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Ant Attack am 22. April 2017 in der Gebläsehalle Neunkirchen

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Zum insgesamt dritten Mal fand am 22. April 2017 das Festival Ant Attack in der Gebläsehalle in Neunkirchen statt. Und zum dritten mal war ich bei diesem wohl größten Indoor-Festival des Saarlandes vertreten, als eine der zahlreichen Gäste. Und zum dritten Mal schreibe ich auch einen kleinen bericht darüber. Eine kleine Warnung sei vorausgeschickt… Ich fand nicht alles gut, was an diesem Tag spielte. Sensible Leute sollten daher vielleicht einige Texte überspringen. Ich will zwar nicht wie Frank Trojan annodazumals im Rock Hard als Bandschlächter gelten, aber ich hab mir sagen lassen, dass meine Kritik manchmal durchaus böse werden kann. Ich will aber auch nicht aus Nettigkeit schreiben, dass ich die Band verpasst habe. Es handelt sich hier grundsätzlich um meine subjektive Meinung. Es scheint aber leider so zu sein, dass im Internet veröffentlichte Rezensionen immer positiv klingen sollen. Das sehe ich nicht, im Printbereich ist das ja auch anders. Also, remember: Bad News are good news. Jedenfalls, und das kann ich vorrausschicken: es war ein gigantisches Festival, dass mir sehr viel Spaß machte und zeigte, dass der Punkrock im Saarland seine Berechtigung hat. Allen Organisatoren, ehrenamtlichen Helfern und natürlich dem Veranstalter sowie allen Bands (auch die, die ich nicht so toll fand natürlich) an dieser Stelle mein Dank für einen wirklich tollen Tag auf dem Ant Attack.

Die Isotopes waren auf diesen Seiten schon zweimal vertreten. Mir selbst waren sie komplett unbekannt. Als Anheizer waren sie auf jeden Fall die richtige Wahl. Baseball-Punk, was es alles gibt und so handeln die Songs ausschließlich von diesem Thema. Eine Konzeptband, interessant. Musikalisch waren ziemlich nah an den Ramones, auch mit altbekannten „1-2-3-4“-Einzählern. Das Sujet fiel hier natürlich weniger auf. Aber sie hatten noch jemanden dabei, der kein Instrument spielte. Rad Jockstrap, der Anheizer vom Anheizer sozusagen, bewaffnet mit einem Baseballbat (wer denkt jetzt an Beat on the Brat?). Ansonsten trug er eine Kutte und ein Suspensorium. Sonst nix. Er hampelte auf der Bühne herum, schlug sich den Baseballschläger gegen sein Suspensorium, drehte sich recht häufig um, damit das Publikum seinen nackten Hintern sehen konnte und zog Grimassen. Ansonsten ging er halt voll ab. Auch der Rest der band war blendend drauf, wie es sich um 16:00 Uhr am Samstag auch gehört. Natürlich war die Halle noch relativ leer, aber die Band machte Appetit auf mehr.

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Was danach kam leider gar nicht. Kuchenclub waren der Local-Act des Abends. Trotz des leckeren Namens war es leider so, dass man sich als Saarländer relativ viel schämen musste. Die meiste Zeit stand ich mit facepalm bedeckt in der Ecke des Raums und konnte nicht fassen, was sich da abspielte. Zunächst gings ja ganz gemütlich los, doch die Texte drifteten irgendwie ständig in Richtung Schlager. Der versuch, den Pathos von den Broilers und vergleichbaren Bands zu imitieren endete irgendwo zwischen Helene Fischer und Deutschrock. Am schlimmsten war dann die Saarland-Hymne. Als Kuchenclub das Lied ankündigen, kamen erwartungsgemäß die „Saarland Asozial“-Rufe, doch was danach kam, uff, das war nur schwer auszuhaltender Lokalpatriotismus: „Schöne Wälder, bunte Täler/Bei uns im kleinsten Bundesland/Menschen von kernigem Schlage/Meine Heimat, du mein Saarland“ (…) „Mein Bündnis steht, für alle Zeit, immer und ewig bleib ich hier“ (…) Eine Reise durch den Wahnsinn/den Sternen manchmal nah“. Ay, caramaba. Da fehlen einem eigentlich die Worte. Punkrock und Heimatverbundenheit schließen sich zwar nicht zwangsläufig aus, man denke nur an die Ruhrpottler, aber in dieser geballten Schmonzette… Sogar Cock Sparrer haben es geschafft, wenigstens „the dirty water on the rivers“ zu besingen, und was bei den Toten Hosen nach „Hohe Berge, weite Täler, klare Flüsse, blaue Seen“ kommt, brauch ich wohl niemandem zu erzählen. Und die weiteren Lieder machten es leider auch nicht besser.

Was danach kam, war dann das genaue Gegenteil. Eskalation nennt man das wohl, was bei Fahnenflucht folgte. Zweiter Gig für die band heute, nachdem sie morgens den AfD-Parteitag gerockt haben. Schreibt man das so oder ist das mißverständlich? Also nochmal klar: Fahneflucht beteiligten sich in Köln mit einer kurzen Live-Session um 9:30 auf dem Heumarkt an den Protesten gegen diesen Parteitag. Und anschließend ins Saarland. Starke Aktion! Sie sollten nicht die einzige Band bleiben, die heute mehrere Auftritte hatte, dazu aber später mehr. Fahnenflucht lieferten jedenfalls einen bärenstarken Auftritt, der die Menge zum ersten Mal in Bewegung versetzte. Vor der Bühne waren es vor allem die offensichtlichen Punker, also die mit den Iros, die sich hier ausleben konnten. Gut voll war es vorne und auch hinten. Deutschpunk ist ja meistens Geschmackssache, aber Fahnenflucht haben auch einige eher hardcore-lastige Lieder und vor allem ganz viel Meinung. Dementsprechend waren auch ihre Ansagen motiviert.

Love A sind dann die Band, auf die ich mich am meisten gefreut habe. Und wer Jubelreviews nicht mag, sollte zum nächsten Absatz springen, denn mehr wird es hier sicherlich nicht geben. Und doch, das Reinkommen in den Gig war für die Band ziemlich schwer. Denn obwohl oder eventuell auch weil sie gerade erst eine neue neue Platte (Review folgt) aufgenommen haben, hatten sie wenig zeit zum Proben und mussten vom gemeinsamen Zusammenspiel zehren. Jörkk Mechenbier, seines Zeichens Sänger der Band hatte an diesem Tag zudem bereits einen weiteren Auftritt mit seinem Projekt Schreng Schreng & La La. und zwar trat er nicht in seiner Heimatstadt Trier auf, sondern ausgerechnet in Köln. Hätten ihn Fahnenflucht auch mitnehmen können. Demenstrpechend startete die Band etwas unvorbereitet in den Gig. Dazu kamen schrecklich viele neue Lieder, die das Publikum natürlich noch nicht kannte (außer ich halt, höre das Album momentan im Dauerlauf). Wobei, Nichts ist leicht und Entweder gibts beide auf Youtube Aber wie sagte Jörkk während des Gigs: „Das schöne am Saarland, man spielt ein Pascow-Cover und alles ist wieder gut.“ Und so wars dann auch: Too doof too fuck und alle singen mit. Natürlich gabs auch die eigenen Hits, Trümmer natürlich, 100.000 Stühle leer und mein absolutes Lieblingslied Toter Winkel. Dazu ein bisschen Pogo, das macht Spaß. Gewürzt mit vielen saudummen Sprüchen. Auch das Stageacting hat der Jörkk drauf, erinnerte ein bisschen an Karl nagel beim singen (wer Kein hass da gesehen hat, weiß was ich meine). Leider wars noch früh am Tag und deshalb war nach Windmühlen leider Schluss.

Weiter gings mit Real McKenzies aus Schott.., äh Kanada. Die hatte ich immer so als Dropkick Murphys für Arme in Erinnerung, allerdings existieren sie ganze vier Jahre länger als ihre vermeintlichen Vorläufer. So kann man sich irren. Damit sind sie Vorreiter eines Celtic-Punk-Stils, den vor ihnen lediglich die Mahones und die Pogues angehörten. Dropkick Murphys und Flogging Molly kamen erst später. Gibt sogar ein Lied drüber: Fuck the Real mcKenzies Also, Punk mit irischen Einflüssen, viel Dudelsäcke, ein paar Original Tunes, aber vor allem tanzbarer Punkrock, der allen Anwesenden (und das waren leider mehr als bei Love A) sichtlich Spaß machte. Vorne wurde getanzt, gesungen und gelacht und ich glaube auch hinten geschah das Gleiche. Trotz ihres Alters (mit dem sie von Zeit zu Zeit kokettierten) zeigte die Band eine unfassbar gute Show und natürlich lüftete Paul McKenzie auch seinen Schottenrock, um seinen Dödel dem Publikum zu präsentieren. Natürlich erst als alle Fotografen aus dem Pit abgezogen waren. Hits gabs auch, das wunderschöne Droppin‘ Like Flies und Drink Some More, nur um mal die bekanntesten zu nennen. Sicherlich ein Highlight des Line-ups.

Bevor wir zu den Bones kommen, noch ein paar Worte zur Location und dem drumherum. Wieder beteiligten sich zahlreiche Stände an dem Festival. So gabs Gratiszigaretten von dieser unsäglichen Firma, die meint ihr Dreckstabak wäre gesund. Dryberg waren da und taten dasselbe mit ihrer Schnapslimonade. Schön auch, dass Viva con agua wieder am Start waren und fleißig Pfand bekamen. Hoffe, es hat sich gelohnt. Kein Bock auf Nazis waren auch wieder am Start, gingen aber im Dunkeln hinten in der Ecke irgendwie unter. Für die Veganer und Vegetarierer waren WorldFoodTrip aus Blieskastel am Start und boten leckere Wraps an. Es gab glaube ich noch Pommes und für die Carnivoren (RIP Peter Steele) wohl auch genügend Kram, damit niemand hungrig nach Hause gehen musste. Ob die Sachen lecker waren, konnte ich leider nicht im Geschmackstest erkunden, wegen dem Fleischanteil. Hat sich aber niemand beschwert, den ich kenne.

Weiter gings dann mit The Bones. Ein letzter Beweis dafür, dass hier wirklich alle zufrieden waren. Denn waren bei Fahnenflucht die Punker vorne, bei Love A die anspruchsvollen Punk-Hipster wie ich (hüstel), bei The Real McKenzies die Mittelalter-Celtic-Punker so war bei den Bones die erste Reihe T-Shirt-los. Für die nächste Stunde regierte der Punk ’n’ Roll aus Schweden und ließ in den ersten Reihen keine Kleider trocken. Die Security hatte alle Hände voll zu tun, die Stagediver zu beschäftigen, wie später bei Millencolin auch. Der Pogo war ruppiger als das vorherige Ringelrein bei den McKenzies. Die Band machte ihre Sache richtig gut, insbesondere die Marcus „Boner“ Petersson (Gitarre, Gesang) und Andi Nero (Bass) zeigten wie man sich auf der Bühne angemessen verhält. Gitarre hinterm Kopf spielen und vor allem geil posen. Gut gefiel mir der Wechselgesang und dass die Band zwar ohne Hauptsänger auskommt, jeder Sänger aber seinen eigenen Stil miteinbringt. Toller Auftritt!

Jetzt kamen Millencolin und damit wohl die Band, auf die die meisten gewartet haben. Es wurde wirklich voll, so dass ich zum zweiten mal den Fotograben in Anspruch nehmen musste, was ich immer ganz witzig finde, wenn die Profis mit ihren High-End-Geräten da rumhampeln, während ich Augen zu und durch mit der Digicam rumstolziere. Aus diesem Blickwinkel ist es auch ganz witzig, sich umzudrehen und die entzückte Masse zu sehen, wie sie „ihre“ Band anfeuert. Und man konnte sehen, dass die Security, die während des Festivals bisher eine ruhige Kugel schieben konnte, jetzt gefordert wurde. Denn ein Crowdsurfer nach dem anderen kam ihnen entgegen. An dieser Stelle auch noch mal der Dank an die Security, die wirklich einen tollen Job gemacht hat, über den ganzen Abend hinweg. Nun kommt das große ABER. Aber Millencolin fand ich tatsächlich nie richtig gut, ein bisschen langweilig. Live ist ja vieles besser, aber ehrlich gesagt, ich empfand das nicht so. Die Menge hatte sicherlich ihren Spaß, aber wie ich im Gespräch mit Freunden und Bekannten so rausgehört habe, war das Ganze eher ein 08/15-Auftritt, gut aber nicht wirklich großartig. Ich denke, wer einmal im Jahr auf ein Konzert geht, der wird den Gig sicherlich abgefeiert haben. Wer wie ich oder andere, dutzende oder mehr Shows im Jahr sieht, darunter auch viele Clubkonzerte, der merkt normalerweise, wenn eine Band sich nicht so richtig Mühe gibt. Und das ist eigentlich das Schlimmste, was passieren kann. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen, wie gesagt, ich war schon vorher kein großer Fan der Band. Man nehme meine Worte also nicht als in Stein gemeißelt an. Das Publikum hatte viel Spaß und wurde am Ende noch mal zu einem Circle Pit animiert.

Das wars dann mit der Main-Show. Jetzt traten noch die Rogers auf. Fans der band sollten ab hier aufhören zu lesen…

Also, noch jemand da? Hab geflunkert, wird eigentlich ganz sanft. Naja fast… Ok, also ich hab nie so ganz verstanden, warum die gut sein sollen. Für mich ist das belangloser Deutschrock im Broilersgewand, allerdings nur halb so gut. Btw, das neue Broilersalbum ist ein ziemlicher Hammer fand ich. Was man ihnen allerdings nicht vorwerfen kann, ist fehlender Enthusiasmus. Die dritte Band mit einem Engagement am selben Tag. Vorher hatten sie schon Oberhausen unsicher gemacht und sind mal flugs danach rübergedüst. Tourauftakt für die Band aus Düsseldorf. Es waren schätzungsweise noch 1/3 der Menschen von Millencolin da, um sich die Band anzutun. Davon ließen sie sich nicht beeindrucken und lieferten sich letztlich einen soliden Gig ab. Sie konnten auch noch für ein bisschen Stimmung beim Publikum sorgen und sie waren tatsächlich die einzige Band, bei denen ein Mitglied, nämlich der Sänger, ein Bad in der Menge nahm. das verdient natürlich Respekt. Ob die fans in Oberhausen aber glücklich darüber sind, dass die Band sagte, ihr hätte es hier, trotz weniger Publikum besser gefallen? Tja, doof, dass hier ein Petzer mitschreibt, ne? Jedenfalls und damit komme ich hoffentlich zu einem versöhnlichen Ende, die Rogers waren mit Sicherheit ein gelungener Rauswerfer für ein wirklich tolles, gelungenes und atemberaubendes Festival. Gegen 2:00 Uhr war ich dann zu Hause, 10 1/2 Stunden ohne Sitzpause. Das ist länger als so mancher Arbeitstag. Und dann noch das ganze Bier und das leckere Essen… Und der ganze Krach, die vielen Menschen. Ach das Leben als Journalist ist hart…

Ein perfekter Samstag! Danke dafür, liebes AntAttack-team und wir sehen uns nächstes Jahr!

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