Hot Water Music at Capitol, Hannover // by xhighfivesx Tobias Luger

Was für ein Line Up… Boysetsfire, Hot Water Music, Samiam und Be Well zusammen auf Tour; ein Line Up, bei dem jede*r, der/die in den letzten 25 Jahren im Punk/Hardcore sozialisiert wurde, feuchte Träume bekommen sollte. 

Vorne weg, der Abend hat die Erwartungen erfüllt.

86 Jahre Bandgeschichte bringen Boysetsfire, Hot Water Music und Samiam mit. Be Well erblickten zwar erst vor drei Jahren das Licht der Welt, aber auch die Mitglieder dieser Super-Group bringen das ein oder andere Jahr an Bühnenerfahrung mit.

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Das vorherrschende Gefühl des Abends war also klar Nostalgie: Die alten Klassiker mit alten Freunden in den Armen liegend, die Faust nach oben gereckt, mitschreien. Dabei auch, das vergebliche Warten auf DEN einen Song – denn auch das ist klar, bei so vielen Alben, so vielen Hits, hat bestimmt jede*r Besucher*in den einen Lieblingssong, der es an diesem Abend nicht in die Setlist geschafft hat.

Das Konzert hatte wie so viele andere dieser Tage mit den schleppenden Ticketverkäufen zu kämpfen. Die Hannover Show wurde daher vor ein paar Monaten auch von der Swiss Live Hall ins deutlich kleinere Capitol verlegt. Dafür war das Konzert dann aber auch frühzeitig ausverkauft. Auch wenn die Kapazität noch immer jenseits der 1.500 lag, kam das mit Sicherheit einer etwas intimeren Atmosphäre zu Gute.

Be Well

Früh geht es los mit Be Well, die bereits um kurz nach 18:30 Uhr die Bühne entern dürfen bzw. müssen. Das Capitol mit seinen zwei Ebenen ist bereits gut gefüllt. Einige zeigen sich textsicher, die meisten Besucher*innen wirken aber erstmal interessiert. 

Nach mehreren Absagen hat es die Band um Brian McTernan endlich nach Europa geschafft. Der Fokus des Halbstünders liegt klar auf der neuen EP Hello Sun, die fast komplett gespielt wird, aufgelockert von Songs des ersten Albums inklusive vorsichtiger Singalongs am Fotograben.

Was auffällt, obwohl die Musiker alles alte Bekannte sind und Brian McTernan bereits Platten von Hot Water Music und Boysetsfire produziert hat, blieb es beim artigen Bedanken an das restliche Line Up. Eine Kollaboration auf der Bühne, gemeinsame Songs fand leider nicht statt. Gerade bei Be Well hätte sich dies angeboten, wo doch Nathan Gray sogar auf In The Shadow Of Who You Thought I Was von er neuen EP Hello Sun zu hören ist.

Samiam

Next up, Samiam, die es seit über 30 Jahren schaffen, knapp unter dem Radar zu fliegen und alle paar Jahre wieder aus der Versenkung auftauchen. Tatsächlich steht ein neues Album in den Startlöchern und vor ein paar Wochen wurde die erste Single Lights Out Little Hustler veröffentlicht.

Samiam waren noch nie groß für ihre Stage Action bekannt, somit war die Show der Kalifornier relativ unspektakulär. Dafür sind Capsized, Full On und Dull aber Klassiker, die man einfach aus voller Kehle mitsingen muss. Aber auch das „neuere“ El Dorado vom letzten Album Trips aus 2011 funktioniert live ganz phantastisch.

Hot Water Music

Als drittes sind dann Hot Water Music dran, mittlerweile auch komplett auf der Tour angekommen. Aufgrund des Florida Hurricanes konnten nämlich für die ersten Shows nur Chuck und Chris nach Europa kommen, die dann zumindest ein reduziertes Akustik Set gespielt haben. Nun aber wieder in voller Besetzung ging es in einem Ritt durch über 25 Jahre Bandgeschichte. Free Radio Gainesville und Remedy dürfen ebenso wenig fehlen, wie Songs des neuen Albums Feel The Void. Mindestens It’s Hard To Know wurde aber schmerzlich vermisst. Gänsehaut Garantie gab es mal wieder bei Drag My Body, das zunächst ganz alleine von Chuck mit Gitarre angestimmt wurde, bei dem der Rest der Band erst zur zweiten Strophe einsetzte.

Boysetsfire

Den Abschluss bildeten dann Boysetsfire, als einzige Band des Abends ohne neues Material im Gepäck. Dafür aber mit einem gelösten, aber nicht minder wütenden Nathan Gray. Einige Wochen nach seinem Coming Out als nonbinäre Person betritt dieser in pinkem Shirt die Bühne. Wie um jeglichem Machospruch von vorn herein den Wind aus den Segeln zu nehmen, wählen Boysetsfire den härtest möglichen Einstieg für ihr Set und eröffnen ohne Intro oder Ansage mit After The Eulogy und back-to-back Release The Dogs.

Es folgt auch hier eine Reise durch die Bandhistorie bei dem naturgemäß viele verzückte Gesichter und unbefriedigte Songwünsche zurück bleiben. Den Abschluss der regulären Sets bildet wie üblich Rookie. Wie um einen Bogen zum Anfang des Auftritts in Sachen Härte zu schlagen, startet die Zugabe mit Walk Astray bevor dann nach My Empire endgültig die Lichter angehen.

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