original art: Chuck Higby

Dresden – Ein befremdlicher Anblick bot sich letzten Samstag den Besuchern eines Hardcorekonzerts im örtlichen Sport- und Kulturzentrum. Schon während des Sets der ersten Vorband des Abends hatten einige Konzertbesucher einen Haufen Spaß und standen nicht nur verlegen vor der Bühne rum. Die restlichen Zuschauer waren irritiert, der Kulturverein empört. Szene Putzen hat für euch nachgefragt.

Augenzeugenberichten innerhalb des Zuschauerraums zufolge tanzten ca. sieben Konzertbesucher schon zu Beginn des Abends, während die lokale Hardcore-Punkband BløødimStøøhl ihr Set spielte. Laut Aussagen der verwirrten Konzertgänger wurde bereits zu Beginn unironisch(!) heftig gemosht und getanzt.

„Es war richtig abgefahren, total unwirklich.“, sagt uns freudig der Gitarrist der Band BløødimStøøhl Torsten Henkel am Telefon. „Die haben an manchen Stellen sogar mitgesungen – zwar eher einzelne Wörter und der Rest war nur unverständliches Gemurmel aber hey: die haben sich wohl vor dem Konzert extra die Mühe gemacht, die Vorband anzuhören. Wir mussten nicht mal einen witzigen Spruch bringen, dass die Crowd ruhig ein wenig näher kommen soll. Sie kamen von ganz allein. Wir wussten ehrlich gesagt nicht, wie wir damit umgehen sollen. Ich hätte fast geweint.“

Die restliche Zuhörerschaft des Abends reagierte überwiegend mit Unverständnis. Markus [Name von der Redaktion geändert], ein Szene-Veteran zeigt sich erbost. „Was soll der Mist? Komplett atypisch sowas, während der ersten Band holt man sich ein Bier oder steht – wenn überhaupt – nickend am Rand der Bühne. Die waren nicht mal mit der Band befreundet oder so. Warum sollten die dann tanzen? Sowas habe ich in all meinen Jahren noch nicht erlebt, egal ob 5 oder 500 Mann im Raum sind: In Deutschland wird für den Opener nicht getanzt!“

Auch die Vereinsleitung zeigte sich wenig begeistert. Vereinsvorstand Ludger Petrascheck stand uns für ein kurzes Statement zur Verfügung. „Besonders schade finden wir, dass der von der Vereinssatzung geforderte Mindestabstand zwischen Vorband und Zuschauermenge, der mindestens 267cm betragen soll, zu keinem Zeitpunkt eingehalten wurde. Nachdem die Band ihr Set beendet hatte und die besagten Störenfriede endlich aufgehört hatten der Luft um sich herum Spinkicks zu verteilen, mussten wir sie leider des Gebäudes verweisen.“

Illustration aus der Vereinssatzung

 

Wir fragen nach, was genau so verwerflich an prämaturem Moshen sei.

„Die deutsche Verhaltenheit hat auf Hardcoreshows eine langjährige Tradition. Diese Tradition wurde heute mit Füßen getreten. Ich meine wir sind uns doch alle stillschweigend einig, dass man zum Abgehen gefälligst auf den Headliner wartet, oder?“

Update

Durch eine Untersuchung der Teilnehmerliste via Facebook konnte Szene Putzen einen der betroffenen Mosher ausmachen, der auf Anfrage nur antwortete „Die Scheiße hat stolze 13 Euro Eintritt gekostet, klar tanz ich da schon von Anfang an, dafür habe ich schließlich gezahlt. Solltet ihr mal auch tun.“


Mehr Szene Putzen findet ihr hier!

 

*Szene Putzen ist unsere augenzwinkernde Liebeserklärung an Hardcore, die Subkultur und all ihre Eigenarten. Schließlich heißt es doch so schön: Was sich liebt, das neckt sich.

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