Die „Szenemacher“ Vol. 10: Andi alias The Pit aus Landshut

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Herzlichen Willkommen zur 10. Ausgabe unserer Szenemacher. Klar, wir verstehen uns als Fans der handgemachten Live-Musik. Doch ab und an überzeugt uns auch ein tanzbarer Abend im Club – sofern die Musik stimmt. Heute haben wir einen DJ im Interview, der es sich zu Aufgabe gemacht hat eine ordentliche Portion PunkRock in die Clubs dieses Landes zu bringen. Wer das Groezrock 2019 besucht hat, könnte zum Set von The Pit bereits eine flotte Sohle auf‘s Parkett gelegt haben.

AFL: Hallo Andi, für uns ist es ziemlich ungewohnt einen DJ im Interview zu haben. Stell dich und deine Tätigkeit als DJ doch erstmal kurz vor.

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Stäbruch Festival

Hallo Julia! Kurz zu meiner Person – ich bin 35 und glücklicher Ehemann und Papa von zwei bezaubernden Kindern. Als DJ war ich jetzt 15 Jahre lang mit den Projekten Circle Pit, The Pit, Waikiki Beach Rockers und zu guter Letzt Green Pepper Melodies unterwegs. Geprägt waren alle Projekte schon immer von PunkRock, wobei die letzten Jahre auch andere „Abzweigungen“ des alternativen Rock`n`Roll immer mehr Einzug in mein Set genommen haben. So fanden u. a. auch Indie, Alternative oder Folk immer mehr ihren Platz in meinem Set. Ich habe dieses Jahr meine „Karriere“ dann eigentlich aus verschiedensten Gründen an den Nagel gehängt – musste aber relativ schnell feststellen, dass die Leidenschaft doch viel zu groß ist und ich auf irgendeine Art und Weise noch nicht fertig bin. Naja und dann nahm mein neues Projekt Form an – dazu aber dann später mehr. 

AFL: Wie bist du denn überhaupt zum PunkRock und zum Auflegen gekommen?

Ich bin mit PunkRock aufgewachsen. PunkRock war unsere Jugendkultur und unsere Art Protest auszudrücken. 1994 bekam ich von meinen großen Geschwistern Dookie von Green Day vor den Latz geknallt – damit war`s dann eigentlich auch schon passiert. Diese Scheibe hat daher auch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, da sie mich so gesehen auf eine Art geeicht hat. Wobei PunkRock für mich persönlich noch viel mehr eine Einstellung als „nur“ Musik ist. Die Musik ist mehr das Ventil oder das Sprachrohr diese Einstellung auszudrücken. Zum Auflegen bin ich über einen Freund gekommen, der Ende 2003 eine Anfrage des allseits bekannten Underground-Kult-Club „Strich 8“ aus Dingolfing bekommen hatte, dort mal aufzulegen. Wir waren damals viel zusammen unterwegs, er wusste, ich hatte ein paar ganz passable Scheiben daheim und da hat er mich gefragt, ob ich nicht mitmachen möchte… naja, damit ging`s los und lies mich auch nicht mehr los!

„Scheuklappen- und Schubladendenken tut niemanden gut und der Musik schon dreimal nicht. Man sollte offen sein und nichts kategorisch ausschließen.“

AFL: Du legst ja mit CDs auf. Wie groß ist denn deine Sammlung und wie viele Scheiben nimmst du denn zum Auflegen mit bzw. wie wählst du diese aus?

Ja, ausschließlich mit CDs und zwar aus Überzeugung und mit Herzblut. Mit Laptop und/oder mit Playlisten auflegen kommt für mich nicht in Frage und stand auch nie zur Debatte. Ich will mich mit der Musik, den Bands und der Materie beschäftigen (müssen) und die Alben und Songs „in der Hand haben“. Puh, meine Sammlung, gute Frage… aber das ist mittlerweile eine ganze Wand voll. Zum Auflegen begleitet mich seit einigen Jahren ein alter, verhunzter Koffer, den ich vollpacke. Die Auswahl ist immer ganz verschieden – klar, man hat immer eine gewisse Grundstruktur für einen Abend im Kopf, aber der Rest wird intuitiv am Abend davor ausgewählt. Da gibt`s dann ein Gläschen Wein und dann wird gepackt. Das ist extrem erfüllend und steigert die Vorfreude auf das Auflegen selbst extrem.

AFL: Gibt’s Scheiben auf die du beim Auflegen nicht verzichten kannst?

Hmm, so DIE EINE Scheibe, die ich immer dabei habe, gibt`s eigentlich tatsächlich nicht, weil ich gerne variiere. Klar gibt es Bands, die einen lange begleiten und die auch immer wieder vorkommen, was aber bei mir nicht zwingend die großen und weltweit bekannten „Überbands“ sein müssen. Im Gegenteil, ich versuche auch immer viele Bands und Songs weit abseits des Mainstreams mit einzubauen. Um es plakativ zu beschreiben, steht bei mir Qualität ganz klar über Bekanntheit. Das, was ich am Auflegen so sehr liebe, ist das Spiel mit den Harmonien und den Übergängen der Songs, Genres dadurch zu verknüpfen und frei nach dem Motto „alles kann, nix muss“ ein spezielles Rock`n`Roll-Set zu kreieren ohne auf notorisches „Hit-Geballer“ angewiesen zu sein. Natürlich gehören bekannte Hits und Gassenhauer auch bei mir dazu, ganz klar, aber definitiv nicht als Steckenpferd. Mich packt beispielsweise die Energie und Direktheit eines PunkRock-Brechers genauso wie die Unbeschwertheit und atmosphärische Tiefe von Indie & Folk – und dazwischen ist alles möglich, egal ob aus LA oder Buxtehude, Hauptsache es fühlt sich gut an.    

AFL: Gibt es auch Songs, die dich inzwischen richtig nerven, beim Publikum aber immer gut ankommen?

Oh ja, die gibt’s natürlich. Beispielhaft wäre da Killing In The Name von Rage Against The Machine. Prinzipiell ein großartiger Hit, der nach wie vor (zurecht!) eine starke Relevanz hat, keine Frage und Asche über mein Haupt, dass ich das sage – aber ja, er nervt mich mittlerweile sehr. Nichtsdestotrotz mogelt er sich immer wieder mal in mein Set, er passt halt oft (leider) echt gut.

The Pit - Do You Wanna Dance

AFL: Du bist ja schon eine ganze Weile als DJ unterwegs. Hat sich dein Publikum bzw. die Szene in dieser Zeit verändert?

Ja, die Szene hat sich schon verändert, finde ich. Es ist meiner Meinung nach viel schnelllebiger und irgendwie auch ungeduldiger geworden auf eine gewisse Art und Weise. Das ist für mich manchmal schwer zu verstehen bzw. zu akzeptieren, wenn ich sehe, wie Leute kommen und gehen und nur noch Wenige mit Leidenschaft irgendwo dahinter stehen und bleiben. 

AFL: Du legst ja nicht nur in alternativen Locations auf, wie reagieren denn Leute auf deine Musikauswahl, die wenig mit PunkRock zu tun haben?

Wie vorhin schon gesagt, beschränkt sich mein Set schon lange nicht mehr ausschließlich auf PunkRock und darauf lege ich mittlerweile auch sehr großen Wert. Scheuklappen- und Schubladendenken tut niemanden gut und der Musik schon dreimal nicht. Man sollte offen sein und nichts kategorisch ausschließen. Das ist für mich eine Grundeinstellung, welche meiner Meinung nach auch absolut im PunkRock verwurzelt ist. Aber ich schweife gerade ab, merke ich…

Was die Reaktion der Leute betrifft, die so mit der Musik und der Szene wenig zu tun haben, habe ich ehrlich gesagt schon alles erlebt. Von überschwänglich begeisterten Menschen, die einem um den Hals fallen, weil sie es unerwarteterweise so unglaublich gut finden, bis zu echt angepissten Typen, die einen übel beleidigen, wenn man deren Song nicht auf der Stelle spielt, war wirklich schon alles dabei. Aber das macht die Sache eben auch interessant, sowohl positiv als auch negativ gesehen. 

AFL: Wie kam es dazu, dass du dieses Jahr auf dem Groezrock auflegen durftest, und wie war das für dich? Wirst du auch nächstes Jahr wieder für eine ordentliche After-Show sorgen?

Kurz gesagt, ich habe den Booker die letzten Jahre immer wieder mal angeschrieben und dieses Jahr hat er tatsächlich angebissen. Und ja, es war Wahnsinn, ein rappelvolles Zelt mit hunderten enthusiastisch ausflippenden Menschen, die mich vor jedem Song freudig angestrahlt haben. Ob ich nächstes Jahr wieder dort vertreten sein werde? Ich hoffe doch sehr, wir werden sehen…

AFL: Dein bestes Erlebnis als DJ? / Dein schlimmstes Erlebnis als DJ?

Schwierig zu sagen. Es gab bisher sehr viele schöne aber natürlich auch nicht so schöne Erlebnisse. Hier das eine Beste und eine Schlimmsten herauszupicken ist eigentlich fast nicht möglich, sorry.

„Genauso wichtig war mir ein Konzept, welches Abende verspricht, die komplett zwanglos abgefeiert werden können, Menschen durch den Rock`n`Roll in all seinen Facetten verbindet und mit einem Lachen im Gesicht in Erinnerung bleiben.“

AFL: Jetzt mal ehrlich: wie nervig sind Songwünsche von Gästen?

Das kommt ganz auf das „wie“ drauf an. Ist die Person nett, passt der gewünschte Song ins Konzept und ich hab ihn im Repertoire, bin ich der Letzte, der einen Songwunsch nicht erfüllt. Läuft das Ganze allerdings zu fordernd, dreist und respektlos ab, sind die Erfolgsaussichten bei mir einen Songwunsch erfüllt zu bekommen, doch eher gering.

AFL: Bisher warst du ja eher im bayerischen Raum unterwegs. So viel ich weiß, planst du jetzt etwas Größeres. Erzähl uns doch mal von deinem Vorhaben.

Ja, das stimmt. Dazu muss ich wohl ein kleines bisschen ausholen. Ich habe Anfang des Jahres meine DJ-„Karriere“ eigentlich ad acta gelegt – es hat sich die letzten 2-3 Jahre eine Art Routine und Abnutzung bei mir eingestellt, dadurch, dass ich immer in den selben Lokalitäten vor oft oder zumindest immer wieder den gleichen Leuten mit der immer gleichen Erwartungshaltung mir gegenüber aufgelegt habe. Der Reiz und die Begeisterung gingen dabei schleichend immer mehr flöten. Dadurch dachte ich irgendwie (oder habe es mir vielleicht auch ein Stück weit eingeredet) ich sei durch damit. Naja und wie vorhin bereits erwähnt, kam zum einen ziemlich schnell die Ernüchterung, dass ich verdammt nochmal (noch) nicht ohne das Auflegen kann und zum anderen die Erkenntnis, dass meine immer weniger werdende Begeisterung schlicht am „wie, was und wo“ lag, aber sicher nicht an der Sache an sich! Der fast zeitgleich stattfindende Auftritt beim Groezrock Festival tat natürlich durch die Begeisterung, die mir dort von den Besuchern entgegenschwappte, ihr Übriges.

Kurzum, ich musste meine Entscheidung revidieren und brauchte ein neues Projekt. Es sollte mich zu 100% erfüllen, begeistern und zugleich speziell sein, sowohl für mich als auch für`s Publikum. Des Weiteren sollte die Veranstaltung überregional und an mehreren Orten/Locations stattfinden, quasi mehr wie eine Art Tour. Genauso wichtig war mir ein Konzept, welches Abende verspricht, die komplett zwanglos abgefeiert werden können, Menschen durch den Rock`n`Roll in all seinen Facetten verbindet und mit einem Lachen im Gesicht in Erinnerung bleiben. „DO YOU WANNA DANCE?“ wird mein neues Baby heißen und 2020 auf Tour durch Deutschland und Österreich gehen.     

AFL: Dieses Interview führen wir ja im Rahmen unserer Rubrik Szenemacher – ich finde, dass passt ganz gut. Siehst du dich denn selbst als eine Art Szenemacher?   

Ich würde sagen eher als Szenebegleiter & -unterstützer. Ich bin niemand, der mit wehenden Fahnen vorangeht aber immer bereit und gewillt mich für die Szene einzusetzen. Wenn ich das durch gelungene Abende und mein Machen am DJ-Pult tun kann, bin ich happy.

AFL: Vielen Dank für deine Zeit und das tolle Interview! Die letzten Worte gehen an dich…

Ich hab zu danken! Hat mich sehr gefreut und wir sehen uns hoffentlich 2020 mal bei „DO YOU WANNA DANCE?“

Sobald die Termine für
DO YOU WANNA DANCE?
stehen, findet ihr diese natürlich bei uns! 

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Ich bin die Jule, Jahrgang ‘92, aus dem schönen Landshut in Niederbayern. Seit April 2017 bin ich Teil des AWAY FROM LIFE-Teams. Neben sporadischen Reviews und Konzertberichten präsentiere ich regelmäßig die Top-10-Songs und belästige euch jeden Monat mit unserem Newsletter. Am wohlsten fühle ich mich in melodischen Punk-Rock-Gefilden, dabei darf es weder an rauen Stimmen noch an harmonischen Gitarrenriffs fehlen!

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