Als ich die Ankündigung sah, dass Berthold City auf Euro-Tour gehen, staunte ich nicht schlecht, als ich sah, dass sie unter anderem auch in Luxemburg spielen.
Als ich mich dann ein wenig schlauer gemacht hatte, wusste ich dann auch, wer das Ganze veranstalten sollte, und welche Bands noch spielen sollten.
Fettes Package auf jeden Fall.
So kam es dann, dass viele Freunde aus dem Saarland meinten, sie würden zur Show kommen, und der doch etwas verrückte Michael, der mit seinem Sohn Fabio kam, der zudem noch seinen 18. feierte. Ich meine verrückt, denn von Freiburg extra mit dem Flixbus nach Luxemburg zu kommen, ist schon ’ne derbe Nummer.
So holten wir Michael und Fabio auf einem Park-and-Ride in Luxemburg ab, und fuhren weiter nach Esch-Alzette, wo wir uns mit einigen anderen trafen und erst mal was essen gingen.
Dann ging es zum Mix N’ Kawa oder einfach kurz MK-Bar. Ja, und hier war ich tatsächlich noch nie. Die MK-Bar liegt in unmittelbarer Nähe der großen Rockhal und macht seit einiger Zeit Konzerte. Es wäre nicht allzu groß, hatte man mir gesagt. Ich würde mal sagen, es ist Platz für ungefähr 150 Gäste. Vom Veranstalter weiß ich, dass 102 Eintritte verbucht worden sind, was für luxemburgische Verhältnisse echt sau viel ist. Die MK-Bar ist an sich eine Kombi aus Kneipe und Konzertveranstaltungsort. Auf den ersten Blick ein cooler Laden.
Discordance
Discordance eröffneten den Abend. Ich hatte mich mit der Band aus Zeitgründen gar nicht beschäftigen können. So ließ ich mich dann überraschen, was die Franzosen zu bieten hatten. Die Überraschung fiel auf jeden Fall positiv aus. Die Metzer Band sagt von sich selbst, dass sie durch Integrity und Entombed beeinflusst ist. Und ungefähr so klingen sie auch. Düster, wütend und brutal. Aber immer mit einem sehr geilen Groove. Obwohl noch nicht so viel los war, gab die Band alles, und wusste mich echt zu begeistern. Wer Lust hat, sich das Ganze mal anzuhören, kann ihr Album Inward auf Spotify oder Bandcamp finden. Kleiner Tipp.
Setlist Discordance
- Intro
- Shine In The Dark
- Deathwish
- Rise Above
- Anthem
- Little Pig
- Legacy Of Pain
- Learning To Love
- Mira
- Sever The Cord
- Confidence
To The Wire
Was soll ich noch viel über To The Wire sagen? Seit ich sie das erste Mal live sah, war ich überzeugter Fan. Ich weiß nicht, wie oft ich sie bis jetzt live gesehen habe, es waren aber etliche Shows. Die Musiker sind mir mittlerweile auch sehr ans Herz gewachsen, menschlich echt tolle Leute. To The Wire hab ich noch nie schlecht erlebt, und so war es auch diesmal. Die Band aus dem Ruhrpott spielte jedenfalls relativ viele neue Songs, und die klingen sehr gut und machen Bock aufs nächste Album. Oliver sagte mir, dass es fertig sei. Kommt so Anfang Sommer, wenn alles gut läuft. Wie gesagt, geile Show, und ich denke, sie dürften ein paar Fans dazu gekriegt haben.
Setlist To The Wire
- Out Of Touch
- Velocity Of Fear
- Lost In Translation
- No Tomorrow
- Make No Mistake
- Stand For Something
- Willpower
- Law Of Attraction
- Not For Sale
Supernova
Genau wie Michael waren Supernova auch mit dem Flixbus angereist, und das aus London. Ich wusste gar nicht mehr, dass es die Dinger überhaupt noch gibt. In den zwei Jahren ihrer Existenz haben die Straight Edger sich bereits eine ordentliche Fanbase aufgebaut. Die Frontfrau schreit sich schon sehr aggressiv ihre Lungen aus dem Hals. Persönlich denke ich, dass die Band in nächster Zeit wohl noch einiges reißen wird.
Setlist Supernova
- Supernova
- Possible
- Nowhere To Go
- Fencewalker
- Off My Chest (Cover)
- From My Hand
- Text Me When You Get Home
- If Only You Knew
Blanket Hill
Blanket Hill waren an sich die Verantwortlichen für diesen Abend. Die Luxemburger Hardcore Band dürfte meines Wissens nach zurzeit die einzige Hardcore-Band aus unserm Land sein. Ich denke, damit liege ich richtig. Man möge mich verbessern, wenn ich falsch liege. Blanket Hill existiert seit über 10 Jahren. Die Band hat schon viel im Ausland gespielt und ist tatsächlich recht bekannt. Hardcore mit einer großen Portion Metal-Einschlag, würd ich das nennen. Kein Metalcore. Eher noch mit Crossover-Einflüssen. Ich seh die Band irgendwo in den Gefilden von Lionheart. Jedenfalls hatte die Band als Locals eine gewisse Fanbase und sie ließen es ordentlich krachen. Mit dem Outro von Chumbawamba’s The Day The Nazi Died dürfte auch definitiv feststehen, wo die Band steht.
Setlist Blanket Hill
- Spare No Pain
- Sign Of The Jackal
- Well Deserved
- Set It Of (Madball Cover)
- Brass Verdict
- I Will Be Heard (Hatebreed Cover)
- Sleeper Cell
Berthold City
Dann war es Zeit für den Headliner, und die Band, auf die die meisten hier den ganzen Abend gewartet hatten: Berthold City. Ich hatte die Band aus Los Angeles zuletzt 2023 auf dem Revolution Calling gesehen, und da hatten sie mir nicht gefallen. Das war damals sehr durchwachsen. Sehr kurzes Set, ich glaube, ein Gitarrist fehlte, zu viel Gerede. Also war das heute die zweite Chance, die sie von mir kriegten. Und was soll ich sagen? Es war von vorne bis hinten einfach eine grandiose Show.
Berthold City hatten richtig Bock. Dabei spielten sie mit richtig guter Laune, die immer wieder ein paar Witze zuließ. Die Ansagen der Band waren auch super. Endlich mal ’ne Hardcore-Band, die den Mund wieder auftut.
Andrews Ansagen waren on point. So äußerte er sich gegen Trump, aber auch gegen rechte Kräfte in Frankreich und in Deutschland. Klar kann man sagen: Preaching to the converted, aber ich finde es gerade aktuell wieder ungemein wichtig.
Die Band spielte ein unfassbar geiles Set, und am Schluss wurde es chaotisch. Nach dem letzten regulären Song, rief Berthold City die Mitglieder der anderen Bands auf die Bühne. Jeder durfte mal irgendwas machen. Chris von To The Wire durfte mal mitsingen, ansonsten weiß ich gar nicht, wer alles was für ein Instrument spielte.
Jedenfalls wurden etliche Hardcore-Klassiker gecovert: Floorpunch – Let It Ride, Youth Of Today – Take A Stand, Unity – Straight on View und Straight Edge Revenge von Project X.
So endete ein wirklich geiler Abend in sympathischem Chaos.
Setlist Berthold City
- Moment Of Truth
- Engines Of Lies
- Only Truth Wins
- Broken Foundation
- Until I Fade
- X-Ray Eyes
- Time Won’t Change
- Take It In Blood
- Take A Snake
- BC Stomp
- What Time Takes
- Where Did We Go Wrong
- Let It Ride (Floorpunch Cover)
- Take A Stand (Youth Of Today Cover)
- Straight On View (Unity Cover)
- Straight Edge Revenge (Project X Cover)
Fazit
Das war ein richtig geiler Abend. Alle Bands hatten Bock, die Location war klasse und der Abend zeigte mir, worum es im Hardcore eigentlich geht. Gute Musik, eine politische Meinung, die gegen alle Formen von Unterdrückung sein sollte. Und natürlich Freundschaften und sich mit Gleichgesinnten zu connecten. All das bot dieser Abend, und ich bin froh, dass die Szene in Luxemburg scheinbar wieder in Fahrt kommt.
Rick und David leisten hier gute und wichtige Arbeit. Danke dafür! Wer sich für die Shows der beiden interessiert, kann bei Instagram unter Attitude Music gucken.
Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf die Show mit Time X Heist und Stay Free. Außerdem machen die Jungs eine Show mit den legendären Merauder. Die Show wird auf jeden Fall gratis sein. Wenn das kein Grund ist, hinzugehen.
Großen Dank an meinen Kumpel Petrik für die Videos und an Anna Borisova für die Fotos. Checkt ihre Fotos hier aus.





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