Blaufuchs (Pressebild, 2021)
Blaufuchs (Pressebild, 2021)
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WTF Records

Am 20. Mai 2022 ist es soweit, dann erscheint mit Daran wird es nicht scheitern das Debüt-Album der Hildesheimer Kapelle Blaufuchs. Das Debütalbum mit dem Titel Daran wird es nicht scheitern erscheint dann über Aggressive Punk Produktionen.
Über die Schwierigkeiten im Aufnahme-Prozess, ihren Hintergrund und die Tatsache, dass Qualität in der Musik nicht mit Härte einhergeht, sprachen wir mit Sänger Johannes.

Zuallererst ist mir wichtig, dass wir in einer extrem privilegierten Situation sind. Relativ gut abgesichert und in der Lage die Musik zu machen auf die wir Lust haben und damit Gehör zu finden. Sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Nazis auszusprechen ist deshalb aber erst recht wichtig.

AFL: Fangen wir erst einmal ganz vorne an…wer seid ihr überhaupt und wo kamt ihr so plötzlich her? Bei mir persönlich öffneten sich nämlich ein paar Fragezeichen, als ich nach der Veröffentlichung von Keine Angst gelesen habe, dass ihr aus Hildesheim kommt. Denn schließlich wohne ich nicht allzu weit von dort entfernt und hatte tatsächlich vorher noch nie von euch gehört.

Johannes: Ursprünglich waren wir zu viert, 3 Hildesheimer und ich, aber das hat sich dann alles nochmal massiv verschoben. Wir haben 2018 mit unserer 1. EP so richtig gestartet, alles noch sehr DIY und auf der Suche. Mittlerweile sind wir zu fünft, haben eine neue Rhythmus-Sektion mit Marisa und Alex und auch John ist fest dazugekommen. Dementsprechend waren wir relativ viel mit uns selbst beschäftigt und das wurde mit der Albumproduktion und Pandemie noch krasser. Eine Zeitlang haben wir mit Freunden gemeinsam eine Konzertreihe in Hildesheim veranstaltet und auch sonst machen wir ein bisschen Stuff hinter den Kulissen. Und wir haben von Anfang an versucht auch möglichst viel überregional zu spielen, und deswegen jetzt auch nicht so local hero status.

AFL: Gerade euer Bandname wäre mir bestimmt im Gedächtnis geblieben. Wie seid ihr eigentlich auf den gekommen?

Johannes: Inspiriert ist der Name von der Zeichentrick-Serie „Als die Tiere den Wald verließen“. Da fliehen die Tiere des Thalerwaldes vor der Zerstörung ihres Lebensraumes durch die Menschen und werden dabei von roten Füchsen angeführt. Und in der 2.Staffel haben sie ihr Ziel das Naturschutzgebiet Weißhirschpark erreicht. Dort leben aber schon Füchse, die in der Serie als Antagonisten eingeführt werden, und zur besseren Abgrenzung blau dargestellt werden. Am Ende raufen sich natürlich alle zusammen. Wir mochten die Ambivalenz die damit in dem Namen liegt, wir werden als weiße Menschen mit deutschen Pässen als hier hin gehörend verortet – und haben es letztlich in der Hand, wie wir darauf reagieren, wenn andere Menschen z.B. auf der Flucht hier ankommen. Aber die Unterscheidung ist genauso künstlich wie in der Serie und ohne konstruierte Unterscheidung bleibt nichts was Menschen trennt. So die eigenen Privilegien zu reflektieren ist für mich die Grundlage politischen Handelns und das zieht sich durch alles was wir machen.

AFL: Ich habe gelesen, dass es im Entstehungsprozess eures neuen Albums Daran wird es nicht scheitern einige Hindernisse zu überwinden gab. Was war denn da los?

Johannes: Wir wurden im Prozess der Albumaufnahmen leider von Menschen aus unserem Umfeld massiv enttäuscht, was letztlich neben ein bis zwei Nervenzusammenbrüchen und einem relativ hohen finanziellen Verlust auch dazu geführt hat, dass weite Teile noch einmal neu eingespielt werden mussten. Dazu kamen die Besetzungswechsel, die allerdings im Guten passiert sind und die Pandemie, die immer wieder Pläne und Ideen zunichte gemacht hat. Irgendwie haben wir das alles überstanden und so ist diese Platte für uns auch mehr als ein nur unser Debüt – es ist das Symbol für unsere Resilienz.

Es ist so wichtig die Leute zu supporten, die vor Ort mit Jugendlichen arbeiten und ganz konkret von rechten Strukturen bedroht werden. Das tun wir im Rahmen unserer Möglichkeiten, denn leider wird niemand als Antifaschist geboren sondern durch individuelle Lenrprozesse geprägt.

AFL: Nun seid ihr neben Graupause das jüngste Pferd im Stall bei Aggressive Punk Produktionen. Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Aggropunk und wie fühlt sich die Zusammenarbeit an? Ich kann es mir nur schwer vorstellen, wie es sich anfühlt, Labelkollegen von Popperklopper, Alarmsignal und Fahnenflucht zu sein.

Johannes: Auf der Labelsuche haben wir mit verschieden Labels gute Gespräche gehabt und die Crew von AGP hat uns letztlich überzeugt. Durch die Pandemie ist die Zusammenarbeit fast ausschließlich digital und telefonisch gelaufen, und bisher haben wir uns auch noch mit keiner der anderen Labelbands eine Bühne geteilt. Aber klar war es ein krass schönes Feedback neben solchen Szene-Größen stehen zu dürfen. Und da ich die Bon Apathie von Missstand teilweise gar nicht mehr vom Plattenteller genommen habe, ist das für mich fast die schönste Vergeschwisterung auf dem Label.

AFL: Und ihr stellt auf dem Label bis jetzt auch eher eine Ausnahme dar, denn ohne euch näher treten zu wollen, so spielt ihr ja auch mit dem Pop im Punkrock. Seht ihr das ähnlich und oder würdet ihr klar sagen, ihr spielt Punkrock und fertig! Wie denkt ihr allgemein über Genre-Konventionen?

Johannes: Wir schreiben Songs auf die wir Bock haben und lassen uns da nicht einschränken oder limitieren. Das verstört vielleicht Menschen, die da klare Erwartungen an einen bestimmten Sound haben, aber damit können wir gut Leben. Ich würde auch in Frage stellen, dass Kategorien wie Härte eine Aussage über Qualität machen können und wo diese Idee in einer männlich dominierten Szene herkommt. Als männlich sozialisiertem Menschen fiel es mir teilweise schon schwer, persönliche Texte zu schreiben, die nicht ironisch verklärt oder unter eine Genre-Schablone gelegt werden. Sich davon zu lösen und auch die Pop Elemente zuzulassen ist da wirklich befreiend.

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AFL: Eure Texte sind durchaus politisch und ihr bezieht nicht nur in euren Texten klare Stellung, sondern auch durch eure Unterstützung von Sea-Punks, KBAN und weiteren. Was verbindet ihr als Band mit dem Wort Solidarität?

Johannes: Zuallererst ist mir wichtig, dass wir in einer extrem privilegierten Situation sind. Relativ gut abgesichert und in der Lage die Musik zu machen auf die wir Lust haben und damit Gehör zu finden. Sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Nazis auszusprechen ist deshalb aber erst recht wichtig. Die Kämpfe gegen diskriminierende Strukturen gelingen nur gemeinsam, denn letzten Endes sind wir ein Teil dieser Struktur und profitieren davon. Das zu reflektieren und sich dafür einzusetzen diese Strukturen abzubauen ist gelebte Solidarität, und kann sowohl durch finanzielle Unterstützung oder durch das Nutzen der eigen Reichweite erfolgen.

AFL: Auch wenn Hildesheim eine Stadt mit um die 100.000 Einwohnern ist, so ist sie szenetechnisch doch sehr übersichtlich. Ohne jetzt zu wissen, ob ihr auch gebürtig dort herkommt, würde mich mal interessieren, wie wurdet ihr mit dem Punkrock infiziert und wie wichtig seht ihr die Nachwuchsarbeit im Hinterland?

Johannes: Aktuell ist unser Background sehr divers, nur Marcel ist in Hildesheim aufgewachsen – und das vor allem mit Ami-Punk in Richtung Rise Against und Sum41, Johnny ist mit kanadischen Wurzeln im Pop-Punk verankert. Ich selbst komme aus einer Kleinstadt an der Ostsee und viel mehr Hinterland geht nicht. Für mich war es extrem wichtig, hier Vorbilder zu haben. Damals haben mich etwa ZSK auf dem Full Force oder auch Heaven Shall Burn mit ihrer Kompromisslosigkeit stark geprägt.

Es ist so wichtig die Leute zu supporten, die vor Ort mit Jugendlichen arbeiten und ganz konkret von rechten Strukturen bedroht werden. Das tun wir im Rahmen unserer Möglichkeiten, denn leider wird niemand als Antifaschist geboren sondern durch individuelle Lenrprozesse geprägt.

AFL: Ein Thema welches die Szene seit einiger Zeit durchzieht, ist die Diskussion um die Diversität und die (Un-)Gleichberechtigung. Nun seid ihr als Band ja auch divers aufgestellt. Welchen Blick habt ihr als Band auf das Thema und wie wichtig ist euch die Diskussion darum?

Johannes: Für mich selbst war es wichtig, Vorbilder und Identifikationsfiguren zu haben. Aber als weißer hetero-cis-dude gab es da auch ein extrem großes Angebot. Und gerade passiert da in der Szene so einiges, diverse Line-ups werden gebucht, und auf den Bühnen stehen nicht mehr nur Typen. Da aber die Headliner in der Regel eine gewisse Dauer aktiv sind führt das dazu, dass divers besetzte Bands auf Festivals maximal eher früh oder auf Touren als Supports spielen. Das ergibt wirtschaftlich womöglich Sinn, zeigt aber auch dass es noch ein weiter Weg ist. Was am meisten nervt ist, dass immer behauptet wird es gäbe zu wenig Bands in denen nicht nur Typen spielen.

AFL: Wir hatten dich ja bereits einmal im Interview zu deinem Netzwerk Protest-Sounds. Von daher müssen wir darauf jetzt ja nicht weiter eingehen, nur eine Sache dazu. Wie läuft es mit dem Netzwerk und wie zum Geier findest du neben Job, Band, Freunde/Familie Zeit dich auch noch in so ein Netzwerk einzubringen? Denn der Aufwand ist bestimmt nicht gerade klein. Vor allem jetzt wo wieder Shows stattfinden können.

Johannes: Die Zeit-Frage ist in der Tat spannend, da sind gerade einige Ideen in der Vorbereitung und aktuell plane ich mit KBAN den ein oder anderen Festivalstand, gerade waren wir zB. bei der AlternativeSeinVater Messe in Braunschweig am Start. Es ist vor allem eine Frage der Organisation, unsere Radiosendung für das Bündnis wird dann schon mal in der Woche vor der Ausstrahlung aufgezeichnet. Und das alles funktioniert nur, weil mein Umfeld da sehr supportet, in meinem BrazilianJiuJitsu Team gebe ich kaum noch Training und kann mich da etwas zurücknehmen, und auch mein Arbeitgeber ist da echt verständnisvoll.

AFL: Im Herbst/Winter seid ihr mit Kopfecho auf vs.-Tour. Wie kann ich mir das vorstellen? Tretet ihr dort sozusagen gegeneinander an und wie kam es zur Tour-Kooperation auf Augenhöhe?

Johannes: Klar, das wird ein Kampf bis aufs Messer! Im Ernst, wir sind wie auch Kopfecho bei the living proof im Booking und als die Idee aufkam, waren wir davon sofort angefixt. Ich finde die Idee so einer gemeinsamen Tour super sympathisch und wir freuen uns echt sehr darauf. Ein guter Abend braucht für mich keine Unterteilung in Haupt- und Supportband. Das VS ist auch eher ein Seitenhieb gegen diese Bandcontest Kultur, die einen Wettbewerbsgedanken in die Musik bringt, den wir rundweg ablehnen.

Blaufuchs vs. Kopfecho Tour 2022

AFL: Wie soll es eurer Meinung nach mit Blaufuchs weitergehen?

Die meisten Ziele, die wir uns gesetzt haben, können wir in diesem Jahr noch abhaken, also ist alles was jetzt noch kommt ein Bonus – wir haben schon diverse Songs geschrieben und werden in nicht allzu ferner Zukunft wieder von uns hören lassen. Und vor allem freuen wir uns (wieder) möglichst viel live zu spielen, Menschen kennenzulernen und ein Stück weit aus dem Alltag auszubrechen.

AFL: Vielen lieben Dank und noch irgendwelche letzten Worte für unsere Leser*innen?

Johannes: Danke für deine Zeit! Wir sind vor allem sehr dankbar für den ganzen Support, die vielen Nachrichten und den Austausch auf den Konzerten – Wenn unsere Musik Menschen emotional erreicht, bedeutet uns das extrem viel.

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