Ein Text über TikTok-Pits, Content-Dives und die Frage, was „echt“ ist
„ICH WILL KEIN GATEKEEPER SEIN – ABER AUCH NICHT DIE AUGEN VERSCHLIESSEN VOR DEM, WAS GERADE ABGEHT.“
Erstmal vorab:
Natürlich wurde das obere Bild mit KI gemacht – ist doch logisch. Wenn man schon statt Stagedives lieber TikTok macht und der Moshpit einem Algorithmus überlassen wird, warum dann nicht gleich auch das Bild generieren lassen?
Früher haben wir uns mit Bier und Backpatches geprügelt, heute gibt’s Cold Brew und Clean Fonts. Willkommen in der schönen neuen Hardcore-Welt – wo man beim Moshpit noch auf das Outfit achtet.
Aber keine Sorge, das hier ist keine Boomer-Attitüde – ich feier’s, dass sich was bewegt. Mehr Diversität, mehr Spielraum, mehr Stilbrüche. Nur eins bleibt gleich: Wer bei Terror vorne steht, kriegt trotzdem aufs Maul.
Aber jetzt zum Beitrag:
Vom Safe Space zum Taekwondo-Studio?
Neulich auf der Arbeit fragt mich eine Kollegin, ob ich sie mal auf eine Hardcoreshow mitnehmen kann. Nicht wegen der Musik – sondern weil sie sich „mal im Pit prügeln will, um ihre Wut rauszulassen“.
Und das beschreibt eigentlich schon ganz gut, was in vielen Pits heute abgeht: Leute, die glauben, Hardcore wäre ein MMA-Workshop mit Musikbegleitung.
Ich hab dann auch ein bisschen auf Reddit gestöbert. Da gibt’s diesen einen Kommentar über einen Typen, der angeblich regelmäßig Shows besucht, nur um sich rückwärts windmühlend durch den Pit zu prügeln – bevorzugt auf kleine Leute gezielt. Zitat:
“THERE’S A SEMI-LOCAL DUDE WHO COMES TO SHOWS. ABSOLUTE MEATSTACK. LOOKS FOR THE SMALLEST PEOPLE AND WINDMILLS BACKWARDS UNTIL HE CONNECTS. […] I DON’T EVEN MIND CROWD KILLING. IT’S THE INTENTION I HAVE A PROBLEM WITH. HE’S HUNTING.”
Früher hat man sich gegenseitig hochgezogen, war da, wenn jemand gefallen ist. Heute sieht’s teilweise aus wie ein Street-Fighter-Level auf Speed – mit Leuten, die denken, sie müssten zeigen, wie viele Jiu-Jitsu-Moves sie draufhaben, oder direkt mal den Handstand-Spin-Kick auspacken.
Hardcore 2025 – Revival oder Rebranding?

Hardcore erlebt einen zweiten Frühling – oder eher eine zweite Stilberatung.
Was einst ein Sammelbecken für Außenseiter:innen, politische Köpfe und Leute war, die sich selbst und ihre Wut kanalisiert haben, ist heute oft eine Showbühne für sportliche Selbstdarstellung, TikTok-Mitschnitte und Instagram-Ästhetik.
Aber mal ehrlich: Wer braucht martialische Kampfkunst, um seine Wut rauszulassen?
Früher reichte ein Two-Step, ein ehrlicher Singalong und ein offener Circle.
Preise wie bei Beyoncé, Sound wie aus dem Keller
45 bis 55 Euro für eine Karte bei Knocked Loose oder Turnstile?
Ganz ehrlich: Das fühlt sich nicht mehr nach DIY an. Das fühlt sich an wie Coachella-Light – nur mit Breakdown.
Natürlich müssen Bands leben. Aber was passiert mit den Kids, die sich keine 50 € leisten können, um Wut zu verarbeiten?
Hardcore war immer auch eine Plattform für die, die sonst nirgends hinpassten. Wird es jetzt zu einem exklusiven Club?

Ich war beim „Wem gehört der Hardcore“-Event in Köln, auf dem linksautonomen Platz „Wem gehört die Welt“.
Keine absurden Ticketpreise. Kein VIP-Bändchen. Keine Story-Influencer mit 700 Followern. Stattdessen gab’s: Szenegrößen wie Ghetto Justice, Schweiß, Staub und ehrliche Stimmung.
Man hat gegeben, was man konnte. 20 € waren empfohlen – kein Muss. 5 oder 10 Euro, wenn du wenig hattest.
DAS ist Spirit. Kein Plastik-Showcase, sondern echte Verbindung. Das ist Hardcore.
Coachella & Crowd Killing – passt nicht
Und jetzt tauchen Hardcore-Bands auf Coachella auf? Einem Event, das eher ein TikTok-Klassentreffen ist als ein Festival?
Wo das billigste Ticket bei 600 Euro liegt – ohne Essen, ohne Wasser – und jeder sich selbst inszeniert, als wär’s ein Gucci-Werbespot?
Klar – Reichweite ist wichtig. Aber in welchem Umfeld?
Wenn Hardcore zur Background-Musik für Selfie-Sticks wird, sollten wir uns fragen:
Wollen wir das wirklich?
Hardcore in einem solchen Rahmen ist nicht edgy, nicht subversiv – es ist Verklärung.
Ein Szene-Stempel für ein Event, das sich längst komplett der Selbstdarstellung verkauft hat.
Fashioncore & der Schönheitswahn
Dass sich Hardcore verändert, ist normal. Alles verändert sich.
Aber es ist ein Unterschied, ob eine Szene wächst – oder ob sie sich selbst aufisst.
Heute sieht man auf Shows mehr Carhartt, Dickies und Thrasher als bei einem Skate-Shop-Sale.
Klar, Style gehört dazu. Aber wenn man das Gefühl hat, man steht auf einer Fashion Week statt in einem schwitzenden Club, wird’s problematisch.
Hardcore war nie hübsch. Es war roh, hässlich, ehrlich.
Jetzt wirkt’s oft wie ein stylischer Mood-Board für TikTok-Edits.
Natürlich ist Style kein Feind. Doch wenn der Fit mehr zählt als das, was du fühlst – läuft was schief.
Was ist mit der abgeranzten Kutte, den zerfetzten DIY-Shirts, den Outcasts?
Sind die noch willkommen?
Politik: Alte Werte vs. neue Debatten
Hardcore war immer antifaschistisch, antisexistisch, antikapitalistisch.
Heute kommen neue Stimmen aus queeren, nicht-weißen, weiblichen Communities. Die kämpfen oft auch gegen Vorurteile in der Szene.
Alte Fans schimpfen über „Wokeness“ – vergessen aber, dass Hardcore nie unpolitisch war.
Und trotzdem: Hoffnung

Bei aller Kritik – ich will nicht gatekeepen.
Im Gegenteil: Es ist geil, dass die Szene heute diverser ist.
Dass mehr Frauen, mehr FLINTA-Personen, mehr queere Menschen ihren Platz finden.
Dass es musikalisch neue Wege gibt. Dass Bands wieder klar Stellung beziehen.
Wie beim gemeinsamen Smash-ICE-Shirt von Knocked Loose, STYG, Terror etc.
Das ist Haltung. Das ist Hardcore.
Fazit: Kein Gatekeeping – aber auch kein Wegschauen
Ich will nicht der Typ sein, der sagt: „Früher war alles besser.“ War es nicht.
Aber ich will auch nicht so tun, als wäre heute alles okay.
Hardcore ist mehr als Show, Gewalt oder Instagram-Worthiness.
Hardcore ist ein Ort, an dem Wut, Schmerz, Solidarität und Haltung ihren Platz finden.
Du willst dazugehören? Kein Problem.
Aber versteh, wo du bist – und warum es diesen Raum überhaupt gibt.
Ich liebe Hardcore. Ich liebe es, wenn die Gitarren sägen, die Leute schreien, der Schweiß tropft.
Aber ich wünsche mir, dass wir aufpassen, dass aus dieser Energie kein kommerzialisierter Fitness-Lifestyle mit Soundtrack wird.
Hardcore ist mehr als Ästhetik. Mehr als Handstand-Kicks.
Es ist Zusammenhalt, Wut mit Inhalt, eine Stimme für die, die keine haben.
Wer das fühlt, ist willkommen – unabhängig vom Look, Einkommen oder Kickhöhe.
Hardcore hat sich verändert. Von NYHC über Beatdown bis Emo-Hardcore.
Aber:
Wenn Haltung fehlt, bleibt nur noch Lärm.
Wenn du nicht mehr auf die Bühne darfst,
wenn Moshpits choreografiert werden und nur für den Clip existieren,
wenn keiner mehr weiß, warum wir das alles machen –dann müssen wir uns fragen: Wer will noch echten Hardcore?
ich feiere Hardcore seit mehr als 30 Jahren, den Wandel oder das Entstehen von sub Genres, sehe ich positiv. der Spirit ist was uns eint. egal wie sich Menschen im Pit ausdrücken, die einen so die anderen halt mit wirbelnden Armen. Ma im Ernst Hardcore ist keine Shit Chat Veranstaltung. Das ist wie Eishockey oder Football ohne Schutzkleidung. Klar und deutlich Hardcore. Sollen die Menschen die meinen es muss sich was ändern ihre eigene Scene starten und nicht eine bestehende zerstören.
Die Diskussion was nun Hardcore ist und was nicht, gab’s von Anfang an.
Hardcore war Mitte der 80iger das Ding für Leute die von Punk genervt waren.
Wer zu der Zeit auf einschlägige Punkshows wie z.B. Exploited ging erlebte
eine Welt aus Stumpfheit und Gewalt. Da war nix mit Politik, Antisexismus etc. Man traf sich auf diesen Shows um zu saufen und sich gegenseitig die Fresse einzuschlagen. Was, um ehrlich zu sein, durchaus Spaß machen konnte, aber auf Dauer dazu führte, das manche Läden solche Bands nicht mehr wollten und auch der Teil des Publikums der mit dieser Art Belustigung nicht konform ging einfach nicht mehr auf Shows ging.
Da kam für manche die Welle amerikanischer und italienischer HC Bands gerade richtig.
Ein neuer Mikrokosmos wurde geschaffen der sich langsam aber stetig ausbreitete.
Ende der 80iger Anfang der 90iger ging HC durch die Decke. Frontline etc. versorgte die Kids mit den neuesten Scheiben etc. Das Zap träumte von HC als neue Jugendbewegung, und Bands die in USA keinen Laden vollkriegten tourten hier ohne Unterlass.
Anfangs geil, dauerte es nicht lange bis es zur Spaltung kam. Für die einen alles Kommerz, für die anderen Spaß ohne großen Inhalt.
Die einen lasen Plot, die anderen nix.
Die einen wollten slammen, die anderen beschlossen, das das zu prollig und machomässig ist und beschlossen zur Musik nur hin und herzuwippen. Kein Scheiss!
Bands und Fans wurden wechselseitig niedergemacht . Manche Band schaffte es sogar von allen Seiten als Scheisse befunden zu werden: Warzone!
Andererseits gabs auch tourpackages die man sich später nicht mehr vorstellen konnte.
Gorilla Biscuits mit No Fx.
Der Kommerz begann dann endgültig mit Bands wie Biohazard.
Metal der versuchte HC zu sein und damit Geld zu verdienen. Lost and Found Mailorder erreichte auch das letzte Dorf im finstersten Hinterland.
Die stete professionalisierung tat ihr übriges.
Die Venues wurden größer. Die größeren Bands stiegen um auf Tourbusse und Übernachtung im Hotel.
Mehr Shirts und mehr Nippes im Angebot.
Das war für einige schon kein HC mehr.
Man zog sich zurück ins AZs etc. und bevorzugte politisch korrekten DIY HC . Eine kleine Welt für sich die Unmengen an Platten und Zines fabrizierte die bis heute so manchen Keller eines längst vergangenen Mailorders verstopfen.
Metalmagazine wie Rock Hard stellten Bands und Touren der eher kommerziellen Sorte vor. Das was sich halt verkauft.
Die Metalheads begannen sich für HC zu begeistern.
Und formten entsprechend Bands. Die hatten keine Punkroots. Der Metal kam immer durch und das Ganze wurde zum Metalcore. Für manche definitiv nur Metal und nix Core.
Aber was soll’s , jedem das Seine.
Es gibt für jeden Bands, Läden, Szenen oder was auch immer , wo er/sie/es sich wiederfinden kann und hoffentlich Spaß hat.
Leben und leben lassen. Wollen sich welche mit kickboxtritten gegenseitig die Köpfe einschlagen, dann von mir aus gerne. Aber halt bei den dazu passenden Bands.
Die muss ich mir nicht anschauen.
Andererseits sollten eben jene Ausdruckstänzer auch soviel Grips und Respekt haben das ganze zu unterlassen wenn es eben nicht passt.
Bei Hatebreed mag es passen, bei Gorilla Biscuits mit Sicherheit nicht.
Hey. Schöner Beitrag.
Ich hab die Gedanken auch oft.
Wobei Hardcore ja auch nicht „von der Straße“ kommt. Es waren immer auch die Kids der Mittelklasse prägend. Ich behaupte auch der Style war immer schon da. z.B. die „Mode-Edger“ der 90er. Die waren immer Top gestylt. Klamotten aus’m Skaterladen und die Haare schön.
Den ersten Kommentar finde ich allerdings befremdlich. HC ist eindeutig antifaschistisch. Es gab auch zahlreiche Aktionen gegen patriotische Aussagen.
Ich war auf Shows wo Bands wie Highscore nicht weitergespielt haben solange offensichtliche Faschos im Juze waren. Und Screwdriver Shirt ist ein No-Go.
Take Care
Liebe Haider,
Dieser Beitrag ist wiedermal sehr formuliert als würde die Hardcore Scene noch relevant sein. Die Leute sind verweichlicht, sie sind gegen alles und jeden, man ist nicht mehr willkommen und wenn ich einen dieser mosher erwische der das gefühl hat er muss sich prügeln dann werde ich ihn via supplex ins krankenhaus befördern.
Es reicht mir also hier mit diesen rumfuchtlern und ich habe die schnauze voll, echte meddler sind viel stärker als diese blöden hardcore kinder!!!!
Ich hab keinen bock mehr!!!
der peinlichste Beitrag zu HC den ich je lesen musste.
Nein, früher war Hardcore nicht „Bier und Backpatches“ früher war Hardcore straight Edge.
dann die Fake-Infos, dass es früher kein Violent Dancing gab
die ersten richtigen HC Bands, die nicht einfach härteren Punk gemacht haben kamen c.a. 1979 raus, es gibt Violent Dancing Videos von 1883
willst du mir ernsthaft erzählen, für dich ist „echter HC“ nur das, was in den 3 Jahren passiert ist?
was ist das eigentlich für eine Obsession mit tiktok? du musst das hier alle 2-3 Sätze erwähnen.
Die Hardcore und Beatdown-Szene sieht jetzt kein bisschen anders aus als vor 8
da wusste noch niemand hier was Tiktok überhaupt ist.
dann deine Obsession mit dem Style.
niemanden juckt es was die anderen Tragen auf den Shows. du bist der einzige der rumrennt und offensichtlich überprüft hat, ob die Shirts und co zu Mainstream sind, oder nicht.
ich gehe jetzt seit 16 Jahren regelmäßig auf Konzerte und Veranstalte eigene
Noch nie ist mir aufgefallen, was irgendjemand da trägt.
„Preise wie bei Beyonce und Sound wie aus dem Keller“
w.t.f.?
Beyonce Tickets kosten für EINEN Künstler auf der Stage 100€
bei der von dir ausgewählten Vergleichsband Knocked Loose bekommst du 5! Musiker auf die Bühne, + 15! weitere an Support-Acts. und zahlst nur die Hälfte.
abgesehen davon gibt es überall hunderte von Shows, jedes fucking Wochenende für n 10ner. Bei uns kommen alle die kein Geld haben for free rein und bei vielen meiner Veranstalterkollegen auch.
Also auch der Take mit: „was ist mit denen, die sich das nicht leisten können?“
Absoluter Bullshit
Jeder einzelne deiner Takes ist absolutes Boomer-Geschwafel und das schlimmste daran: Nichts davon ist wahr.
Es gibt vieles was man an der HC Szene Kritisieren kann. mein Hauptkritikpunkt: Leute wie du haben Zugang zur Szene.
Schöner Beitrag vorab der spannende Fragen aufwirft! Danke dafür
Mein Stake zu dem Thema des Sellout – Turnstile hat vor kurzem in ihrer Heimatstadt die stark von Obdachlosigkeit betroffen ist ein Soli-Konzert in nem Park organisiert mit dem erklärten Ziel möglichst viel Geld für eine lokale Organisation zu sammeln um Obdachlose medizinisch zu betreuen. Inoffizielle Schätzungen sprechen von 10 000 Menschen die vor Ort waren.
Wenn so Sellout aussieht immer her damit!
https://m.youtube.com/watch?v=QxqkJQO3LF8
In Zeiten wo die meisten Menschen es grad noch schaffen sich um ihre eigene Ignoranz zu kümmern gibt mir sowas Hoffnung. Kommerziellen Erfolg nutzen um der Gesellschaft, hier sogar den Schwächsten einer Gesellschaft, was zu geben!
Und für alle Gatekeeper, ich hab Turnstile auf den ersten Euro Shows in AJZ etc. gesehen und gefeiert und tu es immernoch✌️
Dieses Beispiel lässt sich m.E. nach auf viele grundlegende positive Entwickungen der letzen Jahre im Hardcore übertragen.
Das hab ich unten schon geschrieben
Go Woke – Go Broke!
HC war in erster Linie immer FAFO!
Jetzt kriegen Slope (Opener für Body Count) einen Shitstorm nur weil ICE-T eine andere Haltung zur toxischen Männlichkeit hat? Awarness Fuzzi wollen dir das Gender Neutrale Stage Diven beibringen? Ich werde auf mein Bad Brains Shirt angesprochen wegen Rastafari und Kulturelle Aneignung. Meinungspluralität gibt es auch nicht mehr und wer das liest ein Nazi.
Identitätspolitik war 1933 schon Scheisse aber wehe jemand hat die Eier und macht eine kritische Anmerkung – dann sucht die Band schnell mal einen neuen Bassisten. Diversität sieht anders aus und war früher besser. Solidarität mit Randgruppen sieht anders aus und war früher besser. Toleranz war keine Floskel. Der Artikel beschuldigt die Hipster. Die Hipster gehen wenigstens auf Shows und das Publikum zu beschuldigen war zu keinem Zeitpunkt, in der Geschichte der Kunst, clever oder angebracht. Jede Kunst findet das Publikum das passt. Pack Wokeness in die RAP Szene und Rap stirbt… oder findet nur noch in Kreisen statt die der Artikel beschrieben hat. Deshalb ist Go Woke – Go Broke nur eine logische Konsequenz. Im Metal ist es entspannter und da trag ich mein Bad Brains Shirt ohne mich rechtfertigen zu müssen.
…und wenn du jetzt denkst: so ein Arsch! der würde bestimmt auch Trump wählen – dann ist das genau das Problem.
don’t be retardet – stay open hearted GB
Hy, Danke für den Text. Ich bin Jahrgang ’78 und komme vom Metal, habe erst später Hardcore gehört. Der DIY Aspekt war toll! &CH finde das ständige gefilme wirklich schlimm. Ein Konzert war etwas intimes, ich finde das ist vorbei. Die Kids sind gehemmt, genießen nicht den Moment. Es gibt eine kleine Entwicklung das Smartphones verpönt sind, ich hoffe das entwickelt sich!!
AceFM trifft es auf den Punkt. Jede Generation hat ihre eigene Definition von (Real) Hardcore. Für die heutige ist es mitunter wilder Kampfsport im Pit und von der Bühne Belehrungen wie ich zu denken oder mich zu verhalten habe. Auf beides kann ich verzichten.
Gleichberechtigung, Unity und Anti Rassismus war schon immer Thema und Leitkultur (darf man das Wort sagen?) im Hardcore. Eine Selbstverständlichkeit sozusagen. Dazu braucht es politische Agenda. Weder von links- noch von rechts außen.
Wie gerne erinnere ich mich an das Palaver von links wegen Bands wie Warzone oder Agnostic Front. 😀
Moin. Für mich war HC, ist und wird es vermutlich auch bleiben ein Mittel/Weg, um Emotionen zu verarbeiten und eine Message zu übertragen (meist politisch). Und das machen doch auch immer noch viele Bands und zum Glück kommen da ja auch echt gute neue Bands nach. Leider muss ich allerdings sagen, dass das Publikum immer älter und damit träger wird. Ich schließe mich da selber nicht aus, bin 44 Jahre alt und regelmäßig bei Konzerten in und um Freiburg zu finden, Vainstream war die letzten Jahre immer als Festival gebucht. Aber man sieht am Publikum deutlich, dass es viele „alte“ Fans gibt, aber die Jugend etwas auf der Strecke bleibt. Ich habe meine erste bessere Punk-Show mit 16 oder 17 gesehen (NOFX, Strung Out in Bremen) und diese jungen Kids vermisse ich heute komplett bei den shows. Der Altersschnitt ist jenseits der 40, zumindest hier unten. Und da ist es auch egal, ob da ne deutsche Punk-Band spielt oder wie letzte Woche STYG. Das finde ich total schade, dass die junge Generation nicht mehr wirklich von Konzerten angesprochen wird. Letztes Jahr Terror mit 350-400 Leuten gesehen, das muss man der Jugend mal klar machen, was das für ne Energie ist, die da entsteht. Und jeder hilft jedem.
Klar, es ist alles teurer als früher, Eintritt nicht mehr unter 40 Euro, Bier nur selten unter nem Fünfer, … T-Shirts kosten mittlerweile häufig deutlich über 30 Euro. Aber die Preiskurve wird sicher nicht mehr runtergehen. Wie bekommt man denn trotzdem die Kids auf die shows? Entsteht deswegen dieser TikTok-Kram etc.? Ich selber nutze kein TikTok, Instagram und co., mache hin und wieder ein Video bei nem Konzert um es mit Freunden bei Whatsapp zu teilen. Alles andere ist nicht meine Welt.
Naja, viel geschrieben, kaum was gesagt.
Wollte aber noch was zu deiner Pit-Aussage sagen. Ich teile die Meinung nicht, dass der Pit verroht oder so. Ich versuche mittlerweile auch mal wieder öfter vorne zu sein und nicht nur mit dem Bier hinten zu stehen. Und ich muss sagen, dass es immer noch ein großes Miteinander ist. Vor allem, wenn man es vormacht! Dann sehen die Idioten auch, wie es „richtig“ ist, wenn es das gibt. Bei den Festivals stört mich dann nur, dass mittlerweile jede Band ihren Circle Pit und Wall of Death unterbringen muss. Passt nicht immer…
Der Hardcore, wie wir ihn kennen, wird natürlich verschwinden. Legenden wie Choke gehen in den Ruhestand. Wir wissen nicht ob Lou Koller zurück kehren wird. Vinnie Stigma wird Anfang Dezember 70 Jahre alt. Terror, Ryker’s, Pro Pain, Hatebreed, Madball und Born from Pain haben noch ein paar Jährchen, aber auch das ist endlich. Der Underground wird teilweise bestehen aber solch einen Legendenstatus, wie oben genannte Bands, werden nicht mehr viele erreichen. Das ist auch dem geschuldet das wir Fans älter werden und verschwinden werden. Zu unsrer Zeit war HC maskulin, in Mitteldeutschland ist das, nach 1989, auf fruchtbaren Boden gefallen. Jede Show war auch ne Fight Night. In den 90gern kam der europäische Tough Guy HC dazu. Bands wie Discipline, Brightside, Hard Resistance oder Right Direction haben Europa zu einer HC Festung geschmiedet. Jedem war klar was im Moshpit passiert und darum gab es auch kein Geheule. Mädels waren da nie drin. Gut, manchmal bei Ignite oder Shelter. 😉 Politisch war alles dabei. Es wurde nicht so differenziert. Heute ist alles glatt gebügelt und die Locations müssen das Spiel mitspielen um nicht am Pranger zu stehen. Ich will aber mal, als erstes, 3 Stunden im Moshpit unterwegs sein und meine Aggressionen abbauen. Die gesellschaftliche und politische Meinung, von wem auch immer, ist mir scheißegal. Hardcore und Punk stehen für Freiheit und waren seinerzeit immer die Freiheit aller. Es war eine geile Zeit. Viele Grüße Silvio
Moin Jil,
ich verstehe deine Gedanken und finde mich in vielen Aspekten deines Beitrags wieder. Mit einer Freundin gehe ich regelmäßig auf Shows (ca 12-15 im Jahr im Raum Düsseldorf/ Köln/Bochum). Bevorzugt in kleinen Clubs und am liebsten klassischer Hardcore. Musikalisch bin ich sehr breit aufgestellt, aber für Hardcore schlägt einfach das Herz.
Festivals sind mittlerweile uninteressant. Der Pit ist anders, die Leute sind anders,.. für mich zu wenig Seele und zu viele Menschen, aber hey: Wenn es gut für die Bands ist und manche dadurch einen Zugang zu dieser wundervollen Musik finden, bin ich völlig fein damit und freue mich umso mehr, wenn sie dann neugierig auf die Club-Shows werden.
Bei uns im Freundeskreis wuchs die Erkenntnis, dass es im Pit weniger Spaß macht, wenn es zu sehr Richtung Metalcore geht oder die Band/Location zu groß wird. Wenn Agnostic Front im Turock oder Madball im Pitcher (!) spielen ist das etwas völlig anders, als Landmvrks im Carlswerk Victoria.. Vor nicht allzu langer Zeit haben Stick to your Guns im Musikbunker in Aachen gespielt – viele junge Menschen, die mit Hardcore noch nicht viel am Hut hatten, aber das Gefühl war geil, das Miteinander hat gestimmt.
Aber auch mit To the Wire, Ground2A oder Eyes of Tomorrow hatten wir geile Abende an denen alles war, wie es sein sollte: Fairer Preis, kleine Bude, große Stimmung und wer konnte ließ dafür Geld am Merch oder spendete für Platten aus dem Fundus eines verstorbenen Freundes, um seine Familie zu unterstützen.
Häufig erkläre ich Freunden und Kollegen, was für mich den Reiz an dieser Musik und den Konzerten ausmacht. Gesellschaftskritik – das Anprangern von Sachen, die falsch laufen und das geniale Gefühl, im Pit das rauslassen zu können, was der Text / die Musik in einem auslöst. Aber ob Two Step oder moshend durcheinander – immer mit Respekt und wenn einer fällt, ziehen ihn ein Dutzend Hände wieder nach oben und wer keinen Bock auf den Pit hat bleibt halt an der Seite oder weiter hinten. Jeder wie er fühlt, aber am liebsten jeder mit Leidenschaft.
Die Beatdown- / Windmühlen-Fraktion ist mir auch schon begegnet. Gerade mit dem immer größeren Interesse an Beatdown und Deathcore kamen davon vermehrt auch Gestalten auf andere Gigs. Aber meistens waren sie zugänglich, wenn ich ihnen ganz nüchtern erklärt habe, dass ich ihnen durchaus kurz die Gesichtszüge neu sortieren kann – es darum beim Hardcore und im Pit aber nicht geht.
Gemeinsam ausrasten, gemeinsam Texte brüllen, die einem etwas bedeuten und das alles in dem Wissen, dass in diesem Moment, in diesem Raum gerade ein Haufen Verrückter genau die gleiche Leidenschaft spürt, wie man selbst.
Jeder ist willkommen, egal wie er aussieht, was er macht um die Miete zu zahlen oder wo er sonst abhängt. Im Pit sind alle gleich.
Für mich ist Hardcore ist eine offene, völlig verrückte, kleine Familie und wenn du es fühlst, bist du willkommen und kannst die Zeit mit deiner Familie so verbringen, wie du Bock hast: Mit Bier oder ohne, im Pit, am Tresen, quatschend auf dem Klo – Hauptsache du fühlst es.
Also ich habe mit nostalgischen Gefühlen diesen Beitrag gelesen um festzustellen, dass meine erste HC Show 22 Jahre zurück liegt… krass.
Meine letzte dagegen war nach langer Pause erst kürzlich (Terror, in Weinheim).
Hab genau gar kein Unterschied bemerkt.
Das könnte auch daran liegen, das bei oldshool-Bands eben hauptsächlich Oldshoolfans aufschlagen, nicht draufschlagen…
Nächste Möglichkeit zur Überprüfung gibt’s dann aufm Tells Bells. Bin gespannt…
Also irgendwie befremdet mich der Artikel… bin Baujahr 1974 und habe meine musikalische Sozialisation über den fun Punk zum politischen Deutschpunk zum Hardcore zum Hatecore gemacht. Was mich aber immer „ausgezeichnet“ hat ist eine extreme Bandbreite an musikalischem Interesse. es ist mir irgendwo völlig egal ob meine HC Kollegen mich schief anschauen wenn ich sowohl Whitechapel abfeiere, als auch Gorilla biscuits, als auch cock später. I dont Care, i dont mind. wir haben uns schon vor 10 Jahren über die Spargelstecher und Windmühlenbetreiber „Aufgeregt“… und? Arschlöcher, Selbstdarsteller und hochgradige Narzissten gab es immer und gibt es immer. wenn es mir nicht mehr passt ziehe ich meine Konsequenzen, wenn es zu dumm wird gehe ich mit meinem Wasser nach hinten und freue mich über die Musik. .. und das Gejammer…. wer soll das alles bezahlen. Leute bitte kommt in 2025 an. wenn eine Tafel Ritter Sport mittlerweile 2,39 Euro kostet, der Mindestlohn ( zurecht!) deutlich gestiegen ist, wie sollen da noch Kosten gedeckt werden. klar sind Shirts für 35 Euro echt bitter, aber dann nutzt doch den globalen Kapitalismus und bestellt die Shirts für 7,49 Euro plus Versand bei AliExpress ( 3-2-1 shitstorm😁). die Szene ist wie sie ist und ich finde immer noch meinen Spaß darin…. eventuell aber auch weil ich einige Rituale nicht mitmachen.
Erstmal schön, wie viel Austausch hier gerade passiert – tut gut zu lesen!
Der Beitrag erinnert mich ein bisschen an Mc Renés Splash-Kritik neulich. Und ehrlich gesagt: Ich versteh einiges davon, auch von dir. Trotzdem fühlt sich der Text irgendwie seltsam an – wie aneinandergereihte ChatGPT-Aussagen ohne Tiefe… sorry haha 😛
Ich bin jetzt knapp 40 und hab trotzdem das Gefühl, dass die Szene grad total lebendig ist. Klar, Ticketpreise sind gestiegen, Lineups kompakter – aber das ist halt der Lauf der Dinge nach Corona, Brexit, Inflation etc. Für größere Acts zahl ich das gern, ist immer noch verhäääätlnismäßig fair im Vergleich zu riesigen Pop-Konzerten.
Was mich aber richtig freut: Wie viel unten drunter passiert! Gerade in Süddeutschland entstehen grad total viele neue Bands; FLINTA-Acts, Next-Gen-Szenegrößen, Shows in neuen Läden, neue Gesichter im Publikum. Und das klingt geil und macht Bock und kostet keine 25 €.
Ich glaub, die politische Lage spielt da auch mit rein, die Wut, die Unsicherheit, der Wandel. Und Hardcore war halt immer ein Ventil für genau das und ist es heute noch. Also: Lasst TikTok mal kurz links liegen, vergesst Turnstile und Knocked Loose für einen Moment. Support your local scene – keep it alive.
Ahja und: Clean Fonts auf Merch? Mega! 😀
Mal meinen Senf als alter weisser Mann. Ich kuck mir eh nur noch meistens alte Sachen an. GB, Biohazard, Sheer Terror usw.
Wenn ich neue HC Bands kucke ist das meist in nem Juz (To the wire, stay free etc) von neuen ‚grossen‘ lob ich mir Restraining Order. Weder Knocked Loose, die durch ein Meme bekannt geworden sind (arf, arf) noch Turnstile (heute) würde ich als HC bezeichnen. Da ist kein szene spirit dabei. Ich habs auf dem Ieper gesehen. Die Kids turnen rum, und wen am Tag drauf das Tomorrow Land ist turnen sie da rum. Denen ist das schnurz egal imo. Ich sag mal so wenn mich ein Crowd killer sucht, dann gibt es ganz Oldschool like einen Elbogen in die Fresse. Nur so lernen so Leute es. Zum anderen war HC meiner Erfahrung nach nie strikt antifaschistisch oder gegen sexismus. Ich erinnere kurz an Bands wie Youth Defense League, oder Helden unserer Szene (und ja ich mag die Bands) die mit RAC, oder Screwdriver Shirt rumliefen und patriotische Texte hatten. Und es gibt diverse die kontakte zur anderen Seite pflegen.
Danke für deinen ehrlichen Senf und den Einblick aus deiner Sicht!
Ich finde es spannend, wie du die alten Bands und den Spirit der Szene beschreibst, gerade die Unterschiede zwischen damals und heute sind oft sehr deutlich.
Dass du neue Bands wie Restraining Order lobst, zeigt, dass es auch heute noch guten Hardcore gibt, der den Geist weiterträgt.
Gleichzeitig verändert sich die Szene natürlich, und viele Leute sind heute offen für verschiedene Genres, bei mir selbst findet sich Hardcore Punk, Punk, Metalcore und sogar Hip-Hop. Das zeigt, dass Musik oft fließende Grenzen hat und verschiedene Einflüsse zusammenkommen.
Was die politische Geschichte angeht, hast du recht, dass Hardcore nie einheitlich war und es Grauzonen gibt.
Ich finde es wichtig, solche Themen offen zu diskutieren, um den Spirit der Szene lebendig zu halten, mit all ihren Facetten.
Da muss ich widersprechen. Turnstile mag zwar kommerziellen Erfolg haben – was auch durchaus lobenswert ist, weil sie damit viele neue Gesichter für eine andere Welt bzw. Szene begeistern – aber sie vergessen dabei nicht, woher sie kommen.
Erst vor Kurzem haben sie ein kostenloses Konzert vor 10.000 Fans in ihrer Heimatstadt Baltimore gespielt. Überall auf dem Gelände waren QR-Codes verteilt, über die man spenden konnte. Die Einnahmen gingen vollständig an die Organisation Health Care for the Homeless. So kamen insgesamt 35.000 US-Dollar zusammen.
Das ist in meinen Augen eine starke Aktion. Sie hätten das nicht tun müssen – aber sie haben es getan.
Wieso fällt mir da “what happened?” von H2O ein. Wann war das 2008?
Haha, genau, „What Happened?“ von H2O passt da echt gut rein! 2008 fühlt sich an wie gestern und gleichzeitig ewig her. Hardcore hat sich definitiv weiterentwickelt — und manchmal fragt man sich schon, was aus den alten Zeiten geblieben ist.
Das alles gab es schon mal mitte der anfang mitte der 90 als Hardcore populär wurde mit Biohazzard, Life of agony usw. die so genanten Rodrunner years. Nur das es noch kein Internet und tic toc gab. Das mit dem agro windmühlen gezappel hab ich noch nie verstanden und wird in Berlin eigentlich auch immer unterbunden bei normalen shows.
Hey, danke für deinen Input!
Die Zeit, von der du sprichst, die Roadrunner Years Mitte der 90er, hab ich ehrlich gesagt nicht wirklich mitbekommen (bin 1990 geboren).
Ich hab in Berlin bisher nur eine Show gesehen, die Cro-Mags Mitte der 2010er. Von daher kann ich nicht wirklich für die Berliner Szene sprechen.
Finde es aber cool, solche Einblicke zu bekommen und wie sich Hardcore über die Jahre entwickelt hat.
Von Kampfsport hast du echt keine Ahnung, oder? Was hat z.B. Jiu-Jitsu damit zu tun? Damit meint man in der Regel heutzutage BJJ, also Grappling. Und die Kicks im japanischen Jiu-Jitsu sind auch nicht mit dem affigen Zeug zu vergleichen, was man bei Hardcore Shows sieht (kenne das nur von Videos, keinen Bock regelmässig Erziehungsschellen zu verteilen und Hardcore ist eh nicht meine Musik).
Danke für deinen Kommentar.
Ich hab selbst mehrere Jahre MMA, Muay Thai und Luta Livre gemacht – bin also mit den Unterschieden zwischen Grappling, Striking usw. durchaus vertraut.
Der Verweis auf Jiu-Jitsu war bewusst allgemein gehalten, um zu zeigen, wie kontrollierte Kampfsportarten im Gegensatz zu dem stehen, was man auf manchen Hardcore-Shows zu sehen bekommt.
Dass du das anders siehst, ist okay, aber der Vergleich war bewusst plakativ, nicht fachlich gemeint.
Und wenn du Hardcore eh nicht hörst und die Shows nur von Videos kennst, ist’s vielleicht auch einfach ein anderes Bezugssystem.