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PASCOW-Sänger Alex im Interview

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Pascow auf dem Rock am Berg

Pascow bringen in Kürze ihr neues Album Sieben heraus. Sänger Alex hat sich Zeit genommen einige Fragen zu beantworten, weniger über das Album, sondern über ihn und sein Leben!

AFL: Hey Alex, in Kürze steht die Veröffentlichung des neuen Pascow Albums mit dem Namen Sieben an. Auf den letzten beiden Platten konnte man Star Wars Referenzen finden. Wo sind die auf der neuen Scheibe?

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Alex: Hey, lustigerweise haben bereits zwei Leute eine Haus des Geldes Referenz gesehen, doch die war nicht beabsichtigt. Zu Star Wars gibt es aber dieses mal keine Referenz. Bei den vorab aufgeschriebenen Textideen gab es durchaus Star Wars Zitate, aber die haben es dann nicht in die finalen Texte geschafft.

AFL: Im Booklet sind Bilder vom Liebespaar bis zum Soldaten zu finden. Was hat es mit der Fotoserie auf sich?

Alex: Das Hauptthema der Platten ist Außenseitertum und Randständigkeit. Was auf Jade durch Corpsepaint künstlich dargestellt wird wollten wir hier mit tatsächlichen Außenseitern zeigen. Ein Teil der Bilder, wie beispielsweise das Cover und Backcover, stammen von Dorothea Lange. Der Soldat selbst zwar nicht, der kommt aber ebenfalls von der Library of Congress und auch hier handelt es sich um ein dokumentarische Foto. Neben den Fotos der Library of Congress finden sich im Booklet Fotos von Lucja Romanowska, der Lebensgefährtin unseres Freundes Jörkk von Love A. Lucja hat sich darauf spezialisiert, Situationen und Personen vom Rande der Gesellschaft zu fotografieren und zu dokumentieren. Sie hat für uns eine Fotosession gemacht und u.a. stammt das Bild des Pärchens und zwei bis drei weitere Fotos im Booklet aus dieser Session. Das Bild des Pärchens war dabei ein mögliches Covermotiv, was es dann aber leider „nur“ ins Booklet geschafft hat.

Ich bin ein klassisches Sex Pistols Kind gewesen…

AFL: Wann und wie bist du als Junge vom Dorf eigentlich zum Punkrock gekommen?

Alex: Als ich das Kindesalter verlassen habe stand ich erstmal auf Pop, sowas wie Michael Jackson, Bros und so Kram. Dann gab es eine kurze Metalphase mit Bands wie Helloween oder Iron Maiden, danach kam Punk und da bin ich dann hängen geblieben. Damals gab es in meinem Bekanntenkreis immer zwei Lager: die einen kamen über die Sex Pistols zum Punk, die anderen über die Ramones. Ich bin ein klassisches Sex Pistols Kind gewesen und fand die sehr gut. Anfangs hielt ich die Ramones für eine langweilige Rockband, als ich die später dann verstanden hatte, habe ich sie im Endeffekt mehr gehört und gefeiert als die Sex Pistols. Nichtsdestotrotz, meine Einstiegsdroge waren die Sex Pistols und der ganze englische Kram wie Exploited, The Damned, Cock Sparrer. Später waren es Amipunkbands wie Misfits und Skatepunk wie Suicidal Tendencies. Melodycore hat Ollo gefeiert aber so ganz hat mich das nicht abholen können. In Sachen Deutschpunk fand ich Bands wie Slime, Normahl oder Canal Terror super, sehr viel später dann Knochenfabrik und Dackelblut.

Ich würde mich nicht auf Gedeih und Verderb irgendwelchen Trends anpassen.

AFL: Ollo und du, ihr habt beide euer Hobby, die Musik, zum Beruf gemacht. Ollo ist hauptberuflich Konzertveranstalter, du machst vom Label hin zu Merchandise-Herstellung und Vertrieb eigentlich alles was sonst hinter den Kulissen mit Musik zu tun hat. Wie hat es euren Bezug zum Hobby verändert nachdem ihr euch entschieden habt, in der Branche euer Geld zu verdienen?

Alex: Ollo und ich haben da in letzter Zeit oft drüber geredet. Ein Grund war, dass uns die Band so wichtig ist. Wir wollten nie Berufe machen, die es uns unmöglich gemacht hätten, diese Band weiter zu führen. Auf der anderen Seite hat die berufliche Auseinandersetzung mit Musik dazu geführt, dass die Themen Punkrock und Musik-Business ein Stück weit ihre Unschuld verloren haben. Im Laufe der Jahre musste ich erkennen, dass da viel mehr Business und viel weniger Alternative drin steckt als ich mir das anfangs gedacht habe. Anfangs war es etwas enttäuschend zu sehen, dass sich meine Arbeit nicht groß von dem eines jeden anderen Verkäufers unterschied, nur dass ich eben LPs und T-Shirts verkaufte. Irgendwann merkte ich aber auch, dass wirtschaftliches Denken notwendig ist, um das Ganze am laufen zu halten. Erfolgreiche Acts wie bei uns zum Beispiel The Baboon Show oder Akne Kid Joe helfen auch anderen Bands, die nicht so groß sind, sprich erfolgreiche Bands und Labelarbeit machen es überhaupt erst möglich, dass auch kleinere Bands veröffentlicht werden können. Zusammengefasst gibt es also Licht und Schatten in der Entscheidung sich hauptberuflich mit Musik zu beschäftigen, aber ich glaube weder Ollo noch ich haben diese Entscheidung je bereut.

AFL: Du hast soziale Arbeit studiert. Wäre es für dich keine Option mehr in das Berufsfeld zurück zu gehen?

Alex: Doch, schon. Ich bin nicht mehr der Jüngste und würde auch nicht meine Seele verkaufen. Ich würde nichts machen auf das ich keine Lust habe und keine Bands veröffentlichen, die mir nicht gefallen. Ich würde mich nicht auf Gedeih und Verderb irgendwelchen Trends anpassen. Wenn es eine solche Entwicklung gäbe und es nicht mehr reichen würde, um meinen Lebensunterhalt zu zahlen oder diese Firma aufrecht zu erhalten, dann würde ich das nicht in dem aktuellen Maß weiter machen. Ich würde die Labelarbeit keinem Erfolgsdruck unterordnen und daher wäre ein Rückkehr in die soziale Arbeit ein Option, wenn auch eine sehr unwahrscheinliche.

AFL: Tante Guerilla hat als Mailorder im Proberaum angefangen. Wo war der Punkt an dem du und damals noch Measy (Mitgründer von Tante Guerilla und Sänger bei u.a. Giulio Galaxis) euch entschieden haben euren normalen Job zu kündigen und hauptberuflich Shop/Mailorder zu machen und worin lagen eure Ängste?

Alex: Ich glaube wir haben damals beide Potential in unserer Idee gesehen und erlebt, dass die Sache bei den Leuten ankam. Wir haben klassisch mit einer Plattenkiste auf Konzerten angefangen, daraus wurde ein Merchtisch, dann sind wir mit einem Verkaufszelt auf Festivals rumgetingelt usw. Wir haben gemerkt dass es wenige Läden und Shops gibt, die genau das machen, was wir uns vorgestellt haben. Als es dann richtig los ging haben wir zudem noch eine Förderung bekommen, so dass Measy, der gerade seinen Job gekündigt hatte, den ersten Schritt in die Selbständigkeit machen konnte. Als wir dann den Laden in St. Wendel eröffneten, wurde wir auch hier bei der Miete in den ersten Monaten unterstützt. Der Einstieg wurde uns also relativ leicht gemacht. Aber natürlich gab es auch Ängste. Ich habe meinen sicheren und relativ gut bezahlten Sozialpädagogenjob aufgegeben. Die Frage ob die Selbständigkeit reichen würde um mich damit finanziell über Wasser halten zu können war natürlich da. Auf der anderen Seiten war es mir aber auch zu einem großen Teil egal. Sozialnasen werden immer gesucht und ich war mir damals sicher, immer wieder in meinen Job zurückkehren zu können. Und ganz ehrlich: ich dachte nicht , dass ich das 15 Jahre später immer noch machen würde. Ich dachte mir damals: das ist zeitlich begrenzt, wird ne coole Zeit und irgendwann mache ich wieder etwas anderes. Für mich war es immer eine Lebensabschnittsphase. Genau wie Pascow immer nur ins nächste halbe Jahr denkt, so denke ich mit der Firma auch immer nur ins nächste halbe Jahr. Und wenn es mal nicht mehr läuft, dann mache ich was anderes.

AFL: Im Laufe der Jahre bei Tante Guerilla gab es bei dir zuhause mal eine Polizeirazzia. Was war da los?

Alex: Ja, die gab es zur großen Freude meiner Lebensgefährtin. Sie wusste von nichts und auf einmal standen Polizei und Staatsanwaltschaft mit Durchsuchungsbefehl vor der Tür unserer gemeinsamen Wohnung. Die haben dann unsere komplette Wohnung auf den Kopf gestellt und überall herumgewühlt – auch in unserer Unterwäsche. Ich habe an dem Tag in unserem Laden in Trier gearbeitet und zunächst davon nichts mitbekommen, bis meine Freundin mich anrief da sie die Welt nicht mehr verstehen konnte und davon ausging, dass ich was sehr Schlimmes gemacht haben muss. Es hat dann auch bei mir einen Moment und ein Gespräch mit dem Staatsanwalt gebraucht, um herauszufinden, was überhaupt los war. Irgendwann wurde dann klar, dass es um ein Shirtmotiv mit einer Verarsche eines großen amerikanischen Sportartikelherstellers ging. Das Motiv zeigte das geänderte Logo des Herstellers und unter diesem Zeichen stand Riot anstatt der Markenname. Das Motiv kennt fast jeder und es gab es nicht nur von uns, sondern auch von vielen anderen. Hinten auf dem Shirt war ein vermummter Molly-Werfer. Die Anwälte der Sportmarke haben das Motiv irgendwo im Netz gefunden und es dann geschafft, uns als kleinen Punker-Laden, den damals kein Schwein kannte, zu verklagen. Wohlgemerkt, es war eine Verarsche oder eine Adbusting Motiv und keine Fälschung. Erschreckend finde ich bis heute, dass sie wegen eines solches Shirts, wovon es 50 Stück gab, einen richterlichen Beschluss bekommen haben um die Privaträume von zwei Personen zu durchsuchen. Welcher Richter unterschreibt sowas? Ohne zu prüfen welcher Ausmaß das Ganze hat und um was es tatsächlich geht. Es folgte dann eine Unterlassungsklage und wir mussten 2.000€ an die Firma zahlen und durften das Motiv natürlich nicht mehr verkaufen. Aus heutiger Sicht habe ich rechtlich gesehen sogar dafür Verständnis, dass eine Firma nicht möchte, dass ihre Logo in einen anderen Zusammenhang gesetzt wird. Wofür ich allerdings kein Verständnis habe ist ein Gericht, welches hier ungeprüft Grundrechte außer Kraft setzt sobald eine ein große Firma anklopft.

In den Coronajahren wurde uns dann auch bewusst, wie wichtig uns die Band ist und dass es ein Privileg ist, Konzerte spielen und Musik machen zu können.

AFL: Es gab eine Zeit, da haben vor allem Ollo und du sehr ungewiss über die Zukunft der Band geredet. Das hat sich allerdings die letzten beiden Jahre mit Corona ziemlich gelegt. Wie kam es, dass das Thema bei euch nachgelassen hat?

Alex: Zwei Sachen haben dazu geführt. Nach Diene der Party waren wir total ausgebrannt. Wir haben an Konzerten, Promo und generell an Möglichkeiten alles mitgenommen. Es ist in der Zeit sehr viel passiert und wir machen das ja alle auch nur nebenher. Wir sind damals ständig zu Konzerten gefahren und es fühlte sich irgendwann an wie ein Job. Wir waren wochenends immer im Bus, dann Konzerte spielen, Sonntags heimkommen und montags wieder zur Arbeit. Irgendwann hast du dann keinen Bock mehr über Musik zu reden und über deine eigene Musik schon gar nicht. Die Konzerte an sich waren immer gut, doch alles drumherum war nur noch Tretmühle. Da stand die Band, nicht von der Kreativität her, sondern von der Belastung her, kurz vor dem Aus.

Dann hat vor allem Ollo damit begonnen den Bandalltag neu zu organisieren. Wir vereinbarten einen festen Probetag, das Touren wurde komprimiert indem wir längerfristiger planten und nicht mehr jede Anfrage spielten. Wir haben dann drei bis vier Wochen zum Konzerte spielen festgelegt und außerhalb dieses Zeitraums nehmen wir seit dieser Zeit fast nichts mehr an Konzertanfragen an. So wurde das ganze viel organisierter und stressfreier.

Ein anderer Punkt entstand durch die Coronazwangspause. In dieser Zeit war der Druck plötzlich komplett weg, da keine Konzerte mehr stattfanden. Jade war damals noch recht neu und wir hatten auch keinen Druck eine neue Platte machen zu müssen und konnten ganz entspannt Songs schreiben. In den Coronajahren wurde uns dann auch bewusst, wie wichtig uns die Band ist und dass es ein Privileg ist, Konzerte spielen und Musik machen zu können. Als wir dann die ersten Konzerte, noch während Corona, aber ohne Beschränkungen, gespielt haben, haben wir ganz deutlich gemerkt, was uns das alles bedeutet. Wenn man sowas 20 Jahre lang macht, dann vergisst man auch schnell wie wichtig einem diese Sachen geworden sind. Nach dem ersten Konzert ohne Beschränkungen kamen nach der Show Leute mit Tränen in den Augen zu uns, weil sie sich freuten und merkten wie sehr sie Konzerte und das Zusammenkommen vermisst hatten. Bei uns war das in dem Moment ähnlich.

Diese beiden Sachen, die Neuorganisation des Bandlebens und die eigene Wertschätzung dessen, was wir als Band erreicht hatten, führten dazu, dass die Zukunft der Band in den letzten drei Jahren nicht mehr auf dem Prüfstand stand.

Pascow - Pic by Andreas Langenfeld
Pascow – Pic by Andreas Langenfeld

AFL: Labelboss zu sein ist ja auch viel Fansein. Bis auf das selbst musizieren hast du alles, was du bei Pascow gemacht hast, auch bei The Baboon Show gemacht, eine Band, die ohne dich heute, zumindest in Deutschland, nicht da stehen würde, wo sie heute steht. Du hast für die Band Platten veröffentlicht, Touren gebucht etc. Wie hast du dich damals in die Band verliebt?

Alex: Wir haben die zum ersten Mal im Rahmen eines kleinen Human Parasit Festivals in Flensburg gesehen und wir wollten uns die Band eigentlich auch gar nicht ansehen. Die Beschreibung, The Baboon Show seien eine lustige Punk-Rock’n’Roll Band war so gar nicht mein Ding. Dank Bäppi vom Human Parasit Fanzine, der uns förmlich an der Abreise gehindert hatte, haben wir die Band dann doch gesehen und von deren Liveshow im kleinen Hafermarkt waren wir total baff! Es war eines der besten Konzerte, die ich jemals gesehen habe. Ich habe dann schnell gemerkt, dass die Band in Deutschland niemand kennt.

Ich habe mir am gleichen Abend das Album Punkrock Harbour auf CD an deren kleinen Merchtisch gekauft. Auf Vinyl gab es die damals noch nicht und das Album hatte zudem ein echt schlechtes Cover. Zwei Tage danach habe ich die Band angeschrieben, um zu fragen ob sie Punkrock Harbour auf Vinyl veröffentlichen wollen. Relativ schnell kam eine Antwort und so ging es mit der Zusammenarbeit los. Punkrock Harbour erschien dann auf Vinyl über Kidnap Music mit neuem Artwork. Für mich war das Ganze damals Dienst am Rock, da ich helfen wollte diese Band bekannt zu machen. Ich war mir damals sicher….wenn die Welt nichts von dieser Band erfahren würde, dann hätte die Welt was verpasst! Es hat dann zwar echt lange gedauert und die Band ging mit den Release von Punkrock Harbour noch nicht durch die Decke. Der Erfolg kam vielmehr peu à peu. Einen wirklich großen Schritt hat die Band dann erst mit Radio Rebelde gemacht. Mit diesem Album stieg der Bekanntheitsgrad der Band sehr schnell und die Band ist seither auf einem Level, das sie verdient hat. Mit dem Album Radio Rebelde wurden sie dann auch von Die Toten Hosen, Broilers, Donots etc. mit auf Tour genommen.

AFL: Pascow funktioniert ja nicht nur wegen der guten Texte. Musikalisch hebt sich die Band auch von anderen deutschsprachigen Bands ab. Wieso habt ihr nie außerhalb des deutschsprachigen Raums gespielt?

Alex: Wir sollten mal eine Clubshow in Stockholm, ein Festival in Paris und das Wonk Fest in London spielen, alle drei Angebot haben final zeitlich leider nicht geklappt und so haben wir bis heute noch nicht außerhalb des deutschsprachigen Raumes gespielt. Wahrscheinlich haben es deutschsprachige Bands außerhalb von Deutschland, Österreich, Schweiz nicht so leicht. Wir sehen zwar in unseren Streamingauswertungen, dass Pascow auch in Amerika, Südamerika, Polen, Russland oder Frankreich gehört wird und manchmal bekommen wir von den Leuten dort auch Feedback, das ist aber nach wie vor ein ganz kleiner Teil und Konzertangebote aus diesen Ländern gab es praktisch nie. Würden wir englische Texten machen, könnte das vielleicht auch klappen, aber du kennst ja unsere englischen Texte vom Demo Tape und der ersten EP…. (Alex fängt laut an zu lachen)…das sollten wir also besser bleiben lassen.

AFL: Aber den Versuch, wie beispielsweise Die Toten Hosen oder Rammstein, mit deutschen Texten international zu touren, wollt ihr nicht starten?

Alex: Ich glaube, wenn eine Anfrage käme und Humberto, unser Booker, uns zwei Wochen in Südamerika oder England auf Tour schicken würde, dann würden wir das auch machen, klar. Aber ich glaube nicht, dass wir ein wirkliches Publikum in anderen Ländern haben. Das merken wir schon in Österreich und der Schweiz, dort kommen im Verhältnis zu Deutschland bereits deutlich weniger Leute. Aber hätten wir die Chance außerhalb der genannten drei Länder zu spielen, wir würden es auf jeden Fall mal machen um zu sehen, wie unsere Musik ankommt, wenn die Texte keine Rolle spielen. Hier in Deutschland spielen die Texte immer eine große Rolle und gerade bei einer neuen Platte geht es in Interviews und Reviews sehr viel um Texte. Bei englischsprachigen Bands hingegen geht es oft mehr um die Musik.

AFL: Welche aktuellen Bands oder Releases können dich inspirieren?

Alex: Was ich letztes Jahr gut fand, und von welcher Band ich auch schon immer Fan war, ist die neue Hellacopters, auch wenn der alte Gitarrist, der ein Genie war und ja leider verstorben ist, dort nicht mehr dabei ist. Hate Über Alles von Kreator wäre hier zu nennen, auch wenn ich kein Thrashmetal Typ bin, fand ich die Scheibe super. Wenn es um das Thema Songwriting geht, spielen Kvelertak ebenfalls immer eine Rolle, auch wenn viele den Zusammenhang zwischen unserer Musik und Kvelertak nicht sehen, ist die Band im Studio immer ein Thema und eine Referenz. Sven hat sich davon inzwischen auch immer mal wieder inspirieren lassen. Jay Retard sollte ich wohl noch nennen, da er mich oft schon sehr inspiriert hat. Daniel Johnson habe ich während der Songwritingphase auch viel gehört. Das Songwriting zu Sieben war allerdings weniger experimentell und es gab weniger Referenzen als bei Jade. Im Ganzen haben wir weniger nach irgendwelchen Soundexperimenten und Vorbildern gesucht. Es sollten dieses Mal einfache, simple Songs werden.

AFL: Du sagst ihr hättet keine Experimente gewagt. Bei Mailand sind Streicher involviert. Wer kam auf die Idee und wer hat die eingespielt?

Alex: Ich muss dir zunächst ein Lob aussprechen, dass du die Streicher erkannt hast. Du bist der erste, der nicht in der Band ist und die Streicher erkennt. Die meisten halten es für einen Gitarreneffekt, ein Keyboard oder Synthesizer. Kaum jemand hat erkannt, dass es echte Streicher sind. Und diese wurden von zwei Leuten des Koblenzer Orchesters eingespielt, eine Frau aus Chile und einem Mann aus Bonn. Kurt Ebelhäuser (Produzent der Platte) kennt die beiden flüchtig und hat sie während unseres Studioaufenthalts gefragt, ob sie Lust hätten den Part einzuspielen. Das Ganze wurde dann mit Violine und Bratsche eingespielt. Die eigentliche Melodie stammt von Kurt und Sven. Die Idee mit den Streicher kam uns beim Hören von The Faint und deren Song Southern Belles In London Rings. Die Geigen dort fanden wir sehr cool und dachten uns: lass auch mal Geigen in einem untypischen Kontext machen! Erst fand Kurt es kitschig – als es fertig war, fand er es dann aber cool. Jetzt müssen wir uns nur überlegen, wie wir das live umsetzen, damit man es auch erkennen kann.

AFL: Co-Produzent bei eurem neuen Album ist Michel Wern. Michel wurde quasi mit eurer Musik groß. Wie hat sich das auf die Arbeit ausgewirkt, wenn jemand, bei dessen musikalischer Entwicklung ihr eine prägende Rolle gespielt habt, nun bei der Produktion mitwirkt?

Alex: Wir haben uns erstmal sehr gefreut, da wir Michel kennen seit er ein kleiner Junge ist. Seinen Werdegang und seine Arbeit habe ich eher aus der Ferne verfolgt, aber dass er so gut als Produzent ist, habe ich erst bei der Zusammenarbeit mit ihm erlebt. Er hat uns als Band sehr gut verstanden und viel Input in diese Platte gegeben. Das Grundgerüst, also die Gitarrenmelodie und Gitarrenlicks, bei Königreiche im Winter sind komplett von ihm. Die Arbeit mit ihm war super und auch ziemlich entspannt. Ich glaube, es hat ihm auch viel Freude gemacht mit uns zu arbeiten. Swen ist normal super kritisch gegenüber Leuten, die auf unsere Musik in irgendeiner Weise Einfluss nehmen wollen. Aber im Fall von Michel war er entspannt. Er hat sich von Michel Tipps und Verbesserungsvorschläge geben lassen. Das zeigt, wie viel Respekt und Vertrauen auch er vor Michels musikalischem Können hat.
Die gute Stellung von Michel zeigte sich auch darin, dass am Anfang des Aufnahmeprozesses Kurt die meisten Songs mit uns aufgenommen hat, Michel übernahm nur vereinzelte Parts, das Schneiden etc. Im Laufe der Zeit wurde Kurts Anteil dann weniger und Michel übernahm auch das Aufnehmen immer mehr. Das spricht für ihn.

AFL: Euer Album hat zwei Cover. Auf dem einen steht ein Mädchen und weder Band-, noch Albumname. Das zweite Cover ist passend zum Titel ein Symbol für Sieben. Optisch erinnert es mich sehr an Six von Itchy Poopzkid. War das eine bewusste Referenz?

Pascow – Sieben (Album-Cover, 2023)

Alex: Nee, nee. Es gab zuerst diese beiden Fotos, das Mädchen und den Jungen. Zum Hintergrund: das sind dokumentarische Fotos und keine gestellten Motive, die für uns gemacht wurden. Für uns war es daher wichtig, dass die Bilder komplett für sich alleine stehen und nicht mit einem Pascow Schriftzug verunstaltet werden. Auch Merch o.ä. Wird es nicht mit diesen Fotos geben. Jedenfalls kam nach der Auswahl der Fotos der Plattentitel Sieben und die Idee mit dem Schuber. Von Kay Özdemir kam die Idee der römischen Sieben. Diese Idee hat André Nossek dann aufgegriffen und die sieben Striche in einem Block zusammengefasst. Das fanden wir sehr catchy und stimmig, vor allem da es sehr reduziert ist und wir solche schichte Sachen sehr mögen. Mit André arbeiten wir übrigens schon lange zusammen und von ihm stammt u.a. der Rabe des Diene der Party Covers. Wie auch immer, wir sind dann mit der Platte am Tag der Coververöffentlichung in den Vorverkauf gegangen und dann kamen ein paar Leute auf uns zu und sagten, dass es sie an das Six Cover von Itchy erinnere. Wahrscheinlich haben wir das Cover von Itchy in der Vergangenheit mal gesehen, aber während des kompletten Artwork Prozesses hatten wir das nicht präsent. Es war an diesem Punkt einfach auch zu spät um noch irgendwas daran zu ändern. Es war also ein Versehen und ich habe noch am gleichen Tag eine Mail an Itchy geschrieben und ihnen erklärt, wie es dazu kam. Die haben es mit Humor genommen und wir haben vereinbart, dass wir irgendwann mit dem Itchy Six und Pascow Sieben Cover was Gemeinsames machen.

AFL: Ja cool, dann bin ich mal gespannt was da kommen wird! Danke für deine Zeit und die ausführlichen Antworten!

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