Ich war definitiv zu jung, als ich das erste Mal The Time Machine gesehen habe. Diese Morlocks, wie sie aus dem Untergrund kommen und sich die Eloi holen – das hat sich eingebrannt. So ein richtig fieses Kindheits-Trauma, das irgendwo im Hinterkopf schlummert. Und dann sitzt du Jahrzehnte später da, starrst auf ein Albumcover – und zack, alles wieder da. Unbehagen, Dreck, Untergrund. Perfekter Einstieg für diese Platte.
Denn Accion Mutante liefern mit The Time Machine genau diesen Soundtrack.
Seit 1994 aktiv, tief verwurzelt im süddeutschen Dreck, melden sich die Crust-Veteranen mit einem wütenden Rundumschlag zurück. Und das ist nicht einfach nur ein neues Album – das ist eine Zeitreise durch drei Jahrzehnte Bandgeschichte. 20 Songs, davon 10 komplett neu und 10 neu eingespielte alte Tracks. Klingt erstmal nach Recycling – ist aber genau das Gegenteil.
Der Sound? Endlich da, wo er sein muss. Roh, aber druckvoll. Crust trifft Metalpunk, D-Beat prügelt sich durch die Tracks, dazu zwei Vocals, die sich gegenseitig antreiben statt im Weg zu stehen. Lohm bringt dieses rotzige Shouting rein, während Rossi die nötige Dreckigkeit beisteuert. Das funktioniert verdammt gut.
Tracks wie Fear, Dreads and Spikes oder What a Wonderful World treten direkt nach vorne, während kürzere Dinger wie Die Human Race oder Desensitized wie kleine Nadelstiche wirken. Auf Seite B wird’s nicht schwächer: Fuck Cancer, Collapse oder Odin – Jesus zeigen ziemlich klar, wo die Reise hingeht – nämlich mitten rein in gesellschaftliche Abgründe.
Thematisch bleibt man kompromisslos: Religion, Umweltzerstörung, menschliche Abgründe – alles bekommt sein Fett weg. Und das Ganze mit dieser typischen Mischung aus Zynismus, Wut und einem klaren antifaschistischen Standpunkt. Kein Gelaber, keine Pose.
Was man der Platte besonders anmerkt: Diese Band macht das nicht, um relevant zu bleiben. Die sind es einfach. DIY bis zum Anschlag, keine Kompromisse, kein Anbiedern. Während andere Bands nach 30 Jahren weich werden oder sich selbst kopieren, klingt das hier immer noch wie ein Schlag ins Gesicht.
Auch spannend: Das Album erscheint über Holy Goat Records als ziemlich liebevoll aufgemachte Vinyl-Version – inklusive farbigem Vinyl, Booklet und dem ganzen Kram. Passt zum Gesamtbild: Hier steckt Herzblut drin.
Fazit
The Time Machine ist kein Nostalgie-Trip, sondern ein wütender Rückblick mit ordentlich Biss. Alte Schule, aber nicht verstaubt. Roh, ehrlich, angepisst – genau so, wie Crustpunk klingen muss.
Und ja: Das Cover fühlt sich immer noch an wie damals die Morlocks im Dunkeln.

Tracklist
- Fear
- Dreads and Spikes
- Die Human Race
- What a Wonderful World
- Creature of Inhuman Power
- Dead Dream
- Desensitized
- Ghetto Europa
- Narcissism of Mankind
- Kranenwald
- Der Papst
- Fuck Cancer
- Collapse
- Into Not Detox
- Das Hohelied der Larmoyanz
- Mankind is the Reason
- Drug Schools
- Loser
- Theodicy
- Odin – Jesus
Für alle, die bis hierhin gelesen haben, hier noch ein kleiner Schmankerl. Lasset die Kindheitstraumata wieder aufleben.






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