10 Records Worth To Die For mit David von KMPFSPRT
10 Records Worth To Die For mit David von KMPFSPRT

KMPFSPRT geht bis Ende des November auf große Tour (die Termine findet ihr am Ende des Beitrags)! Was im Tourbus an Musik nicht fehlen darf, verrät uns Gitarrist David Schumann in unserer nächsten Ausgabe von 10 Records Worth To Die For.

Bild von Michael Winkler

1WEEZER – Pinkerton

Das für mich beste Album aller Zeiten, genreübergreifend, hands down. Mehr Emo, Pop, Punk und (wahrscheinlich ungewollt) Post-Hardcore als der ganze Rest, ehrlich, zwingend, berührend, innovativ, intelligent, außergewöhnlich, zeitlos, traurig, lustig, nachdenklich, spontan, brillant, ein einziger Superlativ. Danke, Weezer.

2GORILLA BISCUITS – Start Today

Immer, wenn mein 16-jähriges Punker-Ich sich deprimiert, ungewollt und verloren fühlte, musste es nur eins tun, damit es ihm wieder besser ging: „First Failure“ von Gorilla Biscuits‘ „Start Today“ anmachen, alleine durchs Zimmer moshen – und die Welt war wieder in Ordnung. Unfassbar, was für eine positive Macht Musik sein kann. Und auch unfassbar, wie großartig alle Songs auf diesem Album auch fast 30 Jahre (!) später noch sind. Klassiker. Eins der größten Highlights in meiner Bandkarriere ist nach wie vor die Minitour mit GB vor ein paar Jahren. Backstage mit Civ & Walter rumhängen und über alte NYHC-Klassiker reden – viel besser geht nicht.

3LIFETIME – Hello Bastards/Jerseys Best Dancers

LIFETIME war die erste Band, die ich so RICHTIG liebte, die nicht aus einer vorherigen Generation war, so wie MINOR THREAT, die MISFITS oder BLACK FLAG. Endlich eine Band, die nur ein paar Jahre älter war als man selbst, die man live sehen konnte, gerne 10 Mal auf Tour, damals jedes Wochenende mit dem 30-Mark-Ticket quer durch die Republik, LIFETIME vor 23 Kids sehen, und dann im Schlafsack vor irgendeinem JUZ pennen. Musikalisch auch die EXAKT perfekte Schnittmenge aus allem, was gut und heilig ist. War es Emo? War es HC? War es Punk? Who cares, es war LIFETIME!

KMPFSPRT im Interview

4UNBROKEN – Life. Love. Regret.

Auch wenn ich mit Metal oder Metalcore nie viel anfangen konnte – UNBROKEN waren DIE Band ihrer Zeit, brachten Punks, HC-Kids, Emos und Straight Edger zusammen, gaben keinen Fuck auf Szene-Dresscodes, und hatten genau die Worte, die man sich für immer tätowieren lassen will. In einer Zeit, in der Texte fast wichtiger waren als Musik, war das Gold wert. Obwohl Songs wie „Razor“ Riffs hatten, für die selbst SLAYER getötet hätten. UNBROKEN wurden später zu KILL HOLIDAY und schrieben so gleich nochmal Geschichte. Kann auch nicht jeder von sich sagen.

5BRIGHT EYES – Lifted or The Story Is in the Soil, Keep Your Ear to the Ground

Wenn man mir die berühmte Einsame-Insel-Frage stellen würde, wäre meine Antwort wohl „Lifted von BRIGHT EYES“. Nicht nur wegen ihrer enormen Länge von 74 Minuten, was auf einer einsamen Insel wahrscheinlich sinnvoller wäre, als z.B. die INSIDE OUT 7″, auch wegen der unglaublich vielschichtigen Musik, mit vielen Ebenen und Instrumenten, die man teilweise nur mit Kopfhörern nach dem x’ten Durchgang wahrnimmt. Dazu Texte, die wirklich deep sind, wirklich etwas bedeuten, und einen wirklich mit in ihre Welten nehmen können. Nicht viele Platten, die ich mag, haben diese Fähigkeit. Daher ist „Lifted“ für immer irgendwie besonders. Und wichtig. Und gut. Und einfach schön.

6PROPAGANDHI – How To Clean Everything

Ich liebe ja Poppunk, ne? Obwohl PROPAGANDHI noch eher in die fast vergessene Melodycore-Schublade fielen, haben sie es mit dieser Platte, ähnlich wie NOFX mit „Punk in Drublic“ geschafft, ein Genre zu formen, ihm ihren Stempel aufzudrücken, und für immer die Band zu sein, die Dinge getan hat, die niemand sonst tun konnte. Diese Geschwindigkeit, diese Melodien, diese teilweise merkwürdigen Gitarrenakkorde, diese Texte und diese vollkommene Unbeschwertheit – Wahnsinn. Und obwohl ich eigentlich gerne NOFX in diese Liste mit aufgenommen hätte, muss ich doch sagen: Sorry, „How To Clean Everything“ ist einfach noch ein Stück besser.

KMPFSPRT – Gaijin ::: Review (2018)

7MISFITS – Walk among Us

Meine erste eigene Punk-Platte! Klar hatte ich auf Kassette schon BAD RELIGION, BLACK FLAG, SLIME und was man damals noch alles so von seinen älteren Kumpels überspielen konnte, meist mit 2 voreinander aufgestellten Kassettenrekordern und dementsprechend furchtbarer Qualität, aber MISFITS war die erste Band, bei der ich gedacht habe: Kassette reicht nicht, die will ich haben, angucken, mitlesen, alles. Und ja, auch fast 30 Jahre später bin ich immer noch der Meinung, dass die Songs auf „Walk among us“ in ihrer eigenen Liga spielen. Ich meine, wie alt waren die damals? 16? Und wie schlau war das ganze Konzept, mit all dem Horror, der Atmosphäre, dem Look, dem Elvis-Gesang und diesen unfassbaren Hooklines? Man merkt, ich fanboye.

8BOXHAMSTERS – Prinz Albert

Eigentlich peinlich für jemanden aus einer deutschsprachigen Band, hier fast nur Amis abzufeiern, also Zeit für eine der Bands, die – neben BUT ALIVE, MUFF POTTER und Co. – dafür gesorgt haben, dass wir mit KMPFSPRT auf Deutsch singen. Dabei mochte ich BOXHAMSTERS noch nicht mal, als meine damalige Freundin, mit 15 oder so, damit ankam. „Hippiepunk! Pop!“, dürften meine ungefähren Worte gewesen sein. Doch oh, wie sollte ich mich irren. BOXHAMSTERS suchten damals nicht nur national ihresgleichen, auch international gesehen waren Alben wie „Prinz Albert“ weit vorne mit dabei und mussten sich hinter damaligen SAMIAM und Konsorten nicht verstecken. Und die Texte! Oh, die Texte! Niemand schreibt so wie die Boxis. Vollkommen egal, ob das die Punk-Polizei cool oder uncool fand. Genau so muss es sein: Komplett eigene Sprache, vom Songwriting bis zum Gesang. Mit SLIMEs „Schweineherbst“ zusammen für mich eins der größten deutschen „erwachsenen“ Punkalben.

9THE SMITHS – Louder Than Bombs

Soweit ich weiß, gerade zu faul für Google, war „Louder than Bombs“ noch nicht mal ein reguläres Studioalbum der SMITHS. Aber das wusste ich damals nicht. Ich wusste nur: Die sind Vegetarierer (so wie ich), UNBROKEN mochten die, und man kann nicht jeden Tag nur Straight-Edge-Hardcore hören. So wurde „Louder than Bombs“ mein erstes Nicht-Punk-Album. Gekauft auf einem Flohmarkt in Berlin, stiefmütterlich behandelt und erstmal im Regal vergessen, wuchsen die SMITHS mir über die Jahre so was von ans Herz, dass selbst Morrisseys Totalausfälle der letzten Zeit es nicht vermögen, mir diese Band zu verhageln. Zu gut, zu stark, zu wichtig. Und wenn man Liebeskummer hat – und das hat man als echter Punker ja STÄNDIG – ein unverzichtbares Werk der emotionalen Heilung.

10GING NANG BOYZ – Kimi to Boku no Dai Sanji Taisen-teki Renai Kakumei

Sorry für eine Band, die niemand kennen wird, aber aus in meinen vier Jahren, die ich in Tokio verbrachte, ist diese Band die einzige, die ich heute noch regelmäßig höre, und die mich vom ersten bis zum letzten Song vollkommen begeistert. GING NANG BOYZ klingen, als würden MINOR THREAT versuchen, WEEZER zu covern, nachdem sie ein Jahr nur Bob Dylan gehört haben. Schwer vorstellbar? Auf jeden Fall! Aber Japan hat halt seine eigenen Gesetze, und das ist verdammt gut so. An keinem anderen Ort hätte dieses Album entstehen und gedeihen können, da bin ich mir sicher. Und oh mein Gott, was hätte die Welt verpasst. Zumindest der leider viel zu kleine Teil der Welt, der je von den GING NANG BOYZ hören wird.

KMPFSPRT Tour 2018

12.10.18  DE – Bremen – Tower
13.10.18  DE – Koblenz – Circus Maximus
16.10.18  DE – Wiesbaden – Schlachthof
17.10.18  DE – Dortmund – FZW
18.10.18  DE – Hamburg – Hafenklang
19.10.18  DE – Berlin – Privatclub
25.10.18  DE – München – Sunny Red
26.10.18  DE – Nürnberg – Club Stereo
27.10.18  AT – Wien – Arena
02.11.18  DE – Stuttgart – Keller Club
03.11.18  DE – Osnabrück – Salz Fest
04.11.18  DE – Hannover – Lux
09.11.18  DE – Jena – Monkey Mosh
24.11.18  DE – Köln – Gebäude 9

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