Counterparts sind mittlerweile eine gefestigte Größe im Melodic-Hardcore. Nachdem das Album der fünf Kanadier You’re Not You Anymore so eingeschlagen ist, hatten wir am 02. Dezember das Vergnügen Frontmann Brendan Murphy in der Essigfabrik in Köln, auf der Tour mit The Amity Affliction, Alazka und Casey zu interviewen.

Interview mit Counterparts Sänger Brendan Murphy

Es gibt nichts Schlimmeres, wenn du einen Song spielst und dabei selbst richtig Spaß hast und das Publikum dich nur anstarrt und denkt „Was zu Hölle ist das?“

Stell dich vor! Wie ist dein Name und welchen Part übernimmst du in der Band?

Mein Name ist Brendan Murphy und ich singe in Counterparts.

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Brendan, deine Aussagen über das neue Album waren voll von Begeisterung.

Ja, auf jeden Fall!

Woher kommt diese Begeisterung und was macht sie zu den – in deinen Worten – coolsten Songs aller Zeiten?

Das „aller Zeiten“ ist definitiv nicht so ernst gemeint. Aber aus meiner Sicht, sind es die coolsten Counterparts Songs.

Counterparts
Counterparts

Da wir viele Veränderungen hatten, unter anderem mehrere Mitglieder Wechsel, sind wir das Schreiben des Albums ganz anders angegangen. Statt, dass einer diese vier Songs geschrieben hat und ein anderer diese sieben Songs haben wir alles zusammen, als Band, geschrieben. Es war das erste Mal, dass wir so etwas gemacht haben und es hat uns allen sehr gefallen; es war richtig cool.

Es war echt gut immer alle Leute um sich zu haben, auch Menschen, die gar nicht in der Band sind, wie zum Beispiel Alex, der mal für uns Gitarre gespielt hat. Er hing einfach mit uns ab. Außerdem waren Will, unser Produzent und Ryan und Randy vom Studio immer dabei, all diese Leute halt.

Wenn man das so macht, wie wir, wird halt mit Ideen um sich geworfen. Wir wollten keine Platte rausbringen, auf der auch nur ein Part ist, den einer von uns nicht mag. Wenn jemand anderes einen ganzen Song schreibt und du einen Part nicht magst, dann bekommst du in etwa so eine Antwort: „Wie auch immer, ich werde das jetzt aber nicht mehr ändern, also müssen wir sehen, wie wir es jetzt machen.“ Aber jetzt konnten wir jeder unsere Meinung sofort einbringen und einer sagt dann: „Lass uns den Part doch so und so abändern“ und der nächste stimmt dann völlig zu. Das hat das Schreiben und das Aufnehmen sehr erleichtert und es war einfach cool.

Wir haben die Songs auch anders geschrieben, wir sind ganz anders daran gegangen. Zuerst haben wir uns eine Struktur überlegt anstatt: erster Part, zweiter Part, Breakdown, dritter Part. Wir wollten catchy Parts und sich wiederholende Parts, die ins Ohr gehen, wir wollten ein Album rausbringen, mit Songs, die live richtig Stimmung machen, auf die das Publikum richtig abgeht.

Weißt du, es gibt nichts Schlimmeres, wenn du einen Song live spielst und du hast richtig Spaß und magst den Song echt gern und das Publikum starrt dich an und denkt nur „Was zu Hölle ist das?“ Du musst es catchy machen, du musst die Menschen dazu bringen sich zu bewegen. Wir wollten den Fokus darauf legen, dass die Songs live gut ankommen und ich glaube, uns ist das wirklich gelungen und scheinbar denken nicht nur wir so. Es ist wirklich cool, die Reaktion auf das Album war echt überwältigend. Und das Lob nehme ich dankend an.

Der Titel „You’re Not You Anymore“ steht im Kontrast zu euren vorherigen Alben, es enthält keine „Us“ – Botschaft sondern eine „You“ – Botschaft. Hat es was mit der Entwicklung innerhalb der Band zu tun oder auf wen bezieht er sich?

Ich glaube, man kann den Titel auf vieles beziehen. Er lässt sich auf mich persönlich beziehen, er lässt sich aber auch auf Menschen aus meinem Leben beziehen, er lässt sich auch auf die Band beziehen, zum einen, weil es personelle Änderungen gab und zum zweiten, weil wir unser Song-Writing komplett umgeworfen haben. Als es also an der Zeit war, das Album zu benennen, stach dieser Titel einfach raus.

Ich mag, dass wenn Menschen den Titel sehen, dass es nicht auf eine einzige Person zu trifft. Es ist nicht so, dass wir jemanden ansprechen wollen und sagen: „DU bist nicht mehr DU!“ Du da, der Typ da drüben, er ist nicht mehr er selbst. Es ist einfach mehrdeutig und offen, sodass die Leute es sich selbst interpretieren können. Ich habe schon gehört, dass manche sagen, ich würde es auf mich beziehen und andere sagen dann wiederum: „Nein, auf keinen Fall! Er meint jemand anderen!“

Es veranlasst Menschen dazu, darüber zu reden. Sie bilden sich ihre eigene Meinung. Nicht nur das, sie beziehen es auch auf sich. Sie legen sich die Lyrics und die Metaphern zurecht und bilden ihre eigenen Geschichten daraus und suchen dann den Bezug zu ihrem eigenen Leben. Und ich glaube, dass ist, worauf es beim Songs schreiben oder generell, in einer Band wirklich ankommt, du willst, dass Menschen sich mit deinen Songs identifizieren können.

Wie lange hat es gedauert das Album aufzunehmen?   

Nach der Tour in Japan [die Tour war im Januar 2017] sind wir direkt zum Studio geflogen und haben das Album geschrieben. Wir waren da ungefähr zwei Wochen und haben jeden Tag an den Texten geschrieben. Ein paar Lieder hatten wir schon zusammengeschrieben und dann fehlten nur noch ein paar Neue. Dann haben wir uns einfach zusammengesetzt und drauf los gespielt und erste Demos im Studio aufgenommen. Daraufhin waren wir erst einmal mit Senses Fail auf Tour und danach sind wir sofort zum Studio zurückgeflogen und nahmen diesmal die richtigen Songs auf.

Das Schreiben der Songs selbst hat also nur knapp über eine Woche gedauert und das Aufnehmen im Studio ca. einen Monat. So ist es eigentlich immer, jedes Mal, wenn wir mit Will aufnehmen. Wir haben unsere letzten drei Alben schon mit ihm aufgenommen und es dauerte immer ungefähr einen Monat.

Die extra Wochen vorher, um ein paar Demos aufzunehmen und zusammen zu schreiben, waren wichtig für die Band und haben auch wirklich gut getan. Mir selbst, gefällt es, erst einmal Ideen zu sammeln und eine gemeinsame Basis zu finden und erst dann mit allen gemeinsam aufzunehmen.

Was sind deine persönlichen Lieblingslieder vom neuen Album und warum?

Ich mag Fragile Limbs wirklich gern. Meiner Meinung nach bekommt es nicht genug Aufmerksamkeit. Textlich ist es einer der besten Songs, den wir je geschrieben haben. Ich mag den Clean Gesang im zweiten Refrain. Ich finde, der Song ist super catchy und ich glaube, dass genau der Part live super ankommt.

Swim Beneath My Skin ist trotz seiner Kürze ein richtiger Banger. Der Breakdown am Ende ist klasse und insgesamt ist der Track sehr heavy.

Der Song You’re Not You Anymore ist auch richtig cool. Klar, es ist ja auch der Titelsong. In den Lyrics ist einfach viel los und musikalisch hört es sich sehr nach älteren Counterparts Liedern an, es geht instrumental einfach rund, das gefällt mir einfach.

Aber ehrlich, mir gefällt das ganze Album, sogar das Intro, das elf-Sekunden-Intro, ich mag sogar das. Ich finde echt jeden Song super. Wir hatten uns vorgenommen, eine Platte nur mit richtigen Bangern zu veröffentlichen und das ist uns gelungen.

Counterparts – You Are Not You Anymore ::: Review (2017)

Das Album ist zwar kurz, es ist nur 27 Minuten lang aber es ist qualitativ sehr hochwertig. Und ich glaube, dass wenn eine Platte zwar kurz aber sehr gelungen ist, sich das Kids immer und immer wieder anhören werden. Es hat einfach ein großes Replay-Potenzial, damit die Menschen es sich immer wieder anhören und nicht nach dem ersten Mal sagen: „Das Album war jetzt anderthalb Stunden lang, das war ganz schön anstrengend!“ So können sie einfach das Album im Auto anwerfen und können jedes Lied hören bevor sie angekommen sind. Dadurch bleibt es in den Köpfen und zwar jeder Song und nicht nur die Singles.

Welche Lieder spielst du am liebsten live?

Disconnect macht immer Spaß, das Publikum kennt einfach den Text.

No Servant Of Mine zu spielen ist auch richtig cool, das ist ein neuer Song, von dem wir nie gedacht hätten, dass er so durch die Decke geht. Es ist einfach passiert, dass wir ihn, quasi wie eine Single veröffentlicht haben und live drehen die Leute einfach dazu durch.

Wenn wir Thieves spielen ist es noch extremer, die Leute bringen sich gegenseitig um und das ist immer spaßig [lacht].

Die Singalongs zu Witness sind großartig.

Eigentlich jeder Song auf den das Publikum abgeht, jeder Song, der die Kids durchdrehen lässt. Diese Lieder werden wir auch immer live spielen, solange die Leute sie hören wollen.

Welches war das beste Konzert auf dem du selber Besucher warst?

The 1975 live zu sehen, war vielleicht das Beste. Sie sind einfach meine Lieblingsband.

An meinem Geburtstag 2015, oder vielleicht war es 2016 habe ich The Used gesehen, wie sie ihre ersten beiden Alben komplett durchgespielt haben. Es waren zwei Nächte in New York City, ich wurde gerade 25 und hatte meine besten Freunde um mich herum und dann wurden zwei meiner liebsten Alben überhaupt komplett live gespielt, das war wirklich cool.

Das und jedes Mal wenn ich The 1975 live sehe, werden meine besten Konzerte sein.

Wer oder was inspiriert und beeinflusst euch bei eurer Musik?

So ganz allgemein lassen wir uns von den älteren Mid-2000s Metalcore Bands beeinflussen, wie zum Beispiel: Misery Signals, Poison The Well, Saints Never Surrender, Killswitch Engage und den frühen Sachen von Parkway Drive. All dem super harten und melodischen Metalcore. Wir versuchen immer, es nicht neu zu erfinden, sondern unseren eigenen Touch mit reinzubringen und das schon, seit es die Band gibt.

Aber was die Lyrics angeht, sind alle Texte von mir und kommen von meinen persönlichen Erfahrungen, was ich an dem Tag durchmachen musste oder es wurde etwas aus der Vergangenheit hochgeholt. Ich versuche immer den Menschen zu erklären was los ist und durch das Schreiben zu bewältigen, was auch immer ich gerade fühle. So jedenfalls schreibe ich meine Lyrics.

Ihr seid ja ständig auf Tour, auch hier in Europa. Wie fühlst du dich über längere Zeit so weit von zuhause entfernt?

Es ist schwer aber gleichzeitig super, weißt du? Viele Musiker, wie auch ich, lieben das touren und ich möchte das auf jeden Fall für den Rest meines Lebens machen, es ist wirklich das Beste.

Aber ja, man vermisst die Leute zuhause und deinen Partner und deine Haustiere, dein Haus und deine Freunde und all das. Man bekommt auf jeden Fall Heimweh wenn man auf Tour ist.

Ich glaube, viele Menschen, die das touren nicht mögen, mögen es nicht, weil sie ihre Familie und ihre Freunde zuhause zurücklassen müssen. Ich sehe das anders, ich glaube, wenn ich weg bin, lerne ich die Sachen, die ich habe, erst zu schätzen und die Zeit, die ich zuhause verbringe ist dann umso besonderer.

Es ist schwer, aber weißt du, wir leben im Jahr 2017, du hast ein Handy und du kannst anrufen, du kannst mit Leuten reden, du kannst mit ihnen facetimen und das obwohl es die Zeitverschiebung gibt. Sie sind deine Freunde, wenn du dir die Mühe machst sie zu erreichen, dann erreichst du sie auch. Meine Freunde haben mich immer unterstützt und es ist sehr einfach, auch auf Tour, mit ihnen in Kontakt zu bleiben und wenn ich nach Hause komme, ist es, als wäre ich nie weg gewesen.

Aber schwer ist es manchmal trotzdem und von Zeit zu Zeit ist man auch mal frustriert, weil man gerade nicht zuhause sein kann. Wir sind hier und wir bekommen nicht genug Schlaf und wir sind alle überarbeitet und einfach kaputt, aber ich will mich da gar nicht beschweren. Ich darf beruflich Musik machen und ich kann einfach nicht genug davon bekommen Musiker zu sein, weil es der coolste Job ist, den man haben kann.

Was war die verrückteste Erfahrung, die du jemals auf Tour gemacht hast?

Ich erzähle diese Geschichte immer, wenn ich danach gefragt werde. Das letzte Mal als wir in Japan waren, waren wir in einer Karaoke-Bar mit privaten Räumen und wir haben alle unsere Lieblingssongs gesungen und wir waren alle sehr, sehr betrunken.

Wir waren also in dieser Bar mit unseren Freunden aus Expire. Viele von denen trinken nicht, viele sind straight-edge aber wenn’s darum geht, eine gute Zeit zu haben, sind sie trotzdem voll dabei. Die sind nicht so, von wegen: „Weil ich nicht trinke, gehe ich auch nicht raus und bleibe lieber zuhause“ Sie sind die ersten die sagen: „Ich hab‘ Bock zu feiern, lass uns rausgehen und ein bisschen Spaß haben!“

Also, wir waren da und haben Karaoke gesungen und es hat wirklich Spaß gemacht. Als wir gerade gehen wollten, bemerkten wir einen Mann, der in einem dieser Räume ganz allein schlief. Ja okay, wir waren echt betrunken und eigentlich war es wirklich gemein, aber wir dachten, das wird zum super lustig!

Also haben wir uns in den Raum geschlichen und wir nahmen das iPad, mit dem man die Songs auswählt und wir drehten die Lautstärke auf, so laut es ging. Und dann wählten wir Who Let The Dogs Out? aus und wir stürmen in den Raum und schrien den Song mit: „Who let the dogs out?“ Der Typ wachte auf und er hatte Angst um sein Leben und er scheuchte uns mit einem „Go! Go! Get out!“ aus der Bar raus.

Manchmal fühle ich mich schlecht deswegen, weil ich weiß, dass irgendwann eine Gruppe von Menschen, die ich nicht kenne mich zu Tode erschrecken wird und dann werde ich zurück an Japan und denken und weiß dann, dass ich es verdient habe. Ich sage immer, wenn der schlafende Mann herausfindet, dass wir es waren, dass es uns Leid tut, aber die Gelegenheit war einfach zu gut um sie auszulassen. Wir mussten es einfach tun, es war zu lustig! „So sorry sleeping man but Who did let the dogs out?

Was sind deine Pläne nach dieser Tour?

Nach dieser Tour fahren wir nach Hause um Weihnachten mit unseren Familien zu feiern.

Anfang des Jahres kommen wir wieder nach Europa für die Tour mit Architects und While She Sleeps und dann nehmen wir erst mal die ganze Tour mit. Danach sind wir ein paar Wochen zuhause und dann mit Architects und Stick To Your Guns auf Tour in Amerika. Also hängen wir die nächsten drei Monat mit den Architects ab, das ist echt cool, weil sie gute Freunde von uns sind.

Danach sind wir wieder ein wenig zuhause und dann gehen wir auf Tour in Australien und Japan. Dann gehen wir auf eine US Tour, die ich noch nicht ankündigen darf. Wahrscheinlich kommen wir danach wieder her und spielen eine Headline Tour und das ist vorerst alles was geplant ist.

Am Ende des Jahres wollen wir neue Songs schreiben und aufnehmen, damit 2019 ein neues Album kommen kann.

Danke für das Interview!

Danke auch! Es hat mich gefreut, dass ich hier sein durfte!

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