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Lydia Lunch & Cypress Grove: Under the Covers ::: Review (2017)

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Lydia Lunch ist eine Underground-Punk-Koryphäe, die bereits seit 1977 ihr Unwesen treibt. Diverse Soloprojekte, Zusammenarbeit mit Bands wie The Birthday Party, Einstürzende Neubauten, Sonic Youth und Die Haut, dazu als Dichterin und Schauspielerin aktiv, eine Legende eben. Für ihr neues Album Under the Covers tat sie sich mit dem nicht minder legendären Alternative-Folk- und Blues-Gitarristen Cypress Grove zusammen. Bereits 1992 hatten die beiden das Album Fistful of Desert Blues veröffentlicht und auch 2014 hatten die beiden schon zusammen gewirkt, damals an einer Split-Scheibe mit Spiritual Front.

Wie der Titel Under the Covers andeutet, handelt es sich bei dem am 30. Juni 2017 über Rustblade veröffentlichten Album um eine Coverplatte. Aber keine Sorge, originalgetreu wird hier nichts nachgespielt. Wer sich an die Smells Like Teen Spirit-Version von Tori Amos (zur Sicherheit hier nochmal nachgucken) erinnert, weiß, wie Coverversionen verfremdet werden können. Und wer mit Lydia Lunchs No-Wave-Stil vertraut ist, weiß auch, wie kaputt eine solche Coverversion klingen kann. Übrigens hatten wir gerade am Sonntag ein Special dazu. Und seien wir ehrlich, dies ist ein Punk-Zine und kaputt heißt erstmal geil. Bereits 2015 brillierten die beiden schon mal mit einer kaputten Coverversion von Hotel California, einen Song der im Radio so totgenudelt wurde, dass es nur einer Ausnahmekünstlerin wie Lydia gelingen konnte, dem Song neues Leben einzuhauchen.

Das Lied ist allerdings nicht hier enthalten. Stattdessen versuchen sich die beiden hier an Werken von den musikalisch zumindest fast passenden Tom Petty und Elvis Costello, aber auch an Jon Bon Jovi. Das Album beginnt schon einmal mit einer eher ungewöhnlichen Wahl, die für Lunch aber passend erscheint: Bobby Gentrys Ode to Billie Joe ist ein Southern-Gothic-Klassiker, eine Country-Hymne, die von Liebe, Tod, Abtreibung und Selbstmord handelt. Es folgt Tom Pettys Breakdown, das nah am Original bleibt, etwas langsamer und gedehnter.
A Thousand Miles of Bad Road von Aaron Lee Tasjan dürfte das frischste Lied vom Album sein, erschien es doch erst 2015 auf dem We Make Peace Benefit Album .

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Anschließend folgt das meines Erachtens beste Lied des Albums, eine Version des Songs Blaze of Glory von Mädchenschwarm Jon Bon Jovi. Eigentlich der einzige erträgliche Song, den der Typ je auf die Menschheit losgelassen hat. Jedenfalls erkennt man das Lied kaum wieder und das ist auch gut so. Nachspielen kann jeder.

Red, White and Pink Slip Blues stammt von hank Williams Jr., dessen bester Beitrag zur Musikgeschichte sicherlich sein Sohn Hank Williams III ist. Midnight Rider ist ein Southern-Rock-Klassiker von der Allman Brothers Band. Ihr Urheber Gregg Allman starb übrigens im Mai diesen Jahres und war mal mit Cher verheiratet. The Spy stammt vom letzten Doors-Album Morrison Hotel. Elvis Costellos I Want You ist dann wiederum eine erwartbare Coverversion, hat Elvis Costello doch einen ähnlichen Status wie Lunch, ein streitbarer, wenn auch kommerziell erfolgreicherer Künstler aus dem Umfeld der Punk-Bewegung.

Nummer 9 dagegen ist eine Coverversion ihres eigenen Songs Won’t Leave You Alone, den sie zusammen mit James Johnston geschrieben hat. Hier ändert sie das Genre von Blues zu Folk-Rock. Do It Again von Steely Dan und Low, ein Alternative-Rock-Hit von Cracker runden die Scheibe ab. Alle Lieder sind spärlich instrumentiert, langsamer gespielt als die Originale und haben so ihren eigenen, unverwechselbaren Reiz.

Fazit: Starkes Album zweier Ausnahmekünstler.

Hier noch einmal die Trackliste mit Songwriterangaben:
1. Ode To Billie Joe (Bobbie Gentry)
2. Breakdown (Tom Petty)
3. A Thousand Miles Of Bad Road (Aaron Lee Tasjan)
4. Blaze of Glory (Jon Bon Jovi)
5. Red, White and Pink Slip Blues (Bud Tower, Mark Stephen Jones)
6. Midnight Rider (Gregg Allman, Robert Payne)
7. The Spy (Jim Morrison)
8. I Want You (Elvis Costello)
9. Won’t Leave You Alone (James Johnston, Lydia Lunch)
10. Do It Again (Donald Fagen, Walter Becker)
11. Low (Davey Faragher, David Lowery, Johnny Hickman)

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