Als vor ca. acht Jahren die letzte Platte mit einem sich immer wiederholenden Alles wird gut ganz langsam ins Fade-Out verabschiedete, hätte ich nicht erwartet, dass es so lange dauern wird, bis wieder neues Material erscheint. Zugegebenermaßen ist Frei.Tal ein derart starkes Album, vielleicht sogar das beste der bisherigen Bandgeschichte, dass womöglich der Akku einfach etwas leer war. Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor, dass Arrested Denial unterwegs sind, da fühlt es sich irgendwo komisch an, dass Nirgendwo Angekommen erst die dritte Platte der Hamburger ist.

Arrested Denial 2025

Viel hat sich in den Jahren in der Musiklandschaft, politisch aber auch zwischenmenschlich getan. Arrested Denial sind älter geworden, sind aber als Band trotz Veröffentlichungspause immer aktiv gewesen. Sowohl auf den Bühnen hierzulande, aber auch im Ausland in Osteuropa bis hin nach China hat es die Kapelle getrieben. Aus dem hoffnungsvollen Alles wird gut ist die Hoffnung geblieben. Mit Nirgendwo Angekommen ist aber auch die Wut weiter gewachsen.

Selten, oder eigentlich gar nicht, haben sich Arrested Denial so deutlich geäußert. Natürlich gab es Nummern wie Nationalisten aller Länder, die keinen Zweifel an der Einstellung der Band übrig gelassen haben. Auf Mauern jedoch greift Valentin zu derart deutlichen Worten, bei denen ich das erste Mal gedacht habe: ‚Wow, da ist jemand aber angepisst.‘ Und auch abseits davon ist Nirgendwo Angekommen deutlich mehr auf den Punkt, als vorangegangene Veröffentlichungen.

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Wo früher weite Umschreibungen und recht lange Instrumentalparts ihren Platz gefunden haben, wurde auf Nirgendwo Angekommen sich zu großen Teilen auf das Wesentliche konzentriert. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der typische Sound von Arrested Denial immer noch vorhanden ist. Ebenso die Nummern, die ganz gerne mal etwas ausufern. Dabei wird sich aber weiterhin auf vier Akkorde besonnen, welche jedoch zuweilen sehr geschickt eingesetzt werden.

Noch zu Zeiten von Frei.Tal und etwas darüber hinaus haben sich Arrested Denial bei Rantanplan hier und da mal eine Trompete ausgeliehen. Nun auf Nirgendwo Angekommen konnten die Hamburger Pip an der Trompete als festes Bandmitglied für sich gewinnen. Mit dem Opener der Platte wird innerhalb der ersten paar Sekunden deswegen auch direkt Nägeln mit Köpfen gemacht, sobald die Bläser ertönen. Allerdings ist Pip an der Trompete definitiv nur unterstützend unterwegs. Wer also Sorge hat, dass nun bei jeder Nummer der neuen Platte rumtrompetet wird, der sei beruhigt. Ganz im Gegenteil, der Einsatz der Trompete beschränkt sich auf recht wenige Nummern und dann auch nur aktzentweise. Nie wirkt die Trompete fehl am Platz. Immer, wenn eingesetzt, wertet sie den jeweiligen Song auf.

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Bis zu Nirgendwo Angekommen waren Arrested Denial, exklusive Church on Friday, bei Mad Butcher Records unterwegs. Die neue Platte wird über Bakraufarfita Records veröffentlicht. Ein Label, dass ohnehin schon für fantastische Bands im Katalog bekannt ist, hat nun also ein weiteres hochwertiges Pferd im Stall. Ein klein wenig DIY geben Arrested Denial mit dem Schritt zum Major Punklabel sicherlich ab, andererseits eröffnen sich den Hamburgern vielleicht nun auch noch weitere Optionen. Ich würde es ihnen wünschen.

So finden sich auf Nirgendwo Angekommen zwei Features mit Steff von Alarmsignal und Tex von Slime. Tatsächlich muss ich gestehen, dass, als ich die Features gesehen habe, leicht genervt war. Nicht von den Features an sich natürlich, sondern eher, dass gefühlt auf jeder Punkplatte, die aktuell veröffentlicht mindestens 2-3 Features vorhanden sind, die dann am Ende des Tages kaum einen Mehrwert liefern und sich eher wie erzwungene Crosspromo anfühlen. In dem Gespräch mit Arrested Denial wurde mir jedoch versichert, dass die Zusammenarbeit von Herzen kommt.

Dennoch: Für ein paar Stunden (feat. Steff) ist ganz nett, holt mich aber zurzeit noch nicht so wirklich ab. Die Nummer klingt für mich ein wenig wie ein typischer Punkrock-Song, den man auf jeder beliebigen Platte da draußen auch hätte finden können. Was mich an Arrested Denial seit nun Jahren so begeistert ist, dass man die Platten nach Jahren noch auflegen und neue Nuancen sowie Feinheiten entdecken kann, wodurch die ein oder andere Nummer ihren ganz eigenen Charme entwickelt. Diese Hoffnung habe ich auch bei Für ein paar Stunden. Auch, weil ich sowohl Alarmsignal als auch eben Arrested Denial sehr schätze.

Auf der anderen Seite ist da das Feature mit Tex beim Song Mauern. Unabhängig von der Deutlichkeit, die ich vor einigen Zeilen schon angesprochen hatte, reißt Tex hier wirklich alles weg. Als ich das erste Mal die Nummer gehört habe und Tex zu seinem Einsatz kommt, habe ich Gänsehaut bekommen. So unglaublich unterschiedlich groß sind der Gesang aber auch die Textstruktur von Valentin und Tex, dass das eigentlich nicht funktionieren sollte. Und doch geht das verdammt nochmal gut auf. Mir raubt die Nummer immer wieder den Atem. Ohne Zweifel haben sich die zwei hier gefunden. Trotz meines Gemeckers über Features: So ein Feature darf gerne jederzeit immer wieder sein. Und vielleicht gebe ich Slime jetzt doch irgendwie nochmal ein Chance.

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Experimente wie Alles bleibt gleich auf Frei.Tal, eine Nummer die Elektro mit Punk und Metal vermischt, gibt es auf Nirgendwo Angekommen kaum. Dafür ist die Platte echt zu sehr auf den Punkt. Allerdings veröffentlichen Arrested Denial zum ersten Mal mit Nirgendwo. Angekommen. eine Akustiknummer. Jedoch besteht kein Grund zur Sorge nach etwas Lagerfeuergeklimper. Auf ganz subtile wie intelligente Weise werden hier Ukulele, Mandoline, ein bisschen Synthesizer und Cello miteinander vermischt. Auf übliche Songstrukturen wie Strophe, Refrain, Strophe wird ebenfalls vollständig verzichtet. Die Nummer bildet einen schönen Abschluss zur Platte, die so auch in Erinnerung bleibt.

Nirgendwo Angekommen ist, wie bereits mehrfach erwähnt, deutlich direkter, kondensierter und auf den Punkt gebracht, als vorangegangene Veröffentlichungen. Zumindest zurzeit kommt die Platte daher auch noch nicht an die extrem starke Frei.Tal-Platte heran. Die Arrested-Denial-DNA lässt sich dennoch heraushören, wobei sie für mich erst ab Track Nummer vier so richtig durchscheint. Durch ihre recht stringente Art könnte Nirgendwo Angekommen aber auch zugänglicher für Menschen sein, die jetzt erst auf Arrested Denial gestoßen sind. Mir fehlt ein ganz klein wenig Charakter an der Platte, wobei ich aber gestehen muss, dass ich eine Schwäche für Ecken, Kanten und ausufernde Musik wie Texte habe.

Ebenso muss ich mich leider damit abfinden, dass Arrested Denial keine englischsprachigen Texte mehr schreiben. Für mich war die Kapelle eine dieser wenigen, die den Spagat zwischen englisch- und deutschsprachigen Songs auf einer Platte geschafft haben. Das ist keine Kritik an Nirgendwo Angekommen, mehr nur ein leicht trauerndes Abschiednehmen von dem Wunsch nach neuen englischsprachigen Tracks.

Acht Jahre musste die Außenwelt nun darauf warten, dass Arrested Denial endlich neues Material veröffentlichen. Mit Nirgendwo Angekommen haben sich die Hamburger mehr als würdig zurückgemeldet. Die Platte ist rund, vielleicht ein klein wenig zu rund, macht aber dennoch Spaß. Die Platte ist kondensiert, deutlich und zuweilen äußerst unbequem. Die Platte bringt Neues in Form von Bläsern und weniger Firlefanz, lässt die Essenz der Band aber nicht links liegen. Nirgendwo Angekommen ist eine Platte für den Moment, aber auch für die nächsten Jahre. Sie ist weit weg von 0815-Punk, trotz 4-Akkorde-Mentalität. Sie überzeugt durch Sound, Ideen und Struktur. Nirgendwo Angekommen ist vielleicht doch ein wenig ankommen. Bis dann 2033 irgendwo eine neue Platte der Hamburger erscheint.

Nirgendwo Angekommen erscheint am 05. Dezember 2025 auf Vinyl, CD und digital. Ein paar exklusive Vinylpressungen und Bundles gibt es noch direkt bei Arrested Denial im Shop, ansonsten findet ihr auch noch Platten bei Bakraufarfita Records. Zwei Releaseshows wird es im neuen Jahr geben, habt außerdem ein Auge auf die Socials von Arrested Denial, falls ihr die Jungs mal live erleben wollt.

Tracklist

  1. Alles wie es war
  2. Für ein paar Stunden feat. Steff (Alarmsignal)
  3. Auf all den Lärm
  4. Am falschen Ort
  5. Hamburg
  6. Nirgendwo Angekommen
  7. Mauern feat. Tex Brasket (Teluxe, Slime)
  8. Offbeat Antifa
  9. So wenig Zeit
  10. Nichts zu bereden
  11. Nirgendwo. Angekommen.

Arrested Denial Live 2025 / 2026:

28.11. Harburg – Maria’s Ballroom
19.12. Hannover – Faust
10.01. Hamburg – Hafenklang Goldener Salon
17.01. Berlin – Wild At Heart
06.02. Braunschweig – Spunk
14.03. Harburg – Stellwerk
04.04. Duisburg – Indie
18.04. Lauchhammer – Südclub Rote Zora

 

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– Playlist: Happy Release Day

4 Kommentare

  1. Hammer Platte! Läuft gerade in Dauerschleife! Auch die Frei.Tal. Hab ich mir damals schon auch angehört und für gut befunden, aber irgendwie aus den Augen verloren. Das Antitude Fest in Rosenheim im September hätte ich mir definitv gegeben, leider verpennt. Falls die demnächst mal wieder Richtung Süddeutschland kommen, geb ich mir das definitiv.

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