AFL: Gebt uns mal einen Einblick in den Entstehungsprozess. Wie lief das Songwriting und vor allem das Recording des Albums ab?
Kevin: Hi! Erstmal danke für die Gelegenheit. Das Interview machen Andrew, Martin und ich. Elaine ist busy im Studio. –– Das Songwriting beginnt in der Regel mit der Gitarre. Wir bauen Songs um fette, klare Hooks herum und versuchen, die Hooks so miteinander zu verbinden, dass sie gut ineinanderfließen und dennoch einige Überraschungen bieten. Dann arbeitet Martin die Drum-Parts aus und macht alles etwa zehnmal heavier.
Im Sommer 2024 sind wir zu Justin, David und Basti nach Hannover ins 1408 gegangen. In den Monaten vor den Aufnahmen zum Album hatten wir niemanden am Gesang. Wir haben in der Zeit vier Konzerte als Trio gespielt, nur Instrumente. Das hatte uns gezwungen, auf alle möglichen Details in den Songs und unserem Spiel zu achten, die wir sonst vielleicht vernachlässigt hätten. Außerdem haben wir auch Preproduction-Demos mit unserem Freund Daniel von Update.Enter aus Bremen aufgenommen. Das hat auch geholfen die Songs weiter zu verfeinern. Als wir einige Monate später im Studio angekommen sind, um das Album aufzunehmen, waren wir wirklich gut vorbereitet. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass es ‘einfach’ war, aber wir wussten was wir zu tun hatten.

Martin: Das Tracken der Songs selber war super cool. Vor allem weil wir die Monitor-Boxen hatten, mit denen Durch den Monsun aufgenommen wurde. (Aber nicht im 1408). Andrew war erst kurz vorher dazu gekommen und die Gesangslinien haben wir dann zurück in Berlin geschrieben und den kompletten Gesang bei uns im Proberaum aufgenommen. Elaine kann das coolerweise alles.
Andrew: Genau. Als wir im Studio waren, bin ich krank geworden und konnte meine Ideen nicht aufnehmen. Das hat mich in dem Moment voll ausgebummed. Im Nachhinein bin ich aber froh, dass wir es selber gemacht haben und bin mit dem Ergebnis total happy.
AFL: Der Sound unterscheidet sich ja schon sehr zur vorherigen Demo. Wie kam es zu diesem Kurswechsel?
Martin: Das hängt mit der Bandgeschichte zusammen. Wir hatten ursprünglich als Double Life mit Nico von Sputa und Sergio (RIP) von Wipeout, Kevin und mir begonnen. Das Demo ist noch aus der Zeit und trägt auch die Handschrift von Sergio und Nico, von dem auch die italienischen Texte kommen. Bisschen später kam Elaine am Bass dazu. Dann ist Nico vollzeit zu Sputa zurück und wir haben zu dritt geschrieben und damit auch eine neue Richtung eingenommen. Ein Teil des Sounds jetzt liegt auch an der Art, wie die Platte produziert ist. Das Demo hatten wir mit Tobi Don Xuan und einer Tonbandmaschine aufgenommen. Alles rougher. Außerdem musste Kevin da bereits den Bass übernehmen. Und obwohl er das super gemacht hat, bringt Elaine nochmal ganz andere Möglichkeiten in die Band, was sich auf jeden auch in den Songs bemerkbar macht. Zwischen Demo und ‘Please Delete This’ kam Anfang des Jahres noch eine Split mit Asfalto aus Medellín. Unsere Songs darauf deuten eine neue Richtung vielleicht schon an. Und dann ist mit Andrew seit einiger Zeit ja auch eine ganz neue Person dabei.
Kevin: Mindestens zwei der Songs auf der Demo stammen aus der Zeit vor Double Life: Der erste Song war ein Riff von Wipeout, und ich habe während der ersten Tage des COVID-Lockdowns den zweiten Song geschrieben, den wir für unsere Split-Veröffentlichung mit Asfalto neu aufgenommen haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der dritte Song auf dem Demo ein aussortiertes Riff von Sputa war… Das Demo ist also nur eine Momentaufnahme der ersten Monate der Band und wir sind ziemlich schnell zu dem Material übergegangen, das schließlich auf dem Album gelandet ist. Die Demo-Songs waren ein guter Ausgangspunkt. Eine Sprache, die wir alle sprechen konnten, um dann unsere eigene zu finden. Als Nico und ich anfingen, andere Sachen auszuprobieren, wurden diese neuen Ideen aus songwriterischer Sicht interessanter und aus performativer Sicht zu einer spannenden Herausforderung für die Band.
Wie ist das Feedback bisher auf die neuen Songs und vor allem auf die beiden Videos zu „Supermercato“ und „Godrolling“?
Andrew: Das Feedback ist positiv und supportive! Die Leute haben mir gesagt, sie mögen, wie das Supermercato Video ‘goofy’ ist und sich nicht so ernst nimmt.
Martin: Mir wurde gesagt, ich verstecke mich zu doll vor der Kamera. haha. Keine Ahnung, also ich hab auch Positives gehört. Zu den Songs selber sind die Rückmeldungen super. Es gibt ein paar Leute, die uns von Beginn an voll pushen und den Entstehungsprozess mitverfolgt haben und dann von den fertig gemixten Songs nochmal krass geflasht waren. Was beides super cool ist (support und flash. LG an meine Schwester!).
Kevin: Ich finde es immer lustig, wenn Leute nach einer Show zu uns kommen und sagen: „Ihr klingt wie _______.“ Oft ist das eine Band, an die ich beim Songschreiben nie gedacht habe (z. B. Helmet), aber manchmal ist es auch eine Band, die ich ganz bewusst kopieren wollte (z. B. Pile). Manchmal ist es eine, von der ich wahrscheinlich zumindest unbewusst versucht habe, nicht so zu klingen wie sie (z. B. Primus). Ich nehme alles als Kompliment. Die eigenen Songs sind ja immer auch ein Abbild der musikalischen Sozialisation. Welche Bands haben euch besonders geprägt und zählen noch heute zu euren Heavy Rotations?
Andrew: Beim Schreiben und Aufnehmen hab ich viel TUI und Yuragi, aber vor allem Hall and Oates gehört. (Vor allem das Private Eyes Album).
Martin: Mein Kumpel Chris Schwach sagt ich hör nur Saves The Day und Terror und ich muss sagen, dass das eigentlich stimmt. (Ich habe neulich geträumt, dass ich mit einer Zeitmaschine zu Scott Vogel gereist bin, als Terror noch nicht fett waren und ich konnte ihm sagen, no worries, die Band wird geil. So ein cooler Traum!!). Sonst zuletzt auch viel Angel Du$t, Eyeball und Trapped Under Ice, Heatwave. Um die Aufnahmen herum auch Limp Bizkit wegen John Otto.
Kevin: In letzter Zeit habe ich mir viel von dem wieder angehört, was ich Ende der 2000er/Anfang der 2010er Jahre gehört habe: vor allem schnell/scuzzy Punk mit riesigen Hooks, z.B. Marked Men, Jay Reatard, Young Governor, Milk Music. Und ich bin immer auf der Suche nach Power-Pop-Compilations. Ich liebe die Powerpearls und Teenline Series.

AFL: Und es gibt da doch bestimmt auch das ein oder andere „Guilty Pleasure“. Wir sind neugierig!
Martin: Mhmhm, richtig guilty … ich weiß ja nicht. Naja, Jochen Distelmeyer passt vielleicht in die Kategorie. Und Romeo Santos. Ich glaube aus Kevins Sicht ist alles, was Andrew hört, guilty. Kevin?
Kevin: Ich glaube nicht wirklich an „guilty pleasures“: Ich finde, man mag einfach, was man mag und sollte sich dafür nicht schämen. Wenn es ein Verbrechen ist, ABBA zu lieben, dann bin ich wohl schuldig. Werft mich ins Gefängnis.
Andrew: Guilty Pleasure ist mein middle name. In letzter Zeit beliebt: Jim E. Brown.
AFL: Welche Ziele habt ihr euch für dieses Jahr gesetzt? Auf welche Highlights freut ihr euch nach dem Release besonders?
Martin: Jetzt erstmal wollen wir die Platte spielen. Es sind gerade ein paar Konzerte im Gespräch. Wenn die zustande kommen, wären das Highlights. Aber ist noch nichts spruchreif. Und sowieso: Rauskommen und spielen ist immer das Beste. Egal wie. Wir haben Longsleeves in high-vis gelb und orange. Wenn irgendwer anfängt die zu kaufen wäre auch Highlight.
Kevin: Ich möchte vor allem Konzerte spielen und ein bisschen auf Tour gehen. Und das nächste Album fertig schreiben; ich habe das Gefühl, wir haben fast die Hälfte fertig.
Habt ihr noch irgendwelche letzten Worte oder Statements, die ihr gern raushauen würdet?
Super cool, dass ihr uns berücksichtig! Rest in Power Sergio, Abbracci Nico, danke und Hugs an alle, die an der Platte beteiligt waren, unsere Friends sind und noch werden. Unterstützt Sachen, die nicht kacke sind.
Double Life sind Andrew, Elaine, Kevin & Martin





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