Start Interviews 5 Sho(r)ts: Das Zufallsinterview #5 – Axel Kurth (WIZO)

5 Sho(r)ts: Das Zufallsinterview #5 – Axel Kurth (WIZO)

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Axel Kurth (WIZO)
Axel Kurth (WIZO)

Weiter geht es in der Interview-Reihe mit den zufällig gezogenen Fragen. Wie immer und auch in Zukunft zog auch dieses Mal der/die Interviewpartner*in oder auch die komplette Band fünf Fragen aus der Box, ohne eine Ahnung zu haben, was drauf stehen wird.

In eigener Sache will ich hier auch noch kurz anmerken, dass dies mein 100. Beitrag auf AWAY FROM LIFE ist. Somit „Jippiejuche“ und so. Daher zu diesem Jubiläum ein ganz besonderer Gast…

#5: Axel Kurth (WIZO)

Seit mittlerweile deutlich über 30 Jahren ist der Schwabe Axel Kurth mit seiner Band WIZO aus dem deutschsprachigen Punkrock nicht mehr weg zu denken. Selbst in den USA machten sich die Sindelfinger einen Namen und erlangten durch ihre Veröffentlichungen auf Fat Wreck Chords internationale Bekanntheit. Trotzdem wird weiterhin auf dem guten alten Hulk Räckorz veröffentlicht. Freut euch auf ein schönes Interview mit dem Frontmann des WIZOs:

1Kategorie „SERIOUS“: Bist du Mitglied einer Organisation gegen Rassismus, Antisemitismus oder andere Diskriminierungen oder supportest du solche?

Axel: Ich bin Mitglied von verschiedenen Sachen. Rote Hilfe zum Beispiel. Ich supporte aber regelmäßig mit Spenden alle möglichen regionalen und überregionalen Projekte, grad Seawatch, Sea Eye, Sea Life…alles mit Sea. Also ich supporte wirklich gerne. Aber dass ich jetzt einen festen Mitgliedsbeitrag zahle…für diversen Journalismus zahle ich Mitgliedsbeiträge und eben für Rote Hilfe. Wow, da muss ich direkt etwas überlegen, was ich alles mache. Wenn mir was gefällt, unterstütze ich das. Aber ich habe zum Beispiel jetzt kein so ein Ding, wo ich mich direkt einbringe. Ich könnte ja auch in Antifa-Gruppen bei uns in Stuttgart arbeiten, aber da habe ich mich vor Jahren schon rausgezogen, weil ich festgestellt habe, das ich andere Skills besitze. Ich kann ja auf ner Bühne stehen und agitieren und das da eben nutzen. Im Zusammenhang mit dem politischen Diskurs glaube ich, dass ich ein besseres Sprachrohr abgebe, als wenn ich in irgendeinem Plenum sitze und irgendwelche Dinge mache, die vielleicht auch wertvoll sind. Und dann kommt noch dazu, dass ich ungerne auf Demonstrationen gehe, denn ich werde da immer so grantig. Das tut keinem nen guten Dienst.

2Kategorie „SERIOUS“: Krieg ist…

Axel: Ein Geschäft. Krieg ist unglaublich. Also ich gehöre ja zu den Menschen, die hoffentlich noch in der Überzahl sind, hier in der voguen deutschen Gesellschaft, die überhaupt nicht klar kommt auf dieses Kriegsvokabular, welches im Rahmen mit dem Ukraine-Konflikt jetzt wieder Einzug erhalten hat. Dass wir uns über Fronten und Flanken und Haubitzen und Mords-Geräte, die nur dazu da sind, um noch mehr Menschen auszulöschen, in einer vermeintlich seriösen Art unterhalten und dabei immer wieder komplett ausblenden, dass es das Unsinnigste, Unzivilisierteste, Ungeheuerlichste ist, dass sich Menschen organisiert gegenseitig in Uniformen stecken und sich ermorden und Menschenleben nehmen und Familien zerstören. Und das in nem 21sten Jahrhundert, wo zumindest in der Theorie alles vorhanden ist, um empathisch und vernünftig miteinander zu kommunizieren. Also ich bin nach wie vor komplett vorn Kopf gestoßen. Ich weiß noch wie es war, als 1992 der Golfkrieg war. Das habe ich damals sehr intensiv empfunden. Oder auch der Jugoslawien-Krieg, also als bei uns die Leute, die bei Daimler in Sindelfingen gearbeitet haben. Die haben sich am Freitag ins Auto gesetzt, sind nach Bosnien gefahren und sich gegenseitig zu beschießen und dann am Montag sind sie wieder in der Arbeit gestanden. Mir fehlen da echt die Worte. Weißt du, ich bin ja auch Kriegsdienstverweigerer. Ich war damals mit Kumpels wirklich in so Verhandlungen, wo es drum ging, mündlich zu verhandeln, wenn die schriftliche Verweigerung nicht durch ging. Da war dann so ein Dude mit so Fragen wie: Was würden sie denn machen, wenn so ein Russe mit einem Maschinengewehr ihre Frau vergewaltigen will und sie hätten zufällig eine Kalashnikov? Würden sie da nicht schießen? Und dann dachte ich: How Mittelalter can it be? Also das alles ist für mich Krieg.

3Kategorie „FUN“: Wenn du ein Film wärst, welcher und warum?

5 Shots Bild

Axel: Ich bin ja in unsere Band der, der gerne gute Filme mag. Ich mag auch gern trashige Filme, bin ein großer Horrorfilm-Fan. Aber im Überangebot der letzte 10 bis 15 Jahre, hat meine Filmleidenschaft extrem gelitten. Ich konsumiere ganz wenig, so wie ich auch kein gedrucktes Wort kaufe. Ich lese nur noch online. Somit hab ich eigentlich wenig Muse mir Filme anzukucken und hab dadurch auch wenig Identifikation mit filmischen Werten. Der WIZO hat auch wenig Videos gemacht, weil ich diese visuelle Komponente nicht so fühle. Und deswegen, wenn du mich jetzt fragst, welcher Film ich gerne wäre, dann würde ich was nehmen, was cool klingt. Frühe Peter Jackson waren sensationell. Mein (vielleicht) Lieblingsfilm ist ein megacooler Film aus den frühen 70ern. Den hat Bernhard Wicki produziert, der heißt Das Falsche Gewicht, mit einem unfassbar geilen Helmut Qualtinger in der Hauptrolle. Das war so ein sehr bärbeißiger österreichischer Schauspieler. Der hat auch Songs gemacht. Unfassbar böse Songs aber richtig gut mit Andre Heller zusammen. Sowas würde ich wohl sagen. Aber ganz ehrlich, ich hab keine emotionale Komponente zu filmischer Umsetzung.

4Kategorie „SERIOUS“: Wenn ich homophobe Sachen höre, dann…

Axel: Zum Glück hab ich mir meine Bubble so gestaltet, dass ich nur wenige Menschen um mich herum habe, die solche Sachen vielleicht von sich geben würden. Aber wenn ich tatsächlich, zum Beispiel im Supermarkt, Zeuge von sowas werde, dann provoziert mich das sofort von 0 auf 100. Dann muss ich sofort was raus hauen. Entweder was extrem provokantes in die Richtung, wo ich auch gerne thematisiere, dass mir das nix ausmachen würde, wenn ich ihm einen Blasen würde oder irgend so ein Scheiß. Ich greif da wirklich in die unterste Schublade. Homophobie von einem Menschen im 21. Jahrhundert, das ist ungefähr wie Krieg. Welchen Schuss hast du da nicht gehört? Was nimmt dir denn ein Mensch, der vor hat, einen anderen Menschen gut zu finden als das Geschlecht, dass du für geeignet hältst. Was nimmt der dir weg? Wo ist die Bedrohung? Manchmal kommt direkt Mitleid bei mir auf. Aber wenn es tatsächlich jemand benutzt, um sich zu profilieren und nen „geilen“ schwulenfeindlichen Witz zu machen oder wenn Einer über Frauenfußball sagt, das heißt doch nicht Frauenfußball – was eigentlich eh schon ein sehr schwieriges Wort ist, denn es ist Fußball -, das heißt doch Lesbenschubsen, dann kriegt so einer von mir sofort eine auf die Glocke. Ich schreck da wirklich nicht davor zurück, in die unterste Kategorie zu gehen und zu sagen: Bloß weil dein Pimmel zu klein ist und du Angst vor coolen Frauen hast, musst du dich nicht einscheißen. Also ich werde da so richtig böse, richtig grantig. Das ist mir dann auch egal, ob ich in der Minderheit bin. Kann eh von Glück reden, dass ich da nicht öfters aufs Maul krieg. Aber anscheinend beeindruckt es die Leute doch, wenn man ein großes Maul hat. Ich habe auch sehr viele queere Menschen um mich rum und ich finde es auch selbstverständlich, heutzutage zu gendern. Ich finde es auch selbstverständlich, die zwei von Gott gegebenen Geschlechter, die im Ausweis stehen, komplett in Frage zu stellen. Es gibt mehr Geschlechter. Diese Unterteilung kann keinem Menschlein gerecht werden. Ich bin da sehr auf Krawall gebürstet.

5Kategorie „MUSIC“: Wie hat die pandemische Situation eure Band beeinflusst? 

Axel: In mehrerlei Hinsicht hat sie uns beeinflusst. Wir sind noch weit davon entfernt, das aufgearbeitet zu haben, was die Pandemie mit uns gemacht hat. Es ist ein zentrales Thema bei WIZO-Konzerten auf dieser Festival-Rutsche. Ich hatte vor den Konzerten die Wahl, wie ich mit den Leuten kommuniziere. Es gab doch eine sehr starke Verunsicherung, weil viele Leute aus unseren Bekanntenkreisen abgerutscht sind und plötzlich mit irgendwelchen Querschwurblern auf Blödsinns-Demos mit Nazis rum marschiert sind. Also extrem erschütternde Erlebnisse aus dem unmittelbaren Bekanntenkreis mussten wir da machen. Das hat bei mir dazu geführt, dass ich in der gesamten Pandemiezeit kein einziges neues Lied geschrieben habe, weil ich immer noch auf der Suche bin nach nem Konsens, wie kann ich mit den Leute reden. War kann ich immer noch voraussetzen? Wo ist die Eben, auf der man sich unterhalten kann? Das hat mich echt erschüttert. Dann natürlich, ganz praktisch, mussten wir unsere Tour 2021 absagen, die kurz vor der Veröffentlichung stand. Wir hätten 36 oder 37 Konzerte gespielt, das wäre die fetteste Tour ever gewesen, die wir gespielt hätten. So wie wir das lieben. Viele Regionen in denen wir immer oder auch noch nie besucht haben. Alles in nem ganz kompakten Zeitraum, was auch wichtig ist, da unser Bassist ja in LA wohnt und wir den immer für nen kurzen Zeitraum nach Europa holen. Das wär ne super Tour gewesen und da habe ich mich riesig drauf gefreut. Ich hatte neue Songs am Start, die hätten wir dann auch rechtzeitig veröffentlicht. Das ist uns halt alles um die Ohren geflogen. Aber wir haben als Band glücklicherweise keinen Stress gehabt, weil die Tour noch nicht angekündigt war. Es war kein Ticket im VVK, wir hatten quasi echt Glück. Wenn ich das bei Kumpels aus anderen Bands sehe, die da wirklich richtig Einschnitte hatten dadurch… Wir haben halt einfach nur „noch“ kein Geld verdient gehabt. Es hat natürlich auch dazu geführt, dass wir uns durch die Pandemie nicht mehr gesehen haben. Wir sehen unseren Basser ja für mehrere Wochen normalerweise und den hatte ich dann mal zwei Jahre nicht gesehen. Unsern Schlagzeuger auch nicht viel, obwohl der nur ein paar Käffer weiter wohnt… Also die Einschränkungen im sozialen und musikalisch-künstlerischen Bereich waren schon auch vorhanden. Aber das ist ja nix, was nicht jeder andere Mensch auch erlebt hat. Die pandemische Situation führt aber nach wie vor dazu, dass wir dieses Jahr nur Festivals spielen, da alles andere unplanbar ist. Man sieht es ja deutlich an den ganzen Kapellen, die ihre geplanten Touren im Herbst absagen müssen, weil halt der VVK so scheiße ist. So hat uns also die pandemische Situation beeinträchtigt. Außerdem haben wir mittlerweile alle drei Covid gehabt. Wir haben Anfang des Sommers ganz schnell gespürt, dass das ein ganz schönes Gezocke wird. Wir müssen hoffen, dass es uns nicht von der Bühne fegt und dass wir nicht auch was absagen müssen. Wir haben jetzt, toitoitoi, Glück gehabt. Ralf hatte seine Infektion im Mai sowas, Alex und ich hatten es nach den ersten beiden Festivals. Wir hatten aber zum Glück drei Wochen bis zum Ruhrpott Rodeo, um wieder fit zu werden. Unsere ganze Crew ist auch schon fast komplett infiziert gewesen. Wir wollen uns auch alle schnellst möglich ne vierte Impfung holen, denn wir wollen die Konzerte nicht gefährden. Also alles dafür tun, dass wir die jetzt noch angesagten Konzerte alles spielen können, was für uns auch selbstverständlich ist und was mit dem Respekt vor den Leuten zu tun, die sich da drauf freuen. Und das ist die Pandemie.

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