Nach fünf Jahren Pause ist Japans ikonische Post-Hardcore Band Envy wieder zurück. Mit The Fallen Crimson veröffentlichen sie am 07. Februar 2020 eine von Fans lang ersehnte neue Screamo Noise Platte (Pelagic Records). Können Envy die Erwartungen halten?

Fakt ist: Mit der ersten Single- und Video-Auskopplung ist Envy ein echtes Meisterstück gelungen, musikalisch, wie auch visuell.

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Wie steht es um den Rest des neuen Albums?

Atmosphärischer Hardcore, irgendwo zwischen Thursday und Viva Belgrado, nicht zu vergessen: überwiegend auf japanisch – dafür stehen Envy seit mehr als 25 Jahren. Wie kaum eine andere Band, bleiben Envy von Album zu Album ihrem Stil treu. Auch diesmal – vielleicht etwas zu sehr?

Der Opener Statement of Freedom sorgt ebenso melodisch wie auch druckvoll für einen guten Start. Genauso beeindruckend, nämlich in vollkommen anderer Machart, kommt Swaying Leaves And Scattering Breath um die Ecke. Ein Song, der mit sanften Spoken Words und Gesang schon fast in japanische Popsong-Dimensionen abdriftet, dank der immer wieder aufschrillenden Gitarren aber jedes Mal wieder zur Screamo-Schönheit zurückbelebt wird. Besonders auffällig ist hier das verspielte Schlagzeug, das jeden Part perfekt zu untermalen weiß, ohne aufdringlich zu wirken.

Beeindruckend dynamisch und progressiv geht es mit dem Titel Track A Faint New World weiter, mit dem Envy beweisen, wie abwechslungsreich Songs jenseits der fünf Minuten klingen können. Das hier ist musikalisches Storytelling – auch wenn ich keine Ahnung habe, wovon Tetsuya Fukagawa hier singt und schreit.

Es geht weiter mit der bewährten Mischung aus atmosphärischen Sounds und süßen Melodien, vertracktem Schlagzeug und dynamischem Gitarrenriffs, poppigem Gesang und wütendem Geschrei. Jeder Song ist für sich betrachtet perfekt. Und dennoch will The Fallen Crimson im Ganzen nicht so wirklich zünden. Liegt es daran, dass die sanften Songs den Krachern auf diesem Album die Fahrt nehmen? Oder daran, dass das hier alles schon mehrmals in ähnlicher Form da gewesen ist?

Betrachtet man The Fallen Crimson als Erstlingswerk einer Band, die sich vor einigen Jahren fast komplett neu formiert hat, dann ist das hier ein wirklich gutes Album. Blickt man jedoch auf 25 Jahre Bandgeschichte zurück und reiht dieses Album ein in seine Vorgänger, dann ist es etwa enttäuschend. Die einzige Überraschung ist Fingerprint Mark, der ungewohnt punkig vorprescht und damit an Envy’s Anfangszeit erinnert. Auch dieser Song baut sich natürlich mit verzerrten Ambient Gitarren zu einem Berg aus Verzweiflung auf und fällt schließlich in sich zusammen – mehrfach. Das ist gutes Songwriting! Mehr davon wäre gut gewesen.

EnvyKeine Frage: Envy hauen hier einige wirklich gute Stücke aus den Saiten und Fellen. Natürlich, der Melodic Trash reißt mich als alten Envy Fan mit. Als neu und wegweisend bleibt The Fallen Crimson bis auf A Faint New World und Fingerprint Mark aber nicht wirklich bei mir hängen. Episch und in seiner ganzen Machart ein Meisterwerk ist das Album aber dennoch. Klingt vertrackt? Tja, Envy eben.

Tracklist

1. Statement of Freedom
2. Swaying Leaves and Scattering Breath
3. A Faint New World
4. Rhythm
5. Marginalized Thread
6. HIKARI
7. Eternal Memories and Reincarnation
8. Fingerprint Mark
9. Dawn and Gaze
10. Memories and the Limit
11. A Step in the Morning Glow

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– Playlist: Happy Release Day
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Bewertung
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Chrissy
Seit mehr als 20 Jahren gehören Punk und Hardcore zu ihrem Leben und sind ihr täglicher Soundtrack. Ihre beiden Kinder genießen dadurch beste musikalische Erziehung, denn von Punk und Oldschool HC bis hin Post-Hardcore ist alles erlaubt, was Kopf und Körper bewegt. Was zählt, ist vor allem die Attitüde. Stay true!
envy-the-fallen-crimson-review-2020Betrachtet man Envy's The Fallen Crimson als Erstlingswerk einer Band, die sich vor einigen Jahren fast komplett neu formiert hat, dann ist das hier ein wirklich gutes Album. Blickt man jedoch auf 25 Jahre Bandgeschichte zurück und reiht dieses Album ein in seine Vorgänger, dann ist es etwa enttäuschend. 

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