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Faulenza – Wunderwesen ::: Review (2018)

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Dead Serious Recordings

Ich gebe zu, ich hab mir etwas schwer getan mit dem Review. Vielleicht kennt der ein oder andere FaulenzA, die transAktivistin, Buchautorin und Musikerin. Aufmerksam wurde ich vor ein paar Jahren durch ein Interview im Plastic Bomb. Ihre Karriere begann sie damals als Singer-Songwriterin mit Gitarre und Akkordeon. Seit 2016 hat sie sich mehr auf Hip-Hop verlegt. Parallel erschien ihr Buch „Support your sisters, not your cisters„. Mittlerweile ist Hip-Hop ihr Hauptschaffensfeld.

Angefangen hat sie ihre musikalische Karriere als Mann. Als Transfrau hat sie vor allem in den letzten beiden Jahren verschiedene Operationen zu ertragen gehabt, die nicht so einfach zu ertragen sind. Diese waren auch ausschlaggebend für einen Großteil der Themen des Albums: ihr Coming-Out, ihr Selbstverständnis, ihre Unsicherheiten und auch ihre emotionalen Achterbahnfahrten. Während dieser Zeit unterstützten sie ihre Freunde und Freudinnen. So beginnt das Album auch mit einer Danksagung an diese Für euch da sein.

Die Beats des Albums stammen, wieder einmal muss man schon fast sagen, von LijiOne, der im linken Hip-Hop durchaus die Präsenz eines Beatzarre (Grüße an SDP an dieser Stelle) oder eines Djorkaeff hat. Auch viele tolle Gaststars sind vertreten, die wunderbare Sookee natürlich, dann Finna, Carmel Zoum, Lady Lazy, dazu noch Haszcara. Als einziger Mann ist Riva (früher auch bekannt als Bomba) von Anarchist Academy vertreten.

Das alles liest sich auf dem Papier relativ gut und so hatte ich dann auch Bock auf das Review. Die Schwierigkeit  hatte ich dann beim Durchhören des Albums. Die Rapstimme und der Flow von FaulenzA sind so gar nicht mein Fall. Gerade der erste Track stellte durchaus eine Hürde für mich da. Zugegebenermaßen, gegen Ende des Albums entwickelt sich das ganze positiver, die tollen Gastparts tun ein übriges dazu.

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Optimist

Schwierig sind auch manche Texte für mich. Zum Beispiel Reclaim the Stage. In dem Text geht es zum einen darum, das sich Faulenza reduziert auf ihr Transfrau-Dasein fühlt, zum anderen um das Nischendasein, das queere Künstler im Mainstream fristen. Daran ist durchaus nichts auszusetzen, aber man muss halt auch sagen, das 75% des Albums nun mal von ihrem Transsein handelt. Auch daran ist nichts auszusetzen, es ist ja schließlich ihre Musik. Nur ist damit im Mainstream sicherlich kein Korb zu gewinnen. Wenn man sich anguckt, wer im Mainstream Erfolg hat und nicht dem traditionellen Geschlechterverständnis entspricht, dann sind das doch auch die, die vor allem auch Musik und Texte schreiben, die eine breitere Masse ansprechen. Da stellt sich die Frage: Will man das eigentlich? Einsame Insel oder Untergrund?  hatte Sookee schon gefragt und dieser Frage sollte man sich stellen.

Und so gibt es noch weitere streitbare Passagen auf dem Album. Eltern gehören abgeschafft zum Beispiel (und die Schule gleich mit). Natürlich ist die Kritik dahinter relativ berechtigt, aber die Idealvorstellung einer kollektiven „Erziehung“ beziehungsweise auch „Nichterziehung“ beißt sich doch ein wenig mit dem, was man Realität nennen kann. Auch kollektive Lebensformen führen nicht immer zu Gutem, manchmal eher zum Gegenteil. Das ist mir zu platt gedacht, eben eine Frage, die man nicht in 3:20 beantworten kann.

Jetzt hab ich viel gemeckert. Das zeigt aber zumindest, dass es FaulenzA versteht, zur Diskussion anzuregen. Interessante Songs finde Ich mag Kitsch, das FaulenzAs Vorliebe für Weihnachten thematisiert (und auch auf meiner Weihnachtsplaylist landen wird), AfNÖ!, Für alle Lebewesen, Meine Verbündete und Unterwegs. Achja, und Dosenbier ist ein echter Hit!

Ein Makel bleibt letztlich Stimme und Flow, die mich einfach nicht so überzeugen können. Musikalisch ist das Album top und die Texte sind interessant. Es bleibt ein Zwiespalt…

Das Album ist bereits am 30. November 2018 über Springstoff erschienen.

Titelliste:
1. Für euch da sein 4:45
2. Wär ich heute in der Schule 3:58
3. Wunderwesen 2:55
4. Eins nach dem Anderen feat. Sooke 4:00
5. Um den Eisberg herum 4:27
6. Party Diva auf Antidepressiva feat. Finna 3:58
7. Herr Schmidt 4:20
8. AfNÖ! feat. Lady Lazy 4:37
9. Queere Gangster feat. Haszcara 4:39
10. Eltern gehörn abgeschafft 3:20
11. Wie sie mich haben wollen feat. Carmel Zoum 4:27
12. Zauber und Romantik 4:47
13. Für alle Lebewesen 3:27
14. Taxipunk 2:37
15. Reclaim The Stage 3:11
16. Meine Verbündete 3:15
17. Ich mag Kitsch feat. Riva 3:31
18. Unterwegs 4:18
19. Geister 5:18
20. Dosenbier 1:27

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