Eisberg melden sich nach einer Release-Flaute von geschlagenen fünf Jahre zurück! So veröffentlicht die Hardcore-Band, deren Mitglieder in Luxemburg, Österreich und England leben, eine neue EP mit dem Titel Few Will Remain. Wir nahmen die neue Platte zum Anlass Gitarrist Damien uns seine 10 Records Worth To Die For vorzustellen zu lassen.

Eisberg - Pressebild
Eisberg – Pressebild

1Surf Nazis Must Die – Anti Everything EP

Fangen wir mit einer 7“ an. Die Anti Everything EP von Ibbenbürens finest. Eine trashige Punk Hardcore Platte ganz im Sinne meiner Jugend: Hass, Hass auf alles, Hass auf Emos und von pubertierenden Mädels gehasst werden. Musikalisch definitiv kein Meisterwerk, chaotisch und unstrukturiert, trotzdem voller Melodien und Gangshouts die hängenbleiben. Die Mischung aus banalen, hasserfüllten Texten und der aggressiven und energetischen jedoch eher lustigeren Musik haben es mir angetan und die 7“ leitete damals für mich die Trash-Punk-Hardcore-Ära ein (Internal Affairs, Trash Talk, Ceremony, Outbreak usw.) Plus das Inlay der Youth Attack! Records Pressung ist so ziemlich das lustigste für einen 15-jährigen.

Tracks: Emo-Kids Blown to Shit und I am Angry.

2From Ashes Rise – Nightmares

Die wahrscheinlich bedeutendste Platte in meiner Sammlung. Ich bestellte sie damals als ich 15 war über Skuld Records, einem Mailorder für Punkmusik noch mit Bestellschein ausfüllen, Geld im Umschlag und hoffen, dass das Teil auch ankommt. Davor hörte ich Tragedy (teilen sich Mitglieder mit From Ahes Rise) und die Split 12“ From Ashes Rise/Victims rauf und runter und konnte es nicht erwarten die neu bestellte Platte endlich in die Hände zu kriegen. Ein Meisterwerk von vorne bis hinten. Fesselnde Melodien gemischt mit schnellen Punk-Parts, Songstrukturen die mich vollkommen überrascht haben und Atmosphären die die Scheibe richtig gut abrunden. Lyrisch war sie weit über mein Verständnisvermögen. Was mich aber sofort festgenagelt hat, war die Qualität dieser zeitlosen Produktion. Von Matt Bayles (ISIS, Mastodon, Russian Circles, uvm.) aufgenommen und Alan Douches (Misfits, Converge, Pantera, uvm.), der übrigens auch unsere Platte gemastered hat, produziert. Meiner Meinung nach die besten Tontechniker im Punk- / Hardcore-Genre.

Tracks: Reactions und On the Fray.

3Black Star – Mos Def & Talib Kweli are Black Star

Da ich mein Leben lang Basketball gespielt habe, war Hip-Hop ein fester Bestandteil meines Musikgeschmacks – war mit 15 gar nicht so einfach seinen Punker-Freunden zu erklären.

Ender der 90er Jahre bis Mitte der 2000er brachte Rawkus Records jede, für die Hiphop Geschichte, relevante Scheibe raus. Von Big L über Common, bis zu Cormega, Mos Def und die legendäre Soundbombing Compilations. Ich hatte auch das Glück die goldene Ära des Boom Baps mitzuerleben und nicht den Müll den minderbemittelte Rapper heutzutage rausbringen und als Hiphop bezeichnen.

Es war schwer sich für eine Rawkus Platte zu entscheiden: Big L – The Big Picture, Soundbombing 2, Mos Def – Black on Both Sides oder Pharoahe Monch – Internal Affairs? Am Ende entschied ich mich für die Black Star Scheibe. Mos Def und Talib Kweli kurz vor dem Höhepunkt ihrer Karriere, lyrisch und Rap technisch auf einem anderen Level. Dazu richtig gute jazzige Beats von Hi-Tek und ein paar anderen, und schon ist das Opus Magnum geschaffen. Beste Tracks: Respiration (Guestpart von Common bevor er nur noch R&b Kacke rausbrachte) und Thieves in the Night.

Eisberg – Few Will Remain ::: Review (2018)

4Midnight – Satanic Royalty

Ein Freund, der nur Black-Metal hört, zeigte mir diese Platte 2012 als ich Tontechnik in Hamburg studierte. Ein frischer, rotziger und rauer Balsam für meine Ohren, die zu der Zeit nur beschissene Popproduktionen und Hörbücher erleiden mussten. Punk Riffs mit der Schwärze von Black-Metal, Mid-Tempo Proto Hevy Metal Drums und Texte die man eher von Fenris oder Gaahl kennt. Ein wenig wie Vemon auf Steroiden, die perfekt stumpfe Mischung. Die darauffolgenden Platten konnten mit der Satanic Royalty leider nicht mithalten, wobei die No Mercy for Mayhem eigentlich auch sehr stark ist.

Tracks: Lust, Filth and Sleeze und Necromania.

5Brand New – The Devil and God are raging inside me

Eine christliche Band nach einer satanistischen Band, wieso nicht? Es ist 2018. Ich bin erst viel später zufällig auf Brand New gestoßen, der ganze Your Favorite Weapon und Deja Entendu Hype zog gänzlich an mir vorbei. Weil damals jeder die Platte vergötterte, hörte ich mir sie aus Protest nicht an. Und der Typ singt dazu noch über Jesus, seid ihr Dumm? Irgendwann gab ich der Neugierde nach und zog mir sie insgeheim rein. So ein detailreiches Album habe ich noch nie gehört, einfach eine andere Dimension an Feinheiten. Die soundliche Komplexität machte mir monatelang zu schaffen. Ich entdeckte Jahre später, auf verschiedenen Abhören, weitere Details die mir bis dahin noch nie aufgefallen sind. Zusammen mit Mike Sapone (Taking Back Sunday, Crime In Stereo, uvm.) und gefühlten 67483939 Gitarrenpedalen und Effektgeräten, haben sie eines der besten Rock-Alben in der Musikgeschichte erschaffen. T

Tracks: Sowing Season und Luca.

6Rocé – Identité en Crescendo

Da französisch meine Muttersprache ist und Rap in den 90ern in der populären Kultur sehr präsent war, bin ich natürlich auch mit französischem Rap aufgewachsen. Von IAM über NTM, bis hun zu Fonky Family und die Neg’ Marrons. Rocé war mir nicht bekannt, bis mich mein Hiphop Mentor damals darauf aufmerksam machte. Rocés Werk ist keine typische Hiphop Platte, sondern ein Hybrid aus einer Free Jazz Session auf einem MPC Sampler und einer Sonderausgabe von Psychology Today über Existentialismus und Identitätsbildung. Diese Platte trug zu einem großen Teil zu meiner persönlichen und auch musikalischen Entwicklung bei, durch raffinierte Text und anregender Lyrik.

Tracks: L’un et le multiple, Je chante la France und Amité et amertume.

7Guns Up! – Outlive

2006 war offensichtlich das Jahr meines musikalisches Erwachens. Alle Guns Up Platten sind, meines Erachtens, gute oder überragend gute HC-Releases. Im Gegensatz zu No Warning, die ein paar Jahre zuvor das schreckliche Suffer, Survive rausbrachten und sich damit als Sum 41 Abklatsch auf MTV versuchten. Ergo: Guns Up ist einfach die bessere Band, Diskussion aus, haha. Die Outlive ist für mich persönlich eine wichtige HC-Platte und ihre Einflüsse sind in Eisberg eindeutig zu hören, besonders auf unserer 7”. NYHC angehaucht mit guten Grooves und viel Abwechslung ohne melodischen Schnickschnak und zu poetischen Lyrics. Genau das was man sich von einer HC-Platte wünscht.

Tracks: Alle?

8Cruel Hand – Prying Eyes

Da das erste Album Without Pulse, meiner Meinung nach, sehr schwach war, habe ich Cruel Hand nie beachtet. So ist auch Prying Eyes vollkommen an mir vorbei gegangen. 2009 auf der letzten Have Heart Show in Boston, wo Eisberg auch gegründet wurde, spielten Cruel Hand die ganze Prying Eyes Platte und legten ein hammer Set hin. Ich war hin und weg, hörte mir das Album auf dem Rückflug an und konnte nicht fassen wie gut Cruel Hand Hardcore mit Trash-Metal Einflüssen kombinierten. Eine perfekte Scheibe.

Energie von vorne bis hinten, harte und schnelle Riffs mit spannender Rhythmik, die mich sehr an die Swansong Platte von Carcass und gelegentlich an Obituary erinnern. Die Drums beinhalten viele Tempowechsel und lassen die Songs sehr spannend klingen. Die harten Vocals runden das ganze schön ab und die Platte ist zurecht einer der besten HC-Platten aller Zeiten.

Tracks: Life In Shambles und Begin Descension.

9Stevie Ray Vaughn – Texas Flood

Die Platte und der Künstler die dafür Zuständig sind den amerikanischen Blues aus dem größtem Loch seiner Geschichte herausgerissen zu haben und ihn vor seinem Ende bewahrte zu haben. Die Musikwelt war noch nicht bereit für solch eine schnelle und harte Blues-Platte. Stevie Ray Vaughan wurde bei seinen ersten Konzerten in Europa ausgebuht (siehe Montreux Jazz Festival 1982) und sein spielerisches Talent wurde nicht gewürdigt, da die Jazz und Blues Welt zu der Zeit nur Jazzbesen scheißegeil fand. Jedoch hat er einfach DIE Bluesplatte schlechthin erschaffen. Eine Spieltechnik auf die sogar Albert King neidisch war. Er kombinierte die Soliertechniken der besten Bluesmen der 60er und 70er aber spielte sie schneller und gefühlsvoller als alle zuvor. Ich höre die Platte wöchtenlich, versuche Songs nachzuspielen und sehe dann doch schnell wieder ein, dass ich lieber beim HC bleiben soll haha.

Tracks: Pride and Joy und Dirty Pool (weil er sogar Slow Jams zerstört hat).

10Violation – Devoured

Relativ kleine Band, ich kann leider nicht genau sagen wieso diese Platte in meinen Top-10 ist, man muss sie glaub ich einfach nur hören und dann versteht man es. Die Produktion ist nicht sonderlich gut, doch der Gitarrensound ist das schnittigste was ich je gehört habe (Attack und Mid Cut auf 11). Vocals eher medium aber in Kombination mit Drums und Gitarren ganz cool. Der Gitarrist, Gary Wright, ist super tight auf der Platte und seine Riffs bleiben einfach hängen. Zusätzlich gibt es obendrauf noch ein ziemlich cooles Cover Artwork von einer der bekanntesten Metal-Cover-Künstler Andrei Bouzikov.

Tracks: Devoured und Degenerate.

Eisberg wird am 07. September 2018 ihr neues Album Few Will Remain über BDHW Records veröffentlichen.

1 Kommentar

Beitrag kommentieren

Bitte gebe dein Kommentar ein
Bitte gebe dein Name ein