Vor wenigen Wochen waren La Dispute, anlässlich des Release von Panorama, wieder in den europäischen Clubs unterwegs. Fünf Jahre mussten die Fans auf den Nachfolger von Rooms Of The House warten und wurden letztendlich belohnt.

Vor dem Konzert im Leipziger Conne Island hatte ich die Möglichkeit mit Sänger Jordan Dreyer über das neue Album Panorama zu reden.

„Das Album handelt weniger davon, dass ich irgendeinen Kummer verarbeite, sondern versuche auf diesem Wege jemand anderem zu helfen.“

 

- Werbung -
Stäbruch Festival
La Dispute (Pressebild)

AFL: Hi! Wie gehts dir? 

Jordan Dreyer: Mir gehts großartig! Und dir?

AFL: Ja, danke! Mir auch! Ihr habt 2014 im Rahmen der Release Tour zu Rooms Of The House das letzte Mal im Conne Island gespielt. Nun seid ihr mit einem neuem Album wieder hier. Habt ihr irgendwelche besonderen Erinnerungen an diesen Ort? 

Jordan Dreyer: Ja, wir haben hier schon einige Male gespielt. Es gibt hier einen Raum, an dessen Wänden alle Bands, die hier seit 1991 gespielt haben, verewigt sind. Wir sind die ganzen Bands durchgegangen und haben versucht unseren Namen wiederzufinden. Ich denke, dass die erste Show, die wir hier gespielt haben, gar nicht aufgelistet war. Aber alle Shows, die wir hier gespielt haben waren großartig und wir freuen uns immer wieder hier im Conne Island zu spielen. Ein Freund von uns, welchen wir vor Jahren auf Tour kennengelernt haben, verkauft hier Schallplatten. Es gab hier mal einen Hund, der immer umher lief und mit dem wir uns gut angefreundet haben. Wir haben uns dann immer darauf gefreut diesen Hund wiederzusehen. Aber wie gesagt, die Shows hier waren immer ziemlich gut und wir haben nur schöne Erinnerungen an Leipzig.

AFL: Sehr cool! Ich denke es ist heute euer viertes Mal. Das erste Mal war noch mit Title Fight und Make Do And Mend. Ihr seid ja auch viel auf Tour, aber habt ihr je damit gerechnet so viele Menschen mit eurer Musik zu erreichen? 

Jordan Dreyer: Nein, absolut nicht. Wir waren in der Highschool, als wir begonnen haben Musik zu machen. Damals war ich 16 oder 17 Jahre alt. Ich habe nicht daran geglaubt 15 Jahre später immer noch Musik zu machen, geschweige den außerhalb von Michigan zu spielen. Wir haben lange Zeit aus Spaß darüber nachgedacht unsere Band „In French“ zu nennen, weil wir niemals dachten vor einem Publikum voller Franzosen zu spielen. Aber an und für sich hatten wir nie längerfristige Pläne, das alles ist irgendwie mehr eine nette Überraschung.

Wir haben lange Zeit aus Spaß darüber nachgedacht unsere Band „In French“ zu nennen, weil wir niemals dachten vor einem Publikum voller Franzosen zu spielen.

AFL: Und nun habt ihr mit Panorama euer viertes Album veröffentlicht. Als ich das neue Album zum ersten Mal gehört habe, ist mir ein etwas dunklerer Sound im Vergleich zu Rooms Of The House aufgefallen. Ich hatte das Gefühl, du singst über verschiedene Formen von Ängsten und dem Verlust. Der Protagonist scheint ständig auf der Flucht vor seinen Ängsten zu sein. Er hat den Verlust eines geliebten Menschen nicht verkraftet, doch findet am Ende einen inneren Frieden und kann weiterziehen. Was hat euch dazu gebracht so eine Art von Geschichte zu schreiben?  

Jordan Dreyer: Klar, also wenn es auf diesem Album eine Geschichte gibt, die zu erzählen ist, dann gibt es zwei Hauptfiguren. Einer dieser Figuren wäre ich und die andere, die Person, die mir am nächsten steht, also meine Partnerin. Es geht um ihren Verlust und Schmerz, welchen sie erfahren hat und für mich eher indirekt war. Ich denke in der Zeit zwischen Rooms Of The House und Panorama war dieses Thema für mich allgegenwärtig, weil es mein Leben zuhause sehr bestimmt hat. Wenn du mit jemanden zusammen bist, um den du dich so sehr sorgst, bist du irgendwann in einem dauerhaften Zustand von Empathie. Man macht sich die ganze Zeit Gedanken, wie man ein besserer Partner sein kann und das Leben seiner Partnerin besser machen kann. Also legt man schon besondere Aufmerksamkeit auf die Dinge, die sie erlebt hat und die sie immer noch beschäftigen. Das Album handelt weniger davon, dass ich irgendeinen Kummer verarbeite, sondern versuche auf diesem Wege jemand anderem zu helfen. Also wenn du verstehst was ich meine. Es entstand aus diesem wirklich starkem empathischen Zustand gegenüber dieser Person, weil sie mir sehr wichtig ist.

AFL: Eine wirklich sehr schöne Geschichte und Geste. Mir haben auch die Videos zu Panorama sehr gut gefallen, vor allem das zu Footsteps At The Pond. Meiner Meinung nach ist der Minotaurus die tragische Figur dieser Sage. Seine Geburt ist der Gier von Minos verschuldet, welcher den Minotaurus später in ein Labyrinth sperrte. Ich möchte auch gar nicht zu tief auf die Minotaurus – Sage eingehen. Doch als Theseus mit der Absicht kam den Minotaurus zu töten gab ihm Adriane, welche sich in Theseus verliebt hatte und gleichzeitig Tochter von König Minos war, den Adriane – Faden. Mit seiner Hilfe konnte Theseus den Weg aus dem Labyrinth zurückfinden, nachdem er den Minotaurus getötet hatte. Kann man diese Sage mit dem Konzept von Panorama vergleichen? Und wenn ja, gibt es noch mehr Einflüsse aus der griechischen Mythologie? 

Jordan Dreyer: Ich denke schon, dass man aus dieser Geschichte ein paar allegorische Vergleiche ziehen kann. Aber ehrlich gesagt war bei diesem Album das Besondere, dass wir mehr Arbeit abgegeben haben. Wir haben verschiedene Künstler_Innen ausgewählt, welche für das Artwork und die Videos zuständig waren. Wir wollten ihnen freie Hand bei der Umsetzung lassen. Also sind wir auf die Künstler_Innen zugegangen, haben ihnen den Song vorgestellt und gesagt sie sollen ihr eigenes kreatives Bild von diesem entwerfen. Es gab wenig Gespräche über die Themen, sondern nur ein paar künstlerische Angaben von unserem Bassisten (Adam Vass). Die Ideen und Themen für das Video zu Footsteps At The Pond kamen jedoch hauptsächlich von Daisy, der Künstlerin.

AFL: Nachdem ich das Video zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich sofort gefragt, ob sich dieses mit dem Songtext verbinden lässt. 

Jordan Dreyer: Ja, ich denke an und für sich schon. Ich denke auch, dass es eine gute Betrachtungsweise für dieses Album ist. Es geht auf diesem Album viel um das gegenseitige Sichern, was es für mich ein wenig problematisch macht. Ich bin nicht zwangsweise derjenige, der die Tragödie erfährt, sondern jemand anders braucht Hilfe, um aus einem tiefen Loch zu entkommen.

AFL: Wie der Minotaurus oder Theseus. 

Jordan Dreyer: Ja, genau!

AFL: Das war vor allem meine Interpretation von Panorama und wir haben ja auch schon darüber geredet, was dir dieses Album bedeutet und das die Lyrics autobiographisch sind. Mir ist zudem aufgefallen, dass euer Cover wirklich sehr anders ist im Vergleich zu denen, die ihr vorher veröffentlicht habt. Kannst du mir darüber etwas erzählen? 

Jordan Dreyer: Es ist ein bisschen so, wie ich es vorhin schon gesagt habe. Als wir mit dem Schreiben begonnen haben, hatten wir immer ein großes Whiteboard an dem wir Ideen und Songs aufgeschrieben haben. Es war für uns eine Art Orientierungspunkt. Manchmal hatten wir auch visuelle Vorstellungen und haben Künstler_Innen und Fotografen_Innen, die uns gefallen, aufgeschrieben. Wir haben so versucht einen visuellen Katalog zu gestalten, aus dem wir Ideen ziehen konnten. Dafür war hauptsächlich unser Bassist zuständig. Wir wollten jemanden, der unsere Musik visuell umsetzen kann und haben denjenigen in Victor Mosquera gefunden. Es war ein langer Prozess festzulegen, wer das Album visuell umsetzen sollte. Victor war jemand, der in unseren Augen heraus stach. Wir gaben ihm bei der Gestaltung alle Freiheiten und wollten ihm nicht vorschreiben, in welche Richtung es gehen sollte. Es ist schon komplett anders im Vergleich dazu, wie wir diese Entscheidungen sonst getroffen haben. Wir wollten einfach etwas machen, dass auch für uns untypisch ist.

AFL: Und ihr habt mit Pilgrimage sogar ein Video – Spiel veröffentlicht. Wer hatte die Idee dazu? 

Jordan Dreyer: Der eigentliche Plan, bevor wir am Ende mit dem Video – Spiel angefangen haben, war drei verschiedene Videos von drei verschiedenen Animationskünstlern zu veröffentlichen. Also haben wir drei ausgesucht. Die erste war Sarah (Rose Quartz/ Fulton Street I), die zweite war Daisy (Footsteps At The Pond) und der dritte war ein Künstler aus den Niederlanden. Und irgendwann ergab es sich, dass unser Bassist Adam und unser Manager Kirk, welcher das sechste Mitglied unserer Band und einer unserer besten Freunde ist, sich mit dem Künstler über die Idee austauschten. Sie haben sich dann in Amsterdam getroffen und die Idee eines Musikvideos in etwas interaktives verändert. Ich bin mir nicht sicher, wer die Idee nun als erstes hatte, aber irgendwie kam am Ende das dabei raus.

AFL: Es ist auf jeden Fall etwas, dass ich zuvor noch nicht gesehen habe. 

Jordan Dreyer: Ja, es macht auch wirklich Spaß etwas anderes zu machen. Ich hatte zwar nur wenig damit zu tun, aber es hat Spaß gemacht zu sehen, was am Ende bei rausgekommen ist. Vor allem auch die ganzen Beta – Versionen spielen zu können.

AFL: Klingt auf jeden Fall nach einer Menge Spaß. Das waren tatsächlich auch schon alle Fragen, die ich zu Panorama vorbereitet habe. Als Fan interessiert mich jedoch noch eine Sachen. Im letzten Jahr wurde euer Debüt – Album Somewhere At The Bottom Of The River Between Vega And Altair zehn Jahre alt. Als ich das Album zum ersten Mal gehört habe war ich gerade einmal 15 Jahre alt und es hat mich wirklich sehr geprägt. Deshalb würde ich sehr gerne wissen, wieviel dieses Album dir heute noch bedeutet? 

Jordan Dreyer: Es war sehr interessant an diesem Punkt meines Lebens ein Album zu veröffentlichen. Ich denke es gibt schon eine Art von Druck von außen, inwiefern man selber mit der Welt interagiert und emotional wahrnimmt. Auf der anderen Seite ist es interessant elf Jahre nach Veröffentlichung des Albums darüber nachzudenken. Also die Dinge, über die ich geschrieben habe oder die wir im Studio gemacht haben. Einfach Dinge, die wir heute vielleicht nicht mehr so machen würden. Es geht auch ein wenig auf deine erste Frage zurück. Ich meine, wo wären wir ohne dieses Album? Vielleicht hätten wir unsere Heimat nie verlassen, wären nie von Küste zu Küste in den USA gereist oder nach Europa gekommen. Es war der Antrieb für diese Band und hat uns geholfen weiterzumachen. Damals haben wir uns noch viele Gedanken darüber gemacht, was andere von uns denken, doch umso älter wir wurden, umso mehr haben wir individuell erkannt wie wichtig dieses Album für uns ist. Wir spielen auch immer noch Songs von diesem Album und es ist großartig ein Publikum zu haben, dass sich mit diesen Songs verbindet.

AFL: Ja, ich freue mich auch schon sehr ein paar der Songs heute Abende live zu hören. Das war es auch von mir und wenn du keine letzten Worte hast, bedanke ich mich für das Interview. 

Jordan Dreyer: Danke und es hat mir Spaß gemacht mit dir zu reden!

- Werbung -
Demons Run Amok

Beitrag kommentieren

Bitte gebe dein Kommentar ein
Bitte gebe dein Name ein