Converge-Love-Is-Never-Enough-Cover

Converge sind zurück. Wobei – weg waren sie eigentlich nie. Aber neun Jahre seit The Dusk In Us fühlen sich trotzdem verdammt lang an.

Seitdem gab es das Jane Live Album sowie in Kollaboration mit Chelsea Wolfe das düstere, fast schon cineastische Bloodmoon: I – stark, aber eben spürbar anders als das übrige Material der Band.

Love Is Not Enough – je nach Zählweise Album Nummer zehn oder elf – erscheint über Epitaph Records und kommt digital, auf CD und in zig Vinyl-Varianten über Deathwish Records.

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Können wir uns bitte zu aller erst einmal vor der Produktion, die wie üblich unter den Händen von Kurt Ballou im God City Studio entstanden ist, verneigen? Es ist ein Wunder, wie es ihm gelingt, die Drums gleichzeitig scheppern und bis zum einzelnen Beckenschlag differenziert klingen zu lassen und dabei auch noch unglaublich fett zu mischen. Die Gitarren klingen gleichzeitig schmutzig und druckvoll; hört euch nur einmal den Anfang vom zweiten Song Bad Faith an. Und der Bass erst, leicht angezerrt und trotzdem klar. Die Dichte, die in anderen Produktionen durch viel Kompressor auf Kosten der Transparenz erzielt wird, schafft Kurt Ballou hier zu erzeugen und dabei trotzdem alle Instrumente bis zum letzten Anschlag differenziert klingen zu lassen. Wahnsinn.

Musikalisch bleiben Converge Converge – und das meine ich als Kompliment. Keine Selbstkopie, aber auch kein zwanghaftes Neuerfinden. Mal eher chaotisch, mal eher groovig wechseln sich insgesamt 10 Tracks ab. Wobei die Songs auf Love Is Not Enough insgesamt weniger mathcore-vertrackt sondern recht straight mit klaren Songstrukturen daher kommen. An Stelle fünf der Tracklist steht mit Beyond Repair ein eher sphärisches Interlude, das das Album in zwei ungleiche Hälften teilt. Eher dissonant und ohne wirkliche Entwicklung in den zweieinhalb Minuten hat das Stück dann doch mehr Filler-Charakter als alles andere. Die übrigen neun Songs haben es aber in sich, wobei die durchschnittliche Titellänge in der ersten Hälfte eher bei 2 Minuten, in der zweiten Hälfte eher bei 4 Minuten liegt.

Dabei sind Converge wie eh und je vertontes Leid und Pein. Wer hier eine positive Botschaft oder Hoffnung sucht, ist an der falschen Stelle. Über allem thront Jacob Bannons Stimme – dieses Wechselspiel aus Keifen, Bellen, Growls und diesem unverwechselbaren, fast mantraartigen Sprechgesang.

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Das Album beginnt mit dem Titelsong, der eine ähnliche Energie mitbringt wie schon die jeweils ersten Titel auf All We Love We Leave Behind und Axe To Fall. Es folgt Bad Faith, ein extrem groovender Kopfnicker. Distract And Devide drückt dann für eineinhalb Minuten wieder das Gaspedal bis auf den Boden; und so geht es wechselnd weiter. Dabei zeichnet jeden Song eine emotionale Dichte aus, die seinesgleichen sucht. Das ist kein Album für nebenbei. Das ist ein Album, das dich packt und nicht mehr loslässt.

Highlights gibt es auch in der zweiten Hälfte des Albums. Hervorzuheben ist hier Gilded Cage. Jacob Bannons leiernder Gesang untermalt mit dem Groove in der Strophe und die dissonante Gitarre machen das Gefühl, in einem „goldenen Käfig“ gefangen zu sein, fast körperlich spürbar. Make Me Forget You ist überraschend melodisch – zumindest nach Converge-Maßstäben. Natürlich keine klar hervorstechenden offenen Popmelodien, aber die darunter liegende Harmonie findet man selten bis gar nicht in der Converge Diskografie. Und natürlich wird auch hier kein schönes Gefühl besungen:

I never said, what I meant to
Nothing can make me forget you

Und dann kommt We Were Never The Same – treibend, nervös, mit Gitarrenpicking, das kurz an Dark Horse erinnert – und plötzlich ist alles vorbei. Viel zu schnell. Einerseits ist man froh, den Leidensweg durchschritten zu haben, den Converge hier vertont haben. Andererseits ist das neue Material wieder auf einem so hohen Niveau, dass es auch gerne ein-zwei Songs mehr hätten sein können.

Fazit

Februar ist zu früh, um über einen eventuellen Kandidaten für das Album des Jahres zu spekulieren. Aber, für alle, die Converge sowieso im Herzen tragen: Pflichtkauf. Und für alle anderen vielleicht genau der richtige Moment, endlich einzusteigen.

Tracklist

  1. Love Is Not Enough
  2. Bad Faith
  3. Distract And Devide
  4. To Feel Something
  5. Beyond Repair
  6. Amok Amok
  7. Force Meets Presence
  8. Gilded Cage
  9. Make Me Forget You
  10. We Were Never The Same
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– Playlist: Happy Release Day
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Tobias
2021 erst zu Away From Life dazugestoßen, aber seit über 20 Jahren vor, auf und neben den Bühnen dieser Republik aktiv. Young til I die! Irgendwann habe ich dann immer öfter die Gitarre gegen die Kamera getauscht, versuche mich aber gerne auch mal an dem ein oder anderen Review. Auf die einsame Insel gehe ich nicht ohne die wichtigsten Platten von Shai Hulud und Bane. Vinyl Lover. Zuhause an Rand von Hamburg, mit dem Herzen aber am Millerntor.

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