Die letzte Ausgabe unserer Rubrik Mein Label ist bereits ein paar Monde her, umso dringender wird es Zeit dieser Rubrik wieder etwas Leben einzuhauchen, denn was brauchen wir in diesen Zeiten dringender als Musik?

Denn mit dieser Rubrik wollen wir euch Labels und allen voran die Personen dahinter näher vorstellen. Diese sind schließlich dafür verantwortlich, dass wir überhaupt noch physische Tonträger von unseren geliebten Bands zu hören bekommen. Darüber hinaus unterstützen diese auch zunächst kaum bekannt erscheinende Bands dabei, ihre Musik uns zugänglich zu machen. Nicht zuletzt das ist es ja auch, was unsere Szene zusammenhält und besonders macht!

Zum Anlass dieser „Wiederbelebung“ nehmen wir das 15 jährige Label-Jubiläum, dass das UK-Indie-Label Hassle Records in diesem Jahr feiern darf. So sprachen wir mit Mitbegründer Wez über die Vergangenheit, Gegenwart und auch Zukunft seines kleinen Babys!

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Für mich war da sofort klar, dass ich nicht für einen Haufen beschissener Bands arbeiten wollte die ich nicht mag. Darum entschloss ich mich […] ein eigenes Label zu starten.

 

AFL: Hey…zu Beginn möchte ich euch erst einmal zu eurem Jubiläum beglückwünschen. 15 Jahre Hassle Records, wenn das mal nichts ist! Aber stelle dich und dein Label doch erst einmal kurz vor!

Wez

WH: Vielen lieben Dank! Ja, ich bin Wez Hassle und halte zusammen mit Mease das Label Hassle am laufen. Ich selbst befinde mich fast schon mein ganzes Leben in der Musikindustrie, aber eigentlich ging es mit 13 los, als ich begann in Bands zu spielen. Das tat ich bis ungefähr 20. Dann fing ich an in Plattenläden zu arbeiten und wurde Vertriebler bei Rough Trade Sales and Marketing UK. Ich wechselte dann zu einem Österreichischen Indie-Label namens Mushroom Records und arbeitete in ihrem Büro in London. Das lief auch echt gut und wir veröffentlichten Sachen von Garbage, Muse, Ash und vielen weiteren großartigen Bands.

AFL: Und wie kam es dann dazu, dass du Hassle vor 15 Jahren gegründet hast?

Mease

WH: Mushroom wurde leider vom Besitzer an ein Major verkauft…was in dem Fall Warner war. Für mich war da sofort klar, dass ich nicht für einen Haufen beschissener Bands arbeiten wollte die ich nicht mag. Darum entschloss ich mich mit einem meiner Kollegen von Mushroom Nigel Adams ein eigenes Label zu starten. Ja und wir arbeiten auch immer noch zusammen bei Hassle und dem kleineren Indie-Label Full Time Hobby.

AFL: Eure musikalische Ausrichtung liegt irgendwo zwischen Post-Hardcore, Indie-Punk und Hardcore. Wo liegen denn deine musikalischen Wurzeln?

WH: Ich wuchs im nordosten von England in einer Zeit auf, in der die New Wave of British Heavy Metal gerade richtig am rollen war. Wenn du damals ein Typ warst, dann warst du entweder NWOBHM, New Wave oder eben ein Mod. Ich liebte viele NWOBHM-Bands und Bands wie Motorhead, AC/DC und war natürlich auch besessen von KISS. Das führte in den 80ern dann zu Rock, Metal und Hardcore und in den 90ern zu Grunge. Grundsätzlich kann man wohl schwere Gitarrenbands als größten Einfluss nennen.

AFL: Wie findet ihr denn neue Bands bzw. Wir kommt ihr mit ihnen in den Kontakt?

WH: Das passiert auf die verschiedensten Arten und Wegen. Wir haben viele Freunde und Kontakte die uns immer wieder Bands empfehlen. Halt Personen deren musikalischen Urteil wir voll vertrauen. Wir sind zum Beispiel auf Casey aufmerksam geworden, weil eine Freundin das Studio geleitet hat, in dem sie ihre ersten Songs gemacht haben. Sie hat mich dann einfach angerufen und mir gesagt, dass ich mir die unbedingt einmal anschauen bzw. anhören muss. Bei den Petrol Girls war es dann so, dass ein Freund sie live gesehen hat und mir daraufhin mitgeteilt hat, dass er die neuen RATM gesehen. Wir treiben usn aber natürlich auch in Blogs rum oder hören in verschiedenste Radiostationen rein.
Mease hat zum Beispiel Press Club auf Triple J (ein großer Österreichischer Sender) gehört und hat sie daraufhin angerufen und Phoslaw werden wiederum von Ryan gemanagt, der ja mal bei Funeral For A Friend getrommelt hat, den wir wierum kennen, weil wir die vor 15 Jahren mal signen wollten. So sieht man, eigentlich läuft alles über Kontakte.

AFL: Ihr habt Hassle, über die letzten 15 Jahre hinweg, zu einem sehr einflussreichen Indie-Label gemacht. Was denkst du, war das Können oder vielleicht auch einfach Glück?

WH: Das hören wir natürlich immer gerne und da lohnt sich auch die ganze harte Arbeit. Dennoch ist es vielleicht sowohl Glück als auch Fleiß? Denn es steckte und steckt bei uns ja kein großer Plan dahinter. Wir arbeiten, signen Bands und Leute die wir mögen…viel mehr eigentlich nicht. Das Leben ist schließlich zu kurz, um mit Menschen zu arbeiten, mit denen man nicht klar kommt. Und durch diese Politik haben wir das Label etabliert, das wir heute haben. Wir gehen auch immer ehrlich mit Menschen um und hoffen, dass sie so viel von dem Bullshit der Musikindustrie gar nicht erst mitbekommen, der da draußen ist.

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AFL: Wolt ihr mit eurem Label eigentlich auch eine besondere Message verbreiten, also steht Hassle für euch auch für bestimmte Werte in der Gesellschaft?

WH: Ich habe das gerade in der letzten Frage erwähnt. Als wir Hassle und Full Time Hobby (unser Indie-Label, das Nigel und Charlie führen) gründeten, sahen wir uns an und sagten: „Lasst uns nicht wie viele Leute in dieser Branche sein. Versuchen wir, das Richtige zu tun und ehrlich zu sein.“ Wenn wir den Menschen gegenüber anständig sind, werden sie es hoffentlich auch zu uns sein. Somit würde ich sagen wir stehen für Fairness.

AFL: Wie feiert ihr denn euer Jubiläum? Ist da irgendwas geplant? Spezielle Re-Releases oder so?

WH: Wegen Covid wird es keine große Feier geben, oder? Wir haben 15 unserer Veröffentlichungen auf Vinyl aus den letzten 15 Jahren neu aufgelegt. Von unserer ersten Veröffentlichung auf Vinyl (Juliette Lewis – Like A Bolt of Lightning) über We Are The Ocean und Trash Talk bis zu aktuellen Künstlern wie Brutus und Petrol Girls. Alle Neuauflagen sind in speziellen Halb- und Halbfarben erhältlich. Zudem sind in den Innentaschen alle unsere Veröffentlichungen aufgeführt. Wir haben Shows in Großbritannien und Deutschland geplant, aber wie wir alle wissen, hat der Virus uns dahingehend erst einmal gestopt.

AFL: Und da wären wir ja auch schon beim Virus. Was glaubst du ist derzeit die größte Herausforderung für Indie-Labels?

Da gibt es einige Herausforderungen. Erstens ist es für neue Bands ohne Tour sehr schwierig, bemerkt zu werden. Für manche ist es sogar schwierig zusammenzukommen, Songs zu schreiben und aufzunehmen. Wir hatten mehrere Veröffentlichungen, die über ein Jahr in das Jahr 2022 verschoben wurden. Für die etablierteren Bands ist es schwer, weil sie sich möglicherweise auf das Live-Geschäft verlassen mussten, um Einkommen zu erzielen und natürlich gibt es weniger Merch-Verkäufe.
Und ein Problem, mit dem wir alle konfrontiert sind, ist der psychische Gesundheitsdruck, mit dem uns die Pandemie konfrontiert ist. Einige Bands sind buchstäblich in eine Depression gefallen, da sie nicht spielen und nicht aufnehmen können. Es ist sehr schwierig.

AFL: Es gab in den letzten 15 Jahren ja neben Höhen bestimmt auch Tiefen. Welche Höhen und Tiefen gab es da so bei euch?

WH: Der tiefste Punkt war, als die digitale Piraterie uns vor ungefähr 15 Jahren wirklich hart traf. Wir hatten gerade angefangen und dann kam das. Es sah zwischenzeitlich wirklich schlecht aus. Apple kam dann und half ein bisschen und jetzt Spotify.
Und das neue Interesse an Vinyl ist natürlich wirklich gut für uns.
Es gibt viele Höhen, die Arbeit mit einem großen Hollywoodstar wie Juliette Lewis zum Beispiel hat viel Spaß gemacht. Sie ist eine großartige Person. Arbeiten mit Frank Iero von My Chemical Romance oder auch mit Bands wie Alexisonfire, Cancer Bats und We Are The Ocean. Das alles sind Hochs und jetzt haben wir eine Menge neuer Bands wie Brutus, Press Club, Petrol Girls und Phoxjaw, was auch einfach nur toll ist.

AFL: Du hast jetzt eine Menge Bands genannt. Gibt es denn auch noch Bands, mit denen du unbedingt noch einmal arbeiten möchtest?

WH: Ich würde es leiben mit Bands wie Clutch, Kvelertak, All Them Witches oder Marmozets zusammen zu arbeiten. Darüber hinaus gibt es aber auch noch eine Vielzahl an Bands und großartige Künstler, für die wir noch nicht arbeiten, es aber lieben würden zu tun.

AFL: Und wenn du dir ein Album aus der Vergangenheit aussuchen könntest, welches bei Hassle erschienen wäre, welches wäre das dann?

WH: Definitiv das erste Album von Rage Against The Machine. Das ist einfach in jedem Moment perfekt.

AFL: Aber leider wird das ja nichts mehr. Aber auf welches Release aus der Vergangenheit bist du denn besonders stolz?

WH: Nun, wir sind wirklich auf jedes Release stolz, aber wenn ich eines nennen würde, dann wäre es das erste Lonely The Brave Album – The Days War. Das sticht da noch einmal heraus, denn als ich die Band zum ersten Mal, in einem kleinen Pub an einem Dienstag Abend, live gesehen habe, wusste ich bereits nach dem ersten Lied, dass ich mit denen unbedingt arbeiten muss. Der Gesang von Daniel Jakes war einfach unglaublich und dieser Sound. Leider hatte David immer Angstprobleme und hasste es, live zu singen. Sogar als 2000 Leute ihn anfeuerten. Also verließ er die Band…das erste Album ist für mich einfach ziemlich perfekt.

AFL: Du hast ja am Anfang gesagt, dass du in Bands gespielt hast bis du zwanzig warst. Du spielst also gar nicht mehr in Bands?

WH: Nein, nicht mehr. Ich habe es aber wirklich geliebt. Als ich 18 war hat im Juni 1984 diese kleine US-Band namens Guns´n´Roses drei Shows im Marquee in London gespielt. Das war ein kleiner 400er Club und wir durften sie an zwei Abenden eröffnen. Wir wussten damals natürlich nicht, dass sie einmal eine der größten Bands der Welt werden würden.

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AFL: “Ohne Indie-Labels würde Hardcore und Punk aussterben”, würdest du dem zustimmen?

WH: Hardcore und Punk würden wohl nicht sterben, aber sicherlich nicht so exponiert fortbestehen wie mit Hilfe von Indie-Labels. Indie-Labels tun das, was sie tun, aus einem anderen Grund als die größeren Unternehmen wie die Majors.

AFL: Was macht, deiner Meinung nach, ein gutes Label aus?

WH: Ehrlichkeit und gute Organisationsfähigkeiten.

AFL: Und was steht bei euch so in der Zukunft an? Kommen irgendwelche bestimmten Releases?

WH: Wir haben tatsächlich viele Pläne. So haben wir begonnen mit Madmess aus Portugal zusammen zu arbeiten. Das ist eine instrumentale Stoner-Band, mit einem echt großen Sound. Dann steht das zweite Album von Phoxjaw und Stake sowie das dritte Album von den Petrol Girls, Brutus und Press Club ins haus.
Zudem haben wir auch ein Re-issue Label namens Hassle Hindsight gegründet, das Alben von Bands aus früheren Jahren veröffentlicht, die wir lieben. Als erstes haben wir darunter Reef / Replenish und die beiden Alben von Kerbdog veröffentlicht. Als nächstes folgt dann noch Roots Rock Riot von Skindred, das zum ersten Mal auf Vinyl erscheinen wird.

AFL: Vielen lieben Dank für deine Zeit und alles Gute für euch und euer Label. Hast du noch ein paar letzte Worte für unsere Leser?

WH: We thank you as well! Thanks to the readers for supporting independent music and artists.

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