Breichiau Hir – Hir Oes i'r Cof (2021)
Breichiau Hir – Hir Oes i'r Cof (2021)

Musikalische Schubladen sind ja immer so eine Sache. Post-Hardcore, irgendwo zwischen verdammt lautem Emo und Punk. Aggression trifft auf Melodien. Zart und doch geradeaus und kraftvoll. All das trifft auf die sechsköpfige Band Breichiau Hir aus Cardiff zu. Was jedoch das Besondere an dieser Band ist: sie singen in ihrer Muttersprache Walisisch.

Mit Hir Oes i’r Cof veröffentlichen sie am 19. November 2021 ihr Debütalbum auf dem walisischen Alternative Label Libertino Records. Nach ihrer EP von 2015, einigen Singleveröffentlichungen seitdem und diversen Festivalauftritten haben sie sich in ihrer Heimat bereits einen Namen gemacht.

Breichiau Hir (Pressebild)
Breichiau Hir (Pressebild)

Die zehn Stücke überzeugen mit sehr ausgefeiltem Songwriting. Verzweifelt klingender Gesang trifft auf einen intensiven Klangteppich aus der Kraft von drei Gitarren. Und immer wieder der Sprung von zarten Passagen zu aggressiven und packenden Momenten zu dröhnendem und eingängigem Sound. Das Album weiß musikalisch immer wieder aufs Neue zu überraschen. Denkt man, gerade den Kern dieser Band erkannt zu haben, drehen sie die Richtung bereits auch erneut um.

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Lang lebe die Erinnerung

Der Titel Hir Oes i’r Cof bedeutet etwa „Lang lebe die Erinnerung“. Und Erinnerung, ja tiefe Nostalgie, ist es, die den Erzählstrang prägt. Frontmann Steffan Dafydd hat beim Songwriting schnell bemerkt, dass sich seine Texte alle um dieses zentrale Thema drehen. Es ist eine Reise zurück in die Vergangenheit des Erzählers, der durch das Album begleitet. Am Ende ist dieser überwältigt und vollkommen eingenommen von den Erinnerungen und dem Wunsch wieder jung zu sein, dass er den Bezug zur Realität zu verlieren scheint.

Das wunderschöne Bild eines Flusses als Metapher führt durch alle Songs und verbindet diese. Mal schnell, mal langsam fließend, so ist die ganze Scheibe. Der namensgebende Track Hir Oes i’r Cof startet so catchy, dass man gerne mitsingen möchte, wenn da nicht diese zungenbrecherische Sprache wäre. Ich war zuerst skeptisch wie all das mit dem Gesang auf Walisisch klingt. Aber es ist wunderbar, denn es fühlt sich so extrem authentisch an. Ofni Braidd ist so leicht und zart und dann wieder überraschend gewaltig. Inhaltlich und musikalisch endet es mit einem emotionalen Ausbruch, der dann sehr sanft melodisch ausklingt.

Sprechgesang folgt auf zarte Melodien

Nochmals ganz anders kommt die Band auf Glasoed Tragwyddol daher. Lauter anklagender Sprechgesang bestimmt dieses Stück und besticht mit starkem Refrain und sehr präsentem Schlagzeugspiel. Wenn der Albumverlauf einem Fluß gleicht, dann ist Beth Bynnag Sydd Ar Ol die Stromschnelle, der Wasserfall. Verzerrter Gesang, treibender Sound und eingängiger Refrain packen und ziehen einen unweigerlich mit.

Man muss dem Album ganz sicher etwas Zeit geben und auf es auf sich wirken lassen. Das Walisische ist definitiv anfangs ungewohnt, doch der Gesang fügt sich absolut harmonisch und überzeugend in das musikalische Gesamtbild ein. Breichiau Hir möchten den Hörer mit ihrer Musik bewegen – bei mir haben sie es erfolgreich geschafft. Für mich persönlich ist es eine der Neuentdeckungen des Jahres. Unabhängig ob man die Texte versteht oder nicht, machen Breichiau Hir mit ihrem energiegeladenen punkigen Post-Hardcore und den drei Gitarren wirklich Spaß. Oder ist es doch einfach eine verdammt laute Emo und Punk Band?

Tracklist

Breichiau Hir (Pressebild)
Breichiau Hir (Pressebild)
  1. Hir Oes Ir Cof
  2. Mwynhau
  3. Nin Hapusach
  4. Y Pwysau Mawr
  5. Ofni Braidd
  6. Y Teimlad Ynysol, Eto
  7. Glasoed Tragwyddol
  8. 07-04-17
  9. Beth Bynnag Sydd Ar Ol
  10. Dal Lan Gydan Hun
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