Tante Anna ist eine gemütliche Kneipe in der Saarbrücker Innenstadt, genauer am St. Johanner Markt. Am Sonntag vor Pfingstmontag traten dort die beiden Bands Wonk Unit und Steinbeißer auf. Und das völlig kostenlos, wobei Spenden natürlich gern gesehen wurden. Das Datum sowie das mäßige Wetter garantierten großen Zulauf und so versammelten sich doch einige Menschen in und vor der Kneipe, um die beiden Bands zu sehen.

Steinbeißer hießen früher Oi!Port. Dies war das erste Konzert unter neuem Namen. Über die Gründe dafür haben sie sich hier ausgelassen. Kann man auch irgendwie nachvollziehen, so typisch Oi! war das eigentlich nie. Mein legendäres Interview mit ihnen kann man übrigens hier nachlesen. Steinbeißer hatten ein Haufen neue Lieder mitgebracht, die nicht auf ihrem Debütlongplayer Haben oder Sein enthalten sind. Auch auf altbekannte Coverversionen von Schleimkeim wurde dieses Mal verzichtet. Hat sich viel verändert? Nein, bereits unter ihrem alten Namen war die Musik vielschichtiger als es der alte Name vermuten ließ. Aber die Sachen sind nun wesentlich ausgefeilter, auch etwas flotter. Die Texte sind tiefgängig, nicht selten emotional und mit einer angenehm dunklen Stimme unterlegt. Ein bisschen zu kämpfen hatten sie mit dem Soundmann, was sich allerdings durch den Abend ziehen sollte. Mir persönlich hat das nicht so viel ausgemacht. Ist halt immer noch Punkrock, Höhen, Tiefen, drauf geschissen. Erstes Highlight aus meiner Sicht ist Gar nicht so hier, die neuen Songs knallen echt gut rein, dennoch werden natürlich auch alte Kamellen ausgepackt, wie das Titelstück ihres ersten Albums sowie das langsame Maske. Den Abschluss bildet das älteste Lied Ekelhaft und faul sowie das neueste Lied Der alte Pulk. Guter Auftakt, für das was nun kommen sollte.

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Wonk Unit treiben schon seit 2009 ihr Unwesen. Die britische Punkband aus London besteht aus mindestens zwei und maximal 8 Musikern, je nachdem wie groß die Gigs sind. So hatten wir an diesem Tag eine Sechs-Mann-Besetzung vor uns, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Sänger und Posaune. Wow, ziemlich eng auf der kleinen Bühne (naja, eher Ecke) und dann noch mit Pfosten in der Mitte. Nein, ein komplettes Bandfoto kann ich euch leider nicht bieten. Musikalisch, puh, Punkrock, im Stile des 1990er Skatepunk, Snuff hat man mir gesagt, live hatte ich eher Toy Dolls im Ohr, wenn auch etwas weniger klamaukig. Apropos klamaukig. Daddy Wonk, ehemals bei der Hardcore-Band The Flying Medaillons, Mainmann der Truppe ist ein echter Maniac. Alleine seine Dance-Moves sind schon genial. Zu jedem Song hat er eine Geschichte parat, zum Teil trägt er die Lyrics zunächst in Gedichtform vor. Mimik und Gestik lassen den typisch schwarzen Humor des Briten auch für ein deutsches Publikum verständlich werden. Beste Geschichte: Einmal im Zug habe er aus dem Fenster gepisst und nicht bemerkt, dass der Zug in den Bahnhof eingefahren sei. So habe er versehentlich einem Mann ins Gesicht gepisst. Zwar habe er sich bei dem Mann entschuldigt, doch im Nachhinein sei das der beste Tag seines Lebens gewesen. Wtf? Und von solchem Kaliber sind auch seine weiteren Geschichten, die alle in einem Song mündeten. Dann unterbricht er seine Performance urplötzlich, um Werbung für sein neues Lieblingsgetränk (Club Mate) zu machen…. ob er weiß, dass das eigentlich auch gerne als Hipster-Pisse umschrieben wird? Im Publikum ist außerdem eine junge Frau, die Geburtstag hat. Dieser widmet er das Lied Horses, im Übrigen auch eines meiner Lieblingslieder, das live dann aber viel härter als auf Platte ausfällt. Und so erzählt er immer weiter aus seinem Leben, zum Beispiel, dass er ein toller Stuckateur (Plasterer) ist, das er seine Frau liebt (I Love My Nagging Wife) und diese echt Glück mit ihm hat, weil er ein Genie ist (You Married a Tortured Genius), dass es furchtbare Jeans gibt auf der Welt (Awful Jeans) und irgendwie merkt man gar nicht, wie die Zeit vergeht und die Band tatsächlich 90 Minuten gespielt hat. Gegen Ende gabs dann auch ein kleines bisschen Pogo. Irgendwann geht der Hut herum und man gibt bereitwillig, weil man sich so gut unterhalten fühlt. Mit Old Trains ist dann endgültig Schluss und man wird in die doch recht kühle Saarbrücker Nacht entlassen.

Fazit: Super Konzert in angenehmer Atmosphäre!

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