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Pirate Press Records

Mit ihrem Fat-Wreck-Debüt Keep Them Counting hat der Dreier von The Last Gang aus Orange County ordentlich vorgelegt und beweist ein weiteres Mal, dass in der Punk-Szene schlichtweg immer noch zu wenig Frauen musizieren!

Es sollte „wir gegen sie“ sein, nicht wir gegeneinander!

INTERVIEW MIT BRENNA VON THE LAST GANG

AFL: Hi Brenna, ihr werdet gerne einmal mit den Distillers verglichen. Stört euch das manchmal?

Brenna: Nicht wirklich, wir wurden bereits mit vielen anderen Künstlern verglichen. Meine Philosophie ist dahingehend „so lange du die Band magst, mit der du uns vergleichst ist alles gut“. Es hat mich auch einmal jemand mit Rod Steward verglichen, welcher aber eben sein Lieblingssänger war und somit war auch dies ein Kompliment.

AFL: Punk Bands mit einer Frau in der Front sind leider immer noch die Ausnahme (mal abgesehen von Bands wie Bad Cop / Bad Cop oder The Interrupters). Was glaubst du ist der Grund hierfür?

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AWAY FROM LIFE Streets

Brenna: Frauen sind immer noch eine Ware in der Musikwelt, ganz zu schweigen von der Punk-Szene. Es gibt da so viele verschiedene Faktoren, aber als einen könnte man die unterschwellige Einschüchterung nennen, die eine Frau bei vielen auslöst. Es ist einem zwar nicht immer so bewusst, aber es kann echt anstrengend sein, wenn man ein Teil von etwas ist, bei dem man eher die Ausnahme ist.
Ich selbst kann damit ganz gut umgehen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es viele Frauen und andere Minderheiten gibt, die diese Angst fühlen und sich somit nicht so einbringen.
Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, klar und deutlich zu sagen wie wir alle über sie denken. Dass wir zuhören und natürlich auch Fehler in Ordnung gehen. Sei einfach ein Teil davon und versuche es. Wir sind alle Spinner in der Punkszene. Es sollte „wir gegen sie“ sein, nicht wir gegeneinander.

AFL: Ich selber habe etwas gebraucht, um in euer aktuelles Album reinzukommen. Würdest du das als Nachteil oder doch eher als Vorteil eines Albums sehen?

Brenna: Ich würde das eher als Vorteil sehen, denn meistens wird Musik die schnell bei einem ankommt auch schnell wieder vergessen. Verstehe mich da nicht falsch, ich mag auch einige Pop-Nummern, aber das ist da oft wie bei Zucker. Am Anfang ist es großartig, aber das ist eben nicht nachhaltig. Wir wollen lieber langlebig sein und nicht einfach nur kurz auflodern.

AFL: Erst die EP im Dezember und nun euer aktuelles Album so schnell hinterher. War euer Fat Wreck Debüt genau so geplant?

Brenna:  Wir hatten die komplette Aufnahme bereits vor den ersten offiziellen Veröffentlichungen gemacht und gemastert. Wir wollten es mit all der Dynamik, die wir aufbringen konnten, auf den Markt bringen.

AFL: TLG gibt es ja bereits eine ganze Weile. Warum hat es so lange gedauert bis wir was von euch gehört haben?

Brenna: Das sind eben die zwei Seiten einer Medaille. Wir sind nahezu immer von Bands umgeben und man kann prinzipiell an jedem Abend der Woche Konzerte erleben. Und eben aus diesem Grund sind wir so „oversaturated“, dass einem schnell mal eine Band durchrutscht. Das ist auch einer der Gründe warum wir nie aufgehört haben. Wir glaubten wirklich an uns und daran, dass früher oder später jemand von uns Notiz nehmen würde.

AFL: Sind alle Songs auf dem Album eigentlich frisch geschrieben oder sind da auch ältere Stücke zwischen?

Brenna: Alle Songs sind nach unserer Wiedervereinigung 2013 entstanden. Der letzte Song den wir aufgenommen hatten war Strange Fruits, welcher eigentlich nur die B-Seite der EP füllen sollte. Aber nachdem wir ihn uns nochmal in Gänze angehört hatten, haben beschlossen, dass das einer der Hauptsongs auf dem Full Length sein sollte.

AFL: Welche drei Songs haben euch am meisten beeinflusst?

Brenna Red – The Clash
Robert Wantland – The Misfits
Sean Viele – Stiff Little Fingers

AFL: Ihr wart unlängst mit Good Riddance und den Street Dogs auf Tour. Wie lief es und wann kommt ihr denn mal nach Europa?

Brenna: Touren ist immer unglaublich und ich muss auch sagen, dass wir für die Straße leben. Lange Fahrten mit dem nächtlichen Gewinn, vor vielen neuen Fans Musik spielen zu dürfen. Zudem ist es einfach einzigartig zu erfahren was für Individuen die Bands, mit denen du tourst, wirklich hinter den Kulissen sind. Einige sind die A-type-loud-ass mother-fuckers, die du erwartet hast und manchmal sind sie genauso komisch und sozial peinlich wie du es bist.
Wir planen die EU und UK in diesem Jahr noch zu bereisen. Aber wir haben noch keine offiziellen Pläne. Aber es wird definitiv eintreten.

AFL: Welches ist euer persönlicher Favorit auf dem Album und welchen spielt ihr von den neuen Titeln am liebsten Live?

Brenna: Mein Favorit ist Strange Fruits.  Es ist so flüssig entstanden und hat einen infektiösen Rhythmus. Live muss ich aber mit dem Song Karla gehen. Es ist ein ganz spezielles Gefühl, wenn die ganze Menge in Erinnerung an unsere lieben Freunde singen, die leider nicht mehr sind. Powerful Shit.

AFL: Es schien in eurer ersten Bandperiode alles so gut zu laufen. Was waren denn dann 2012 die Gründe für eure Trennung und anschließend die Motivation es wieder anzugehen? 

Brenna: Es stagnierte irgendwie. Wir haben eine Decke erreicht und konnten sie einfach nicht durchbrechen. Irgendwie machten wir einen Schritt nach vorne, um dann wieder zwei zurück zu gehen. Zusätzlich wurde mir noch die Möglichkeit gegeben in einer anderen Band zu singen und ich wollte mir irgendwie meine Optionen erkunden. Ich bedaure aber nichts, die neue Band hatte einfach nicht dieselbe Einheit die TLG immer hatte. Es hatte eine unnötige Feindseligkeit und es war für mich einfach die falsche Entscheidung. Aber das machte aus mir auch was ich jetzt bin und ebenso was TLG heute ist und somit würde ich das alles wohl wieder genauso machen.

AFL: Ich habe gelesen, dass die Aufnahmen für euren Beitrag auf dem Rancid-Tribute-Sampler „Hooligans United“ sehr schnell passieren mussten. Was waren die Gründe dafür?

Brenna: Das war ein Las-Minute-Angebot von Smelvis Records. Ich weiß auch nicht mehr genau, ob das ein Wettbewerb war oder sie auch Einreichungen in letzter Sekunde akzeptierten. Fakt ist, dass Elvis es für uns geklärt hat und auch sagte, dass wir den Beitrag innerhalb von einem Tag einspielen müssten. Also sprangen wir ins Studio und nahmen es ruck zuck auf.

AFL: Stimmt es, dass euer Schlagzeuger Robby eurem Produzenten Cameron Webb tatsächlich in die Arme gerannt ist?

Brenna: Nicht wirklich, Robert liebte schon immer die Produktionskünste von ihm und an einem Tag in der High School hörte er dann ein Album, welches Cameron produziert hatte. Das hat sein Englischlehrer mitbekommen und dieser sagte dann, dass das Album der kleine Bruder seines besten Freundes gemacht hat. Zwölf Jahre später  arbeitete Robert dann in einem Gitarrenladen, in welchem auch Ken arbeitete, welcher in der Vergangenheit bereits für Cameron in den NRG Studios gearbeitet hatte. Eines Tages kam dann Cameron mal vorbei und Robert nutzte die Gelegenheit, um Ken zu bitten sie miteinander bekannt zu machen. Anschließend hat er Cameron überzeugt, ihn in sein Studio kommen zu lassen. Dort angekommen, nahm Robert seinen Mut zusammen und fragte ihn, ob er unsere Band hören wollte. Er spielte Cameron die Demos vor und von da an haben wir uns alle in die Idee verliebt, die Platte mit ihm aufzunehmen.

AFL: Wie hat es sich angefühlt, als du den Anruf von Erin erhalten hast und sie euch anbot bei Fat Wreck zu unterschreiben?

Brenna: Es scheint immer noch surreal und unglaublich. Wir können unseren Traum jetzt wirklich leben. Und übrigens…alles, was ihr über Fat hört und wie sie mit ihrer Bands umgehen ist wahr. Sie sind eines der besten und unterstützendsten Labels überhaupt. Zu sagen, dass wir dankbar sind, ist bei weitem eine Untertreibung.

AFL: Das hört sich doch echt nach einem Punk-Märchen an, oder?

Brenna: Ja, aber während es sich wie aus dem Märchenbuch anfühlt, haben wir unsere DIY Wurzeln und Entschlossenheit auch nicht verloren. Dank der Unterstützung von Fat reißen wir uns mehr denn je den Arsch auf. Denn eines ist auch klar, so schnell wie dir etwas gegeben wird, könnte es ja auch wieder weggenommen werden, wenn man sich nicht reinhängt.

AFL: Danke für deine Zeit und euer tolles neues Album! Hast du noch irgendwas, was du gerne an unsere Leser loswerden möchtest?

Brenna: Danke an alle unsere Fans und Freunde, die uns auf dieser Reise begleitet haben. Wir hoffen, wir haben noch viele weitere gemeinsame Jahre mit euch allen. Wir sehen uns alle auf der Straße!

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