Dödelhaie
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WTF Records

Das neue Dödelhaie-Album ist jetzt schon ein paar Wochen draußen. Unser Review findet ihr hier. Als großer Fan der ersten beiden Alben hab ich mich sehr gefreut, den Zuschlag für das Interview bekommen zu haben. Hier nun die Antworten der sympathischen Hai-Bande aus Dusiburg.

AFL: Hallo, zum Einstieg eine wichtige Frage: wie viel verdient man als Chemtrail-Pilot oder ist das eher eine Art Ehrenamt? Bekommt man den Flugschein bezahlt?

Hallo! Es ist natürlich eine Ehre, aber kein Ehrenamt. Der Sold läuft über die Antifa GmbH, ähnlich wie das Demogeld. Die komplette Ausbildung wird selbstverständlich übernommen, ebenso viele andere kleine Annehmlichkeiten, die ich hier jetzt nicht im Detail ausführen möchte.

AFL: Der Hailand ist nach 12 Jahren zurück. Was war in der Zeit passiert?

Ja, wir haben uns wirklich sehr viel Zeit gelassen, aber das ist uns selbst gar nicht so stark aufgefallen, da wir mehr oder weniger regelmäßig geprobt und auch einzelne Gigs gespielt haben. Wir haben uns ja nie aufgelöst oder eine „Bandpause“ ausgerufen. Es fehlte einige Jahre wohl an Inspiration für neue Songs, das hat sich dann aber mit der Wahl von Trump zum Präsidenten und allem Irrsinn, der darauf folgte wieder geändert.

AFL: Euer Name war ja schon immer eher als Fun-Punk zu sehen, wenn auch eure Texte zum Teil ziemlich „Radikal“ (Pun intended) waren. Auf dem neuen Album befinden sich dementsprechend neben eher Fun-Songs auch ernste und kämpferische Songs. Zum Beispiel Papa mach jetzt Revolution. Wäre es für euch nicht einfacher, nur eine der beiden Stile zu verfolgen oder fehlt sonstwas?

Definitiv würde was fehlen. Wir haben uns nie als Teil dieser „Fun-Punk“-Welle gesehen, wollten aber auch nicht alle politischen & sozialen Themen so 100% düster und todernst bearbeiten wie andere Bands aus der Polit-Punk Szene.  Daher gibt’s bei uns oft beides in einem Song zusammen gemixt, wie bei Papa macht jetzt Revolution oder dem Molli Lied von der letzten LP.

Dödelhaie - Linksextreme Hassmusik (2022)
Dödelhaie – Linksextreme Hassmusik (2022)

AFL: Musikalisch würde ich das Album als typisch Dödelhaie bezeichnen. Ihr habt ein Händchen für gute Melodien und griffige Refrains. Wo seht ihr selbst Weiterentwicklungen?

Musikalisch hat sich tatsächlich nicht viel geändert, bei unserem Record-Release-Konzert in Hamburg haben wir schon gemerkt, dass sich Songs wie Chemtrailpiloten, Papa macht jetzt Revolution, Linksextreme Hassmusik oder „anchmal denke ich an Holland ziemlich gut in die Setlist mit alten Songs einfügen. Wir sind allerdings textlich wesentlich aktueller geworden, da die momentane politische Situation so viele Steilvorlagen bietet.

Daher geht’s auf der neuen Platte eben zum Beispiel um die Macht von Internetkonzernen und das Monopol von Sozialen Medien, um Querdenker, den menschgemachten Klimawandel oder um die Corona Pandemie. Außerdem haben wir uns bei der neuen LP wirklich viel Zeit für den Mix und das Mastering genommen und ich denke das hört man auch.

AFL: Ist Fuckedifuck 2020 a) nicht zwei Jahre zu spät, b) eure Version von Scooters Fuck 2020?

Wir haben den Song ja schon  im August 2020 aufgenommen und als digitale Single und Video Ende 2020 veröffentlicht. Da stellt sich eher die Frage, ob die feinen Herren von Scooter nicht heimlich an unserer Proberaumtür gelauscht haben?

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AFL: Zu dem Song habt ihr auch ein Video gedreht. Was war das Konzept dahinter?

Das Video ist in der Hochphase der Corona-Pandemie mitten im Lockdown entstanden, als sich nicht mehr als zwei Personen treffen durften und wir daher kein „normales“ Video mit der ganzen Band oder ähnliches drehen konnten. Daher die Idee, Freunde und Fans dazu aufzurufen, sich selbst Zuhause zu filmen und uns das Material zu schicken. Darum herum hat Andy dann das Video zusammengebastelt.

AFL: Damals gab es einen Indizierungsantrag zu Haialarm und zum Teil Auftrittsverbote. Wie seid ihr der Affäre damals entkommen?

Das ging alles vom damaligen Innenminister von Brandenburg, Dietmar Woidke, aus. Wir sind plötzlich im Verfassungschutzbericht des Landes Brandenburg aufgetaucht und etwas später hat Herr Woidke die Indizierung von 5 unserer Platten beantragt. Wir sind dann zu einer Anhörung bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gefahren und unser Sänger hat in seiner unverwechselbaren Art sehr, sehr viel geredet und damit diese Kommission davon überzeugt, die Indizierung abzuschmettern. Der gute Herr Woidke ist im übrigen mittlerweile Ministerpräsident und wenn er sich weiter so hochdient und irgendwann Kanzler wird, können wir immerhin sagen, dass der Bundeskanzler von Deutschland uns persönlich hasst.

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AFL: Das Titellied hat jetzt bereits acht Jahre auf dem Buckel. Zumindest habt ihr es 2013 auf dem Nimmerland-Festival von Abbruch gespielt. Warum ist das Thema für euch noch aktuell?

Wir haben das sogar schon auf dem „Punk im Pott“-Festival 2012 gespielt, der Song hat also mit der Veröffentlichung auf der LP sein 10 jähriges Jubiläum!

Aktuell ist das Thema immer noch, da in breiten Teilen der Gesellschaft und der Politik immer noch diese unsägliche Hufeisentheorie verbreitet wird, dass Rechtsextremismus zwar irgendwie schlimm ist, aber DIE LINKEN genauso furchtbar wären. Das ist halt gefährlicher Unfug, der eigentlich immer nur Rechtsextremismus verharmlosen soll.

AFL: Im Song kommt auch Die Internationale vor. Was ist die Intention dahinter?

Es ist halt ein klassisches, altes Arbeiter-Kampflied, hat ´ne ziemlich coole Melodie und passt in den Kontext, auch wenn wir alle jetzt nicht unbedingt Sozialisten sind.

AFL: Der LP liegt ein Gesellschaftsspiel bei. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Wir sind schon immer Brettspiel-Nerds gewesen und hatten in der Pandemie endlich mal die Muße, richtig viel Zeit in ein Spielekonzept zu investieren, viel auszuprobieren, dann nochmal zu verändern u.s.w.! Immer wenn es die Regelungen zugelassen haben, waren wir dann bei unserem Gitarristen Mani und haben Testspiele gemacht. Das war ein Heidenspaß.

AFL: Das Katzentanzlied beschließt das Album. Coverversionen habt ihr ja durchaus einige in eurem Repertoie. Wie kamt ihr auf das Kinderlied und wer ist die Frauenstimme?

Die Frauenstimme gehört EVA, einer befreundetet Sängerin aus Hamburg. Sie hatte ja schon auf der letzten Scheibe Hai Alarm! bei einigen Songs gesungen und die Idee mit dem Katzentatzenlied kam auch von ihr und unserer Merchandiserin.

AFL: Ein weiteres ernstes Thema eher lustig verpackt ist die Klimaerwärmung. In letzter Zeit habe ich bereits viele Songs zu diesem Thema gehört und teilweise übernimmt die Punkszene gerne die Position von Fridays for Future. Wie steht ihr dazu? Macht die Jugend da alles richtig?

Die Position von Fridays for Future ist ja ziemlich deckungsgleich mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft, also ist das schon ziemlich fundiert würde ich sagen. Die Erkenntnisse sind ja nicht neu, nur hat die Politik die Warnungen von Klimaforschenden über Jahrzehnte komplett ignoriert.  Das sich „die Jugend“ wieder stärker politisiert finde ich super, mal sehen ob es auch was bringt. Ich glaube viele Menschen sind sich immer noch nicht bewusst darüber, was für weitreichende, katastrophale Konsequenzen da möglicherweise auf uns zukommen, wenn bestimmte klimatische Tipping Points erreicht sind und es dann Kettenreaktionen gibt, die nicht mehr zu stoppen sind.

AFL: Wie sind bislang die Reaktionen auf euer Album?

Die ersten fünf, sechs Reviews sind extrem positiv, was uns natürlich total freut. Die neuen Songs kommen auch live richtig gut an und wir merken schon, dass sich das Interesse und z.B. Konzertanfragen deutlich erhöht haben seit dem Release. Mal schauen, wie´s weiter geht.

AFL: Wie läuft es eigentlich derweil bei Impact Records? Ich hab vor der Hassmusik nix mehr vom Label an sich gehört. Gibt es Nachwuchs? Welche Newcomer könnt ihr derzeit empfehlen?

Wir haben in den letzten 10 Jahren nicht mehr wirklich viel gemacht, wollen aber in absehbarer Zeit das Label wieder ein bisschen aufleben lassen mit anderem Konzept und auch neuen Veröffentlichungen. Im Juni z.B. erscheint die neue Scheibe von unseren Freunden von ABBRUCH als CD und Doppel LP auf Impact Records.

AFL: Vieles wird überschattet vom Angriffskrieg Putins auf die Ukraine. Was sind eure Gedanken dazu und engagiert ihr euch?

Keiner von uns hätte wohl vor einem oder zwei Jahren damit gerechnet, dass es 2022 einen Krieg mitten in Europa geben könnte. Selbst Anfang Februar habe ich noch gedacht, dass der Truppenaufmarsch Russlands an der ukrainischen Grenze eher eine trotzige Machtdemonstration wäre. Putin ist hier eindeutig der Aggressor und hat einen vollkommen sinnlosen Konflikt angezettelt, der wie aus dem letzten Jahrhundert scheint.

Wir haben von Impact Records aus Lebensmittel und Kartons für Hilfslieferungen hier an eine lokale Organisation gespendet, zudem unterstütze ich finanziell die Organisation „Operation Solidarity“. Das ist ein selbstverwaltetes, anti-autoritäres Netzwerk von Anarchist:innen in Kiev, die sich einerseits um den Transport von Ausrüstung und humanitärer Hilfe kümmern, andererseits um die Unterstützung von Linken und Antifaschisten im bewaffneten Kampf gegen die Besatzung. Wer ein paar Euro erübrigen kann, kann sich hier informieren und spenden:  operation-solidarity.org

AFL: Wie geht es nun bei euch weiter? Wird es abgesehen von der Releaseshow vom 23. April weitere Auftritte geben?

Wir haben uns auf jeden Fall vorgenommen, 2022 wieder mehr Konzerte zu spielen und ein paar sind auch schon bestätigt:

23.07.2022 Burglengenfeld – Hoffest Juz Burglengenfeld
05.08.-07.08.2022 Berlin – Resist to Exist Open Air
02.09.-03.09.2022 Dessau-Roßlau – Save the Scene Festival
25.11.2022 Plauen – Alte Kaffeerösterei

AFL: So, nun habt ihr noch Platz für ein Abschlussstatement. Was sollen unsere Leser noch unbedingt von euch wissen?

Danke für das Interview, aktuelle weitere Dödelhaie Konzertdaten und News gibt’s immer unter www.doedelhaie.de!

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