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Interview mit Bad Cop/Bad Cop: „Ask questions, be patient with others, smash the patriarchy!“

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Bad Cop / Bad Cop by Lindsey Byrnes
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Vor kurzem hatte ich das Vergnügen das wirklich tolle Album Warriors von Bad Cop / Bad Cop zu rezensieren (hier). Anschließend konnte ich ein Email-Interview mit der band führen, dass dann doch sehr ausführlich geriet. Aber Jennie Cotterill, ihres Zeichens eine der beiden Hauptsängerinnen der Band hat auch einiges zu sagen! Also los gehts!

Als ich das erste Mal euren Namen hörte , dachte ich an die Phrase „Good Cop / Bad Cop“, aber ich hatte auch das Simpsons-Lied  “Bad Cops, Bad Cops” in meinem Ohr. Zufall? Oder was bedeutet der Name?

Ha!Das war wohl ein Zufall. Der Name war ein Wortspiel aus dem Idiom „good cop/bad cop“, leider heutzutage sehr relevant.

Ein kurzer Abriss eurer Bandgeschichte?

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Jen Carlsson, unsere Originalbassistin gründete die Gruppe im Januar 2011. Sie und Stacey (Stacey Kelvin Dee, Gitarristin und eine von zwei Sängerinnen der Band. Anmerkung)  spielten bereits seit 10 Jahren zusammen und trafen Myra (Gallerza, Schlagzeugerin. Anmerkung) auf einer ihrer Release-Shows. Ich traf die beiden, als sie mit einer anderen Band von mir zusammen spielten. Die Chemie stimmte direkt bei der ersten Probe, wo wir bereits viel zusammenarbeiteten und erste Songs schrieben. Jen verließ uns etwa nach einem Jahr, aber stellte uns noch ihre Nachfolgerin Lin Lhe vor. Das macht sie zur Mutter der Band.

Wir spielten zunächst in Bars und kleinen Läden, machten ein paar Tourneen die Küste hoch und runter und gingen dann in die Hurley Studios, wo ich zu dieser Zeit im Art Departement arbeitete.  Mein Freund Davey Warsop war Toningenieur im Studio. Er vermittelte uns sehr wichtige Einsichten in den Produktionsprozess und drängte uns dazu mehr Harmonien und Hooks in unsere Musik einfließen zu lassen, Damit hat er uns sehr geholfen, unseren Sound zu finden. Wir brachten drei Songs, die mit ihm zusammen aufgenommen wurden, heraus und kehrten ein Jahr später zurück, um Boss Lady mit ihm aufzunehmen. Fat Mike hat uns kurz darauf live gesehen, nachdem die Songs gemastert waren und fragte uns, ob wir neuen Stoff für ihn hätten… das perfekte Timing. Fat brachte Boss Lady heraus und wir erfuhren durch seine Unterstützung eine wesentliche Stärkung.

Davey hat seitdem all unsere vier Alben produziert: unser selbstbetiteltes Debüt, Boss Lady, Not Sorry und Warriors. Er ist für den „bad cop“-Sound verantwortlich: viele Harmonien, satte Refrains, Pop-Strukturen, saubere Produktion. Er ist an fast jedem Track von Beginn bis zum Ende dabei, abgesehen von einigen wenigen Samplerbeiträgen.

Bad Cop / Bad Cop Bandpic

In eurem Promotext wird erwähnt, , das ihr die Vans Warped Tour 2015 wegen Staceys persönlichen Dämonen canceln musstet. Erzähl mal mehr darüber.

Eigentlich waren wir auf der Fat 25th Anniversary Tour, als es Probleme gab. Stacey hatte bereits die Jahre zuvor große Probleme mit verscheibungspflichtigen Medikamenten gehabt. Die Tour war dafür natürlich eine gefährliche Umgebung: Ego, Erschöpfung, Alkohol, Drogen und so weiter. Etwa bei der Hälfte der Tour wurde es ganz schlimm. So mussten wir die Tour verlassen und Stacey nach Hause schicken. Sie ging dann in den Entzug und ab dann besserte sich alles wieder.

Ihr habt euch entschieden, Stacey zu behalten und auch eure Plattenfirma hat euch unterstützt. Ich denke, das ist ein feiner Zug. Erzähl mir mehr darüber.

Wir lieben Stacey und sie ist ein wichtiger Bestandteil der Band. Wir sind eine Familie. Sie brauchte Hilfe von außerhalb und Fat war sehr verständnisvoll. Musiker, die mit Abhöngigkeiten zu kämpfen haben ist ein alter Hut. Das Label half, die Rechnungen zu bezahlen, damit Stacey  in den Entzug gehen konnte. Danach tat Stacey ihren Teil und arbeitete schrecklich hart daran, die rege, gesunde, positive Frau zu werden, die sie heute ist.

Stacey sagte einmal: “Ich war fast mein ganzes Leben so negativ. Nachdem ich mein Leben geändert habe, versuche ich mich nun auf Stärke, Verbundenheit und Positivismus zu konzentrieren“ Wie konnte es eigentlich soweit kommen?

Drogen sind Gift. Nuw weil ein Doktor dir diese gibt, bedeutet nicht, dass sie auch helfen. Das Schlimmste an Medikamenten gegen Angststörungen oder Antidepressiva ist, das sie beim Nutzer eine Abhängigkeit erzeugen und ihn entmündigen und krank machen.Als sie ihre Abhängigkeit von Xanax überwand wurde sie klarer und erlangte die Kontrolle über ihr Leben zurück. Es war so als, sei sie von einem 10-jährigen Koma aufgewacht. coma.

Die menschen haben mehr Macht als sie denken. Wenn die jemand „Offizielles“ erzählt, du sollst Medikamente nehmen, damit du dich besser fühlst, dann glauben die Leute das. Aber die Ärzte wissen nicht immer, wie eine individuelle Person auf die Medikamente reagiert oder wie deren genetische Disposition zu Abhängigkeiten ist. Es gibt eine Kultur der Übermedikamentisierung, die überdacht werden sollte.

Jetzt seid ihr für die 2017 Vans Warped Tour gebucht, die auch eine sehr harten Zeitplan hat. Wie verhindert ihr, dass sich Geschichte wiederholt?

Was auf der Fat Tour passierte, wird sich nie wiederholen, Wir sind heute eine ganz andere Band. Jeder hat sich verändert und unser Fokus liegt darauf gut zu spielen, zusammen zu arbeiten und so gut zu sein, wie wir können – auf der Bühne, zu Hause, zu einander.

Wann kommt ihr endlich mal wieder nach Europa?

Wir planen eine Tour im nächsten Sommer.

Ist Fat Mike der beste Boss, den man haben kann? Seid ihr froh auf Fat Wreck zu sein?

Haha, Mike ist Mike. Das bedeutet verschiedenes. Wir schätzen sein Interesse an uns und seine Unterstützung sehr. Er hat sich sehr für die neue Platte Warriors eingesetzt und war in die Aufnahmen miteinbezogen. Wir sind sehr solz, wie das alles gelaufen ist. Aber man sollte nicht vergessen, dass es bei Fat auch noch einen anderen Boss gibt – Erin Burkett. Wir lieben alle dort und fühlen uns unterstützt und geschätzt. Wir sind gewachsen und haben viel von all den tollen Leuten im Team gelernt.

Seit Not Sorry ist auch Fat Mike als Produzent an euren Alben beteiligt.

Wir haben uns bei Not Sorry nur kurz mit Mike zusammengesetzt. Es gab an diesem Nachmittag eine vollgestopfte Überprüfung was geht/was nicht geht mit einigen gehaltvollen Anmerkungen. Bei Warriors dagegen war Mike SEHR stark involviert.

Fat Mike ist auch als Songwriter aufgeführt.

Mikes Interesse an Warriors war von Beginn an sehr stark. Er war so aufgeregt, an dem Album mitzuarbeiten. Er glaubt, dass es das ist, was die Leute heute hören müssten. Er investierte viel Zeit in das Album, es war wirklich ein Herzensding. Also achtete er sehr auf das Album, auf die Texte, das Artwork, die Melodien, das Mastering, eben einfach auf ALLES! Das Resultat gibt ihm recht!

Cover von „Warriors“, dem neuen Album von Bad Cop / Bad Cop.

Euer neues Album erschien in einer sehr dunklen Zeit für Amerika, mit Trump als Präsident und so weiter. Wie denkst du hat das eure Musik beeinflusst?

Ziemlich stark. Wir sind gerade ins Studio nachdem wir während der gesamten Wahl durch die USA getourt sind. Wir haben jeden Song gestrichen, der nicht „bedeutsam“ genug war und neues Material geschrieben, dass uns bedeutsam erschien und die richtigen Botschaften transportierte. Wir haben immer an die Menschenrechte, Rechte für Transsexuelle, Gleichberechtigung geglaubt und haben ein produktives, mitfühlendes Leben geführt, Wir haben angenommen, das würden andere auch tun, aber die Wahl hat uns eines besseren belehrt. Die Leute brauchen Musik, die diese Ideale DIREKT unterstützen. Das ist das einzige was wir tun können, also tun wir das.

Mir hat es sehr gefallen, dass euer Promomaterial auch eure Texte enthalten hat. Das ist heutzutage eine Seltenheit, aber ich glaube, das zeigt auch wie stolz ihr darauf seid. Sind euch die Texte wichtig?

Unglaublich wichtig. Ein Album mit einem internationalen Vertrieb, auf einem relevanten Label, das ist so als hätte man einen Skywriter, der deine Texte auf der ganzen Welt verbreitet. Bei so einer Möglichkeit, würdest du nicht auch die Texte sorgfältig auswählen?

Wir haben sehr hart daran gearbeitet, unsere Werte und Botschaften auf das Album zu bringen. Es gibt keine 2nd-verse-same-as-the-first-Tracks auf Warriors. And nichts, was man streichen könnte.

Was ist ein Womanarchist (siehe auch hier) und gibt es einen Unterschied zum Feministen?

Kein Unterschied. Feminismus umfasst alles, wofür wir stehen. Der Titel Womanarchist soll die Stigmata abbauen, die solche Etikettenmit sich bringen. Die Mensche nreagieren auf Titel und Definitionen, sie hören einander nicht zu. Sie wurden blind für unsere gemeinsame Menschlichkeit und das führt dazu, dass sie sich gegenseitig schlecht behandeln und ausnutzen. Ein Womanarchist zieht die Bremse an, verichtet auf diesen Bullshit und versucht den Menschen die Gemeinsamkeiten unter uns allen aufzuzeigen. Außerdem achtet er auf den Umgang untereinander.

Worum geht es in Victoria?

Darüber kann ich nicht sprechen, das ist Staceys Song. Aber ich kann über Brain Is for Lovers. Das Lied handelt auch davon, dass eine geliebte Person Suizid begeht. Geistige   can’t speak to Victoria bc it’s Stacey’s song, but I can talk about Brain is For Lovers–Gesundheit ist ein globales Thema. Wenn darauf die Priorität gelegt werden würde und mehr Ressourcen für alle freiwerden würde, ich bin mir sicher dass die Leute dann nicht so gewalttätig miteinander umgehen würden. Bildung und Ressourcen können so gut wie alle Krisen lösen, auch Krieg und Terrorismus. Wenn die Menschen sich nur vom Individualismus trennen könnten und sehen würden, dass die Menschheit EIN EINZIGER Organismus ist, dann würden sie einen Wert darin erkennen, aufeinander aufzupassen – und das würde auch ihre eigenen Leben verbessern.

Es gibt einige ziemlich angepisste Texte auf dem Album. Woher kommt die Wut?

Wir sind müde geworden, darauf zu warten, dass die Leute aufwachen. So viele Leute sind hipnotisiert von Sexismus, Rassismus und Kapitalismus. Sie verschlafen ihr Leben, stellen keine Fragen und erkennen nicht, dass sie selbst zu diesem Zustand beitragen. Die Welt hat befindet sich in einer ernstzunehmenden Krise und die Leute bestreiten das. Wir wollen die Leute wissen lassen, A) was los ist, b) dass sie dies nicht alleine erkennen und C) dass sie sich dagegen wehren und Teil der Lösung werden können.

Was haltet ihr von der Riot-Grrrl-Bewegung?

Riot Grrl ist ein wichtiger Teil der Geschichte von Musik und des Feminismus. Die Leute übergeneralisieren den Begriff zwar Petwas, denn nicht jede feministische Band passt unter dieses Banner.

Cover von „Not Sorry“, dem ersten Album von Bad Cop / Bad Cop.

Auf eurem ersten Album  “Not Sorry”  ist auf dem Cover eine Luchadora zu sehen. Mögt ihr Wrestling? Wer ist dein Lieblingswrestler?

Ich habe die Luchadora als Teil einer Reihe von Gemälden von weiblichen Wrestlern angefertigt, die ich zu der Zeit gemacht habe. Ich weiß, dass die anderen Lucha Libre sehr gerne mögen und die Maske ist ein toller Weg, seine Identität zu verbergen. Ich wollte nicht, dass sie eine spezifische Person ist. Es war mir nur wichtig, dass sie weiblich und stark ist. Sie sollte nicht „gegen“ etwas sein, man muss nicht gegen alles sei, um ein mächtige Kriegerin zu seini. So viel dazu.

Wir trafen Amazon Andrea (MMA-Fighterin) beim fest und haben uns gleich in sie verliebt. Penny Banner ist meine Lieblingswretlerin – sie wurde Wrestlerin nachem sie angegriffen und beinahe vergewaltigt wurde. Das fand ich sehr inspirierend.

Wir nähern uns dem Ende des Interviews. Ich gebe jetzt ein paar Begriffe vor und du antwortest einfach, was dir einfällt.

Brexit – Dieser Individualismus ist eine globale Krise und muss AUFHÖREN. Grenzen sind falsch, Nationalismus ist falsch, Zusammenarbeit ist der einzige Weg zum Überleben.

Trump – Ekelhaftes Kapitalistenschwein (Anmerkung: kennt jemand eine besere Übersetzung für „disgraceful capitalist meat puppet?) . Manchmal tut er mir fast leid. Klar, er ist nur ein Narr, aber ich habe keine Sympathie für Menschen, die sich so unterirdisch benehmen, absolut selbstbezogen sind, unter der Gürtellinie agieren und für sich selbst andere Regeln gelten lassen.

Fat Wreck – bestes Label aller Zeiten! Nicht nur ein Label, ein Genre! Am Leben gehalten von wunderbaren Menschen.

Terrorismus – leider ein rassistischer Begriff. Bei uns in den Staaten sollte der Begriff auch für die Gewalt von weißen Nationalisten angewendet werden. Hate crimes sind eine auch eine Spielart des Terrorismus. Hier merkt man, dass die Sprache ein wichtiges Werkzeug ist. Es ist wichtig, dass man Sprache objektiv verwendet und nach Transparenz strebt. Wir können unsere Probleme nicht lösen, wenn wir auf nicht auf solche manipulative Rhetorik verzichten.

The Donnas – Ich liebe sie. Aber wer mag auch keinen Rock’n’Roll?

Feminismus  – das am meisten missverstandene Wort der Welt. Ich hoffe, wir können den Begriff von seinem Stigma befreien und die Liebe, den Postivismus und die Wichtigkeit des Feminismus betonen.

Anarchismus – mehr als Iros und Vandalismus. Es geht darum, gegen das System zu sein und zu erkennen, welche Kontrollsysteme angewndet werden, um uns zu unterdrücken. Mir gefällt Antikapitalismus besser, er schließt den Anarchismus mit ein, ist aber aus meiner Sicht positiver.

SoCal – Heimat! Hier geht so viel… Tausende großartiger Bands. Wir haben eine wunderschöne, vielfältige, unterstützende Szene, die hart arbeitende, offene Musiker hervorbringt.

Berühmte letzte Worte?

Ask questions, be patient with others, smash the patriarchy!

Danke für deine Zeit!

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf Blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc (Archivversion: http://archive.iamhavoc.de/) veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier,

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