Am 26. März 2021 veröffentlichen Citizen aus Toledo, Ohio ihr nun mehr viertes Studioalbum. Der Hype um die Band aus dem Nordosten der USA ist größer denn je. Vier Jahre nach ihrer letzten Veröffentlichung As You Please kriegen wir also endlich wieder Neues zu hören.

Es gibt kaum eine Band aus dem Indie/Alternative-Bereich mit Pop Punk-Wurzeln, die es in nennenswert erfolgreiche Sphären gebracht hat, ohne eine ähnliche Laufbahn wie das Trio durchlebt zu haben. Es beginnt meist in den späten Teens, man gründet eine Pop-Punk-Band, die ordentlich nach vorne geht. Das erste Release ist meistens das, worauf die Musiker am wenigsten stolz zurückblicken – man war ja noch nicht so reif und würde einiges sicher anders machen. So wie bei der EP „Young States“, die Citizen zumindest live keine Beachtung mehr schenkt. Es folgt das erste Album und der Durchbruch gelingt – wie bei „Youth“ 2013, dem ikonischen Langspieler mit dem Rosenschriftzug auf dem Cover.

Citizen – Youth (2013)

Citizen sind hier immer noch recht „punk-lastig“ unterwegs, jedoch kommt hier schon die Melancholie und Tiefgründigkeit zum Vorschein, welche sich in den nächsten Alben widerspiegeln werden. LP Nummer 2 „Everybody Is Going To Heaven“ spaltete die Fangemeinde, die Resonanz war aufgrund des Abschweifens in neue Indie-Gefilde wie so oft geteilt – viele vermissten die gewisse „Kratzigkeit“ und den jugendlichen Punk aus Youth.

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2017 kam dann das bislang letzte Album „As You Please“ raus – das wohl in vielen Belangen stärkste Release der Band. Sie entwickelten die dunkle Atmosphäre aus dem kontroversen Vorgänger weiter, gaben aber dem Sound mehr Reife und ließen es weniger als Experiment aussehen. Der Erfolg schlug sich auch kommerziell nieder, die Band tourte auch länger mit diesem Album als je zuvor.

Citizen (2021)
Citizen (2021) – Pressefoto

Schon allein die Produktion des neuen Albums bedeutet einen Cut mit der Vergangenheit.

Doch lange Rede, kurzer Sinn – wo stehen wir hier bei LP 4, bei „Life In Your Glass World“? Ich wollte euch mit meinem vorherigen Absatz einen (zeitlichen) Kontext geben, um das neue Release richtig einzuordnen. Gewissermaßen standen sie nach As You Please an einem Scheideweg. Knüpfen sie an den Erfolg und die Songs an oder probieren sie mal ganz was Neues und wagen einen Bruch wie bei Everybody Is Going To Heaven? Alles deutet auf Letzteres hin.

Schon allein die Produktion des neuen Albums bedeutet einen Cut mit der Vergangenheit. Erstmals vertraute man nicht mehr auf die Künste des Produzenten Will Yip in seinem renommierten Studio 4 und produzierte DIY im eigens gebauten Studio. Allein produktionstechnisch kann man sagen, dass die Rechnung aufgegangen ist und die Qualität dahingehend nicht abgenommen hat. Wie sieht es aber jetzt mit den Songs aus? Ich gebe Track-für-Track einen Eindruck.

Citizen – Life In Your Glass World (2021)

Das Album beginnt mit ordentlich viel Schwung, der erste Track „Death Dance Approximately“ macht gleich Lust auf mehr. Ganz im Sinne des Vorgängeralbums ein richtiger Ohrwurm und eine treibende Gitarre/Bass/Synthie-Kombi. Es folgt die Vorab-Single „I Want To Kill You“, die kaum an Energie einbüßt. Der Song wird von Off-Beat Drums getrieben. Song 3 „Blue Sunday“ nimmt dann erst einmal Geschwindigkeit raus und bietet atmosphärische Synthieklänge und interessanten Vocal-Effekten. „Thin Air“ erinnert mit seinen Indie-Gitarren tatsächlich etwas an Kraftklub und die Boombox-Ära von Beatsteaks. Bei „Call Your Bluff“ kommt wieder etwas düsterere Stimmung auf, mit einem coolen Refrain mit übereinander gelegten Vocals. Der sechste Track „Pedestal“ bleibt außer mit einem Drum-Intro nicht weiter im Gedächtnis, was sich aber bei „Fight Beat“ radikal ändert – aber nicht im positiven Sinne. Ein seltsamer Drum and Bass Song mit monotonen Vocals, da haben sie sich wohl ausgetobt am Mischpult. „Black and Red“ bricht dann glücklicherweise wieder aus dieser Schiene und knüpft in Sachen Tempo und Wucht ein wenig an den Anfang des Albums an. Mit dem Titeltrack „Glass World“ kommt mit der Akustikgitarre wieder ein neues Element zu tragen, der Song bleibt im entspannten Midtempo. Weil es so Spaß gemacht hat, beginnt dann „Winter Buds“ ebenfalls mit etwas Akustik-Geklimper. Gegen Ende wird unerwartet ein kurzer, wütend-verzerrter Gitarrenschrammel-Part eingebaut. Der abschließende Song „Edge Of The World“ baut sich gefühlt ewig auf, ohne dann tatsächlich einen Höhepunkt aufzuweisen.

FAZIT

Citizen haben sich in Life In Your Glass World wieder einmal neu ausprobiert. In meinen Augen ist ihnen das aber nur teilweise gelungen. Das Album hat definitiv seine Höhepunkte, vor allem zu Beginn (Death Dance Approximately) und bei einigen vorab veröffentlichten Songs (I Want To Kill You, Black and Red). Sänger Mat Kerekes hat auch einfach eine geile Stimme und er weiß sie stets richtig einzusetzen. In meinen Augen hat er aber auch für eine Schwachstelle gesorgt. Die Band ist mittlerweile nur noch als Trio unterwegs und Kerekes hat selbst die Drums eingespielt. Der etatmäßige Drummer und Groovemaschine des vorherigen Albums Jake Duhaime ist nicht mehr dabei und das merkt man in meinen Augen. Die recht uninspirierten Drums klingen teils wirklich starr nach AC/DC. Man muss in diesem Genre sicher kein Feuerwerk erwarten, aber dennoch finde ich persönlich das doch recht langweilig – auch als großer Fan der unterschiedlichen Vorgängeralben. Die Songs bauen schließlich auf den Drums auf. Alles in allem ist LIYG sicher kein schlechtes Album, das Wort „passabel“ trifft es meiner Meinung nach gut. Eine Steigerung zu As You Please sehe ich aber leider nicht.

Tracklist

  1. Death Dance Approximately
  2. I Want To Kill You
  3. Blue Sunday
  4. Thin Air
  5. Call Your Bluff
  6. Pedestal
  7. Fight Beat
  8. Black And Red
  9. Glass World
  10. Edge Of The World
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