Ferris Credit Martin Ficher (ZICKZACKKINGZ)
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WTF Records

Wenn ich an Ferris denken, dann kommen mit unweigerlich die Bilder von einer Such A Surge Show in Braunschweig in den Kopf. Ferris spielte als Ferris MC im Vorprogramm und irgendwie gefielen wir ihm nicht…auf jeden Fall brach er nach einem Lied ab, beschimpfte uns als Nazis oder so, schmiss das Mikro in die Ecke und ging. Zu seinem Part im Song Chaos war er aber wieder da, als wäre nichts gewesen…ich war von dieser „Performance“ seinerzeit so beeindruckt, dass ich mein altes F.A.B.-Tape wieder hervorkramte und mir sein damals neues Album Asimetrie kaufte. Das fand ich damals richtig gut, verschwand aber wie auch das Tape irgendwann wieder in einem Karton oder so. Von da an nahm ich Ferris nur noch als Randnotiz und Teil Wackelpudding-Kombo Deichkind wahr.

Ferris – Alle hassen Ferris

Bis er dann 2019 und 2020 seine Alben Wahrscheinlich nie wieder vielleicht (Review) und Missglückte Asimetrie (Review) veröffentlichte. Denn in diesen kamen Schlagzeug, Gitarre und Bass zum Einsatz, was mich als 90s Crossover-Kid mehr als erfreute.
Und nun erschien mit Alle hassen Ferris das dritte Werk des nicht mehr ganz so „neuen“ Ferris. Also Stift raus und her mit den Antworten Herr Reimann!

Für mich gibt es keine Grenzen bzw. kein ausgrenzen und Schubladendenken. Es geht einfach um Musik. Mir Scheißegal welches Genre – solange ich es fühle.

AFL: Erst einmal möchte ich dir noch gratulieren. Wenn ich das in den sozialen Medien richtig gesehen habe, dann seid ihr nämlich gerade zum zweiten Mal Eltern geworden…also dazu nochmal alles Gute! Alles Gute auch zum Release von Alle hassen Ferris, welches ja gerade veröffentlicht wurde. 
Wie sind denn bisher so die Rückmeldungen ausgefallen? Bist du ganz zufrieden mit den Rückmeldungen oder hast du dir anderes erhofft? Platz 1 in den Charts oder so?

Ferris: Vielen Dank. Ich denke Platz 1 ist mit meiner Reichweite, meinem Standing und dieser Musik usw. utopisch zur Zeit. Das Feedback ist sehr gut und ich erschaffe mir durch meine Musik eine gesunde, stetig wachsende neue Fan Base, die auch aus alten Fans besteht – die mich wieder neu für sich entdecken, auf die ich zählen kann und die sich auch auf mich – nach all den wilden Jahren verlassen – kann.

AFL: Du warst ja schon immer recht polarisierend, wahrscheinlich auch weil du dich ja nie so ganz an Genregrenzen gehalten hast. Egal ob Technobeats oder Gitarren, du hast ja immer bisschen mit Genreüberschreitungen gespielt und das merkt man ja auch wieder auf deinem neuen Album.
Mal hört man Crossover ala Such A Surge, dann Fun-Punk, dann wieder etwas was nach den Broilers klingt und auf einmal fühlt man sich an Nightwish o.ä. erinnert. Ich müsste lügen wenn ich sagen würde, dass es mich Anfangs nicht auch sehr irritiert hat. 
Worin lag und liegt für dich der Reiz am Spiel mit unterschiedlichen Gernes?

Ferris: Für mich gibt es keine Grenzen bzw. kein ausgrenzen und Schubladendenken. Es geht einfach um Musik. Mir Scheißegal welches Genre – solange ich es fühle.

AFL: Hast du auf dem Album einen persönlichen Lieblingstitel und welcher kommt live beim Publikum am besten an?

Ferris: Live erst 3 Gigs hinter mir, da kann man noch nicht sagen welches Lied am meisten abgeht. Auf jeden Fall ist BULLENWAGEN ein Kandidat. Ich habe kein persönlichen Lieblingstitel. Stimmungsabhängig.

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AFL: Was hältst du im allgemeinen von Genre-Schubladendenken? 
Das klingt jetzt recht negativ, aber ich bin zum Beispiel ein großer Freund davon sagen zu können, ich bin ein Punkrocker. Das ist nun einmal mein bevorzugtes Musikgenre und ich lebe dieses auch.

Ferris: Wie oben beantwortet halt ich davon nichts. 1984 wurden Beastie Boys mein Vorbild. Damit bin ich aufgewachsen. Ich hab Rap, Punk, Breakdance Musik wie Rock Steady Crew (welche gleichzeitig sehr elektronisch war) geliebt als kleiner Junge. Und ich finde Beastie Boys haben es schon vor 30,40 Jahren vorgelebt, dass Schubladendenken nicht die Weiterentwicklung fördert. Es ist völlig legitim sich für eine Richtung zu entscheiden, genauso legitim sollte es sein – sich nicht für „nur“ eine Richtung entscheiden zu müssen. Wie definierst Du Punk zu leben? Viele Attitüden einer Musik Richtung, weisen meiner Meinung nach, Parallelen auf zu anderen Musik Richtungen.

AFL: Ich persönlich finde deine Entwicklung seit dem Album Wahrscheinlich nie wieder vielleicht sehr spannend. Denn mit dem bist du noch recht zaghaft in die Gitarrenmusik eingestiegen. Der Nachfolger Missglückte Asimetrie kam dann sehr metallisch daher. Und nun hört man mehr Punk raus. 
Machst du dir im Vorfeld eines Albums darüber Gedanken, in welche Richtung es eher gehen soll oder nimmst du es wie es eben kommt?

Ferris: Nein, ich geh da völlig frei und unemotional an die Sache ran. Mein Gefühl entscheidet. Ich liebe Pantera, ich habe auch Skid Row gefeiert und gleichzeitig The Ramones, Bodycount, Brieftauben, goldene Zitronen. Ärzte, Hosen, Wu Tang Clan, Biggie, DMX, Nirvana die ganze Grunge Abteilung plus die etlichen Electro Geschichten von The Prodigy bis hin zu Steve Aoki früher plus plus plus.

AFL: Du wirst immer wieder auf deine Drogenvergangenheit angesprochen, wie auch gerade jetzt. Wie sehr geht dir das auf den Sack? Schließlich liegt diese Zeit ja auch schon lange hinter dir?

Ferris: Das hast Du richtig erkannt haha. Es ist ein sehr dominanter Lebensabschnitt meiner Vergangenheit. Das einzige was nervt ist, wenn sich das Interview darauf reduziert.

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AFL: Als ich gelesen habe, dass du eine Autobiografie rausbringst, habe ich gedacht, „was soll denn der Scheiß?“. Denn in meinen Augen sollte so etwas erst im hohen Alter oder aber am Besten post mortem erscheinen. Ich habe es aber dann doch gelesen und was soll ich sagen? Ich habe lange nicht mehr so ein kurzweiliges Buch gelesen. Wann, wie und warum kam dir denn die Idee eine Autobiografie zu schreiben?

Ferris: Die stand schon länger im Raum und beschreibt ja hauptsächlich die wichtigsten Jahre. Ich werde nächstes Jahr 50. Ich glaube es kommt nicht auf das Alter an, sondern auf das was man erlebt hat.

AFL: Das Buch hat ja deine Frau geschrieben. Wie kann ich mir das denn vorstellen? Ihr sitzt abends vorm Kamin, du erzählst ihr deine Lebensgeschichte und sie macht sich Notizen?

Ferris: Wir haben kein Kamin 🙂 Aber ja, ich habe Sie voll gelabert und Sie als Schriftstellerin hat es aufs Papier gebracht. Ich bin mir sicher, es wäre nicht so geworden, wenn man eine fremde Person als Ghostwriter involviert hätte.

AFL: Du bist ja auch als Schauspieler unterwegs…hast du auch manchmal den Traum, das Buch und somit dein Leben mal zu verfilmen?

Ferris: Auf jeden Fall. Aber um Die 70iger, 80iger, 90iger Jahre in einem Film zu packen – benötigt man wahrscheinlich ein Riesen Budget 🙂

AFL: Ein Freund von mir hat mal gesagt, Kinder sind totale Game-Changer. Inwieweit hat dich das Verändert? Siehst du dadurch eventuell auch z.B. die Legalisierung von Cannabis anders oder sagst du eh, dass sie sich ausprobieren sollen, wenn sie mal größer sind?

Ferris: Game Changer auch, vor allem findet eine Transformation bei einem selber statt. Beim 2. Kind kommen dann nochmal andere Aufgaben in Kombination mit dem ersten Kind auf einem zu. Ich bin für komplette Legalisierung aller Drogen. Das hat mit meinen Kindern erstmal nichts zu tun. Ich hab da auch noch über 10 Jahre Zeit mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Wer weiß welcher gesellschaftliche und politische Stand der Dinge dann herrscht.

AFL: Auf was freust du dich als Vater am meisten? Auf die erste Freundin/den ersten Freund, den ersten Vollrausch oder den ersten Elternabend in der Schule?

Ferris: Darüber mach ich mir überhaupt keine Gedanken. Ich lebe mit meinen Kindern im Hier und Jetzt.

AFL: Hast du eigentlich noch Kontakt zu den Jungs von der Mongo Clikke oder verläuft es da bei euch ähnlich wie bei so vielen, mit Familie & Co schläft der Kontakt zu alten Freunden nach und nach ein?

Ferris: Jeder löffelt seine eigene Suppe. Man freut sich trotzdem, wenn man den ein oder anderen mal wieder sieht

AFL: Aktuell steht als deine Live-Band ein Teil von Band ohne Anspruch hinter dir. Mit Olli hast du ja u.a. auch Songs deines neuen Albums zusammen geschrieben. Wie hast du denn Olli kennengelernt und wie kam es zur Zusammenarbeit?

Ferris: Olli und ich kennen uns schon länger aber da wusste ich noch nicht wie breit er musikalisch aufgestellt ist. Die Zusammenarbeit kam dann erst über Missglückte Welt zu Stande.

AFL: Allgemein scheinst du deine Lieder ja auch lieber mit anderen zusammen zu schreiben. Was glaubst du sind die Gründe dafür und hast du auch mal überlegt dafür eine feste „richtige“ Band zu gründen? Oder wäre das schon im Vorfeld zum scheitern verurteilt?

Ferris: Ich habe nach meinem Cannabis Entzug erstmal ein paar Jahre gar nicht mehr geschrieben. Habe durch Deichkind, ab 2008, mich daran gewöhnt in einem Team zu schreiben und das macht mir mehr Spaß als alleine zu schreiben. Olli und der Rest der Band sind meine feste Band. Kein Bock mehr auf klassische Miet-Musiker.

AFL: Als abschließende Frage…wenn du unter dein Leben ein Motto setzen müsstest, wie würde dieses Lebensmotto lauten?

Ferris: Wenn ich falle – eins lindert meinen Schmerz – ich werde aufstehen, immer einmal mehr!

Ferris auf Tour:

Release-Show:
28.08.: Hamburg – Grünspan

SAUNACLUB-TOUR 2022 – Besser spät als nie!
mit Swiss & Die Andern, Ferris, Shocky & Diggen
14.10.2022 DE-NÜRNBERG – Löwensaal
15.10.2022 DE-DÜSSELDORF – Stahlwerk
16.10.2022 DE-FRANKFURT – Batschkapp
22.10.2022 DE-MÜNCHEN – Backstage
28.10.2022 DE-HANNOVER – Capitol
29.10.2022 DE-MÜNSTER – Skaters Palace
30.10.2022 DE-JENA – F-Haus
04.11.2022 DE-DRESDEN – Alter Schlachthof
05.11.2022 DE-BERLIN – Huxleys (AUSVERKAUFT)
06.11.2022 DE-BERLIN – Huxleys (ZUSATZSHOW)
10.11.2022 DE-STUTTGART – LKA Longhorn
11.11.2022 AT-WIEN – Flex
12.11.2022 AT-GRAZ – P.P.C. (Zusatztermin)

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