente. TAKTLOSS ist musikhistorisch der wichtigste Rapper Deutschlands. Ein Multiplikator von dem die Karrieren von Leuten wie u.a KING KOOL SAVS ausgingen. Ebenfalls wäre AGGRO BERLIN ohne seine Pionierarbeit niemals möglich gewesen. Soll man ihm dafür danken oder muss man ihn dafür verfluchen? Beides wäre ihm egal!
Jedenfalls wäre die deutsche Rapszene ohne ihn ein Haufen weicher Gymnasiasten geblieben.

Natürlich hätte das uns als Gesellschaft eine Menge schlechten Rap von arabischstämmigen Ersatznegern erspart, aber lieber diesen Gangsterrap erleben, als weiterhin Wohlstands- und Reihenhausrap von so furchtbaren Wichskindern wie BLUMENTOPF ertragen müssen.

Statt Millionär mit Besitzurkunde der Palästinensermafia oder Reihenhaus-Rapper zu werden, ist TAKTLOSS selbst mit Ü40 immer noch ein kauziger Künstler geblieben, dem man besser nicht im Dunkeln begegnen sollte. Man würde ihn als Afrodeutschen ja sowieso dort nicht sehen. Der Featurerapper des Albums JUSTUS JONAS ist übrigens heute als Lobbyisten-Anwalt tätig, hat also seinen oft berappten Bund mit dem Teufel wahr gemacht.

Anspieltipps: Ausgleich, Vernichtend, Teufelstanz.

4. Turbonegro – Retox

„When the world is over, we are still the boys from nowhere, and tonight, tonight we´re coming home!“ Retox war für mich mit 20 das perfekte Album für die Zeit, in der jeder dahergelaufene Mitläufer, mit dem man mal dummerweise ein Klassenzimmer teilte, meinte mich Totalverweigerer mit der Frage „und was machst du jetzt so?“ zu nerven. Natürlich nicht aus echtem Interesse, sondern nur um abzuwägen, ob sein eigenes kleines Scheißleben reibungsloser in Richtung Krematorium verläuft als deins. Ich war damals längst auf dem Weg in die Dunkelheit und hatte verstanden, dass alles nur ein dummer Witz ist. Die romantisch-fröhlich-abgefuckte Untergangsstimmung des Albums war der Soundtrack für die allabendlichen Besäufnisse in meinem Kinderzimmer zwischen Youporn und Age of Empires II.

Anspieltipp: Boys from Nowhere

5. Blumen am Arsch der Hölle- s/t

Die einzige Jens Rachut-Platte, die ich im Original besitze. Weiß nicht einmal mehr wo ich sie gekauft habe. Vor dem Kauf hatte ich sie als überspieltes Tape in meinem Fiat Panda. Da diese Kassette lange Zeit meine einzige war, lief sie über vier Jahre hinweg, bei fast jeder Autofahrt zum verdammten Zivildienst, zur verdammten Ausbildung, zum verdammten Studium und schließlich zum verdammten Jobcenter im Hintergrund. Für die Mitreisenden hatte es was von Guantanamo-Folter, ständig Herbst & Heroin auf leierndem Magnetband hören zu müssen.

Anspieltipp: Herbst & Heroin

6. Turbostaat- Das Island Manöver

„Am Ende vom Jahr, nimmt er deine Hand und geht mit dir ins Watt, hört sich traurig an, ist es auch…“. Gänsehaut. Eine der melancholischsten Songzeilen, die je geschrieben worden sind.
Bis heute bin ich traurig darüber, dass ich mich nicht dazu traue, schöne Musik zu machen. Eigentlich habe ich einen großen Emo in mir wohnen, der nicht raus darf. Denn das wäre zurzeit wohl etwas unglaubwürdig.

Kurzatmige Turbostaatklone gibt es bereits genug. Auch wenn Kannibal Kris und ich mal kurz unter dem Namen RATTEN DER LÜFTE musikalisch etwas in die Richtung versucht haben. Es wird wohl noch was dauern, bis ich genug Selbstbewusstsein habe um „schöne Musik“ machen zu können. Vielleicht bleibt das alles einfach ein Traum und ich mime weiter den Hardcoreclown, höre heimlich diese Platte, während der Bart grau wird und sich die letzten musikalischen Hoffnungen zusammen mit Freunden, Bands und der Musikszene auflösen.

Anspieltipp: Fraukes Ende. Heiße Badewanne, viel Aspirin, eine Rasierklinge.

7. Smoke Blow- German Angst

Abwechslungsreiche Hymnen. Breite Beine. Dicke Eier. GENEPOOL-Verwandtschaftsmomente mit Synthesizer und wavig-schwebebenden Gitarren, über bratenden Rockbrettern. Dazu ein paar Saufpartynummern und fertig ist das beste deutsche Rockalbum der letzten 20 Jahre.

Anspieltipp: durchlaufen lassen, dabei mindestens fünf Bier trinken und den Wohnzimmertisch per Elbow drop zerstören.

8. Yacøpsæ – Tanz, Grosny, Tanz…

Eine unvergleichbare Brutalität. Diese Band ist das Maß aller Dinge, wenn es um Geschwindigkeit und Aggression geht. Die brutalsten 28 Minuten, die jemals eine deutsche Band aufgenommen hat. Musik zum sich im Audi A6 seiner reichen Eltern totfahren. Da kann jeder kleine Deathcorepenner und Computertrigger-Blastbeat-Hurensohn einpacken. Man kann als Musiker froh sein, dass die Yacøpsæ die Drecksarbeit für einen machen. Es hat keinen Sinn härter und abgefuckter als sie sein zu wollen.

Anspieltipp: Der ÜBERSONG Frost. Dazu die Wasserhähne im ganzen Haus aus der Wand reissen und mitten im Winter die Scheiben mit Kopfnüssen einschlagen.

9. Totenmond- Auf dem Mond ein Feuer
Brutalgeniales Deutschpunk-Coveralbum von TOTENMOND. Minimalistisch, fieser Sägeplastikgitarrensound und Maschinenschlagzeug. Wenn man ganz laut, dass INFERNO-Cover „Linke Sau“ auf dem Parkplatz vorm AZ knallbesoffen über aufgedrehte Smartphonelautsprecher anmacht, hat man sich die Aufmerksamkeit aller anwesenden Sozialromantiker gesichert.

Anspieltipps: Linke Sau, Belsen war ein KZ, Der Revoluzzer.

10. Laibach- Spectre
LAIBACH sind nur wahren Musikkennern bekannt. Dabei gäbe es ohne sie die wichtigste deutsche Exportband RAMMSTEIN nicht, die von LAIBACH bis heute gut und gerne klauen. Das geht beim Bandlogo los, über das martialische Auftreten, bis hin zur Stimme des Sängers und ganzer Textzeilen. Im direkten Vergleich zu Rammstein sind Laibach dabei deutlich elektronischer.

Sie haben den Soundtrack zu IRON SKY geschrieben. Mit Spectre haben sie 2014 ein bis heute politisch aktuelles Album herausgebracht, welches von Occupy Wall Street, bis Whistleblowing und dem drohenden Zusammenbruch Europas alles thematisch abdeckt, was in den letzten Jahren weltbewegendes passiert ist. Ich habe paradoxerweise immer etwas weniger Angst vor der Zukunft wenn ich dieses Album höre, weil es mir dabei hilft die eigene Zeit in einem Gesamtkontext zu sehen. Wenn unsere Vorfahren Weltkriege überlebten, überleben wir auch Wirtschaftskriege und kulturelle Veränderungen wie sie z.B durch Flucht und Islam entstehen werden.

Anspieltipps: Resistance is Futile, No History. Dabei eine Uniform des faschistischen Lieblingsregimes eigener Wahl anziehen.

 

Demons Run Amok - Fest

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