„If a white flag means surrender, a black flag represents anarchy.“

Black Flag ist wohl die American Hardcore Band schlechthin. In den 80er Jahren prägten sie die Szene kaum eine andere Band. Nicht unwahrscheinlich, dass die Hardcore Bewegung, wie sie in den frühen 80ern stattgefunden hat, ohne sie nicht so verlaufen wäre. Black Flag hat den Hardcore von der Westküste an die Ostküste und somit später in die ganze Welt getragen!

Es kommt nicht von ungefähr, dass weltbekannte Bands wie die Red Hot Chilli Peppers oder Nirvana, Black Flag zu ihrem maßgeblichen musikalischen Einfluss zählen. Doch auch von Metal oder Trash Bands wird Black Flag sehr häufig genannt. Erste Veröffentlichungen – mit Songs wie Wasted, Six Pack oder Nervous Breakdown und Alben wie My War (1985) – gelten bis heute als Meilensteine des Hardcores und werden von Jung und Alt lauthals mitgegrölt.

Panic?! – Die Anfangsphase von Black Flag

Die Band wurde 1976 von Gitarrist und Songwriter Greg Ginn, Sänger Keith Morris, Bassist Raymond Pettibon, sowie Schlagzeuger Brian Migdol unter den Namen „Panic“ in Hermosa Beach, Kalifornien, im Großraum Los Angeles gegründet. Beeinflusst von The Ramones und The Stooges kreierte die Band einen Sound, der wenig später eine ganze Welle lostreten sollte: den American Hardcore. In einem Interview sagte Greg Ginn:

„We were influenced by the Stooges and then the Ramones; they inspired us. Keith and myself saw the Ramones when they first toured LA in 1976. After we saw them, I said if they could do it we could do it. I thought Keith would be a good singer and after seeing the Ramones, it made him think that he doesn’t have to be some classical operatic singer.“

1977 trat Chuck Dukowski der Band bei und löste den Übergangsbassisten Raymon Pettibon ab. Mit diesem Line-Up spielte Black Flag noch im Dezember selben Jahres noch unter den Namen Panic ihre erste Show in Redondo Beach, Kalifornien.

Black Flag - Logo
Das legendäre und weltbekannte Black Flag Logo.
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1978 änderte die Band ihren Namen in Black Flag. Grund hierfür war, dass damals eine weitere Band namens Panic existierte. Die Idee für den Bandname kam von Raymond Pettibon. Der Bruder von Greg Ginn blieb der Band auch nach seinen Ausstieg als „Berater“ erhalten und zeichnete auch das weltbekannte Logo von Black Flag:

„If a white flag means surrender, a black flag represents anarchy.“

Erste Veröffentichung „Nervous Breakdown“

Das Black Flag Debut aus dem Jahr 1979.
Das Black Flag Debut aus dem Jahr 1979.

Pettibon war auch für einige Coverartworks der Band verantwortlich. So auch für die Veröffentlichung Nervous Breakdown, welche 1979 erschien. Darauf enthalten waren die 4 Songs Nervous Breakdown, Fix Me, I’ve Had It und Wasted. Erschienen ist die EP – wie alle Black Flag Releases – auf SST Records. Das Label wurde von Greg Ginn und Charles Dukowski ins Leben gerufen und hat bis heute weit über 500 Veröffentlichungen herausgebracht.

Zu dieser Zeit spielten Black Flag unzählige Shows im Raum Los Angeles, wo die Konzerte an den unterschiedlichsten Orten stattfanden. So trat die Band beispielsweise in Plattenläden, auf Hauspartys, während Picknicks oder in Schulen auf. Black Flag erspielte sich durch ihre energetischen Auftritte schnell einen legendären Ruf und eine große Fanbase.

Maßgeblichen Anteil am Erfolg der Band hatte mit Sicherheit der Gitarrist Greg Ginn, welcher nicht umsonst zu den besten Gitarrenspieler aller Zeiten gezählt wird. Ginn war auch der Leader der Band, obwohl er nach außen eher ruhig und verschlossen wirkte. 1979 verließ Keith Morris nach Differenzen mit Ginn die Band und gründete unmittelbar nach seinen Ausstieg die kaum weniger bekannte Hardcore Band Circle Jerks. Neuer Black Flag Sänger wurde der bisherige Bandroadie Ron Reyes.

Mit Reyes brachte die Band 1980 ihre zweite Veröffentlichung Jealous Again hervor.
Nur ein weiteres Jahr später wurde Reyes von Dez Cadena abgelöst. Nachdem Cadena noch auf der EP Six Pack (1981) als Sänger der Band fungierte, wechselte er auf späteren Veröffentlichungen an die Zweitgitarre neben Ginn. In dieser Zeit gingen Black Flag auch erstmalig auf nationale Tour und erlangte so im ganzen Land Bekanntheit.

1981: Erstes Album mit Henry Rollins

Diese konnte die Band mit Sänger Henry Rollins weiter steigern. Rollins ist wohl noch vor Dez Cadena, Greg Ginn und Keith Morris das bis heute bekannteste Mitglied von Black Flag. Rollins flimmerte später auf den Kinoleinwänden der ganzen Welt, war Sänger der nicht unbekannten Rollins Band und gründete als Schriftsteller seinen eigenen Verlag.

Photo by Gustavo Vegan Xxx.
Henry Rollins und Black Flag. Photo by Gustavo Vegan Xxx.

Der damals 20-jährige Rollins stammte ursprünglich aus Washington und sang für die Hardcore Band S.O.A. Während einer gemeinsamen Show mit Black Flag auf deren Ostenküsten Tour, lernten sich die Band und Rollins kennen. Dort baten Black Flag Rollins einen Gastauftritt zum Song Clocked In an. Cadene, Ginn und der Rest der Band waren von Rollins Auftritt so begeistert, dass sie ihm einen Platz als Sänger anboten. Nach längerem Zögern und einigen Zweifeln nahm Rollins, nach Ermutigungen von Ian McKaye (Minor Threat), den Posten als Sänger an.

Rollins verlieh der Band durch sein kühles und dunkles Auftreten ein neues Gesicht. Mit ihm als Sänger veröffentlichten Black Flag ihr erstes Studioalbum Damaged (1981). Mit dem Release von Damaged begann der Durchbruch der Band und Black Flag spielte eine Tour nach der nächsten. Im Winter 1981 war die Band dann zum ersten Mal auf Europa Tour.

Es folgten mit My War (1984), Family Man (1984), Slip It In (1984), Loose Nut (1985) und In My Head (1985) fünf weitere Alben, welche alle innerhalb von 2 Jahren erschienen sind. Mit diesen Veröffentlichungen orientierte sich Black Flag musikalisch neu und verabschiedeten sich zunehmend vom klassischen Hardcore-Punk. Das Tempo der Songs wurde langsamer und somit auch die Spielzeit der einzelnen Tracks um einiges länger. Ein großer musikalischer Einfluss von Black Flag war zu dieser Zeit die Metalband Black Sabbath. Vermehrt waren auch Grunge und Heavy Metal Elemente im Sound der Bandzu finden.

Die vorläufige Auflösung

Die musikalische Neuorientierung wurde nicht immer freudig vom Publikum angenommen. So kam es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Zuschauern und Sänger Rollins. Black Flag-Klassiker wie TV Party, Nervous Breakdown oder Six Pack wurden überhaupt nicht mehr in die Setlist mit aufgenommen und die verhältnismäßig sehr langsamen Songs stifteten Verwirrung beim Publikum.

In dieser Zeit gab es, wie bei Black Flag üblich, einige weitere Wechsel im Line-Up. So waren in der Zeit von 1981 bis 1986 Bill Stevenson, Emil Johnson, Schlagzeug Chuck Biscuits, C’el Revuelta, Kira Roessler und Anthony Martinez Mitglieder der Band. Einzigartig zu dieser Zeit war, dass mit Roessler eine Frau am Bass einer Hardcore-Punk Band war.

Black Flag in der Liberty Hall in Dallas, Texas 1984.
Black Flag in der Liberty Hall in Dallas, Texas 1984.

Der Erfolg, das ständige Touren und die ständigen Besetzungswechsel brachten aber auch vermehrt interne Probleme. Es kam immer häufiger zu Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten. Black Flag war erschöpft und ausgelaugt. Außerdem gelangte die Band auch an ihr finanzielles Limit. Black Flag spielte in den Jahren 1984 und 1985 über 300 Shows und veröffentlichte 5 Studioalben. Trotzdem blieb der erhoffte finanzielle Erfolg aus, was die Mitglieder zunehmend frustrierte.

Folglich spielten Black Flag am 27. Juni 1986 ihre vorerst letzte Show in Detroit, Michigan. Ginn erklärte Rollins ein paar Monate später während eines Telefonates die Auflösung der Band.

„He told me he was quitting the band. I thought that was strange considering it was his band and all. So in one short phone call, it was all over.“

(Henry Rollins in seinem Buch Get In The Van)

2003 spielte Black Flag 3 Reunion Shows mit Dez Cadena als Sänger, Greg Ginn an der Gitarre, Robo am Schlagzeug und Cel Revuelta am Bass. Alle 3 Konzerte waren Benefiz-Shows für eine Organisation für Katzen. Grund: Greg Ginn gilt als großer Katzenliebhaber.

Comeback: Black Flag vs. FLAG

Ihr endgültiges Comeback feierte die Band im Jahr 2013. Black Flag veröffentlichte ein neues Album, welches überwiegend schlechte Plattenkritiken einheimste und auch bei den Fans nicht gut ankam. Neben Greg Ginn und Ron Reyes komplettierten Dave Klein (E-Bass) und Gregory Moore (Schlagzeug) die Band.

Zur selben Zeit gründete sich unter den Namen FLAG eine zweite Black Flag Band, mit der Besetzung Dukowski, Stevenson und Egerton. Wenig später stieß Dez Cadena hinzu. Es kam schnell zu einem Streit zwischen den beiden Bands. Greg Ginn reichte vor einem US-Gericht Klage gegen seine einstigen Bandkollegen ein. Es ging primär um die Verletzung von Markenrechten, sowie die Verwendung des berühmten Bandlogos von Black Flag. Die Klage von Ginn blieb erfolglos und FLAG konnten wie zuvor weiter machen.

“You’re done, party’s over get off it’s over…”

Mit diesen Worten soll Skateboard Legende Mik Valley, der zur damaligen Zeit Tourmanger von Black Flag war, Ron Reyes als Sänger der Band während einer Australien Tour im Januar 2014 abgelöst haben. Seitdem ist Mike V. Sänger der Band, die heute noch unregelmäßig Konzerte spielt.
FLAG, mit Sänger Keith Morris, wird im Sommer 2016 auf Europa Tour gehen. Er ist außerdem der Sänger der Hardcore-Punk Band OFF!, die sich sehr am Black Flag Sound der Anfangsphase orientiert.

Screenshot of Iris Concepts Video.
Greg Ginn heute. Screenshot of Iris Concepts Video.

Empfehlenswert ist die Hardcore Dokumentation American Hardcore aus dem Jahre 2006, in welcher die Band näher vorgestellt wird. In der Doku gibt es auch Kommentare von Keith Morris & Henry Rollins zu Ihrer Zeit mit Black Flag.

Demons Run Amok - Fest

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