Conan City Hardcore - Buchcover

Der kleine Verlag Glitzer & Grind war hier schon zweimal von mir präsentiert, einmal mit dem Sachbuch Als der Vorhang fiel von Claus Ostrich über den Wiener Punk der 1990er Jahre (hier) und einmal mit dem Roman Schuhfabrik bleibt von Julia Bassenger (hier). Da mir beide Werke recht gut gefielen, fiel die Wahlwohl auch auf mich, das neue Werk Conan City Hardcore angemessen zu repräsentieren. Geschrieben wurde es von Autor, Musiker, Veranstalter und Ox-Schreiber HC Roth und dem Musiker Chris Magerl (derzeit bei The Burning Flags, damals Sick of Silence ). Der Untertitel lautet „Die Grazer Punk- und Hardcoireszene um die Jahrtausendwende“ und genau dies bekommt der geneigte Leser auch geboten. Wie mittlerweile üblich handelt es sich zum Teil um Oral History, die von den beteiligten Personen wiedergegeben wurde. Die Zeitzeugen-Interviews stammen größtenteils von Magerl, daneben ordnet HC Roth das Geschehene aus seiner Sicht ein. Ergänzt wird das ganze um zeitgenössische Berichte und Interviews, die meisten stammen von HC Roth aus dem Ox, aber auch von der nicht mehr aktiven Conan-City-Website.

Kernelement ist das Conan City Collective (CCC), ein etwa drei Jahre währendes Kollektiv von Bands und Personen innerhalb der Punk- und Hardcore-Szene, die sich gegenseitig unterstützt haben, Konzerte und Touren organisiert haben. Wie so viele Kollektive scheiterte es irgendwann am Zusammenhalt. Die Auswirkungen des Kollektivs zeigen sich aber auch noch in der heutigen Szene, auch wenn nicht mehr alle Protagonisten von damals aktiv geblieben sind.  Das Buch teilt sich in vier Großkapitel ein. Das erste behandelt die Zeit von 1996 bis 2000, die Darstellung der Punkszene zu jener Zeit in Graz und die wenigen Auftrittsmöglichkeiten, die es damals gab. Es zeigt auch die Anfänge von HC Roth als Schreiberling fürs Ox und seine ersten selbst organisierten Konzerte. Daneben geht es viel um die Bands jener Zeit. Magerl erzählt von den Anfängen von Sick of Silence, daneben geht es um die Antimaniax, Pledge Alliance, Bounz the Ball und Red Lights Flash, aber auch um Konzerte bekannterer Namen wie Good Riddance und Satanic Surfers in Graz und Umgebung.

Teil II behandelt die Jahre von 2000 bis 2003 und damit die aktive Zeit des CCC, indem viele der im ersten Kapitel beleuchteten Bands aufgehen. Das Hardcore im Titel täuscht etwas, finden sich doch in dem Kollektiv Bands von  Punk über Hardcore bis Metalcore, Indie und Ska wieder. Hinzu kam als sehr prägender Vertreter Barracuda, die heute als Musikcafé Prenner gänzlich andere Musik machen. Dabei wird die Rolle weder glorifiziert oder übertrieben noch kleingeredet. Auch nicht verschwiegen, das sich wenig um Feminismus und Sexismus gekümmert wurde. Sehr, sehr unterhaltsam liest sich das Kapitel über die verschiedenen Tourneen der Bands, darunter eine völlig verrückte Kanada-Tour von Sick of Silence, die durch unfähige Veranstalter sehr chaotisch verlief. Auch eine Tour von Antimaniax und Sick of Silence durch Ungarn, Serbien und Bulgarien, bei denen man in besetzten Häuser, Squats und alten Gruben spielte und Nazis die Konzerte angriffen oder verhinderten.

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Das kürzeste Kapitel ist dann der Zeit von 2003 bis heute gewidmet. In einem kurzen Abriss erfährt man, was Teile der damaligen Hauptakteure heute machen. Viele Fotos, Bandfots, Partyfotos, Flyer und Konzertftos runden das Buch ab.

Insgesamt liest sich das Buch sehr gut und man merkt, wie viel den Protagonisten die damalige Zeit bedeutet hat. Ein sehr lebendiger Bericht über die österreichische Szene in Graz, die vielen von uns vermutlich fremd sein wird. Sehr gewinnbringend und wie auch schon das Wien-Buch ein wirklicher Gewinn für die Szene. Ich freue mich, auch die nächsten Werke aus dem verlag besprechen zu dürfen…

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– Playlist: Happy Release Day

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