Tigeryouth, das ist ein Liedermacher (oder Akustikpunker), aus Berlin. Und woher sonst? Nun, aus seinem früheren Leben in der Provinz macht er keinen Hehl und so stellt er auf seinem Album die alles entscheidende Frage, die auch Feine Sahne Fischfilet schon gestellt haben: Gehen oder bleiben? Tilman Benning, so sein richtiger Name, entschied sich für ersteres, fand mit Zeitstrafe ein geeignetes Label und durfte am 29. März 2019 sein bereits drittes Album Schmuck veröffentlichen. Auf dem gleichen Label erschienen 2014 bereits Leere Gläser und 2016 das selbstbetitelte zweite Album. Nach drei Jahren Wartezeit war es dann nun auch soweit.

Schmuck bietet 10 Songs in etwas unter einer halben Stunde. Senore Matze Rossi kommt mir ziemlich oft in den Sinn, vor allem weil beide Liedermacher ihre Musik ohne viel Bombast sehr ruhig vortragen. Auch die Themen, Urbanes Leben vs. Kleinstadtidylle sowie Selbstreflektion, sind ähnlich. Etwas Politik ist auch drauf, steht ihm auch gut zu Gesicht.

Ganz alleine hat er das Album nicht aufgenommen. Wie schon beim Vorgänger unterstützte ihn Kay Petersen (Rantanplan) bei den Aufnahmen als Produzent und Instrumentalist. Allerdings neigt Tigeryouth nicht zum Bombast, sparsame Instrumentierung, vier Tonspuren, Vintage-Mikro (RCA 44B)…

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Mein Lieblingssong ist Durchhalteparolen, der sich selbstreflexiv damit beschäftigt, dass seine Lieder endlich Geld verdienen sollen und das Tourleben eine erstrebenswerte Alternative zum Erwerbsleben sein könnte. Aber auch Himmel ohne Wolken, ein eher politisches Lied gegen Pegida und ähnliches Gesocks, ist sehr gut. Hervorzuheben ist sicherlich auch der Albumrausschmeißer In der Kälte, der lakonisch den Tod und die Beerdigung eines Freundes aus Jugendtagen beschreibt. Ein großer Song! Etwas flotter, sogar aggressiv, wirds bei der ersten Singleauskopplung Tag oder Nacht.

Insgesamt ein super Album für Freunde des ruhigen Liedermacherpunks!

01. Bettdecke
02. Welche Zukunft?
03. Himmel ohne Wolken
04. Straßenkehrmaschinen
05. Durchhalteparolen
06. Am nächsten Morgen
07. Alle Gewässer
08. Tag oder Nacht
09. Eine Nacht lang
10. In der Kälte

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Bewertung
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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc (Archivversion: http://archive.iamhavoc.de/), veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier.

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