Vor einigen Tagen haben Arrested Denial ihr drittes Album Nirgendwo Angekommen veröffentlicht. Viel Zeit, ca. acht Jahre, sind seit der letzten Veröffentlichung ins Land gegangen. Neben einem ausführlichen Gespräch über die letzten Jahre wurden auch gekonnt alle möglichen Fettnäpfchen mitgenommen.
Über die Jahre habe ich Arrested Denial tatsächlich immer falsch ausgesprochen, aber wer weiß das schon bei diesen ganze Punkbands, die teilweise seltsame Eigennamen und teils noch seltsamere Aussprachen der Bandnamen haben. Nun aber genug Vorgeplänkel, es wartet schließlich ein ausführliches Interview.
AFL: Danke, dass ihr euch die Zeit genommen. Ich habe auch schon gesehen, in den Credits habt ihr auch den Gunnar und Simon von AWAY FROM LIFE gegrüßt. Das hat mich tatsächlich sehr gefreut.
Valentin: Kritik ist angekommen. Wir werden dich selbstverständlich das nächste Mal mit in die Credits aufnehmen.
AFL: Ich meine, wir hatten ja vorher noch keinen Kontakt, deswegen lasse ich euch das nochmal durchgehen. Durch das Feature mit Alarmsignal und Labelwechsel zu Bakraufariat Records sind bestimmt einige Menschen auf euch aufmerksam geworden, die euch vorher nicht kannten. Stellt euch daher doch gerne vor.
Valentin: Wir sind Arrested Denial auf dem Label Bakraufariat Records – so jetzt haben wir die komischen Namen schonmal durch. Wir haben uns Ende 2009 gegründet und seitdem etwas Mucke gemacht. Jetzt kommt unser dritter Longplayer, wir haben aber auch bisher eine Demo EP und noch eine 7“-Split mit Bajonets rausgebracht. Außerdem gab es so ungefähr vier Touren bisher: Einmal Balkan, einmal China und zweimal Europa. Plus natürlich die üblichen Weekender-Konzerte.
Musikalisch findet man uns bei melodiösen Easy Listening Punkrock mit Texten zwischen Depression und Politik.
Daniel: Und ab und zu mal Off-Beat und hier und da taucht eine kleine Trompete auf.
Valentin: Mittlerweile.
Das Album ist tatsächlich mit dem Arbeitstitel Album 2021 gestartet.
AFL: Du, Valentin, hattest ja in dem Short, was glaube ich heute oder gestern noch veröffentlicht wurde ein paar Songs schon mal vorgestellt…
Valentin: Ich sitze sogar an derselben Stelle und es ist schon wieder dunkel.
AFL: …Du hattest gesagt, der dritte Song auf der Platte, das ist ja schon fast Grindcore für euch. Also ihr seid eigentlich eher, wie du so schön gesagt hast im Mid-Tempo unterwegs, aber durchaus auch mal ein bisschen schneller. Manchmal findet man auch ein paar Ska-Elemente.
Valentin: Genau.
AFL: Die letzte Platte Frei.Tal ist jetzt acht Jahre her. Das ist schon relativ lange und wir hatten ja auch mal irgendwie vor zwei, drei Jahren tatsächlich Kontakt, wo ich nachgefragt hatte, wann was Neues kommt. Woran hat es gelegen?

Daniel: Also zum einen war das wirklich so, dass wir direkt nach der Frei.Tal zwei, drei Jahre lang ganz schön viel unterwegs waren für so eine Hobbyband. Wir machen es ja alle nebenher zum Spaß und haben noch richtige Berufe. Und dann kam schon auch irgendwann mal so ein bisschen der Punkt, wo wir alle so ein bisschen fertig waren. Also es hat gedauert, bis das Ganze wieder in Gang gekommen ist und Valentin schreibt ja die Songs alle selbst. Du hast ja auch einfach so ein bisschen gebraucht, um da wieder so in einen Songwriting-Modus zu kommen.
Valentin: Ja, du brauchst da Zeit dafür. Also wenn du irgendwie jedes Wochenende spielst, dann kommst du einfach nicht dazu. Du brauchst da ein bisschen Ruhe und Entspanntheit. Außerdem bin ich recht nerdig, was die Texte angeht. Das dauert bei mir schon länger. Wir sind keine Band, die im Proberaum anfängt zu jammen oder sowas. Ich bin ein langsamer Songschreiber und ich habe die Zeit gebraucht. Dann kam halt das ganze andere Gedöns: Corona und es wurde alles teurer.
Dann gab es noch ein bisschen Verzögerung mit Studio, weil kurzfristig ein Studio weggebrochen ist für den Final Mix. Dann hat da noch ein Text gefehlt. Private Geschichten… Also es kam immer was dazwischen wo man sich dann nur noch an den Kopf gefasst hat und gesagt hat: „Alter, was soll denn das alles?“ Es war schon sehr speziell.
Daniel: Das Album ist tatsächlich mit dem Arbeitstitel Album 2021 gestartet. Das war ursprünglich auch wirklich mal der Plan. Aber eben, als wir schon im Aufnahmeprozess drin waren, sind so viele Sachen noch passiert. Nebenher eben. Jeder hat seinen eigenen Kram irgendwie zu regeln gehabt. Und immer, wenn wir dachten, so jetzt sind wir aber auf der Ziellinie kam wieder irgendwas. Wir haben echt teilweise, glaube ich, alle so ein bisschen die Befürchtung gehabt, dass wir das nie auf die Reihe kriegen.
Wir sind aber sehr glücklich, dass dieses Album geklappt hat und demnächst veröffentlicht wird.
AFL: Ja, tatsächlich schon in einer Woche.
Valentin: Was da jetzt noch alles passieren kann.
Daniel: Oh, ich will es gar nicht wissen.
AFL: Also meine Review schreibe ich morgen. Also habt ihr da noch ein bisschen Sicherheit.
Valentin: Dann müssen wir heute noch freundlich sein im Interview. Du siehst wirklich gut aus.
AFL: Dann gibt es natürlich das Songwriting. Das ist eben auch so eine Sache, die ich an Arrested De…
Valentin: Ja, ja, ja?!
Daniel: Nenn uns einfach Arrested D.
AFL: … Arrested D, die ich schätze, dass ihr euch nicht auf diese klassische Doppelreime, Refrain, Strophe und dann noch eine Bridge beschränkt. Bei dem neuen Album hebt sich der Refrain teilweise gar nicht wirklich ab von den Strophen. Oder auch bei dem Akustikstück, das hat ja nicht mal wirklich einen Refrain im klassischen Sinne. Es ist mehr so Strophe an Strophe. Und ich war tatsächlich auch überrascht, dass das jetzt erst euer drittes Album ist. Also es kommt mir gar nicht so vor, gefühlt habt ihr schon mehr veröffentlicht, trotz der Zeit. Aber lieber Qualität statt Quantität, sage ich immer.
Valentin: Genau das ist immer unser Gedanke.
Das hat einen ganz besonderen Push gegeben. Also sowohl uns, weil es Spaß macht, mit einer Trompete zu spielen. Aber du hast auch im Publikum gemerkt, dass es gleich eine andere Dynamik reinbringt und unsere Musik ein bisschen tanzbarer macht.
AFL: Durch die Jahre gab es gefühlt, glaube ich, ziemlich viele Besetzungswechsel bei euch…
Valentin: Also die Besetzung ist eigentlich immer gleich. Wir haben lediglich die Bassisten Position immer mal wieder durch getauscht. Die Grundbesetzung bei uns ist immer gleich gewesen. Das war Daniel am Schlagzeug, ich Gesang und Sascha an der Gitarre. Das ist seit Tag eins gleich. Wir haben nur Bassisten Wechsel gehabt.
AFL: Dann ist es wohl auch das Alter, weshalb ihr dann einfach anders ausseht.
Daniel: Ich habe die Frisur auf jeden Fall schon achtmal gewechselt. Vielleicht war das das Problem.
Valentin: Meine Haare sind gerade auch sehr lang.
Daniel: Der Bass wurde häufiger gewechselt. Und seit Anfang letzten Jahres haben wir Pip fest an der Trompete. Das war ein langer Prozess, bis wir gemerkt haben, wir wollen das und wir brauchen das. Früher haben wir uns Ulf von Rantanplan ausgeliehen. Den hätten wir auch gerne öfter mal live dabeigehabt, was aber häufig terminlich nicht geklappt hat. Aber wenn er dann dabei war, war das ein sehr, sehr geiles Gefühl. Das hat einen ganz besonderen Push gegeben. Also sowohl uns, weil es Spaß macht, mit einer Trompete zu spielen. Aber du hast auch im Publikum gemerkt, dass es gleich eine andere Dynamik reinbringt und unsere Musik ein bisschen tanzbarer macht.
Und da haben wir uns gesagt: „Okay, wir brauchen jetzt eine Trompete.“ Das hat aber auch ewig gedauert, bis wir da jemand gefunden haben. Sicher anderthalb Jahre oder so. Dass es mit Pip geklappt hat, das ist echt super. Also das macht auch richtig Spaß jetzt.
Mad Butcher ist schon relativ fokussiert auf den Punk und eher den Skinheadbereich. Recht viele italienische Glatzen-/Skabands.
AFL: Mit der Ankündigung von Pip an der Trompete habt ihr die Menschen direkt beruhigt und gesagt, dass ihr jetzt keine Ska-Band seid. Warum dieser kleine Hinweis am Rande? Und doch startet die Platte mit einer Ska-ähnlichen Nummer, von wegen: Hey, wir haben jetzt eine Trompete in der Band.
Valentin: Bist du dir da sicher? Ich glaube nicht, dass wir diesen Hinweis gegeben haben. Also ich könnte mir vorstellen, geschrieben zu haben, dass wir keinen Trompeten-Punk machen. Das ist Musik, die ich nicht sonderlich mag. Aber Ska glaube ich nicht.
Daniel: Kann auch gut sein, dass wir keine Ska-Punkband geworden sind.
AFL: Ja, irgendwie in die Richtung. Aber ich frag mich immer, warum haben die Punker alle was gegen Ska?
Valentin: Also wir haben nichts gegen Ska. Ich erinnere mich dunkel. Ich glaube, wir werden immer mal wieder so konfrontiert mit: „Trompete passt mir nicht“. Bei uns sind das schon die Offbeat-Ska Songs oder Trompetensongs, die sind eigentlich alle auf Basics von 60er Jahre Earlly Reggae. Das ist mein Metier. So ab den 70er finde ich es schon fast nicht mehr hörbar.
Außerdem bin ich, mit Ausnahme natürlich von Operation Ivy, kein Riesen Freund von Ska-Punk tatsächlich. Wenn es dann tatsächlich in Richtung Trompetenpunk geht, so eine weitere Bezeichnung ist, da stecke ich nicht mehr wirklich drin. Deswegen haben wir das wahrscheinlich einmal dazu geschrieben, damit keine Missverständnisse entstehen. Weil das, was wir mit Trompeten machen, sind drei vier Akkorde, 60er Jahre Reggae und nichts anderes.
AFL: Ich war jetzt auch nicht so beunruhigt, weil ihr schon hier und da eine Trompete drin hattet.
Daniel: Wir wollten auch so ein bisschen den Leuten sagen: Hey, das heißt jetzt nicht, dass auf jedem Song jetzt plötzlich eine Trompete drauf ist und wir nur noch solche Songs haben. Ganz am Schluss bleibt das alles vier Akkorde Street-Punk und es gibt ein paar Songs mit Trompete und vielleicht jetzt auch mehr live mit Trompete als früher.
Einfach weil sie Spaß macht und passt. Aber es ändert sich jetzt nichts grundlegend an unserer Musik dadurch.
AFL: War dann auch der Hintergedanke mit wir haben jetzt jemanden fest an der Trompete, dann direkt den ersten Song, den Opener quasi innerhalb der ersten Sekunden mit einer Trompete einzuläuten?
Valentin: Das war eigentlich folgerichtig. Bei einem Opener überlegst du immer, was du machst. Auf der letzten Platte haben wir einen schnelleren Song genommen. Einfach erstmal einmal in die Fresse und dann kommen die langsamen Songs.
Diesmal hat es sich angeboten. Man hat halt einmal alles kurz abgedeckt. Der Song ist fluffig, der ist uns auch früh hängengeblieben. Der funktioniert live bestimmt auch gut.
Daniel: Den spielen wir auch schon relativ lange immer wieder mal live und merken da auch, dass er bei den Leuten echt ziemlich direkt ankommt. Was ich auch noch daran mag ist, dass er eben sofort loslegt. Und dann halt Trompete. So ein bisschen wie so eine Fanfare zum Beginn des Albums. Das finde ich immer ganz cool.
Wir arbeiten ja immer mit sehr vielen verschiedenen Melodielinien übereinander und jetzt weniger mit typischen Rock-Riffs und -Dreck.
AFL: Dann seid ihr jetzt bei diesem Label mit dem ganz seltsamen Namen. Ihr wart vorher mit euren beiden Alben bei Mad Butcher Records. Church On Friday war ein Self-Release. Ich habe die CD auf jeden Fall irgendwo noch rumliegen.
Valentin: Die wird irgendwann noch viel wert sein.
AFL: Ich höre euch tatsächlich schon echt lange schon. Da kommen wir später noch zu einem Punkt, der mir heute immer noch wehtut. Wie kam es dazu, dass ihr das Label gewechselt habt?
Valentin: Irgendwann braucht man einfach mal einen Tapetenwechsel. Mad Butcher ist schon relativ fokussiert auf den Punk und eher den Skinheadbereich. Recht viele italienische Glatzen-/Skabands. Was grundsätzlich alles völlig in Ordnung ist, aber wir wollten dadurch, dass es sich doch musikalisch bei uns auch immer so ein bisschen erweitert hat, was Neues ausprobieren. Mad Butcher hat seine Kanäle, die auch cool gefeuert haben, aber wir wollten einfach mal so ein bisschen über den Tellerrand rausgucken und das hat sich wieder ganz gut angefühlt. Auch in den Vorgesprächen.
Bakraufarita hatten uns schon viele Jahre tatsächlich auf dem Tacho. Die haben uns auch schon bei der Frei.Tal damals angefragt, ob wir nicht Bock hätten, die da zu machen. Aber dann hatten wir Angst, dass Mike uns verprügelt.
Nein, zu dem Zeitpunkt war bei Mad Butcher alles ok. Das war alles so knapp vor Release. Die haben uns aber lange auf dem Tacho und diesmal haben wir dann gesagt: „Ach komm, jetzt schauen wir mal.“ Nichts gegen Mike und Mad Butcher, da ist alles gut. Er ist super, auch wenn er das nicht gerne gehört.
AFL: Bei dem Label seid ihr jetzt auch in sehr, sehr guter Gesellschaft. Ich weiß jetzt nicht genau, was für Bands da sind, aber es ist schon ein guter bunter Haufen.
Valentin: Ich auch nicht.
Daniel: Ich kann da ein zwei Sachen zu sagen. Da sind zum Beispiel die Toten Crackhuren im Kofferraum. Detlef sind auf jeden Fall da.
Valentin: Die Ausreden sind auch da.
Daniel: Genau! Wir spielen in Berlin die Releaseparty mit den Ausreden. Die Ausreden, die sind auch lustig, haben ein Album im Kosovo aufgenommen, was ich auch abgefahren find. Also da sind ein paar coole Bands. Vor allem haben die halt gezeigt, dass sie echt gute Arbeit machen.
AFL: Nirgendwo Angekommen wirkt auf mich etwas generischer vorangegangene VÖs. Bisher versprühte Arrested Denial immer eine gewisse Weite, Fernweh und Leichtigkeit. Ist für mich tatsächlich so ein Gefühlsding, dass sich schwer in Worte fassen lässt. Am ehesten lässt sich das mit den Musikvideos von euch verbinden, die zumeist ja Momentaufnahmen von euren Touren im Ausland sind. Nirgendwo angekommen wirkt dabei doch ein wenig wie Ankommen. Mehr Punkrock, weniger Street. Teilt ihr die Auffassung?
Valentin: Also ich kann dir nicht so hundertpro folgen, was du damit meinst. Also ob du das musikalisch oder inhaltlich meinst. Also er im Sinne von, dass die Texte jetzt nicht mehr so konkret sich auf ein Thema beziehen oder wie meinst du das?
AFL: Ich würde doch eher so ein bisschen in die musikalische Richtung gehen. Auf Frei.Tal, aber auch auf der Platte vorher waren das sehr, sehr weite Gitarrenparts, sehr viel Orgel irgendwie dazwischen. Das ist jetzt ein bisschen, sag mal, ein bisschen kondensierter.
Valentin: Finde ich jetzt rein vom Songwriting her eigentlich nicht so. Natürlich ist das eine gewisse Weiterentwicklung, die man macht. Es ist diesmal noch ein bisschen nerdiger. Wir arbeiten ja immer mit sehr vielen verschiedenen Melodielinien übereinander und jetzt weniger mit typischen Rock-Riffs und -Dreck. Da ist doch noch mal ein bisschen mehr los.
Aber die Grundbasics haben sich aus meiner Sicht nicht verändert. Ich bewege mich immer relativ bewusst in unserem vier fünf Akkorde Schema und fühle mich wohl. Ich muss auch nicht plötzlich irgendwelche Jazzsachen da reinbringen, damit ich mal was anderes gemacht hab. Rein aus Songschreiber Sicht eigentlich nö.
Daniel: Ich habe die Songs ja nicht geschrieben. Ich glaube, dieses kondensiert ist vielleicht gar nicht so falsch. Wobei ich es eher als was Positives empfinde. Die Platte kommt sehr auf den Punkt. Bei ganz vielen Sachen früher war es vielleicht hier und da mal auch ein bisschen ausschweifend.
Jetzt bei der neuen Platte habe ich das Gefühl, das hat alles so seinen ganz klaren Kern. Und der ist auch sofort irgendwie ersichtlich, ohne dass wir noch mal so 20 Schichten wegschälen müssen. Es ist etwas weniger sperrig als früher.
Valentin: Ja, wenn ich das unter dem Aspekt sehe, dann passt das. Ich habe tatsächlich einige Songideen weggelassen oder wieder verworfen. Also ich habe sie nicht verworfen, aber ich habe so Sachen weggelassen, die die Leute wahrscheinlich nicht verstanden hätten. Ich wollte eine relativ glatte Platte haben und diesmal keine mega Experimente drauf. Auf der letzten Platte Frei.Tal war ein relativ metallischer Song der Titelsong.
Der war für unsere Verhältnisse relativ ungewöhnlich depressives metallisches Songwriting. Da war noch ein anderer Song drauf Alles bleibt gleich, der in der Mitte einen Moshpart und Synthies drin hatte. So ein Gedöns habe ich bewusst weggelassen.
Ich habe ein zwei solcher Songs in der Schublade, die ich auch nach wie vor geil finde. Aber ich dachte mir: Lass mal jetzt lieber ein straightes Album machen und die Leute nicht mit meinen privaten Hörgewohnheiten überfordern, weil dafür kann man das ja vielleicht auch mal woanders verwursten. Oder auf einer B-Seite oder wenn wir irgendwann mal einer zur Post-Metal Band werden.
Daniel: Aber ich finde auf der anderen Seite der letzte Song Nirgendwo. Angekommen. macht auch wieder eine völlig neue Welt auf. Ich finde, dass es bei der Platte bei vielen Songs so ist, dass sie ganz klar das sind, was sie sind. Offbeat Antifa, der ist ganz klar ein kurzer, prägnanter Reggae-Song mit viel Gepöbel. Das mag ich an der Platte gerade ganz besonders.
Valentin: Wunderschöne Anekdote zu diesem Antifa Song. Den Text hatte ich schon sehr lange genau im Kopf. Das sollte auch wieder ein ganz Basic Reggae Song werden, so Richtung 60er werden. Wirklich ganz einfach mit drei Akkorden und ich hatte die Melodie im Kopf. Diese Songs leben nur von den Melodien und wir haben den lange gespielt, ohne dass ich den Text fertig hatte. Meine ganzen Bandkollegen sind wahnsinnig geworden, weil in diesem Song musikalisch nichts passiert. Das war dermaßen kompliziert, den zu spielen, weil einfach keine Sau nach einer Minute noch wusste, wo wir jetzt eigentlich sind, weil die Parts sich einfach nicht unterschieden haben.
Das war glaube ich, der letzte Text für die Platte, den ich gemacht habe. Der war erst vier Wochen vor Aufnahme fertig und dann wurde überhaupt erstmal mit der Band geprobt. Bis dahin war das eine völlige Blackbox, was wir da gespielt haben.
Daniel: Bei jedem Teil des Textes denkst du: ‚Ist das jetzt der Teil oder noch der Teil davor? Ist aber ganz geil. Auch das Intro, das hat einen ganz klaren Charakter.
AFL: Ich finde, du hast es tatsächlich für mich jetzt auch gut auf den Punkt gebracht. Das Album ist mehr auf den Punkt. Gerade bei vorangegangenen Veröffentlichungen war das nicht unüblich, dass die Songs ja ganz gerne über die vier Minuten Marke hinausgegangen sind. Was ich jetzt gar nicht mal so schlecht fand, weil das ist dann eben das seid ihr. Und das Schöne an eurer Musik ist, finde ich zumindest, dass man die auch noch in zwei, drei, vier oder meinetwegen auch acht Jahren hören kann und dann immer noch neue Sachen entdecken kann.
Valentin: Deswegen haben wir so lange gewartet mit der neuen Platte.
Daniel: Man braucht auch echt so viel Zeit, um die Platte zu verstehen.
Wir haben mit Englisch angefangen. weil alle aus anderen Bands kamen, die wie in meinem Fall sehr inhaltslastig waren – in meinem Fall Polit-Hardcore und ich wollte was entspanntes machen. […] Ich sehe keine Notwendigkeit, da zurückzugehen.
AFL: Leider habt ihr keine englischsprachigen Songs mehr veröffentlicht. Ist das wirklich so ein Ding, was vorbei ist oder kann ich weiterhin hoffen, dass ihr irgendwann noch mal englischsprachige Songs veröffentlicht? Denn ihr seid eine dieser wenigen Bands, die diesen Spagat mit englisch- und deutschsprachigen Songs geschafft haben.
Valentin: Also du sprichst seit Jahren unseren Bandnamen falsch aus und möchtest, dass wir wieder englische Texte schreiben? Kannst du das ein bisschen erläutern?
Wir haben mit Englisch angefangen. weil alle aus anderen Bands kamen, die wie in meinem Fall sehr inhaltslastig waren – in meinem Fall Polit-Hardcore und ich wollte was entspanntes machen. Einfach nur Storytelling Texte und deswegen haben wir damit angefangen. Aber das hat mich dann doch nach drei, vier Jahren auch wieder genervt. Ich habe mir gedacht, so ein bisschen was hat man aber auch wieder zu sagen. Und so kam der Switch. Ich sehe keine Notwendigkeit, da zurückzugehen.
Es liegt mir tatsächlich auch nicht mehr, weil ich mich sehr gerne mit deutschen Texten austobe und ich mich mit der Sprache am besten ausdrücken kann. Ich mag das bei unseren Texten schon immer. Da sind viele Wortspielereien drin, das ist viel Spiel mit Sprache und ich höre sowas selber gerne. Ich mag es, wenn jemand Texte schreibt, wo ich ein bisschen was mir dazu denken kann oder auch nicht.
Und das wäre bei englischen Texten nicht der Fall. Wenn ich deutsche Bands mit englischen Texten höre, dann interessiert mich das überhaupt nicht. Es gibt Platten, die höre ich seit Jahren. Ich habe keine Ahnung, wovon die singen, obwohl ich wahrscheinlich die Texte auswendig kann. Aber es interessiert mich auch nicht. Wenn sie was zu sagen gehabt hätten, dann hätten Sie auf Deutsch geschrieben.
Das klingt natürlich auch wieder ziemlich wie vom hohen Ross. Kann jeder machen, was er will. Ich verstehe das auch, weil Englisch in manchen Musikgenres einfach besser flutscht. Im Hardcore zum Beispiel. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass im brachialen Bereich, gerade im New School Bereich, es wesentlich leichter ist auf Englisch.
Deutsch ist eine härtere Sprache und das ist teilweise gesanglich komplizierter umzusetzen. Das verstehe ich. Habe früher schließlich auch englisch getextet. Da ist das sinnvoll. Und wenn du generell, ein internationales Publikum anspricht, vielleicht was auch genrebedingt ein Stück weit ist, ja auch dann versteh ich das. Ich glaube aber, in der Nische, in der wir uns da so rum tummeln, bin ich happy damit. Und ich glaube, es wäre langweiliger, wenn wir englische Texte schreiben würden.
AFL: Ich kann damit leben. Ich habe die alten Songs von euch, die auf Englisch sind und die neuen Sachen. Irgendwann ist ein gewisses Kapitel vielleicht auch einfach abgeschlossen. Dafür gibt es dann die alten Veröffentlichungen, die man sich anhören kann. Spielt ihr denn noch englischsprachige Songs live?
Valentin: Ich glaube, zwei haben wir noch drin. Wir spielen Shade, weil wir den einfach mögen, der macht irgendwie Laune. Der ist für unsere Verhältnisse auch ein schneller Song. Und Move On, das ist ein Ska Song, den wir seit Jahren spielen. Da hätte ich jetzt aus dem Stehgreif fast gar nicht mehr sagen können, ob der in Deutsch oder Englisch getextet wurde. Wir spielen den so häufig, es gab noch kein Konzert, wo wir den nicht gespielt haben.
Daniel: Ja, wir haben Confession ab und zu mal noch gespielt. Aber das ist immer ein bisschen eine Hassliebe. Wir finden den Song super, aber so richtig funktioniert er nicht. Außerdem waren einige englische Songs damals von unserem ersten Bassisten, der eher so aus der Skatepunk Melodik Punk Ecke kam und inzwischen sind die viel zu schnell für uns.
Valentin: Was findest du denn so an englischen Texten?
AFL: Das ist einfach dieses Spiel, diese Weite, diese Offenheit, dieses Fernweh, was ihr damit übertragt. Gerade auf dem ersten Album ist es noch relativ ausgeglichen mit Englisch und Deutsch. Wie du schon sagst, wenn auf Deutsch gesungen wird, hat es noch mal eine ganz andere Bedeutung. In der Regel geht es viel tiefer, weil man mit der deutschen Sprache viel besser arbeiten kann, als mit der englischen. Und ich komme ursprünglich aus dem Deutschpunk. Das ist so das, was ich am liebsten höre. Ich finde, Ihr schafft diesen Spagat so gut oder habt ihr zumindest so gut geschafft.
Daniel: Das fand ich schon auch lustig, eine gemischtsprachige Platte rauszubringen. Das ist ja trotz allem auch unser Ding, dass wir auch oft sagen: „Komm, wir finden das gut, jetzt machen wir das einfach.“ Es wird sicher auch wieder Songs geben, die wieder etwas anders sind. So auch der letzte Track auf der neuen Platte. Und sowas macht uns auch Spaß. Aber wie Valentin schon sagt: Die deutschen Texte haben am Schluss einfach mehr Tiefe.
Ich wollte auch noch nachfragen, damit ich es richtig notiert habe. Jetzt brauchen wir für dich einen sperrigen, englischsprachigen Song mit Reisevideo, oder?
AFL: Ihr besingt auf der neuen Platte die Hamburger Clubs und Hamburg selbst. Ich scheue mich davor, das Wort Lokalpatriotismus zu benutzen. Auf der anderen Seite singt ihr aber auch davon, nicht anzukommen oder die Angst, sich an irgendwas zu binden, da man sonst was verpassen könnte. Wo steht ihr denn gerade im Leben? Wollt ihr als Band immer noch in Ausland? Oder ist es doch ein bisschen so, dass ihr in Hamburg angekommen seid?
Valentin: Die Textzeile ist ja nur eine Momentaufnahme aus einem Song. Und da geht es generell um das Gefühl von Unsicherheit: Ist das jetzt die richtige oder die falsche Entscheidung, die man in seinem Leben trifft? Aber als Band würde ich jetzt nicht sagen, dass wir irgendwo angekommen sind. Von wegen Hamburg ist ja doch ganz cool, oder lass mal ein bisschen in Berlin spielen, das es gemütlicher. Wir haben immer eine hohe Prio gehabt, viel live zu spielen und auch möglichst schräge Ziele ins Auge zu fassen, weil das eine große Bereicherung ist.
Ich meine, wir haben schon Touren gespielt, die jetzt vielleicht für deutschsprachige Alben nicht zwangsweise die erste Wahl sind, um seine Musik zu promoten. Stichwort Frei.Tal, da sind wir auf China Tour gegangen. Das ist finanziell oder promomäßig betrachtet vielleicht relativer Quatsch. Aber man hat von sowas unglaublich viel und die Erfahrungen sind cool. Dafür macht man das. Wir leben ja nicht davon. Als Musiker zahlst du dein ganzes Leben drauf, da kann man sich auch mal einen Urlaub gönnen. Wenn das dann mit der Band ist, ist das eine super Mischung.
Daniel: Genau, ich sehe das auch so bisschen als Abenteuerurlaub, gerade die China Experience. Und ich würde brutal gern mal noch nach Südamerika. Also wenn sich da was ergeben sollte, wären wir immer sofort dabei. Einfach weil es so bereichernd ist.
AFL: Und dann könntet ihr wieder Musikvideos machen, die dann dieses Gefühl von Weite und Fernweh nach außen tragt, wo ich mich dann wiederfinde.
Valentin: Vielleicht fehlt dir auch einfach noch so ein Video zur neuen Platte. Ich glaube, bei dir ist die Wahrnehmung da eher ein bisschen audiovisuell. Das ist die Mischung, weil die Videos jetzt sehr wenig mit dem Inhalt zu tun haben. Wir haben diese alten Videos mit Tourmaterial immer sehr gern gemacht. Ich mag das. Von mir aus könnten wir auch zur ganzen Platte solche Videos machen, denn das sind Dinge, die ich mir selber gerne angucke. Ich brauche keine Storyvideos oder sowas. Finde ich meistens auch eher peinlich und Quatsch. Das wird es sicher wieder geben, aber wir haben auch einfach viel zu wenig gespielt, um ausreichend Backstage Video Content zu haben. Da wird mit Sicherheit ein Video kommen, mit dem wir auch dich glücklich machen. Wir packen auch noch englische Untertitel für dich rein.
Daniel: Ich wollte auch noch nachfragen, damit ich es richtig notiert habe. Jetzt brauchen wir für dich einen sperrigen, englischsprachigen Song mit Reisevideo, oder?
AFL: Ja, genau.
Valentin: Ich denk drüber nach. 2033 kommt ja die nächste Platte. Wir werden dich grüßen und so einen Song unterbringen.
AFL: Dankeschön. Dann kommen wir noch einmal auf Frei.Tal zurück. Auf Frei.Tal sind die letzten Zeilen ein sich immer wiederholendes „Alles wird gut“, ehe sich der Song im Fade-Out verliert. Grundsätzlich finde ich Fade-Outs ziemlich scheiße, weil der Künstler meist keine Ahnung hat, wie er den Song beenden soll, dann geht es halt einfach in den Fade-Out. Aber ihr habt es tatsächlich hinbekommen, dass es funktioniert. Ist denn alles gut geworden in acht Jahren?
Valentin: Also zunächst mal Daumen rauf, Fade-Outs sind der letzte Dreck. Ich hasse das auch. Ganz schlimm. Alles wird gut ist der einzige Song, den wir jemals mit Fade-Out gemacht haben. Der war bewusst gesetzt, weil Plattenende und die Nummer hat ja eher einen Post-Metal-artigen Schlusspart. Es hat einfach gut gepasst. Das ist aber auch nicht einfach nur ein Fade-Out, sondern da habe ich ganz schön rumgekaspert mit dem Studio Typen, weil er das ständig falsch gemacht.
„Nein, nein, das muss erst und dann muss es langsam mal abfallen.“ Aber ich hatte eine sehr, sehr genaue Vorstellung, wie der klingen sollte. Das war Absicht. Sonst finde ich Fade-Outs beschissen.
Daniel: Der Fade-Out macht vielleicht auch deswegen Sinn, weil allein dadurch der Song ein bisschen offen, träumerisch wird. Du hörst zwar immer dieses Alles wird gut, aber du kannst das nicht so ganz greifen.
Das heißt für mich an der Stelle, dass eigentlich gar nicht so ganz sicher ist, ob alles gut läuft. Und da finde ich passt der Fade-Out auf musikalische Art und Weise. Wir haben es dann auch später eingelöst, dass nicht alles gut wird.
Valentin: Der Track ist auch mein Lieblingssong auf der Platte. Eigentlich, glaube ich, sogar mein liebster Song, den ich jemals geschrieben hab. Der ist mir am besten gelungen, hat aber auch einen persönlichen emotionalen Hintergrund, wie der Song entstanden ist. Der war ziemliches Bauchgefühl. Dieses „Alles wird gut“ ist in dem Song auch eher ein etwas verzweifeltes mit Fragezeichen.
Dass man sich sagt: „Irgendwie wird das schon.“ Alles wird gut ist aber keine Aussage, sondern eher ein Fragezeichen. Und das hat sich dann doch leider bewahrheitet, weil es nicht gut geworden ist. Es geht gar nicht konkret um die Band, eher allgemein. Es kommen Einschläge und manche davon sind gar nicht schön.
Daniel: Die Weltlage macht einen auch nicht gerade optimistisch. Dieses Alles wird gut ist ein bisschen unsere Selbstüberzeugungsformel, das alles sich selber noch einmal zu vergegenwärtigen, dass es vielleicht doch alles gut wird.
Viele Leute haben uns tatsächlich als hochpolitische Antifa-Band einsortiert, womit ich überhaupt kein Problem hab.
AFL: Ist die Platte denn mehr auf den Punkt, weil ihr das Bedürfnis hattet, euch noch deutlicher gegen rechts zu äußern?
Valentin: Ich würde gar nicht so sagen, dass die neue Platte irgendwie sonderlich deutlicher ist. Natürlich ist die gesellschaftliche Entwicklung seit Frei.Tal nicht gerade die allerbeste. Auch wenn man ein Gefühl bekommt, wo das hinführen könnte und das möchte man natürlich in einer Art und Weise auch mal artikulieren. Wenn es nach mir ginge, könnte man auch gerne elf Songs gegen Faschismus auf eine Platte packen und das wäre aus meiner Sicht inhaltlich immer noch ne runde Sache. Wir sind sehr durch den Song Nationalisten aller Länder wahrgenommen worden. Mit Sicherheit ist das der mit Abstand bekannteste Song von uns. Viele Leute haben uns tatsächlich als hochpolitische Antifa-Band einsortiert, womit ich überhaupt kein Problem hab. Es ist völlig okay, auch wenn das nicht auf 100 % unserer Textinhalte zutrifft. Trotzdem ist Antifaschismus ein fester Bestandteil der Band.
Deswegen bin ich ein bisschen vorsichtig gewesen, weil ich mich nicht gebetsmühlenartig wiederholen will. Von wegen: „Diese Antifa-Band aus Hamburg labert wieder irgendwas.“ Aber es sind zwei drei Polit-Songs auf der Platte, die in die Richtung gehen. Nichts Zu Bereden war der erste Song, den ich für die Platte geschrieben hatte. Der war tatsächlich auch aus diesem AfD-Bauchgefühl heraus, was mich tierisch angekotzt hat und ich einfach drauf los geschrieben habe. Das war zu der Zeit, wo die ständig in Talkshows eingeladen wurden. Die wollen die GEZ und den Staat abschaffen, aber kommen öffentlich-rechtliche Talkshows und haben da eine Plattform.
Der andere Song ist Mauern. Ich glaube, das Gefühl, was du beschreibst auf dem Song basiert, weil der textlich relativ in die Fresse ist. Das war aber mit Absicht so. Der Song ist ja auch zweigeteilt. Am Anfang ist das eher eine sehr übertriebene, höfliche oder intellektuelle in Anführungszeichen Wortwahl, die dann in der zweiten Strophenhälfte bewusst völlig ins Gepöbel kippt. Ich liebe Gepöbel. Das ist für mich wunderschön, auch wenn andere Menschen pöbeln können. Das musst du erst mal können. Das ist nicht so einfach. Man kann sprachlich wahnsinnig schön über was herziehen. Das war ein bisschen der Ansatz bei dem Song.
Da sind ja durchaus auch Beleidigungen drin, die deutlicher sind. Das wollte ich aber tatsächlich auch einfach mal so rauskotzen. Manchmal fehlen ja die Worte, was soll ich jetzt zu euch nur sagen? Wollen wir erst mal diskutieren? Ihr habt eh nichts zu sagen. Ihr seid doch eh nur destruktiv. Das kann ich auch. Leck mich doch! Das war der Ansatz bei dem Song und ich glaube, der bleibt auch hängen, weil der einfach sehr direkt ist.
Du hast halt deinen Katzenbaum und wir haben Steff.
AFL: Ja, tatsächlich sind es die Beleidigungen, bei denen habe ich schon gedacht, da ist jemand jetzt ziemlich angepisst. Lass uns mal bei diesem Song über das Feature mit Tex sprechen. Es klingt so, dass er seinen Text selber geschrieben hat. Ihr unterscheidet euch derart beim Texten, das ist super spannend zu hören. Dieser Wechsel von dir und deiner typischen Schreibweise und die Schreibweise von Tex. Wie kam es dazu, dass ihr Tex da reingeholt habt?
Valentin: Bei uns sind Gäste immer so eine Sache. Ich habe das. Die sind eigentlich immer persönlich Favoriten gewesen, auch früher schon. Das war immer so ein persönliches Ding, wo man was mit verbindet. Auf Tex bin ich durch den Solosong Nach Berlin aufmerksam geworden. Der Song ist schon etwas älter, hat mich damals aber richtig weggefetzt. Dieser Song ist einfach grandios. Vom Text, von seiner Stimme und der Musik. Also das ist für mich ein perfektes Lied. Der hat mich unglaublich beeindruckt, weil jemand solche Emotionen in den Gesang packen kann. Das hat mich einfach umgehauen. Das war der Auslöser, ihn einfach mal anzufragen. Dass das jetzt der Song geworden ist, das war eher inhaltlicher Natur.
Wir haben wenige Songs, wo Gastgesang tatsächlich passt, weil sie meistens so aus der Perspektive geschrieben sind, dass es in der zweiten Strophe völlig Quatsch wäre, wenn dann plötzlich jemand anderes um die Ecke kommen würde. Das hat dann so einen Kalkofe Moment, also völlig unpassend. Deswegen war die Songauswahl sehr gering. Man könnte jetzt meinen, dass wir das bestimmt gemacht haben, weil das ein Politsong ist und Tex singt auch bei Slime und da muss man solch einen Song nehmen. Aber das war überhaupt nicht der Ansatz. Das kam auch nicht von Slime, sondern ging tatsächlich von seinem Solo Song aus, weil ich den absolut grandios finde. Und beim Text war es eine inhaltliche Auswahl.
AFL: Dadurch, dass ich Slime sowieso nicht höre, habe ich Tex auch nicht wirklich mit Slime verbunden, sondern eher als interessantes Feature gesehen. Im Gegensatz zu dem mit Steff. Das hat mich jetzt nicht wirklich abgeholt. Vielleicht muss ich den Song aber auch noch mehrmals hören, weil ich Alarmsignal sehr schätze. Da ist das Feature mit Text deutlich stärker. Das sind aber auch eure ersten Features, oder?
Valentin: Wir haben zwei Features auf dem Platten davor. Auf Frei.Tal war Hajo von den Oimelz dabei. Ich bin ein riesengroßer Oimelz-Fan, auch wenn wir damit keinen Blumentopf gewinnen können. Das hat ja kein Promo Faktor in dem Sinne. Ich fand die Texte damals grandios, hab die Platten rauf und runter gehört. Das war ein persönliches Anliegen. Und auf der Platte hatten wir ein Feature mit Smegma drauf. Das würde man bei uns vielleicht zwangsweise nicht vermuten, weil Smegma ziemlicher Krawall-Oi gewesen ist. Aber die haben aus meiner Sicht mit Schrammel Oi! die beste deutsche Oi-Platte aller Zeiten rausgebracht und das meine ich auch ernst. Das wird häufig belächelt, aber das Ding ist so unfassbar gut.
AFL: Auf mich wirkt es zuweilen so, dass Features nur gemacht werden, um sich gegenseitig auf dem jeweiligen Label zu promoten. Klingt vermutlich negativer als es ist, aber dennoch kann ich nicht abstreiten, dass mich das x-te Feature echt ein wenig nervt. Wie steht ihr dazu?
Valentin: Ich verstehe den Ansatz total. Aber wie schon vorher angedeutet, es ist einfach was Persönliches. Du musst das mal auch aus der Sicht der Bands betrachten. Für uns ist es halt wahnsinnig cool, wenn wir ein bisschen Abwechslung reinbringen und jemand anderes zum Beispiel einen Song singt oder interpretiert. Das ist einfach ein Spaß, den wir uns von solchen miesepetrigen wie dir nehmen lassen.
Also ist es tatsächlich ein Spaß- und Freundschaftsfaktor gewesen. Speziell mit Steff. Schöne Anekdote noch dazu. Ich kenn Steffi schon lange und wusste fünf sechs Jahre überhaupt nicht, dass der bei Alarmsignal singt. Wir haben mal zusammen auf einem Festival gespielt. Da stand er damals und ich habe ihn gefragt: „Was machst du hier?“ Und er so: „Ja, ich sing bei Alarmsignal.“ „Was?“ Ich hatte die Band überhaupt nicht auf dem Tacho.
Das Feature hat sau gut gepasst und hat richtig viel Spaß gemacht. Und Steff ist ein unfassbar netter, lieber Mensch, den ich wahnsinnig schätze. Und deswegen ist das für mich eine absolut runde Nummer, dass er drauf ist. Du hast halt deinen Katzenbaum und wir haben Steff.
AFL: Tex hat bei Mauern mit an den Lyrics gearbeitet, was man auch deutlich heraushört. Beim ersten Mal hören habe ich da auch direkt Gänsehaut bekommen. Hat Tex seinen Part komplett selbst bzw. autonom beigesteuert?
Valentin: Genau, der Text von Tex war vorher ein anderer. Ich hatte den Song fertig und habe ihm das dann geschickt. Er fand das ganz cool, hat dann aber aus eigenem Antrieb gesagt: „Ja, ich habe total Bock darauf, aber möchte einen eigenen Text dazu schreiben.“ Mir da erstmal der Arsch auf Grundeis gegangen. Als er mir dann per Sprachnachricht den Text geschickt hat, dachte ich nur: Ach du Scheiße. Ich habe ein sehr geringes Grundvertrauen im Teamwork, was Songwriting angeht. Da bin ich sehr schwierig.
Es war dann halt unglaublich gut, was er da gemacht hat. Natürlich zum Glück, da das für mich auch neue Erfahrung war. Wir saßen dann zwei drei Tage rum, haben das so zusammengedödelt, die Texte in eine finale Form gebracht und noch ein bisschen auf den Song angepasst. Aber größtenteils ist es so geblieben, wie er es geschrieben hatte. Das war wirklich nur noch ein bisschen Feintuning.
Wir sind schon happy, was dabei rausgekommen ist. Das hat echt schon Spaß gemacht und Tex ist auch ein wahnsinnig netter Mensch, den ich sehr, sehr schätze. Den kannte ich im Gegensatz zum Steff vorher nicht und das ist auch echt schön, was sich daraus entwickelt hat. Wir haben uns direkt wahnsinnig gut verstanden und haben viele Parallelen.
Parts von der Toilettenspülung müssten auf der Platte auch zu hören sein.
AFL: Auf der neuen Platte ist der Sound richtig fett, insbesondere das Schlagzeug. Ich bin sehr gespannt, wie sich das Ding auf Vinyl anhört. Bisher hast du, Valentin, auch die Recording gemacht. Wie kam es dazu, dass ihr euch externe Unterstützung geholt habt
Valentin: Das darf Daniel beantworten, aber ich habe natürlich auch meine Grenzen, was das angeht. Ich habe das nie gelernt. Aber jetzt kann Daniel.
Daniel: Am Schluss war das auch eine zeitliche Frage, soweit ich mich erinnere. Valentin schreibt die Songs, nimmt die allermeisten Sachen auf und dann macht er meistens auch noch den Mix. Das Schlagzeug haben wir das letzte Mal auch schon ausgelagert, weil es einfach ein unfassbarer Zeitfresser ist. Es ist ein bisschen wie, wenn du irgendwie im Kaninchenbau verschwindet und nicht mehr weiß, wo oben und unten ist.
Dann ist es hilfreich, wenn jemand von außen dazu kommt und seine Sichtweise hat. Das Schlagzeug kannst du natürlich auch im Proberaum aufnehmen. Klingt auch super. Im professionellen Studio mit noch mal fünf Mikros mehr kannst du viel mehr machen. Wir hatten diesmal ein Raummikro auf dem Klo oder auf dem Gang liegen und was weiß ich nicht alles. Da kannst du ein bisschen mehr rausholen und am Schluss ein bisschen mehr damit spielen.
Valentin: Parts von der Toilettenspülung müssten auf der Platte auch zu hören sein.
Daniel: Wenn du genau hinhörst, hörst du auch mich die ganze Zeit Grunzen und Schnauben. Da waren die Mikros leider auch ein bisschen zu gut. Das haben die alles aufgenommen, was ich während des Spielens vor mich hin gegrummelt habe. Das war der Gedanke beim Schlagzeug, das ist ja das aufwendigste zum Aufnehmen. Einfach, um noch mehr Optionen zu haben. Uli, der das im Farida Studio in Osterholz aufgenommen hat, der ist selber Schlagzeuger und hatte schon die letzte Platte gemischt.
Wir haben 100 % Vertrauen zu ihm, er hätte die Platte auch mischen sollen, ist aber dann in letzter Sekunde leider ausgefallen. Aber wir sind mit dem Mix von Thomas auch total zufrieden. Das ist super geworden.
AFL: Leider ist vor einigen Wochen Timo verstorben, der bei euch am Bass tätig war. Der Verlust tut mir an dieser Stelle aufrichtig leid. Aber auch unabhängig von euch hat Timo sowohl in der Szene aber auch darüber hinaus seinen Abdruck hinterlassen. Wie viel Einfluss hatte Timo auf Nirgendwo Angekommen? Als kleines Tribut an Timo ist er auch kurz in einigen Szenen in den bisher veröffentlichten Videos zu sehen, oder trügt mich mein Auge?
Valentin: In dem ersten Video ist er zu sehen. Da war er beim Dreh dabei, worüber wir auch sehr froh sind. Im zweiten ist er nicht mehr zu sehen, da ging das leider nicht mehr.
Daniel: Da ist bloß am Schluss die Einblendung, um ihm zu gedenken.
Valentin: Und welchen Einfluss Timo auf Nirgendwo Angekommen hatte: Also bei der Platte selber ja zum Songwriting in dem Sinne nicht, weil wir kein kollektives Songwriting betrieben haben. Und Timo war zu dem Zeitpunkt, als wir angefangen haben, die Platte zu schreiben, auch nicht mehr in der Band. Timo hat die Band so um 2019. 2020 verlassen. Timo war das zu viel Tourerei und ist dann ausgestiegen. Da gab es aber auch keinen Stress oder so. Er hat letztes Jahr auch noch mal das Mind The Gap Festival mit uns gespielt.
Timo war immer präsent, wir hatten immer Kontakt, das ist nicht abgebrochen. Er kannte auch einige der neuen Songs und hat die teilweise sehr gemocht. Speziell Hamburg war für ihn ein absoluter Favorit. Den hat er so hart abgefeiert. Ich habe ihm den Song mal vorab geschickt. Das war dann schon auch schön zu hören, weil Timo für mich immer noch ein bisschen so ein Gradmesser war. Er hat ein wahnsinnig unglaubliches Musikverständnis gehabt. Das war ein grandioser Musiker gewesen, ein super kreativer Kopf.
In der Platte rein songtechnisch steckt Timo nicht drin. Aber natürlich hatte Timo über die Jahre einen massiven Einfluss auf uns. Timo ist unser langfristigster Bassist gewesen, der auch zu allen Hochzeiten, zu allen Releases mit am Start war. Timo hat alle Touren mitgespielt. Besonders bei Frei.Tal. Das war komplett die Zeit, wo er bei uns war und er war auch sehr lang bei uns mit einem kurzen Abstecher seit 2013.
Natürlich Timo hat einen sehr hohen menschlichen Einfluss auf die Band gehabt. Das würde den Rahmen sprengen und dazu müsste man ihn kennen. Aber er war ein ziemlich positiver Charakter. Das hat uns doch als Band sehr geprägt, wenn du so jemanden mit auf den Konzerten und Veranstaltungen hast. Er hatte immer einen blöden Witz auf Lager und auch eine sehr hohe soziale Intelligenz. Wenn Timo in einen Laden reingekommen ist, hat er die Leute gesehen und wusste bei jedem sofort, was da los ist. Er war auf eine Art und Weise einfach sehr menschlich. Und das hat uns als Band, glaube ich, schon tatsächlich nachhaltig sehr geprägt. Also es gibt immer viele Situationen, wenn Timo jetzt da wäre, da würde er wieder im positiven Sinne ausflippen: „Was wollt ihr eigentlich von mir?“. Oder es wird ein lustiger Spruch dazu losgelassen.
Da gibt es schon viele Anekdoten. Aber wir haben einfach unfassbar viel miteinander gespielt und erlebt. Das prägt.
Aber ich mag solche Klangsphären, weil ich halt auch gerne so sphärisches Zeug, Trip Hop oder Elektro höre. Aber sag’s keinem.
AFL: Valentin, du bist bei der Platte mit einer ganzen Barrage an Instrumenten in den Credits. Da stellt sich die Frage, warum brauchst du noch Bandmitglieder? Und die zweite Frage: Wann kommt deine Soloplatte?
Valentin: Soloplatte? Nein, ich brauch schon für mich ein Gefüge. Singer Songwriter oder so was. Das ist nicht so meins.
Also diese Credits, ich tue mich damit ein bisschen schwer, dass das nervt mich auch immer ein wenig. Ich habe auch schon überlegt, ob ich ein, zwei Sachen einfach weglassen. Aber das schon gut so. Man hört es auf der Platte dann auch. Das verzerrt ein bisschen den Eindruck, wenn man das durchliest. Dieser Rattenschwanz der ganzen Instrumente, der basiert auf einem Song.
Das steht ja auch, glaube ich, noch dabei. Also der komplette Rest der Platte, also 10 von 11 Songs, ist eine ganz normale mit Band. Der Song war einfach ein bisschen speziell. Den hatte ich auf einer Ukulele geschrieben. Ich wollte mal ein bisschen rumprobieren. Aus Spaß an der Freude. Ukulele klingt geil, Mandoline klingt noch geiler, habe mir dann noch eine Mandoline gekauft. Und so ist das historisch gewachsen. Ich hatte die Sachen rumliegen und habe dann rumprobiert. Da sind auch noch ein paar programmierte Synthesizer leise drunter. Die sind sehr dezent. Aber ich mag solche Klangsphären, weil ich halt auch gerne so sphärisches Zeug, Trip Hop oder Elektro höre. Aber sag’s keinem.
Ich mag so Rumprobierereien und das ist natürlich gewachsen. Also wir wussten bei dem Song bis zum Schluss eigentlich nicht, wie die finale Instrumentierung sein wird. Das Demo war eigentlich nur Ukulele.
Als wir dann mit Daniel im Studio waren, haben wir planlos Drums aufgenommen, von denen wir überhaupt nicht wussten, wie die am Ende klingen sollen. Der Song war einfach Open Source und wir haben dann eine ganze Reihe an Rasseln aufgenommen. Da gibt es auch lustige Videoaufnahmen, wo Daniel mit diversen Rasseln, vor sich hin rasselt und macht und tut. Wir hatten dann so ein bisschen Futter und haben das dann am Ende verwertet, auch sehr rudimentär. Es ist relativ wenig dringeblieben, weil wir das eher Indie Folk mäßig, ein bisschen Down Stripped haben wollten. Ein bisschen sphärisch, aber ein richtiges Schlagzeug hätte dem Song eine falsche Struktur gegeben. Dann wäre das zu sehr von diesem Indie Folk Ding weg gewesen.
Ich hatte da Frightened Rabbit im Hinterkopf, also so depressive Indie Musik. Daher rührt der Song. Das war nun ein bisschen eine ausschweifende Antwort. Das ist so historisch gewachsen im Laufe der Zeit. Das hat sich geil angehört und hat genau den Kern dessen getroffen, was ich haben wollte.
Es sollte jetzt nicht zu folkig in Richtung Dropkick Murphys werden, weil das mir dann schon wieder zu viel Tralala ist. Es sollte ein bisschen depressiver werden oder was du immer so als diese Weite beschreibst. Ich wollte irgendwie diese Weite ein bisschen einfangen, denn der Song geht ja auch textlich darum, dass ich mich eigentlich immer dann sehr frei fühle, wenn ich irgendwo bin, wo ich wirklich überhaupt nicht weiß, wo das jetzt hier eigentlich ist und wo Google Maps kein GPS-Empfang mehr hat. Das Gefühl wollte ich einfangen und das hat am Ende ganz gut zu gepasst.
Cello kann ich nicht spielen. Das hat sich dann so ergeben, dass Sunny von der Band Kitty Coaster, die wir auch schon länger kennen und immer mal wieder Kontakt haben, unterstützt hat. Es stand auch mal im Raum, dass Sunny bei uns als Bassistin einsteigen könnte. Es hat sich herausgestellt, dass sie immer mal wieder so Cello Videos gepostet hat. Dann habe ich sie angerufen, ob sie da vielleicht Bock drauf hätte bei einem Song mitzuspielen. Das finden wir alle einhellig unfassbar geil, was dabei rausgekommen ist. Das ist ja recht am Schluss als Stilmittel.
Akustikgitarren-Geschrammel, die klassischen drei Akkorde, also bisschen Lagerfeuer, das wäre überhaupt nicht meins gewesen.
AFL: Ich meine, jetzt habt ihr ja auch endlich diesen obligatorischen Akustiksong auf der Platte. Es ist ja auch so, so ein Ding, wo man irgendwie ich finde das tatsächlich Akustiknummern finde ich gar nicht mal so schlimm wie die Features.
Valentin: Ich finde nicht, dass es der obligatorische Punk-Akustiksong ist, weil den hätten wir wahrscheinlich auch nicht gemacht. Dafür ist der musikalisch zu sehr ab. Nicht vom Songwriting, aber von der Vertonung. Das ist nicht der Singer Songwriter Song, der auf einer Platte landet. Das ist mir meistens zu lagerfeuermäßig.
Daniel: Akustikgitarren-Geschrammel, die klassischen drei Akkorde, also bisschen Lagerfeuer, das wäre überhaupt nicht meins gewesen. Da kriege ich sofort Gänsehaut.
Valentin: Aber im negativen Sinne.
AFL: Wo geht es jetzt in Zukunft noch für euch hin? Also unabhängig davon, dass die nächste Platte 2033 veröffentlicht wird und nächstes Jahr im Januar euer Releasekonzert geplant ist. Habt ihr eine kleine Release Tour geplant? Wollt ihr noch mal ins Ausland? Daniel, du hattest ja schon gesagt, Südamerika wäre mal ganz schön.
Daniel: Wir haben eben die beiden Release Partys einmal am 10. Januar in Hamburg mit Flick Knives und Kitty Coaster und am 17. Januar mit Die Ausreden im Wild at Heart in Berlin. Das ist ja auch eine Doppel Release Show. Ansonsten sind wir gerade dabei die Konzerte fürs nächste Jahr zusammen zu buchen bzw. von unserer Booking Agentur zusammen buchen zu lassen. Da stehen jetzt schon ein paar Konzerte an, aber jetzt noch keine so richtig zusammenhängende Tour oder sowas.
Also wir machen aus arbeitstechnischen Gründen hauptsächlich nur Weekender und hoffen natürlich sehr, dass es sich noch mal ergibt, dass wir vielleicht bei irgendeiner Band als Support mal eine zwei Wochen am Stück wieder mit dabei sein können. Da gibt es auch schon so erste Ideen, aber halt noch nichts, was spruchreif wäre. Wir sind im Grunde genommen deswegen alle in einer Band, weil wir wahnsinnig gerne live spielen. Das ist schon unser Hauptding und unser Hauptantrieb bei der ganzen Geschichte.
Deswegen wollen wir auch tatsächlich einfach wieder so viel wie möglich spielen. Also irgendwas bis 50 Konzerte dürfen es gerne sein. Das war nach der Frei.Tal auch so. Ist auch ein Monsterstress, aber gibt mir auch immer brutal viel. Gerade ich merke es auch immer, wenn wir eben diese Weekender spielen. Natürlich nicht körperlich, da bin ich völlig am Arsch, aber mental fühle mich manchmal fast schon frischer als nach einem Wochenende zu Hause im Sessel.
Es gibt einem wirklich was zurück. Es hat schon was Beklopptes. Tausende Kilometer fahren für 30 Minuten Auftritt, aber dann eben mit Leuten rumhängen. Das ist immer toll und macht Spaß. Deswegen wird es viele Konzerte geben.
AFL: Steht denn noch was außer eine Südamerika-Tour auf der Bucketlist?
Daniel: Ich würde gerne eine Australien- oder Afrika-Tour machen.
Valentin: Gerade bei Listen könnte man wahrscheinlich sehr lange schreiben, aber ich glaube, wir sind ganz happy mit dem, wie das bisher so gelaufen ist. Dafür, dass was wir uns mit der Band eigentlich nie ansatzweise etwas vorgenommen haben, ist das doch ganz gesund bei uns gewachsen. Das schätzen wir alle sehr.
Wir waren da nicht stets bemüht. Wir haben Glück gehabt. Es ist gut gelaufen dafür, dass wir am Anfang gesagt, dass es vielleicht mal ganz lustig wäre, mal ein Demo zu machen. Viele Bands lösen sich wieder auf, die eigentlich klarkommen oder irgendwas. Wir sind in der konstanten Besetzung seit Anfang schon ganz gut vorangekommen.
Daniel: Wir kommen zwar auch nicht klar, aber wir zerlegen uns immerhin nicht.
Valentin: Streiten tuen wir uns tatsächlich äußerst selten. Du kannst nicht die Touren in dem Umfang spielen, wie wir das jetzt gemacht haben, wenn du dich nicht verstehst. Dann knallt das. Das funktioniert nicht und wir wissen mittlerweile, auf was wir uns da einlassen. Wir kennen von jedem Einzelnen natürlich seine Eigenarten und haben gelernt, damit umzugehen. Und das halt irgendwie zähneknirschend und hier und da mal zu akzeptieren. Aber ich glaube, wir streiten uns äußerst selten.
Dass das mit dem nicht klarkommen, was Daniel gerade meinte, das ist so gemeint, dass jeder einzeln allein nicht so wirklich klarkommt mit allem. Aber im Konsortium ist das dann ein stückweit ein Rückhalt, den man dann hat. Dass man weiß: „Okay, wenigstens das Ding funktioniert“. Das ist ein Safe Space, wo du deine Ruhe hast.
Für einen Tag für ein paar Stunden wieder alles im Fluss ist, nicht wahr?! Das wird noch dein Lieblingssong.
Daniel: Immer schön die Triggerpunkte markieren.
Valentin: Stell dir einfach vor, es wäre kein Gastgesang gewesen.
AFL: Habt ihr letzte Worte Gedanken, Sorgen, Wünsche?
Valentin: Ich hätte gerne noch mal gesehen, was dahinten auf der Kiste liegt. Ist das ein Stofftier?
AFL: Es ist ein Rabe.
Valentin: Ich find den voll geil. Der macht mich die ganze Zeit schon total high. Nach dem Motto, was das ist. Aber jetzt weiß ich es.
AFL: Ich vermute, ihr möchtet, dass die Menschen eure Platten kaufen und zu euren Konzerten kommen.
Valentin: Ja, das erwarten wir! So, letzte Woche. Weiß nicht. Daniel, hast du letzte Worte? Ich habe selten letzte Worte. Ich hoffe, dass das jetzt nicht die letzten Worte sind.
Daniel: Ganz schön viel gequatscht irgendwie. Deshalb da jetzt noch mal einen Strich drunter zu ziehen und zu sagen das war es jetzt. Ne, ich denke eher nicht.
Valentin: Vielen Dank für deine Zeit und Interesse. Es ist schön, dass wir jetzt auch mal ein Gesicht zu Away From Life haben. Ich lese euch gerne. Bei euch merkt man immer, dass die Leute tatsächlich auch Bock haben auf das haben, was da geschrieben wird. Ich glaube, dass man so über die Jahre sowohl als passiver Leser als auch als aktiver Band-Mitgliedsmensch rausliest, was spannend ist. Und ob sich jemand tatsächlich für die Musik interessiert, oder ob das wieder nur das hundertste Review ist. „Muss ich das noch schreiben, scheiße, ich habe Abgabetermin.“
Da seid ihr schon sehr stabil. Und euer Festival, das ist auch gut. Wir haben vor Jahren auf dem Stäbruch gespielt. Das Festival ist richtig hängengeblieben, weil das ja auch völlig im Nirgendwo ist. In Bayern, oder?
AFL: Genau. Mittlerweile ist es in eine etwas größere Location umgezogen.
Valentin: Das Witzige war tatsächlich, als wir dahingefahren sind, war das wirklich absolut im Nirgendwo. Da kannst du ja Stunden durch die Gegend fahren und da ist gar nichts. Und plötzlich völlig im Off ist da ein unfassbar geiles, riesiges Festival. Wo kommen die ganzen Leute her? Was ist hier los? Das ist hängengeblieben, das war echt geil.
Daniel: War das eine Stadthalle oder Sporthalle von einem Verein? Und jetzt findet es im Stattbahnhof in Schweinfurt statt. Das waren die berühmten letzten Worte: Wir wollen unbedingt mal wieder auf dem Stäbruch spielen.
Valentin: Stattbahnhof war ich auch noch nie.
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