Gestern war ich mal wieder auf einer Show in München. Eigentlich wegen einer ganz anderen Band, was allerdings die Vorband Oakhands abgeliefert hat, möchte ich euch nicht vorenthalten.

Natürlich habe ich mich vorher reingehört – was dann aber auf bzw. vor der Bühne passiert ist, hatte ich nicht erwartet! Ich habe mich zuerst noch gewundert, warum Sänger Nik und Gitarrist Max der 2015 gegründeten Band Oakhands vor der Bühne stehen – so klein war die Bühne nun auch wieder nicht. Allerdings habe ich dann recht schnell den Sinn dahinter verstanden – Nik singt nicht nur die Songs, er lebt sie. Während sich das Publikum nahezu ehrfürchtig noch fragt, was da eig gerade abgeht, eröffnet er den Moshpit ganz allein. Was zunächst als übertriebene Performance wahrgenommen werden könnte, erweist sich als pure Leidenschaft die hier transportiert wird. Die Songs handeln von Selbstzweifeln, dem Leben, dem Tod und jeder Menge dazwischen – wer die Texte nicht versteht, der spürt sie!

Nik singt sowohl die Shoutings als auch die Clean Vocals nahezu übergangslos. Manchmal laut und wirr, manchmal sanft und leidend, aber immer zu 100% präsent. Bassist Aaron übernimmt den Background – dass hier ein weiteres Gesangstalent steckt, wird bereits beim Soundcheck klar. Soundeffekte gibt es natürlich auch und zwar nicht aus dem ominösen Soundeffektkasten, sondern ganz manuell mit detaillierten Gitarrenriffs, Paukenschlägeln an den Drums und Bogen am Bass. Ja richtig gelesen: Aaron spielt den E-Bass zeitweise mit einem klassischen Streichbogen – das habe ich so auch noch nie gesehen!

Warme Gitarrensounds unterstreichen die ruhigen melodischen Parts, druckvolles Schlagzeug setzt an den richtigen Stellen ein. Für Spannung sorgen vor allem die deutlichen Geschwindigkeits- und Lautstärkenwechsel. Von extrem laut bis ganz leise – jede Melodie, jeder Ton klingt bis aufs Letzte durchdacht. Klatschen traut sich jedenfalls erstmal keiner. Jeder im Raum wartet, ob da nicht noch irgendwo ein kaum hörbarer, zarter Ton wartet, der gespielt werden muss.

Oakhands beweisen, dass es bei Musik eben um weitaus mehr geht als Talent und Songwriting Skills. Während Nik für mitreißende Gefühlsausbrüche sorgt, steht jedem einzelnen auf der Bühne nicht nur höchste Konzentration, sondern auch größte Leidenschaft ins Gesicht geschrieben. Die Stimmung ist bis zum letzten Ton emotional, bedrückend, fast schon schwer zu ertragen. Das nicht nur ich überwältigt war, zeigt die Reaktion des Publikums, nachdem Frontmann Nik ohne viele weitere Worte den Raum verlässt.

Obwohl ich Fan von kleinen Shows bin und sich eine solche Atmosphäre möglicherweise nur mit der Nähe zum Publikum entfalten kann – Oakhands haben sich einen Platz auf großen Bühnen verdient. Wer die Möglichkeit hat diese grandiose Band live zu erleben, sollte sich selbst den Gefallen tun und hingehen!

Man könnte, wenn man wollte, die Münchner Newcomer wahrscheinlich irgendwo zwischen Landscapes und La Dispute verorten. Eins ist aber auf jeden Fall klar: Oakhands haben mit ihrer ersten EP Age of Swans etwas wundervolles geschaffen. Nach verbesserungswürdigem Debüt klingt das jedenfalls nicht – überzeugt euch einfach selbst….

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