Montagabends auf ein Konzert zu gehen, hielt ich noch nie für die schlechteste Idee. Den Montagsblues zur Seite fegen und voller Elan in den Rest der Woche starten. La Dispute hatten sich angekündigt, das hatte ich natürlich mitgekriegt und Karten besorgt. Was ich allerdings gar nicht mitbekommen hatte, war, dass die Band aus Michigan mit No One Was Driving The Car erst vor kurzem ein neues Album herausgebracht hat. Was einerseits cool war, da ich mich von neuen Songs überraschen lassen konnte, andererseits mag ich es auch nicht, wenn ich die Songs so gar nicht kenne.
Mit Corinna und ihrem Freund Bernd hatte ich Fahrer für den Abend, und die beiden schlugen auch zeitig bei mir auf.
In der Rockhal angekommen, ging es dann mit Pijn los.
Pijn
Ich hatte mir die Band im Vorfeld kurz angehört, aber auch nicht lange genug, um mir ein Bild zu machen.
Die Band aus Manchester sagt von sich selbst, dass sie Post-Rock spielen. Davon habe ich wenig Ahnung. Was ich aber sagen kann, ist, dass sie ihre Instrumente verdammt gut beherrschen. Ich nenne sowas oft gerne Musik für Musiker. Wobei ich schon manchmal begeistert bin, was die aus ihren Instrumenten herausholen. Der Sound war auch außerordentlich gut. Was ich allerdings als ein wenig schwierig empfand, war der Fakt, dass die Band keinen Sänger hatte. Mit wäre das für meinen Geschmack sicherlich geiler gewesen. Aber ging in Ordnung.
Zwischenzeitlich war meine Freundin dann auch angekommen, die wollte wissen, ob sie was verpasst hätte. Naja, nicht wirklich, wenn man halt auf härtere Musik steht.
Weiter ging es dann auch schon recht schnell mit Vs Self.
Vs Self
Zwar kenne ich Versus You, aber Vs Self waren mir auch unbekannt. Die Musik der Kalifornier könnte man als Screamo mit diversen Hardcore-Influencen und Jazz beschreiben. Jazz-Core? Math-Core? Kein Plan. Vs Self spielten ohne Bass, dafür mit viel Tamburin und zwei Shoutern. Ganz im Ernst, schlecht war das keinesfalls. Die härteren Parts waren sogar richtig geil und machten Bock. Ein wenig weniger Gefrickel auf der Gitarre hätte das ansich zu ’ner runden Sache gemacht. Das Gefrickel nervte nämlich manchmal, wenn’s dann doch zu lang ging. Trotzdem, wie gesagt: Die härteren Parts machten Laune und die Band empfand ich auch als sehr sympathisch, und eigentlich passten sie dann doch ganz gut als Vorband für La Dispute.
La Dispute
Dann stand endlich die Band auf der Bühne, für die alle hier waren, an diesem Montagabend. La Dispute. Die Bühne sah irgendwie aus wie ein Wohnzimmer. Wollig war und einladend. Jordan Dreyer ging direkt auf Angriff. Entweder trinkt dieser Mann Unmengen an Red Bull, hat ADHS, eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Kombi aus allem. Mir ist das schier unbegreiflich, wie man so über eine Bühne springen kann. Dabei dann auch noch fehlerfrei diese ganzen Lyrics singen kann.
Ich meine, im Endeffekt spielen La Dispute keine klassischen Songs mit Strophe und Refrain. Eigentlich ist es fast Spoken Word, das mit Musik untermalt ist. Und es ist irre, wie viele Wörter einem um die Ohren fliegen. Klar spielen La Dispute einige Songs vom neuen Album. Die sind ein wenig sperriger, aber gut. Aber es kommen auch Klassiker. King Park, ein Song, der für mich einer der besten Songs ist, die je geschrieben wurden. Diese Lyrics, dann diese Emotionen so hinzukriegen, live nochmal krasser als auf Platte,
Jordan redete dann noch darüber, dass ihr Hotel gecancelt wurde, und die Band irgendwo auf dem Parkplatz in einem Van gepennt hatte. Dann gab er eine Rede, in der er in zwei, drei Minuten die Weltlage erklärte, mit mehr Wörtern, als andere an einem Tag benutzen. Alle haben hochmoderne Handys in der Tasche, aber wir entwickeln uns als Menschheit zurück, war in etwa das Credo.
Eine Zugabe spielen La Dispute nicht, so was finden sie doof, von der Bühne zu gehen und unter Applaus zurückzukommen und so zu tun, als hätte man das Lied nicht eh schon eingeplant, also blieben sie direkt auf der Bühne und spielten durch.
Jedenfalls ist die Band live einfach ein Must-see. Diese Energie, diese Emotionen. das machte mich mal wieder sprachlos.
Setlist La Dispute
- I Shaved My Head
- Man With Hands And Ankles Bound
- The Most Bitter Fruit
- Scenes From Highways 1981-2009
- Sibling Fistfight At Mom’s Fiftieth
- Woman (reading)
- King Park
- View From Our Bedroom Window
- Steve
- Autofiction Detail
- Why It Scares Me
- I Dreamt Of A Room With All my Friends I Could Not Get In
- Andria
- Environmental Catastrophe Film





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