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Das Val Sinestra ist ein kleines und ruhiges Nebental in einem Schweizer Kanton…das erfährt man, wenn man die umherschwirrenden Suchmaschinen mit dem Namen füttert.
Man erfährt aber auch, dass sich hinter diesem Namen vier Jungs zusammen getan haben, um uns ordentlich Energie entgegen zu bringen.
Dieses spürt man u.a. auf ihrem jüngst erschienenen Album „Unter Druck“ und wird man auch bald live erleben dürfen.

Darüber hinaus merkt man ihnen die Liebe zur Musik förmlich an, denn wenn sie über ihre favorisierten Kapellen sprechen, kommen sie fast schon ins schwärmen…ach was sage ich, lest doch einfach selbst:

„…wenn es nur noch darum geht Parolen und plakative Aussagen zu treffen, dann bin ich raus.“

Interview mit Bassist Max und Sänger Chris

AFL: In eurer Bandhistorie gab es zwischenzeitlich ja ein paar Besetzungswechsel – aus wem besteht denn VAL SINESTRA 2017 und was empfandet ihr am schwierigsten, bis ihr zu dieser Besetzung gelangt seid.

Max: Der musikalische Teil von VAL SINESTRA setzt sich aus Säsh / Schlagwerk, Chris / Stimme, Sören / Gitarre und mir am Bass zusammen. Dazu gesellen sich dann Freunde und Unterstützer die quasi auch ein fester Teil der Band sind, wie unser Freund Robin.

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AFL: Mir persönlich ist die politische Aussage im Punkrock doch relativ wichtig – was klare Statements angeht, haltet ihr euch eher etwas zurück bzw. lasst gerne auch mal einen Rest Interpretationsspielraum. Gibt es dafür bestimmt Gründe?

Chris: Ich finde es gut die Leute zum Denken anzuregen und ihnen nicht schon alles zurecht zu legen und ihnen die „richtige“ Antwort zu liefern. Klar versuchen Bands dadurch immer ein gewisses Profil von sich zu schaffen, aber wenn es nur noch darum geht Parolen und plakative Aussagen zu treffen dann bin ich raus. Lieber anregen zum selber recherchieren und nachdenken.

AFL: Wie entstehen eure Songs? Schreibt ihr gemeinsam oder ist z.B. eine Person für das Textliche und die anderen für das Musikalische verantwortlich?

Max: In der Regel entsteht zuerst in meinem Kopf eine Idee für einen Song, basierend auf ein oder zwei Riffs und meiner momentanen Stimmungslage. Daraus ergibt sich eine Songblaupause die ich dann mit unserem Drummer zu einer Art Song Version 1.0 erarbeite. Dann folgen Gitarre und Text/Gesang die das Ganze dann zum fertigen Song umschleifen.

AFL: Welcher Song gefällt euch persönlich am besten vom neuen Album?

Max: Ich würde mich mal soweit aus dem Fenster lehnen wie möglich und sagen, dass es der erste Song auf der Platte ist. „Zwei Finger“. Der Titel spiegelt am ehesten wieder warum wir das machen und worauf wir Bock haben. Ein wenig Fingerakrobatik, ein bisschen ausrasten, eine gute Mischung eben.

 

„Etwas Punkrock für den Spaß, etwas Rock’n’Roll für die Eier, Stoner für den Groove und Hardcore für die Energie – das was wir lieben zu unserer Musik kombinieren.“

 

AFL: Ihr werdet immer wieder mit Bands wie THE BRONX verglichen, wie würdet ihr euren Sound beschreiben und was bzw. wen würdet ihr als eure größten musikalischen Einflüsse benennen?

Max: Ich fasse die beiden Fragen mal zusammen. Der Vergleich kommt nämlich nicht von ungefähr. Tatsächlich sind THE BRONX ein großer Einfluss für uns. Vor allem die EP „La Muerte Viva“ und das erste Album von 2003.
Ich habe Ende der 90er sehr viel Amipunk und Schwedenrock gehört, fand es aber auf die Dauer etwas langweilig. Mir haben da etwas die Ecken und Kanten gefehlt und irgendwie auch eine gewisse Wut und Härte. Dann gab es die etwas chaotischeren Bands wie BLOOD BROTHERS, AT THE DRIVE-IN oder JR EWING die mich umgehauen haben, aber irgendwann auch zu anstrengend wurden.
Als ich dann 2004 THE BRONX im Vorprogramm der DISTILLERS gesehen hatte, haben sie mich einfach von Anfang an umgehauen. Die Mischung aus Punkrock und Rock’n’Roll gepaart mit der Wut von den alten HC Punkbands wie BLACK FLAG war einfach nur geil. Diese positive Aggression und vollkommene Leidenschaft für das was da grad passiert. Das öffnete mir dann den Zugang zu vielen anderen Bands wie Every Time I Die oder später dann auch Gallows. Diese Wut und Kraft ohne in das Aggrogeballer der „moderneren“ HC Bands abzudriften, kombiniert mit dem ein oder anderen musikalischen „Oha“-Augenblick war genau das, was ich selber machen wollte. Schon in meiner alten Band Gib8 waren wir in diese Richtung unterwegs, rutschten aber zu oft in die Indieschiene ab.
Unser Drummer Säsh hat seine Wurzeln dann mehr im Stonerrock, liebt da neben dem Groove aber auch die Kraft die an den Drums entsteht. Wenn das Schlagzeug los ballert und alles vorantreibt. Als wir uns dann kennen lernten war sofort klar in welche Richtung wir losziehen wollen. Etwas Punkrock für den Spaß, etwas Rock’n’Roll für die Eier, Stoner für den Groove und Hardcore für die Energie – das was wir lieben zu unserer Musik kombinieren. Das ist so der Kern von Val Sinestra. Mit Chris haben wir dann am Gesang jemanden, der genauso drauf steht wie wir und das vor allem live auch rauslässt und ordentlich abgeht. Aber auch offen ist für den ein oder anderen Indieeinfluss.
Neben den bereits erwähnten Bands kann man auch Rage Against the Machine, Fu Manchu und auch John Coffey und The Ghost of a Thousand zu unseren prägenden Einflüssen hinzuziehen. Einfach Bands die grooven und ballern, die Power haben und einen vor allem Live einfach mitreißen.

 AFL: Euer neues Album hört auf den Namen „Unter Druck“…was bringt euch dazu, dass der Druck steigt?

Max: Der Albumtitel basiert auf Aussagen, die wir oft nach unseren Shows hören. Sachen wie „Ihr habt ganz schön Druck auf’m Kessel“ oder „Ihr macht ordentlich Druck auf der Bühne“. Das kommt daher, dass die Band für uns ein Ventil ist alles rauszulassen was sich so anstaut. Es sind weniger Deadlines oder Druck der von außen auf uns als Band wirkt. Es sind die Dinge die einen täglich umgeben. Gespräche mit  flüchtigen Bekannten, Arbeitskollegen oder Freunden die einen manchmal hart zweifeln lassen. Genauso Ereignisse in der Welt und wie unser Umfeld darauf reagiert. Und wie sehr man sich auch bemüht konstruktiv und sachlich darauf zu reagieren…manchmal will man einfach nur laut losschreien.
Und dieser „Schrei“ ist dann das, was wir druckvoll rauslassen wenn das Konzert beginnt.

Promofoto bereitgestellt von F&M Feral Media

AFL: Ihr entstammt unserer Bundeshauptstadt…seid ihr Wahl-Berliner oder gebürtige?

Max: Drei von uns sind gebürtige Berliner. Lediglich unser Sänger Chris ist zugezogen, allerdings aus Eberswalde was ja fast noch Einzugsgebiet ist.

AFL: Wo wir gerade beim Thema Berlin sind…vor kurzem ist mir wieder ein alter Bekannter über den Weg gelaufen, welcher sich mittlerweile auch Berliner bzw. Prenzlberger „schimpft“. Im Laufe des Gesprächs ist mir dann sein Berlin-Gefasel ehrlich gesagt echt auf den Sack gegangen. Was haltet ihr von dem Thema Lokalpatriotismus?

Max: Das witzige ist ja, dass die Wahlberliner den meisten Berlinpatriotismus versprühen.  Aber auch nur so lange, wie die ganzen abgefahrenen und spannenden Dinge die eigene Komfortzone unangetastet lassen.
Ich bin nicht stolz darauf Berliner zu sein, ich freue mich aber zum Einen auf die Möglichkeiten die es mir beim aufwachsen gegeben hat. Bands zu sehen, von denen man woanders erst was hört wenn sie die großen Hallen füllen. Überhaupt die Möglichkeit zu haben so viele unterschiedliche Sachen machen und erfahren zu können ist großartig. Zum Anderen verfluche ich die Stadt aber auch dafür, wie sie einen verzieht was den Hunger nach Beschäftigungsmöglichkeiten betrifft. Oder wie die Uhren ticken. Man wird in Berlin recht schnell leichtsinnig im Umgang mit Öffnungszeiten oder der Abendplanung.
Um auf die Frage zurückzukommen: jede Ecke hat ihre tollen Seiten und auch die weniger guten, sei es Köln, Hamburg, München oder auch Berlin. Wenn dir aber einer die ganze Zeit in Marktschreiermanier erzählt wie geil es da ist,  dann kann da schon eine Art Antipathie heranwachsen die es einem versaut.
Ich könnte mir zum Beispiel nicht vorstellen mal einen Pro-Berlin Song zu machen. Und wenn ich so etwas manchmal höre, dann vergeht es mir recht schnell.

AFL: Was war es für euch für ein Gefühl, als 2015 eure selbstbetitelte EP so eingeschlagen hat? Man erlebt es ja recht selten, dass der erste Output einer Band direkt so von der Presse gelobt wird.

Max: Ich würde nicht davon sprechen, dass unsere EP „so eingeschlagen“ ist. Wir haben zwar gute Kritiken bekommen, aber es war nicht so, dass uns die Bude mit Konzert- oder Festivalanfragen eingerannt wurde. Booking war genau so schwer wie vorher.  Da aber die ganze Sache mit der EP ursprünglich darauf ausgelegt war, einfach für uns was aufzunehmen und dann mal zu schauen ob es irgendjemanden da draußen auch gefällt oder nur uns, war es schon überraschend und vor allem motivierend wenn man sieht, da gibt es Leute die verstehen was du da machst und die auch Spaß dran haben.

AFL: War dieser erste „Hype“, der um euch entstanden ist, nicht auch recht schwer in der Band zu verdauen? Denn der ein oder andere will ja vielleicht eher im Keller musizieren und der anderen auf der großen Bühne…so etwas kommt dann ja meistens erst in diesen Momenten so richtig zum Tragen.

Max: Schwer zu verdauen nicht, da es, wie bereits gesagt, keinen „Hype“ gab. Da wir alle samt kleine bis mittelgroße Rampensäue mit Darstellungsdrang sind, möchten wir natürlich auch raus und live spielen. Am besten jeden Tag. Wir alle machen deswegen Musik. Es geht uns jetzt nicht darum Megastars zu werden, aber wir lieben es einfach auf der Bühne zu stehen und aufzudrehen.

AFL: Ihr habt das Album in England aufgenommen…gab es dafür bestimmte Gründe? Denn schließlich bietet unsere Landschaft auch sehr gute Studios.

Max: Die Entscheidung dafür in Brighton aufzunehmen ergab sich durch das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Faktoren.
Für uns war von vornherein klar, nicht in Berlin aufzunehmen, da die Ablenkung zu groß gewesen wäre. „Da ist noch n Party.“, „Ich will heute noch auf ein Konzert.“ oder  „Also ich muss jetzt doch arbeiten.“ sind einfach nervige Versuchungen wenn man ein Album aufnehmen möchte. Daher soweit weg wie möglich.
Ein anderer Umstand waren die musikalischen Einflüsse und Verbindungen. Wir orientieren uns musikalisch eher an englischen oder amerikanischen Bands wie Gallows, The Ghost of A Thousand oder auch The Bronx. Die Art wie die Songs gespielt werden, die Kraft und auch die positiven Aggressionen die dabei in Musik umgesetzt werden, ist das was wir mögen. Im deutschen Punkrock schwingt oft diese nordische Melancholie mit die wir auch mögen, aber nicht dem entspricht wie wir Musik machen wollen. Oder es geht dann in die biergetränkte Lustigkeit über die uns nicht wirklich liegt.
Das führt dann auch dazu, dass wir bis jetzt eigentlich nur mit internationalen Bands zusammengespielt haben. Unter anderem auch mit John Coffey (NL) oder Max Raptor. Zwei befreundete Bands, die beide mit Jag Jago (Gitarrist von The Ghost of A Thousand) zusammen gearbeitet haben. Jag ist ein hervorragender Gitarrist und auch ein verdammt guter Produzent der als Soundenigneer u.a. im Brighton Electrics Studio arbeitet. Ein Studio, zu dem wir auch schon vor unseren Aufnahmen eine gewissen Beziehung pflegten.
Unser Sänger Chris hat 2014 ein Praktikum in Brighton absolviert wo er u.a. die Band Tigercub kennen und lieben gelernt hat. Deren Bassist arbeitet im BE.
Und ich kenne das Studio, weil ich dort als Bassist für Egotronic 2015 das Album „C’est moi“ eingespielt habe.
Als dann noch Jags Bruder Memby (Schlagzeuger bei The Ghost of a Thousand), den wir als Drummer von Frank Carter & the Rattlesnakes während unserer Supporttour 2015 kennenlernten, ein gutes Wort für uns eingelegt hat, war die Entscheidung eigentlich schon getroffen.
Ein geiles Studio mit einem Produzenten der weiß was wir wollen, dem wir nicht erklären müssen warum wir irgendwas so und so machen, ist einfach ein Traum. Und bevor wir in 10 Jahren da stehen und sagen „ Ach wisst ihr wo wir am die Möglichkeit hatten in England mit Jag aufzunehmen“ haben wir es einfach gemacht.

 

„Die Platte ist zwar grade erst rausgekommen, aber irgendwie kribbelt es was Neues zu machen.“

 

AFL: Wie kam es eigentlich zu der Zusammenarbeit mit CONCRETE JUNGLE RECORDS? Sind die auf euch aufmerksam geworden oder seid ihr auf sie zugegangen?

Max: Tatsächlich meldete sich Matze von CJR bei uns. Wir hatten Anfang 2014 als Support für eine Band gespielt, mit der Matze schon zusammen gearbeitet hat. Da sind wir bei ihm anscheinend in guter Erinnerung geblieben. Als wir dann unsere EP fertig hatten trafen wir zufällig wieder auf Matze der erfragte wie denn der Stand der Dinge bei uns sei. Nachdem wir ihm dann unser Material zugesendet hatten und er und sein Partner Tobbe uns dann nochmal live gesehen hatten, war die Sache klar.

AFL: Im März geht es auch wieder auf Tour…auf was darf sich euer wertes Publikum freuen?

Max: Gute Frage. Um ehrlich zu sein ist es unsere erste Tour überhaupt. Demzufolge werden uns viele Leute auch zum ersten Mal sehen. 4 Typen die schwitzen, rumzappeln, bluten und ordentlich die Sau rauslassen und dabei eine Menge Spaß haben werden. Und das man bei unseren Shows nirgendwo sicher ist, nicht vor der Bühne, nicht hinterm Tresen und manchmal auch nicht vorm Klub. Ach und nicht zu vergessen: die Hose von unserem Drummer.

 AFL: Auf welches Lied freut ihr euch am meisten, wenn ihr daran denkt, dass ihr es live spielt?

Max: Ich denke „Kein Argument“ gehört dazu. Kurz und knackig auf die Fresse. Und der letzte Song von der EP „Rausch“ gehört auch zu unseren Live-Lieblingen.
Der ist so die Art Gegenteil zu „Argument“…definitiv keine Schmusenummer aber schon länger und verspielter.

AFL: Und was hält VAL SINESTRA in der Zukunft noch so für uns bereit? Habt ihr schon weitere Pläne oder schaut ihr einfach was so kommt?

Max: Im März und April sind wir auf Release Tour und im Sommer folgen ein paar Festivals. Dann werden wir schauen was im Herbst passiert. Vielleicht eine größere Supporttour oder so.
Nach der Tour im Frühjahr werden wir uns auch wieder mit neuen Songs beschäftigen, worauf ihr alle Bock haben. Die Platte ist zwar grade erst rausgekommen, aber irgendwie kribbelt es was Neues zu machen.
Und wie es dann weitergeht werden wir sehen.


Live:
22.03. – Stuttgart / Kellerklub
23.03. – Dresden / Groovestation
29.03. – Hamburg / Hafenklang
31.03. – Nürnberg / K4 Zentralcafe
01.04. – München / Orangehouse
11.04. – Saarbrücken / Garage Club
12.04. – Wiesbaden / Schlachthof (Kesselhaus)
13.04. – Leipzig / Naumanns
15.04. – Berlin / Badehaus
20.04. – Bremen / Tower
21.04. – Braunschweig / B58
Weitere Daten folgen!

Demons Run Amok - Fest
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Ich beginne mal nicht mit meinem Namen, sondern mit dem was mich ausmacht:Ich bin ein Weltenbürger, welcher es liebt seine Gedanken und Emotionen in guten handgemachten Klängen zu verlieren und genauso wieder herauszubefördern.Oder um es einmal schlicht und einfach mit den Worten eines guten Freundes zu beschreiben: I LIVE ON A BIG ROCK - CALLED PUNK-ROCK

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