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WTF Records

LAK, das steht für Lust auf Kunst, haben vor kurzem ihr sechstes Album Ziel Unbekannt veröffentlicht. Neben gewohntem Sound der Band, wozu ihr hier das Review lesen könnt, hat sich die Band von einem Trio zu einem Quartett vergrößert. Wir haben uns vor dem Millerntor-Stadion getroffen und ein wenig über die Platte, Punkrock und die Zeit sinniert.

AFL: Erstmal herzlichen Glückwunsch zu eurer neuen Platte und schön, dass ihr Zeit gefunden habt, um etwas zu plaudern.

Maxi: Hallo und vielen Dank. Wir sind richtig glücklich mit der neuen Scheibe und da spricht man dann natürlich sehr gerne drüber.

Antifaschismus sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

AFL: Euch gibt es nun schon seit über zwei Jahrzehnten, bald habt ihr schon 25-Jähriges und wart zumindest offiziell immer nur als Trio unterwegs. Jetzt mit dieser Veröffentlichung habt ihr euch Phil als zweiten Gitarristen ins Boot geholt. Lag es am Alter, Eiler, dass nicht mehr der schnelle Punkrock gespielt werden konnte oder wolltet ihr einfach fetter klingen?

Eiler: Wir hatten schon seit einigen Jahren mit einer zweiten Gitarre geliebäugelt. Nur als Dreier-Gespann, dass schon seit Jahren so unterwegs ist, ist es uns immer schwergefallen, jemand passendes zu finden. Und Phil kenne ich bereits einige Jahre. Menschlich passt es auch super und in unserem Video zu Roboter war er ja ebenfalls schon zu sehen. Letztlich kam dann eins zum anderen. Und klar, Live klingt alles mit einer zweiten Gitarre fetter. Mit dem Alter hatte dies eher weniger zu tun.

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Phil: Mit Sänger Eiler bin ich schon ein paar Tage befreundet und er hatte des Öfteren gesagt und darüber nachgedacht eine 2. Gitarre ins Boot zu holen damit der Sound live fetter klingt. Tatsächlich kam er nach einem Konzert auf mich zu und fragte mich ob ich Bock hätte. Eigentlich antwortetet ich, dass ich nicht wüsste, ob ich noch eine Band zusätzlich unter den Hut bekomme. Aber gut, irgendwie ist die Antwort ein wenig untergegangen und auf einmal war ich dabei und senkte den Altersdurchschnitt enorm. (lacht)

AFL: Phil, dann hast du bestimmt auch seit deiner Jugend LAK gehört und hast schon Musik gemacht?

Phil: Genau. Wir kommen ja alle aus derselben Gegend, da hört man sich die Musik natürlich an und geht auf Konzerte oder spielt gemeinsame Konzerte. Damals mit meiner alten Deutschpunk-Band und zuletzt mit meiner Hardcore/Trash Band Dead Fuckin Sunday.

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AFL: Ziel unbekannt ist nun bereits auf CD und digital veröffentlicht worden. Die Vinyl kommt erst in ein paar Wochen. Warum habt ihr euch dazu entschieden, das Album noch vor dem Vinyl zu veröffentlichen?

Maxi: Ganz ehrlich, wir wollten einfach nicht mehr so lange warten und die neuen Songs endlich unter die Leute bringen. Die CD Bestellungen sind auch besser als erwartet und die Vorbestellungen für Vinyl laufen ebenfalls sehr gut. Das farbige Vinyl ist bereits vollständig vergriffen und das schwarze Vinyl geht auch gut weg.

Aber das ganze Leben ist nun mal politisch und so wird auch in eher persönlichen Texten unser politischer Standpunkt klar, finde ich zumindest.

AFL: Sehr erfrischend ist auch, dass auf der Platte kein „Pandemiesong“ vorhanden ist. Zwakkelmann hat auf seinem sehr guten Album zwei Songs, die die Pandemie mehr oder weniger behandeln, Outsiders Joy ebenso, nur um einige zu nennen.

Frank: Genau deswegen. Da mussten wir jetzt nicht noch einen Song über die Situation schreiben. Klar hat uns das alles genervt. Aber wenn so viele da was drüber schreiben, dann müssen wir das nicht auch noch machen. Das verhält sich wie bei den ganzen Anti-Nazi-Songs. Wenn 100 Bands so einen Song veröffentlichen, dann brauchen wir das nicht auch noch. Unser Standpunkt bezüglich Nazis ist zu 100% klar. Antifaschismus sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Eiler: Ich glaube auch kaum, dass die Welt noch einen 2ten FuckidiFuck Song braucht. (lacht) Trotzdem hat die Pandemie das Album irgendwie beeinflusst. Ich Muss Hier Raus könnte im weitesten Sinne als ein solcher Track wahrgenommen werden. Zudem war man in den letzten zwei Jahren sehr viel zu Hause und hatte viel Zeit über sich und die Welt nachzudenken, zu reflektieren. Das spiegelt sich auf dem Album dann doch wider.

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AFL: Dem stimme ich auf jeden Fall zu. Es wird viel über das Leben resümiert, wo kommt man her, wo ist man, wo will man hin. Ich würde sagen, dass Ziel unbekannt euer bisher persönlichstes, aber gleichzeitig auch ein stückweit euer unpolitischstes Album ist. Stimmt ihr mir zu?

Maxi: Nicht ganz. Sicher ist auf der Platte kein Song mit explizit politischen Parolen. Aber das ganze Leben ist nun mal politisch und so wird auch in eher persönlichen Texten unser politischer Standpunkt klar. Finde ich zumindest.

Punk wird immer alles dürfen.

AFL: Gerade mit dem letzten Song ‚Solange Die Sonne Noch Scheint‘ merkt man, dass es eine Bestandsaufnahme ist, wo es mit sich selbst, der Band und dem Leben noch so hin geht.

Frank: Ja, das kann man so sagen. Man steht zu dem, was man bislang gemacht hat und steht zu den Dingen, welche man noch machen wird. Auch wenn nicht alles richtig war, gehört es zu mir und solange ich ehrlich zu mir selbst bin, kann ich damit gut leben.

AFL: Wie hat sich generell der Prozess die Arbeitsweise oder Herangehensweise bei euren Veröffentlichungen über die gesamte Lebensdauer von LAK entwickelt? Gab es da Fortschritte oder auch Rückschritte?

LAK – Ziel Unbekannt

Eiler: Schwer zu sagen. Natürlich hören wir uns nicht mehr so an, wie damals zu unseren Anfangszeiten Mitte der 90er. Damals wusste doch auch keiner von uns, wie man ein Instrument richtig spielt. Wobei, das trifft heute teilweise immer noch zu. (lacht) Wir haben uns auch niemals Gedanken gemacht, wie L.A.K. soundtechnisch klingen sollte. Das hat sich über die Jahre einfach entwickelt. Und natürlich hatten auch immer wieder besondere Menschen an unserer Seite, wie z.B. Kurt Ebelhäuser, bei dem wir unsere letzten beiden Alben aufgenommen hatten, Einfluss auf unseren Sound.

Maxi: Ich bin mir nicht sicher, ob man es Fortschritt oder Rückschritt nennen kann, aber da hat sich natürlich einiges verändert. Zu Anfangszeiten haben wir uns jede Woche getroffen und geprobt. Da entsteht ein Album fast von alleine. Mittlerweile sind regelmäßige Treffen fast unmöglich und wir gehen schon etwas konzentrierter und zielgerichteter ans Proben (und ans Biertrinken).

Ich hoffe es zumindest, denn „Deutschland braucht Deutschpunk“ mehr als je zuvor.

AFL: Was ist Punkrock für euch? Mit „Mehr als Musik“ habt ihr die deutschsprachige Punkhymne schlechthin geschaffen, die für mich bis heute unerreicht bleibt.

Frank: Ich finde es gibt keine Definition von Punkrock. Jede*r definiert das anders. Ich sag das immer gerne mit den Worten einer guten Band: Punk wird immer alles dürfen. Damit ist alles gesagt.

AFL: Welche Bands haben euch als Band beeinflusst oder beeinflussen euch heute noch?

Frank: Das ist ganz unterschiedlich. Maxi und ich hören hauptsächlich deutschsprachigen Punk, Eiler eher englischsprachigen Punk. Wenn man Bands nennen müsste, dann könnte man Slime, Social Distortion oder Rancid aufführen. Wahrscheinlich wurde L.A.K. von diesen Bands auch in irgendeiner Weise beeinflusst. Wer weiß.

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AFL: Ist Punk tot?

Frank: Punk ist meiner Meinung nach nicht tot. Viele alte Leute sind immer noch dabei, was mich wirklich sehr freut. Aber junge Menschen kommen leider wirklich nicht mehr so viele nach. Zumindest kommt mir das so vor. Das macht mich schon ein wenig traurig, dass die Jugend aktuell eher andere Subkulturen bevorzugt. Die Konzerte, welche wir spielen oder welche ich besuche sind aber nichtsdestotrotz immer noch gut besucht, auch wenn oft der ganz junge Nachwuchs fehlt.

Maxi: Die letzten zwei Jahre haben diesen Rücklauf in der Szene wahrscheinlich zusätzlich noch beschleunigt. Trotzdem ist was Konzerte und Festivals angeht, da immer noch Leben drin. Kann aber ja auch sein, dass sich die Szene in den nächsten Jahren jetzt nach der Pandemie wieder erholt. Ich hoffe es zumindest, denn „Deutschland braucht Deutschpunk“ mehr als je zuvor.

Das Ganze war im Nachhinein betrachtet schon vollkommen verrückt und dass wir da nicht aus dem Hotel geflogen sind, grenzte an ein Wunder.

AFL: Lasst uns das Gespräch mal mit einer positiven Note beenden. In der Zeit in der es LAK schon gibt, habt ihr da vielleicht eine lustige Tourgeschichte, die ihr mit uns teilen möchtet?

Frank: Puh. Bei weit über 300 gespielten Konzerten sind so viele Sachen passiert. Schwierig da was raus zu picken. Auf jeden Fall lachen wir heute noch gerne über die Story, als wir Anfang der 2000er nach einem Gig in Österreich total besoffen nackt durchs Hotel gerannt sind und uns gegenseitig mit unseren Nietengürteln die Ärsche versohlt haben. Frag bitte nicht nach dem Warum. Das Witzige dabei war allerdings, dass sich nach einer Weile auch einige normale Hotelgäste uns angeschlossen hatten und ebenfalls nackt durchs Hotel rannten. Das Ganze war im Nachhinein betrachtet schon vollkommen verrückt und dass wir da nicht aus dem Hotel geflogen sind, grenzte an ein Wunder.

AFL: Habt ihr ansonsten noch letzte Worte?

Eiler: Erstmal vielen Dank fürs Interview. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass AFL uns hier eine Plattform bietet, über uns als Band und unsere neue Platte Ziel unbekannt zu plaudern. Das ist nicht immer selbstverständlich. Und dann wollen wir noch darauf hinweisen, dass die Vinyl-Version Stand jetzt pünktlich im September rauskommen wird. Davor wird es noch 1-2 weitere neue Videos geben, auch dieses Mal wieder ganz D.I.Y. und ganz ohne staatliche Förderung.

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