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Pirate Press Records

In unserer neugegründeten Rubrik Mein Label! stellen wir euch Labels und allen voran die Personen dahinter näher vor.
Diese sind schließlich dafür verantwortlich, dass wir überhaupt noch physische Tonträger von unseren geliebten Bands zu hören bekommen. Darüber hinaus unterstützen sie natürlich auch kaum bekannt erscheinenden Bands dabei, ihre Musik uns erst zugänglich zu machen. Nicht zuletzt das ist es ja auch, was unsere Szene zusammen hält und besonders macht!

Nachdem wir bereits mit Subkultura Records und Demons Run Amok die erste Runde gedreht hatten, geht es nun mit Fratz von HULK RÄCKORZ fröhlich weiter, im Label-Karussell.

„Mir würde es gut gefallen, wenn Leute wieder mehr auf kleine Konzerte gehen und Platten von unbekannteren  Bands direkt bei denen kaufen, um sie zu unterstützen.“

 

AFL: Moin Fratz…schön, dass es mit dem Interview klappt und wir heute auch mal etwas mehr über dich und dein Label HULK RÄCKORZ erfahren dürfen.
Zu Beginn wäre es  nun klasse, wenn du dich und dein Label vielleicht erst einmal kurz vorstellen könntest.
Was mich hier besonders interessiert…stimmt es, dass Hulk nicht nur das Hauslabel von WIZO ist, sondern Axel und seine Mannen seinerzeit auch aktiv an der Gründung mit beteiligt waren?

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AWAY FROM LIFE Streets

Fratz: Ich betreibe das Label Hulk Räckorz seit 1990. Mitte der 80er fing ich an, mich aktiv in die Süddeutschen Punkrockszene einzubringen: ich organisierte Punk-Konzerte in der Gegend um Donauwörth herum und kaufte DIY-Platten von Bands, um diese dann auf diversen Konzerten weiterzuverkaufen. Ich behielt natürlich immer ein Exemplar davon für meine Mühen.
Das ganze nannte sich damals Hulk ConnAction. Da kopierte und verschickte ich alle paar Monate Din-A-4-Listen was es alles an Platten, Tapes und Fanzines so bei mir zu kaufen gab und stand jedes Wochenende mit meinen Plattenkisten auf irgendwelchen Konzerten. Zu der Zeit hatte ich auch noch eine Band Wahnwitz für die ich auch die Konzerte organisierte.

Ende der 80er Jahre lernte ich in Berlin die Schwester von Axel Kurth kennen. Durch sie kam ich an Axel, der mir seine Songs auf der Akku-Klampfe vorspielte und mir die Demo-Aufnahmen zum Du, wir können doch gute Freunde bleiben-Tape vorspielte.
Ich war davon sofort begeistert und bot meine Hilfe an. Ich verkaufte erstmal einige hundert Exemplare der Demo-Tapes und fing an Konzerte für WIZO zu organisieren.
Die erste Deutschland-Tour buchte ich 1990 mit der Du, wie können doch gute Freunde bleiben Demo-Kassette, mit am Start waren die Olsen Bande und die Boxhamsters, die auch gerade ihre erste Platte raushatten.
Irgendwann merkten wir, dass es leichter wäre Konzerte zu bekommen, wenn man eine Platte hätte. Da wir aber keinen Bock hatten, die Kontrolle aus der Hand zu geben, gründete ich kurzerhand das Label Hulk Räckorz.
Ich kratzte mein ganzes Geld zusammen, um die erste 7“ von WIZO, Klebstoff, pressen zu lassen. Danach lieh ich mir Geld von meinem Bruder, um die Für’n Arsch-LP finanzieren zu können.

Als dann Anfang der 90er die CD Einzug in den Punkrock hielt und jeder die CD mit Bonus-Tracks aufwertete, packten wir direkt ein ganzes Album Für’n Arsch als Bonus auf die Bleib Tapfer-CD
Irgendwann suchte ich mir einen Großvertrieb (Semaphore), der die Platten auch in die Geschäfte brachte. Jedoch war es mir persönlich immer wichtig

Neben WIZO gesellten sich auch immer so 2-3 andere aktive Bands zu Hulk Räckorz, wie z.B. The Lost Lyrics, Swoons, Toxic Walls, Rock’n’Roll Stormtroopers, The Savants aber auch internationale Sachen wie Aurora aus Ungarn oder Troublemakers aus Schweden.
Mir war es dabei immer am wichtigsten, dass ich die Leute sehr gut leiden kann und mir musste die Musik natürlich auch noch gefallen.  Nicht ganz uneigennützig benutzte ich das Label auch immer dazu Veröffentlichungen von den Bands zu machen, in denen ich gerade mitspielte wie z.B Use To Abuse, Rockwohl Degowski oder derzeit Outsiders Joy.

AFL: Wem oder welcher Bierseligkeit haben wir eigentlich den Namen deines Labels zu verdanken? Gibt es auch da eine Geschichte zu oder bist du morgens einfach aufgewacht und hattest diesen Namen im Kopf?

Fratz: Naja – den großen grüne Hulk fand ich irgendwie cool – wollte den dann eindeutschen und so kam es nach der Hulk ConnAction zu Hulk Räckorz.

AFL: WIZO selbst hatte ja auch schon ein paar Besetzungswechsel bzw. -engpässe. Hattest du mal daran gedacht selbst ein Instrument zu erlernen und da einzusteigen oder wolltest du immer schon lieber etwas mehr im Hintergrund stehen?

Fratz: Äh – bei WIZO wollte ich nie mitspielen und ich glaub Axel wollte das auch nie.

Bereits Anfang der 80er hab ich angefangen, Gitarre zu lernen und mir später dann auch Schlagzeug und Bass beigebracht.
Ich hab auch schon in zig Bands gespielt und war auch mit vielen Bands immer unterwegs als Schlagzeuger oder Bassist, wie z.B. bei Rasta Knast oder Sonny Vincent und spiele aktuell auch wieder in 2 Bands. Jedoch macht mir der Büro-Job und die Arbeit hinter den Kulissen auch sehr viel Spaß. Nur auf der Bühne zu stehen, wäre mir auf Dauer zu wenig.

AFL: Gibt es bestimmte Werte, die du mit HULK vertrittst und auch nach außen hin verbreiten möchtest?

Fratz: Ich mach generell nur Sachen aufm Label, auf die ich Bock hab und wo ich die Leute dahinter mag.

 

„Ich finde aber mittlerweile, dass es eigentlich generell keiner Labels mehr bedarf. Jede Band kann die Sachen heutzutage einfach selber veröffentlichen, wenn man sich da ein wenig drum kümmert und sich mit der Materie auseinandersetzt.“

 

AFL: Welche drei Adjektive beschreiben dein Label deiner Meinung nach am besten?

Fratz: Familiär, Qualitativ und Open-minded.

AFL: Wenn du dir eine Band oder ein Release heraussuchen könntest, dass du über HULK RÄCKORZ veröffentlichten könntest, welche Band bzw. welches Release wäre es und warum?

Fratz: Eigentlich hab ich gar nicht das Bedürfnis andere Bands rauszubringen und bin auch nicht traurig andere gute Veröffentlichungen nicht gemacht zu haben.

AFL: Ihr veröffentlicht ja nicht gerade eine Flut an Bands. Hat das damit zu tun, dass ihr nicht mehr veröffentlichen wollt oder gibt es einfach viel zu wenig wirklich gute Bands?

Fratz: Mein Tag hat leider nur 24 Stunden und ich will ja nicht nur Platten rausbringen, sondern mach ja auch noch viele andere Sachen, wie z.B. den punk.de-Mailorder, das Sexypunk-Modelabel und das WIZO-Booking/Management/Merchandising.
Nur Platten-Label wäre mir auf Dauer, ehrlich gesagt, ebenfalls zu langweilig. Deswegen achte ich immer drauf, dass es pro Jahr nie mehr als 3 Veröffentlichungen oder 5 aktive Bands gibt, damit ich noch genug Zeit für andere Dinge habe, wie z.B in Bands zocken und rumzutingeln. Wenn es die Zeit zulässt kümmere ich mich auch ab und an um meine Frau und die beiden Kinder 🙂

 

„Ich bin der Meinung, dass sich die Bands heutzutage leider oft nicht mehr genügend Zeit nehmen, um ihre Songs reifen zu lassen, bevor sie ins Studio gehen.“

 

AFL: Auf was legst du bei Bands wert und welche Tipps kannst du Bands geben, die bei einem Label anfragen? Erzähl uns mal mehr über den allgemeinen Ablauf bis letztendlich das fertige Release im Plattenladen zu finden ist!

Fratz: In erster Linie muss ich die Band mögen. Da gehört für mich nicht nur die Musik dazu, sondern auch die Menschen dahinter – die Chemie muss stimmen. Außerdem ist es mir wichtig, dass die Band eine ordentliche Bandpolitik fährt und weiss was sie möchte. Ich finde heutzutage nehmen sich die Bands oft leider nicht mehr genügend Zeit, um ihre Songs reifen zu lassen, bevor sie ins Studio gehen.

AFL: Zusammen mit deiner Frau Vera betreibst du ja auch noch den Mailorder punk.de. Wann kam der denn mit hinzu?

Fratz: Ich hab mir 1996 u.a. die Domain punk.de gesichert. Zunächst waren da nur das Label und das Merchandising der Hulk Bands drauf. Anfang der 00er-Jahre haben Vera und ich den Shop immer mehr ausgeweitet, unsere Modemarke Sexypunk gegründet und zuletzt auch so für alle geöffnet, dass jede(r) Band oder Veranstalter über punk.de seine Veröffentlichungen oder Konzertkarten verkaufen kann.

AFL: Ich meine dich letztens in Hannover zusammen mit Alex Schwers gesehen zu haben, als Slime dort gastierte. Was machst du denn noch bei oder auch für Slime?

Fratz: Auf der aktuellen Slime-Tour organisiere ich deren Merchandising. Ich lass die Klamotten drucken und kümmere mich um den Merchstand vor Ort.
Ich bin in den letzten Jahren auch immer wieder mal so bei Slime mitgefahren und hab Backliner oder Bühne gemacht oder hab letztes Jahr mit Outsiders Joy im Vorprogramm gespielt.

 

Das größte Problem ist, dass immer weniger Leute bereit sind für Musik Geld auszugeben.

Allerdings glaube ich auch immer wieder an eine Platte oder eine Band und mach deswegen tapfer weiter.

 

AFL: „Ohne Independent-Labels würde Hardcore-Punk Musik aussterben“!
Würdest du dieser Aussage zustimmen oder sie doch eher ablehnen? Gerne mit Begründung.

Fratz: Also früher war das tatsächlich so. Ich finde aber mittlerweile, dass es eigentlich generell keiner Labels mehr bedarf. Jede Band kann die Sachen heutzutage einfach selber veröffentlichen, wenn man sich da ein wenig drum kümmert und sich mit der Materie auseinandersetzt. Die Möglichkeiten dazu sind da! Und mehr Independent als „Selber-machen“ geht ja wirklich nicht.

AF: Bitte vervollständige folgenden Satz: Ein gutes Label zeichnet sich aus, …

Fratz: …durch gute Veröffentlichungen und gute Label-Politik

AFL: Was sind die großen Risiken und Probleme, die bei einem Label anfallen und warum ist es für dich den Aufwand trotzdem wert?

Fratz: Das größte Problem ist, dass immer weniger Leute bereit sind für Musik Geld auszugeben. Dank youtube kann man sich überall alles immer umsonst anhören. Daher rechnen sich Veröffentlichungen von kleinen, unbekannten Bands kaum, denn die physischen Tonträger werden leider nicht mehr allzu häufig gekauft. Allerdings glaube ich auch immer wieder an eine Platte oder eine Band und mach deswegen tapfer weiter.

AFL: In den vergangenen Jahren kam es ja zu einem regelrechten Vinyl-Boom und auch das digitale Streaming hat in den letzten Jahren extrem zugenommen und den Musikmarkt revolutioniert. Meinst du es kommt da demnächst wieder ein ganz neuer Trend? Und welche Entwicklung würdest du persönlich am Musikmarkt begrüßen?

Fratz: Ich finde nicht, dass der Musikmarkt dadurch revolutioniert wurde. Es ist meiner Meinung nach nur ein kleines Strohfeuer in dem man bei den letzten Zuckungen der Plattenbranche noch versucht wird, den Fans und Plattensammlern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Mir würde es gut gefallen, wenn Leute wieder mehr auf kleine Konzerte gehen und Platten von unbekannteren  Bands direkt bei denen kaufen, um sie zu unterstützen.

AFL: Sammelst du selbst auch MC´s, LP´s oder CD´s? Falls ja, welche ist dir die wertvollste und kommt somit immer mal wieder zum Einsatz?

Fratz: Im Laufe der letzten 35 Jahre sammelten sich bei mir sehr viele Platten, MC’s und CD’s an. Da stecken natürlich viele Erinnerungen drin und ich erfreu mich daran, ab und an das Knistern alter Platten zu hören. So richtig sammeln tue ich nicht und irgendwelche horrenden Höchstpreise für Platten zahle ich auch nicht.

Es gibt bestimmt so 200-300 Platten die mir sehr wichtig sind und die ich immer wieder gerne und regelmäßig höre.

AFL: Stehen bei euch aktuell irgendwelche Veröffentlichungen an? Und was sind deine allgemeinen Zukunftspläne?

Fratz: Die letzte Veröffentlichung in diesem Jahr waren Savants aus Tübingen. Eine großartige Band und die aktuelle LP/CD Zum Glück zu faul macht sehr viel Spaß. Deshalb: unbedingt reinhören!

Ansonsten habe ich gerade keine Veröffentlichungspläne für die nächste Zeit – aber nächstes Jahr kommt bestimmt wieder irgendetwas raus 🙂

AFL: Vielen Dank für das Interview! Hast du sonst noch irgendetwas, das du hinzufügen möchtest oder irgendwelche Abschlussworte?

Ich bedanke mich auch für das Interview und wünsche mir mehr Gedanken beim generellen Konsumverhalten – wer was, wo, wie, und bei wem kauft!

 

Demons Run Amok - Fest

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