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Dead Serious Recordings

Das Nauwieser Viertel Fest ist eine Saarbrücker Institution. In diversen Artikeln wurde das Nauwieser Viertel auch gerne mal mit Kreuzberg verglichen oder es wird geschrieben, als handele es sich um Kreuzberg. Natürlich leidet es auch unter Gentrifizierung und so richtig alternativ wirkt es dann auch nicht, mit einem Puff direkt am Eingang. Aber natürlich: hier wurde man sozialisiert, nicht im Puff, aber in den Punkrockkneipen, dem Hellmut oder dem Karate Klub Meier, wo auch gerne mal Spermbirds-Sänger Lee Hollis bedient und wo auch shon mal Bukowski gesoffen hat. Im Förster Juz ging man zu Konzerten und auch die zahlreichen Plattenläden (von denen heute nur noch einer existiert) luden zum verweilen ein. Höhepunkt war schon immer das Viertelfest. Drei Tage lang Ausnahmezustand auf den Straßen und immer schon ganz krasse Bands, die man auf einem Stadtfest nicht vermuten dürfte. Dabei stand das Fest in diesem Jahr auf der Kippe doch Bands und Sponsoren retteten das tolle Fest. Nun, die Zeit des geneigten Rezensenten ist nicht unendlich, so besuchte ich das Viertelfest nur für zwei Bands.

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Stäbruch Festival

Fast pünktlich gegen 21 Uhr betraten die Damen und der Herr von War on Women die Bühne. Die Selbstbeschreibung im Programmheft „feministischer Hardcore aus Baltimore“ klang ja erstmal, na, so nach „gähn“ und linkem Spießertum im Rahmen der Emma. Das war dann aber doch ganz anders. Äußerst hektischer Hardcore, ziemlich genial gespielt und dazu eine Frontfrau, die ihren Namen auch wirklich verdient. Preaching to the converted gabs hier im Übrigen auch nicht, denn das Publikum war bunt gemischt. Die natürliche Sprachbarriere dürfte allerdings das Verständnis erschweren, so dass man wohl nicht erwarten darf, dass der Griff an die eigene Muschi bei jedem Konzertseher/-hörer auch richtig angekommen ist. Sie zogen auf jeden Fall sehr viele interessierte Blicke auf sich und machten Freude. Der Platz vor der Bühne war gut gefüllt, dennoch gabs außer viel Applaus nur wenig Bewegung vor der Bühne. Neben einigen politischen Songs gabs auch ein paar schnellere Funsongs. Das Programm dauerte eine gute Dreiviertelstunde und war ein grandioser Einstieg in den darauffolgenden Wahnsinn.

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Schon während des Soundchecks füllte sich der Platz vor der Bühne bedrohlich. Ja, es war Pascow-Zeit. Die Band macht es genau richtig: in ihrem Heimatbundesland machten sie sich rar und wie es im englischen heißt: „Absence makes the heart grow fonder“. Und ja, verdammt, das halbe alternative Saarland stand da vor der Bühne und freute sich wie kleine Kinder auf das, was wohl für die meisten Menschen dort das Konzert des Jahres war. Direkt ging es mit Pogo los. Auch Crowdsurfing war angesagt und zwar in solchem Maße, das die Security alle Hände voll zu tun hatte und stellenweise etwas überfordert wirkte. Pascow spielten vor allem Songs von ihren letzten beiden Alben, insbesondere von Diene der Party wurde bis auf Zwickau sehen und sterben glaube ich jedes Lied gespielt. Die Texte wurden mitgegröhlt und das obwohl sich gerade diese Platte dadurch auszeichnet, dass es keine Refrains gibt. Zeitweise verzichtete Alex auch auf den Gesang und ließ das Publikum übernehmen. Natürlich wurde auch der Bandklassiker Trampen nach Norden eingebaut, sowie einige ältere Stücke. Dazwischen deutliche Ansagen gegen AFD und Pegida. So muss Punkrock sein. Natürlich war auch das Viertelfest Thema und es wurde nochmal darauf hingewiesen, das vor allem der Getränkeverkauf für Umsatz sorgen würde und es deshalb wichtig werde, ganz viel zu trinken. Einer Bitte, der die Band gerne nachkam. Als nach einer guten Stunde dann der Zugabenteil begann, fragte man sich, was soll jetzt noch kommen, alle Hits gespielt… Nein, Lettre Noir, ihr „gegen Frei.Wild-Song“ leitete den Zugabenteil an, doch statt der Textzeile Über Blödsinn aus Tirol, Werd‘ ich nie mehr singen hieß es nun „werd ich wieder singen“. Danach kam Fuck off von Knochenfabrik. Und mit der Ankündigung noch ein Album aufzunehmen entließ uns Alex mit dem Lied Nach Hause passenderweise in die Nacht.

Fazit: Konzert des Jahres nennt man das wohl!

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