Wenn man den Japanischen Kampfhörspielen (im Folgenden JAKA) eines nicht vorwerfen kann, dann, dass sie sich dem Zeitgeist anpassen würden. Das neue Album heißt Verk Ferever, besticht durch eines der hässlichsten und damit schönsten Artworks, das sie im Promozettel liebevoll als „krank und reizüberflutet“ bezeichnen. Da fällt mir ein, eine Unsitte ist es angeblich, aus den Promozetteln zu zitieren. Das sehe ich ähnlich, aber hier mache ich gerne eine Ausnahme, denn es handelt sich nicht um Promosprech sondern FAKTEN:

  • Langes Anti-Spotify-Intro
  • Texte auf gewohnt hohem antiintelektuellen Niveau
  • langes Outro für Dark-Yoga-Anhänger

Das sind nur drei der Fakten, die das Album anpreisen. Die Songs sind jedenfalls genau das richtige für Grindcore-Enthusiasten, die auf kompromisslose Mucke, aber auch auf innovatives Songwriting stehen. So erinnern einige Tracks durch die Mitarbeit von Franscecesco Bucci (Trombone) und Paolo Raineri (Trompete) von der italienischen Jazz -Metal-Band Otto Pesante sogar etwas an Free Jazz im Stile eines John Zorn.  Hier ist vor allem Kapitalismuswohlstandfortschritt zu nennen. Auch das Dark-Yoga-Outro finde ich ziemlich gut, erinnert ein bisschen an Industrial. Dazwischen gibts dann immer wieder kurze Songfragmente wie Befehlsempfänger.

An Gastsängern sind René Hauffe von Pestbeast und Julian Schumertl von Processor dabei.

JAKA präsentieren auf 32:55 Minuten eine dichte Produktion (von Ramon Smith), die ziemlich knallt. Die Songs sind überwiegend kurz und auf den Punkt gebracht, die Texte meist gut verständlich, aber auch im wohlbekannten JAKA-Stil gehalten, pendeln also zwischen gesellschaftskritisch, unsinnig, lustig und tief poetisch (gut, das letzte ist wohl fast gelogen). Titel wie Unangeschnallt den Bullen reingefahren und Kapitalismuswohlstandfortschritt  sprechen wohl Bände.

Am Ende gibts noch einen Bonustrack.

Aber, eines muss man vorwegnehmen, bevor jetzt alle in den Laden rennen, um sich das gute Teil zu kaufen: ein Easy-Listening-Album ist es nicht. Man muss schon einen sehr toleranten Musikgeschmack haben, um jeden Song des Albums zu Feiern und man benötigt vielleicht auch ein ausgeprägtes Humorverständnis, um mit dem Album warm zu werden. Ein sehr launiges, aber auch sehr gutes Album!

01. Sozialisationsschaden
02. Hedonistic Pflichtgefühl
03. Aufgegeben
04. Es klebt
05. Unangeschnallt den Bullen reingefahren
06. Kapitalismuswohlstandfortschritt
07. Befehlsempfänger
08. Im Feierabendverkehr
09. Qualitätssicherung
10. Zufrieden sein
11. Kaputt
12. Keinen Bock mehr
13. Biohack
14. Verk ferever
15. Bonustrack

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc (Archivversion: http://archive.iamhavoc.de/), veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier.

2 Kommentare

  1. Deze album is niet alleen voor kinderen. Het is ook voor vollwassenen!
    Du must das onvoorwaardelijk kopen! En die Texte zijn totaal poetisch en ook filosoofisch en all dat.

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