Von „Der Hype“ zu Crossover-Chaos
Da ich das erste Album Der Hype von Wir Sind Fliegen wirklich gefeiert habe, war ich auf das zweite Release Ritalin & Brause der Saarländer mega gespannt. War Der Hype noch klar Electropunk, trifft das hier nicht mehr so ganz zu. Klar, Electrobeats wie bei Eat The Rich à la Egotronic gibt’s noch, aber oft klingt das Album eher wie Crossover – nicht cheesy 90er, eher so Richtung Swiss & Die Andern oder Bluthund. Höllenflug ist dafür ein perfektes Beispiel.
Features: Gold und Chaos
Wer Basstard ist, hab ich zwar keine Ahnung, aber das Feature ist cool.
Von Features gibt es auf dem Album noch einige mehr. Zum Beispiel mit der mir ebenfalls unbekannten Alice XLS. Okay, ich muss da echt zugeben, dass der Song mit der Dame mir grad null gefällt und mir eher massiv auf die Nerven geht.
Dafür gibt es aber dann diesen wunderbaren Song Der Mann Mit Dem Blauen Auge, der ein Feature von Jörkk Mechenbier (Love A, Schreng Schreng & LaLa) beinhaltet. Jörkk geht bei mir eh immer. Letztendlich macht das Feature auch mehr als Sinn. Measy und Jörkk kennen sich ewig, haben früher zusammen bei Tante Guerilla gearbeitet, und sind wohl beide auch auf ihre Art und Weise für einige Platten, Fanzines oder ähnlichen Mist, der sich bei mir über die Jahre angehäuft hat, mitverantwortlich. Danke dafür!

Apropos Measy: Ich finde seine Stimme hier auf dem Album echt gut und passend. Er ist halt einfach am besten, wenn er einfach nur schreit und gar nicht versucht, melodisch zu singen. Wie es zum Beispiel bei Toxic der Fall ist, einem Song, der wohl eh der punkigste und schnellste auf dem Album ist und Anleihen an alten Hardcore-Punk hat.
Die Stimmen von Shorty und Measy stehen eh im krassen Widerspruch, wie Ritalin und Brause halt.
Das Album endet mit zwei richtig geilen Bangern, wobei Wir sind Fliegen es beim letzten Song vielleicht am besten erklären: Cringe und Kunz. Was der geneigte Hörer sich herausnimmt, bleibt jedem selbst überlassen.
Scheiße zieht Fliegen an
Da, wo viel Scheiße ist, sind viele Fliegen. Und der tägliche Scheiß, den man hört, sieht und liest, zieht die Fliegen an.
Jedenfalls zeigt die Band in ihren Lyrics eine klare Haltung. 161 hat echt das Zeug, eine neue Antifa-Hymne zu werden. Und zeigt das auf, was ich schon seit langem genauso sehe: Genderdiskussion, T-Shirt-Diskussion, die Linke hängt sich an unnötigem Klimbim auf, während rechts die Häuser brennen.
Dann gibt es aber auch Songs wie White Monster, der vielleicht einfach eine Ode auf Energiedrinks ist, oder die konsequente Weiterführung des Koffeinsong. Zumindest (nehm ich mal an, als Energydrinkverweigerer) gibt der Song einem genauso einen Kick wie das Gesöff.
Alles in allem ist Ritalin und Brause ein sehr spannendes Album geworden, auf dem es einiges zu entdecken gibt. Nicht mehr so electrolastig wie das Erstlingswerk, dafür aber auch nicht mehr so spärlich. Eine richtig gute Weiterentwicklung des Duos. Alles in allem ein Album, das richtig Spaß macht beim Hören.

Ob die beiden sich nicht ganz sicher sind, ob das Album Anklang findet, oder ob sie denken, dass heute lieber gestreamt wird, als dass man sich ein Album kauft, weiß ich nicht. Aber das Album kommt nur in einer limitierten 50er-Tape-Auflage bei Spastic Fantastic. Das Tape ist aber einfach nur mehr als schön gestaltet, und dürfte vielleicht ein gefragtes Sammlerstück werden.
Tracklist
- Ritalin & Brause
- Kerosin
- Eat The Rich…And Tax Them…
- Höllenflug (Feat. Basstard)
- Toxic
- ChatGPT (Feat. Alice XL)
- 161
- Interlude
- Der Mann Mit Dem Blauen Auge (feat. Jörkk Mechenbier)
- Ich Hasse Alle Menschen
- L’eau Du Desespoire
- White Monster
- Cringe & Kunz





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