Die Vorfreude bei Ankündigung der WIZO-Tour Mitte letzten Jahres war groß, als dann auch noch Ulm und das Roxy unter den 48 (!) Shows zu finden war, gab es kein Halten mehr! Nach dem grandiosen Konzert zwei Jahre zuvor an gleicher Stelle, sollte es also ein weiteres Stelldichein der Punkrock-Legenden aus dem Ländle in meiner Heimatstadt geben. Dass ich die Helden meiner Jugend, deren Material ich mir immer noch gut und gerne auf Platte anhöre(n kann) nur vier S-Bahn-Haltestellen von meinem Zuhause entfernt sehen will, war für mich keine Frage.

An einem nebligen und nasskalten (Ulm-Style eben) Donnerstag Anfang Februar war es dann soweit. Mit ein paar Weggefährten traf man sich am Roxy, und schon in der Bahn war zu sehen, dass wohl einige Punks heute den gleichen Plan hatten. So war das Roxy schließlich auch gut gefüllt, wenn auch nicht ganz ausverkauft.

Pünktlich um 20 Uhr (Publikum alt, morgen arbeiten) ging es dann auch schon mit NoRMAhl – ebenfalls aus dem Schwabenländle – los. Ich kannte ehrlich gesagt keinen Song der Band, die sind komplett an mir vorbeigegangen, auch wenn ich den Namen hier und da mal gelesen habe. Liegt vielleicht auch daran, dass ihr erster Song – laut Aussage des Sängers – 1978 erschienen ist. Oha! Dementsprechend skeptisch war ich auch anfangs. Wieso nochmal eine uralte Punkband und nicht eine junge, frische Band mit diverserer Besetzung? Axel Kurth hat mal in einem OX-Interview gesagt, dass es sehr schwierig sei, junge Support-Bands für längere Touren zu gewinnen – kann ich mir schon auch vorstellen. Naja, NoRMAhl bestätigten erstmal meine Skepsis, denn neben der kaum vorhandenen Bühnenpräsenz hätten die ersten beiden Songs (NoRMAhl-Ultras werden mich jetzt steinigen) auch von Wolle Petry sein können. Mit fortschreitendem Set hab ich mich dann aber eingegroovt und das Ganze hat schon gut getaugt als Opener. Die Songs, obwohl teilweise uralt, hatten eine erschreckende Aktualität: Kriegswahn, deutsche Waffen in aller Welt, Faschismus, Polizeigewalt – die klassischen und wichtigen Deutschpunk-Themen. Die Ansagen waren sympathisch und generell wirkte es so, als hätte die Band richtig Bock auf der Bühne zu stehen. Das Publikum dankte es ihnen auch mit großer Textsicherheit und erster Pogo-Action.

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Gut eingestimmt (und angeheitert, nach Bier & Tequila zwischen den Bands) stieg der WIZO dann nach nicht allzu langer Pause episch in ihr Set ein. Mit riesigen Lichtern auf dem Rücken, einem überdimensionierten Backdrop und einer Soundwand war allen im Raum schnell klar, was gleich passieren würde. Und so kam es, mit Raum der Zeit konnte kein besserer Song als erster des Sets gespielt werden. Das Publikum explodierte, es wurde getanzt, geschrien und fast im kompletten Stehbereich des Roxys entbrannte ein wilder Pit.

Auffällig an diesem Abend war, dass sich die Band aus dem Stuttgarter Umland sehr in’s Zeug gelegt hat mit ihrer Bühnenshow. Die schon erwähnten Elemente wurden mit viel Pyrotechnik, Atompilz-Aufstellern, Luftballons die in’s Publikum geworfen wurden, etc. erweitert. Punk-Puristen würden jetzt vielleicht sagen, dass das alles unnötig und zu viel Show sei, mir hat es aber getaugt. Für den stolzen Eintrittspreis möchte der geneigte Fan dann auch etwas sehen, und das gab es.

Zurück zum Musikalischen: Die Setliste heute war für mich (fast) perfekt. Neben den Klassikern Quadrat im Kreis, Das Goldene Stück, Kein Gerede oder Kopfschuss gab es auch ein paar Überraschungen, zum Beispiel Kadett B. Generell gab es kaum Songs der neueren Alben, was mir persönlich auch ganz Recht ist. Wenn es andersrum gewesen wäre, wäre das aber auch fein gewesen, da es für mich nur ganz wenige WIZO-Songs gibt, die für mich gar nicht funktionieren.

Axel Kurth hatte – im Gegensatz zu Ralph, der sich am Vorabend in Lindau verletzt hat (Meniskus glaube ich?) und nur eingeschränkt performen konnte – einen Sahnetag. Der Mann ist einfach ein Profi ohne wie einer zu wirken: Die Ansagen sitzen, ohne einstudiert zu sein, die Witze sind lustig und der nötige Ernst wird an den richtigen Stellen perfekt transportiert. Dass trotz kleinem Hänger bei Jimmy alle in der Band auch an den Instrumenten echte Maschinen sind wird vor allem beim Blick auf den Drummer, der unglaublich tight, variabel und locker sein Set spielt – klar ersichtlich. Die beiden anderen stehen ihm in nichts nach!

Von der Ulmer Antifa-Gruppe AKKU gab es noch ein Solidaritäts-Banner mit der inhaftierten Person Maja T., die in Ungarn Neo-Nazis angegriffen haben soll und zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. Auch schön, dass WIZO Räume für solch wichtigen Themen ermöglicht.

Um 22:45 Uhr war dann Schluss und die Leute sind mit einem großen Grinsen nach Hause getorkelt. So auch ich, da ich ewig auf meine Bahn hätte warten müssen. Und so ein Spaziergang am Abend tut oft Wunder für den nächsten Tag und ich konnte den Abend nochmal Revue passieren lassen.

Fazit: Es war wie zu erwarten ein sehr schöner Abend. Gerne in zwei Jahren wieder!

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– Playlist: Happy Release Day

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