The Offspring, München 14.05.2023 | by Felix Keil

An dieser Stelle hätte ich gerne einen ausführlichen Bericht darüber geschrieben, wie lange The Offspring im Münchner Zenith gewirbelt und welche Setlist sie runtergeschrubbt haben, aber das kann ich leider nicht. Denn schon nach drei Songs war das Konzert für mich beendet. Der Grund: extrem restriktive Anforderungen in Verbindung mit meinem Fotopass.

Los ging der Abend damit, dass ich Trash Boat, den Opener, verpasst habe, weil sie eine halbe Stunde früher angefangen haben als auf der Website des Veranstalters angegeben und ich dadurch ein paar Minuten zu spät am Zenith angekommen bin. Schade, aber passiert halt mal. Die Vorfreude auf das Konzert hat das erst einmal nicht geschmälert. Das änderte sich dann allerdings schlagartig, als die Security-Mitarbeiter*innen mir erklärt haben, wie und wann ich zum Fotografieren in die Halle darf.

Wie bei den meisten Konzerten üblich, war das Knipsen nur während der ersten drei Songs erlaubt. So weit, so normal. Alles andere als üblich ist aber, dass man danach die Halle wieder verlassen muss. Ja, richtig gelesen: Ich wurde mehr oder weniger rausgeschmissen. Scheinbar war es nicht genug, die Kamera einfach wieder in den Rucksack zu packen und den Rest des Konzerts als Zuschauer und Fan zu verfolgen. Nein, ich wurde von einem (sehr netten) Security-Mitarbeiter sowohl bei Four Year Strong, dem zweiten Supportact, als auch bei The Offspring nach jeweils einer knappen Viertelstunde durch den Seitenausgang nach draußen begleitet. Ein erneutes Betreten der Halle durch den Haupteingang war somit nicht mehr möglich, denn ich hatte ja meine Kamera bei mir, die nicht mehr mit rein durfte. Weil ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gekommen war, hatte ich auch nicht die Möglichkeit, die Sachen in einem Auto zu deponieren. Die Alternative wäre gewesen, mein Kamera-Equipment unbeaufsichtigt im Graben vor der Bühne liegen zu lassen.

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Besonders zweifelhaft ist diese Maßnahme auch deshalb, weil ich bereits ein paar Tage vor der Show eine Vereinbarung unterschreiben musste, in der ich hoch und heilig verspreche, keine Nahaufnahmen von den Bands zu machen, mich nur im Zuschauerbereich zu bewegen und vor Veröffentlichung – auf welcher Plattform auch immer – zuerst die Freigabe des Managements einzuholen. Heißt: Es hätte ohnehin nichts gebracht, auch nach den ersten drei Songs weiter zu fotografieren, weil ich dafür sowieso nicht das Approval durch das Management bekommen hätte.

Wo wir gerade beim Thema sind: Noch am selben Abend habe ich eine Auswahl von 24 Bildern (inklusive Four Year Strong) – wie vertraglich gefordert – ans Management geschickt. Ganze vier (!) davon haben den Cut geschafft und grünes Licht für eine Veröffentlichung bekommen. Ich weiß nicht, ob ich über die Tatsache, dass zwei der Fotos – und damit die Hälfte der autorisierten Bilder – nicht mal die Band zeigen, lachen oder weinen soll.

Auf Nachfrage, was das Problem bei den anderen 20 Fotos ist, habe ich keine Antwort mehr  erhalten. Wirklich sehr, sehr schade, weil ich mich an die oben genannten Forderungen gehalten habe, die bei der Bewertung durch das Management dann aber scheinbar doch nicht von Bedeutung waren.

Alles in allem also ein sehr enttäuschender Abend, der eigentlich das Potenzial für ein weiteres Highlight in meiner noch jungen Konzertfotografie-Karriere gehabt hätte.

Die vier Fotos möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten.

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– Playlist: Happy Release Day

5 Kommentare

  1. Sorry, aber selbst Schuld, wenn man das vorher(!) weiß und noch unterschreibt. Da hätte ich dankend ablehnt. Und ja, ich mach das schon ein paar Jahre…

  2. Sorry, aber wer einen solchen Vertrag unterschriebt macht ja auch den „Job“ (den es für 95%der Magazine auch gar nicht mehr gibt, da nix gezahlt wird) komplett kaputt.
    Einfach nicht über die Konzerte der Band berichten und dann ist gut.
    Alternativ: Einfach mal einen Artikel bringen warum man von der uns der Show eben nicht berichten wird.
    Haben wir vor 20 Jahren schon so gemacht. Ist die Aufmerksamkeit einfach nicht wert.

  3. Ich bin normaler zahlender Konzertbesucher, der mittlerweile über 1000 Gigs erlebt hat. Mich nervt es, dass die ersten Songs immer diese mit XXXL Objektiven bewaffnete Künstler vor der Band rumturnen und einem manchmal jede Sicht auf die Bühner verunmöglichen. Früher war das alles dezenter, und nicht so überhyped wie heute. Dass diese Fotografen sich danach auch noch beklagen, ist dann eigentlich der Zenith dieser Selbstdarstellung.

    • Du weißt schon, dass 95% der Fotografen ihre Bilder an dem Abend, an dem Menschen wie du ihren Spaß haben (vollkommen zurecht und legitim), ohne Entgelt ihre Zeit aufwenden, um Bilder zu machen. Zum Beispiel für die Bands selbst, Menschen, die nicht auf den Konzert sein können oder Konzertbesucher selbst, die sich gerne nach der Show Bilder anschauen.

  4. So sieht es leider bei Live Nation Veranstaltungen mittlerweile immer aus. Am liebsten hätten sie dann auch noch dir Bilder und würde sie für alles möglich verwenden, aber der Fotograf bekommt dafür nichts. Deswegen einfach keine Live Nation veranstalten mehr besuchen und keine Werbung mehr machen für die

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