1989 kannten in Moskau nicht mehr als 50 Leute Hardcore Musik. Von Ska haben wir sogar erst 1992 erfahren!

Distemper touren seit Jahren jährlich durch die deutschen Städte. Wir führten mit der russischen Ska-Punk Ikone ein Interview.

AFL: Hey! Wie geht es euch? Könnt ihr euch für diejenigen, die euch noch nicht kennen, einmal kurz vorstellen?

Hallo! Erst einmal freuen wir uns sehr über euer Interesse und dass ihr es uns ermöglicht, mit den europäischen Hörern zu kommunizieren! Es gibt nicht viele Infos über uns in Europa und das, obwohl wir schon seit 26 Jahren existieren. Wir haben zum ersten Mal am 4. September 1989 geprobt. Von da an ging es dann mit DISTEMPER los. In den ersten 10 Jahren hat unserer Besetzung nicht gewechselt, dafür sind ständig neue Mitglieder dazugekommen.

Als wir 1989 begonnen haben, waren wir nur zu dritt, 1999 schon zu siebt. Über die Jahre sind wir erwachsen geworden und viele haben ihre Lebensprioritäten geändert. Seit 1999 sind bis heute insgesamt 10 Bandmitglieder gekommen und gegangen. Das kann man leider nicht ändern! Wir sind gerade dabei wieder unsere Band aufzustocken. Im vergangen Jahr waren wir zu sechst. Bald werden wir wieder zu acht auf der Bühne stehen. Hinzu kommt natürlich der tanzende Hund, der bei uns live nicht fehlen darf!

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AFL: Warum erschien euer letztes Album Pride Belief Love nicht auf Vinyl? Und weshalb wurde Distemper 25 in Deutschland gar nicht veröffentlicht?

Wir bekamen ein paar Angebote Pride, Belief, Love auf Vinyl zu veröffentlichen, die wir aber aus verschiedenen Gründen abgelehnt haben. Wir hoffen dennoch, dass das Album 2016 doch noch auf Vinyl erscheint wird. Wir bekommen auch immer noch Angebote dafür. Unser Album 25 aus dem Jahr 2014 wird auch angefragt. Dieses besteht aus von unseren alten Songs. Da hoffen wir ebenfalls, dass es 2016 in Deutschland erscheinen wird!

Interview mit Distempler - Ska - Punk
Distemper im Juli 20110 in Schwäbisch Hall.

AFL: Gibt es Pläne, in der nächsten Zeit ein neues Album zu veröffentlichen?

Ich hab ja schon erwähnt, dass neue Mietglieder und Musikinstrumente dazukommen werden. Um ins Detail zu gehen, wir haben bald ein Saxophon und Keyboard bei DISTEMPER am Start. Dabei wollen wir unserem Musikstil treu bleiben. Der Sound der Band wird sich trotzdem verändern, da die Begleitung eine ganz andere sein wird. Im April werden wir 15 Songs, die wir ständig auf unseren Shows spielen, im neuen Sound in Russland veröffentlichen. Ich hoffe, dass die Songs durch die zusätzlichen Instrumente interessanter und fröhlicher klingen werden.

AFL: Welche Bands zählt ihr denn zu euren Einflüssen? Und wie würdet ihr DISTEMPER in 3 Worten beschreiben?

Wir finden jeder Art von Musik gut, außer spießige Pop-Musik. Auf den Touren hat man doch relativ viel Zeit, um neue Musik kennenzulernen. Wir würden uns als HARTNÄCKIG, DURCHGEDREHT und UNKONTROLLIERBAR beschreiben.

AFL: Zu Beginn eurer Karriere habt ihr mit DISTEMPER Hardcore gespielt. Heute spielt ihr Ska-Punk. Wie kam der Wandel?

In den 80er Jahren gab es in Russland den sogenannten „Eisernen Vorhang“. Wir bekamen damals quasi kaum Information über Musik und über die europäische & amerikanische Lebensweise. Man darf natürlich nicht vergessen, dass es damals noch kein Internet gab. 1989 kannten in Moskau nicht mehr als 50 Leute das Musikgenre Hardcore. Das es Ska gibt, habe ich sogar erst 1992 erfahren! Sowas ist heutzutage quasi unvorstellbar! Deswegen hat sich auch unsere Musik weiter entwickelt. Wir benutzen auch heute noch gelegentliche Hardcore Elemente in unseren Songs.

AFL: Wieso finden die meisten eurer Konzerte in Deutschland statt und warum verhältnismäßig so wenig in den anderen Ländern?

Wir touren seit 15 Jahren in Europa. Unsere Promoter, Booker und Labels sind alle aus Deutschland. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb wir größtenteils in Deutschland spielen.

AFL: Was mögt ihr am Touren und was eher weniger?

Als wir Anfang 2000 die erste Tournee gemacht haben, antworte ich auf die Frage über die Eindrücke, die wir während einer Tour bekommen haben immer, dass wir hier ein Schluck Freiheit bekommen. Trotz der organologischen und alltäglichen Schwierigkeiten, die es während einer Tour geben kann. Auch 15 Jahre später denke ich, dass sich nicht viel geändert hat, außer, dass es vielleicht heute weniger Freiheit als damals gibt.

AFL: Wie unterscheidet sich eurer Meinung nach die deutsche und russische Punk-Rock Szene?

Meiner Meinung nach ist der Hauptunterschied, dass in Europa alles ein wenig herzlicher und ehrlicher ist. In Russland gibt es mehr Poser, Heuchelei und so weiter. Es ist alles nicht so ehrlich, wie hier. Viele Bands schließen die Augen vor Rassismus, oder unterstützen es sogar noch!

AFL: Was macht ihr sonst so, außer Musik?

Ich und Dozent (Sänger) machen nichts außer Musik. Dozent mag Fahrräder und ich sammle Vinylschallplatten. Der Rest von uns hat einen Job!

AFL: Danke für das Interview! Habt ihr irgendwelche Abschlussworte, die ihr loswerden möchtet?

Schenkt eurer Umgebung etwas Positives und macht die Welt so ein klein wenig besser!

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