Neonschwarz aus Hamburg haben nach der EP Unter’m Asphalt der Strand und ihrem Debütalbum Fliegende Fische nun ihr zweites Album draußen und erreichten damit auch tatsächlich zum ersten Mal die Charts, zwar nur auf Platz 81, aber immerhin. Es scheint so als wäre Zeckenrap jetzt endlich salonfähig. Heute kann man sich auch tatsächlich nicht mehr beschweren, viele Rap-Acts im left-wing-Game haben sich von den eher katastrophalen Rap-Sills früherer Tage (Anarchist Academy beispielsweise) verabschiedet und bieten jetzt punkig angehauchten Rap, der sich nicht mehr nur um ein Thema dreht.Waving the Guns, Kurzer Prozess, Sookee und Kobito machens vor. Mit TickTickBoom hat sich jetzt auch ein Kollektiv gebildet. Auch hier waren Neonschwizzy, wie sie sich mal gerne nennen, Vorreiter.

Das zweite Album, ein großer Wurf? Ja, sicher. Raptechnisch hat sich einiges getan. Das Album befindet sich auf einem ganz anderen Niveau als früher. Johnny Mausers und Captain Gips Punchlines a la „Ich flieg nach Lanzarote, leg‘ die Füße auf die Couch und schicke Landser rote Grüße mit der Faust.“ (aus Check Yo Self) sitzen. Und Marie Curry ist mittlerweile eine wirklich passable Rapperin. Nachdem sie anfangs nur gesungen hat, ist sie nun in fast jedem Lied auch als Rapperin zu hören und erinnert bisweilen an Quing Sookee.

Während die Polittracks weiterhin im Vordergrund stehen, gibt es nun auch eher an Party angelehnte Tracks. Nicht jedes Lied zündet leider. So finde ich Doppeldeckerbus ziemlich langweilig, sowohl musikalisch als auch textlich. Auch der Titeltrack und Drahtesel bleibt eher platt. Textlich genial dagegen finde ich das Statement zur deutschen Politik 2015, das auch positive Dinge benennt. Ebenfalls großartig ist Das Goldene Ticket, mit dem sie sich selbst auf die Schippe nehmen und sich als Castingband darstellen („Doch hast du Sekt kalt gestellt, dann kommen wir sicher in dein Städtchen, Der Lustige, der Antifa, der DJ und das Mädchen“). Kennenlernrunde ist ebenfalls super, auch wenn Spion Y Geschichte quasi fehlt. Verbindungen zur Punkszene zeigt der Track Rapstars („Ihr könnt gerne suchen – nein – ihr findet keinen Champagner/Was Rapstars? Halt die Fresse! Wir sind Punker!“)

Check Yo Self ist meines Erachtens der beste Track des Albums, mit einem coolen Cut aus dem gleichnamigen Ice-Cube-Track. Machte Fliegende Fische noch nicht so ganz klar, warum jetzt ein DJ benötigt wird, ist es auf Metropolis nun offensichtlich. Viele Lieder würden ohne die coolen Samples gar nicht funktionieren. Musikalisch macht das Album alles richtig. Es bietet genug Abwechslung um nicht langweilig zu klingen, klingt aber, auch durch das Leitmotiv Metropolis sowie die Cuts und Samples, wie aus einem Guss.

NeonschwarzTour2016gesamt700

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Nuclear Blast
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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc. nach dessen Einstellung wechselte er mit Max zu AWAY FROM LIFE.

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