Die schwäbischen The Snacks waren mir kein Begriff bis ich irgendwie mit Hannes ins Gespräch kam. Er schickte mir dann einen Link zum Anhören und hat mich schnell mit seiner Band überzeugt.
Da er einen spannenden Musikgeschmack hat, war direkt klar, dass er ein Kandidat für dieses Feature ist. In diesem Sinne, Vorhang auf!

1Therapy? – Troublegum (1994)

Als ich diese Platte von einem Freund mit 14 auf Kassette gezogen bekommen und zum ersten Mal gehört habe, dachte ich wegen der verzerrten Gitarren und diverser schwerer, düsterer Riffs: „Ok, das muss also dieser Heavy Metal sein.“ Seitdem begleitet mich dieses Album und hat mir manches Mal mit schwarzhumorigen Texten und seinen teils poppunkigen, aber heavy gespielten Songs den Tag gerettet. Therapy? haben einen doppelten Boden. Man kann sich reingraben in ihre Welt. Das ist eine ganz eigene Weltsicht.Oft vordergründig düster, aber am Ende kommt immer noch etwas Licht um die Ecke in Form einer bittersüßen Melodie. Deswegen bin ich auch mal an einem Winterwochenende, an dem alle Wetterdienste von Autofahrten dringend abgeraten haben wegen Schnee und Glätte, mit einem Freund von Stuttgart aus nach Eindhoven gefahren. Nur, um diese drei Iren spielen zu sehen. Die nebenbei selbst totale Musiknerds sind, die nicht müde werden, auf ihre eigenen Inspirationen und Lieblingsplatten hinzuweisen (u. a. Black Flag, Captain Beefheart, Helmet und Burial). In Eindhoven haben wir auch prompt in einem Restaurant nachmittags vor dem Konzert zufällig den Bassisten Michael getroffen und kurz mit ihm gesprochen. Nicht zufällig war er gerade auf Plattenladen-Shopping-Tour.

2The Ramones – Halfway to sanity (1987)

Die meisten Ramones-Fans schwören ja auf die Liveplatte „It’s alive“ oder auf die ersten drei Studioalben. Mir haben immer die späteren Alben ab „Too tough to die“ besser gefallen. Wenn während deiner musikalischen Erweckungszeit von Nirvana „Nevermind“ erscheint, holt einen die erste Ramones-Scheibe – so revolutionär die 1976 auch gewesen sein mag – vielleicht einfach nicht so ab. Auf „Halfway to sanity“ gehören gleich die ersten vier Tracks zu meinen absoluten Lieblingssongs der Band: „I wanna live“, „Bop til you drop“, „Garden of serenity“ und „Weaselface“. Die Hitdichte insgesamt ist auf dieser Scheibe zugegebenermaßen aber nicht so hoch wie auf den frühen Alben.

3Bad Religion – Generator (1992)

Die Mischung aus klugen Texten und schnellem melodischem Punkrock ist bis heute magisch. Das Begriffsspektrum in den Lyrics ist mit Schulenglisch allein nicht erfassbar. Und selbst wenn du dir endlich alle Übersetzungen zusammengegoogelt hat, heißt das noch lange nicht, dass du auch den Text wirklich verstehst. Generator hat 11 Songs in 30 Minuten. Ich liebe Alben, die nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Eine gute Punkrockband sollte (auch live!) in dieser Zeit alles gesagt haben. Und Bad Religion sagen in dieser Zeit alles. Mit „Heaven is falling“ ist hier mein BR-Lieblingssong drauf.

4The Cure – Standing on a beach (1986)

Von The Cure gibt es für meinen Geschmack kein einziges Album, auf dem wirklich alle Songs mitreißen. Auf jedem sind 3-4 langweiligere drauf, die so ein bisschen durchplätschern. Deswegen nenne ich hier von The Cure diese frühe Singles-Compilation, auf der wirklich jeder einzelne Song ein verdammter Hit ist. Von The Cure kommt für mich ohnehin nur ein Album in Frage, auf dem „A forest“ drauf ist. Nicht nur einer der besten The Cure-Songs, sondern für mich generell einer der besten Songs aller Zeiten. Wie kommt man auf sowas? So ein spartanisch instrumentierter Song, der eine derart dichte düstere Atmosphäre aufbaut? Ich staune immer wieder.

5New Model Army – Impurity (1990)

Warum genau dieses NMA-Album? Ich hätte auch „Thunder and consolation“ oder „The ghost of Cain“ nehmen können. Aber „Impurity“ hat halt die Mega-Songs „Purity“, „Whirlwind“, „Lust for power“, „Get me out“ und „Space“ – und das für mich beste Frontcover. Vor allem „Purity“ habe ich bis zum Augenstillstand gehört. Ein großes Lied von einer großen Band, die mir irgendwie immer „nah“ war.

6The Toy Dolls – A far out disc (1985)

Von den Toy Dolls könnte ich eigentlich jede Platte nennen, da die Qualität durchgehend hoch ist. Entweder du magst die Band und ihren Funpunk mit schräg- humorigen Texten und Olgas furiosem Gitarrenspiel oder eben nicht. Ich bin seit meinem ersten Konzert von ihnen in der Röhre in Stuttgart Fan! Ich habe seitdem eigentlich auch nie wieder ein Konzert erlebt, bei dem das Publikum von der ersten bis zur letzten Reihe derart in Bewegung war.

7K.G.B. – Restmüll (1995)

Aus meiner Heimatstadt Tübingen kam diese Band, die in den 1980ern und 90ern mehrfach Europa und zweimal die USA betourt hat und all das – ganz DIY – selbst organisiert hat. Die persönliche Kontaktaufnahme ging schnell und unkompliziert und K.G.B.-Sänger und -Mastermind Hannes gab mir im Laufe der Jahre immer wieder Einblicke und Inspiration, wie man es als Provinzband raus aus dem Proberaum ins Studio und auf die Bühnen schafft. Das alte Punkprinzip: Keiner wird kommen und das für dich organisieren. Kümmer dich selbst drum! Never give up! Das war für meine eigenen Bands sehr hilfreich, auch wenn es für eine USA-Tour nicht gereicht hat. K.G.B. gibt es schon länger nicht mehr, aber einen Platz in meinem Herzen haben sie für immer. Nicht zuletzt wegen dieser Best Of-Scheibe. Irgendwann hat K.G.B.-Hannes dann auch mal meine eigene Band ins Vorprogramm seiner US-Kumpels MDC gehievt. Thanks so much, Hannes!

8Slime – Die Letzten (1990)

Mein Deutschpunk-Einstieg zusammen mit „Horrorschau“ und „Opelgang“ von den Toten Hosen. Aggressive, politische Texte, die heute leider immer noch aktuell sind wie „4. Reich“ oder „Großer Bruder“. Und oben drauf noch Coverversionen von Ton Steine Scherben, Abwärts, Betoncombo und ein paar Livesongs. Slime haben viele gute Platten gemacht – ich meine, keine einzige schlechte. Aber oft hängt man einfach an der fest, die zuerst da war. Ich habe mich bis heute nicht an „Die Letzten“ satt gehört.

9Compulsion – Hi-Fi (1995)

Vier Typen aus Irland, alle mit orange-rot gefärbten Haaren, die ich als Support der Toten Hosen kennengelernt habe. Ein halbes Jahr später tourten sie dann alleine, so dass ich sie nochmal in Stuttgart in der Röhre sehen konnte. Irgendwas zwischen Punkrock und Grunge, bei dem man aber hört, dass die Band was Eigenes kreieren wollte und deswegen so gar nicht in den damaligen Punk-Mainstream gepasst hat. Auf dem letzten Album „The future is medium“ kamen noch elektronische Effekte dazu, die dem Sound eine gute Prise Kraftwerk gegeben haben. Nach zwei Alben und mehreren EPs, die auf „Hi-Fi“ versammelt sind, lösten sie sich leider schon auf. Der Gitarrist Jackknife Lee startete dann eine Produzentenkarriere, unter anderem für U2, Editors und The Killers.

10Tom Waits – Mule variations (1999)

Auf Tom Waits bin ich durch den Jim Jarmusch-Film „Down By Law“ gestoßen. Seine Musik kannte ich schon vorher, habe sie aber durch diesen Schwarz-Weiß-Film erst richtig kapiert. Tom erzählt Geschichten. Aber keine normalen. Skurrile, tragische, oder einfach nur auf eine sehr eigene Art schöne. Das Ganze oft mit ungewöhnlichen Instrumenten gespielt. Selbst die Gitarren klingen in seinen Songs irgendwie anders.

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