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Am 15. Juli 2017 fand die zweite Ausgabe des Rock Your Holiday Festivals statt. Über die erste Ausgabe wurde bereits in einem Review von mir berichtet (siehe hier). Seitdem hat sich einiges getan und dieses Magazin ist nun auch Sponsor der Veranstaltung. Für dieses Jahr wurde der Termin auf einen Samstag gelegt, denn für das Zielpublikum dürften die Schulferien kaum eine Rolle spielen. So war der Altersdurchschnitt dieses Mal auch recht hoch, nicht nur was die Fans, auch was die Bands betraf. Viel war diesmal los, insbesondere bei den letzten Bands. Musikalisch war es diesmal nicht der Mischmasch der vergangenen Ausgabe, was ich prinzipiell aber recht erfrischend fand. Diesmal regierte der Hardcore. Hat man mit dem Zeitplan wahrscheinlich auch nicht so viele Probleme. Hardcore-Gigs sind ja eher kurz, dafür auch intensiv. Für viele Bands (und auch Fans) war es definitiv ein Treffen alter Freunde. Im Hardcore kennt man eben seine Geschichte. Um es vorweg zu schicken: es wird hier keinen Verriss geben, alle Bands waren toll…

Fangen wir der Einfachheit mit Carcosa an, die pünktlich um 18:00 Uhr das Festival eröffnen durften. Als erste Band hat mans generell schwer, natürlich waren auch noch nicht so viele Leute da wie später. Carcosa sind ein Konglomerat aus Personen, die in Köln, Mannheim, Mainz, Trier, Saarbrücken verteilt wohnen. Das dürfte vermutlich die Proben der 2015 gegründeten Band etwas erschweren. Musikalisch bewegt man sich im metallastigen Hardcore, die Texte strotzen nicht besonders vor Lebensfreude. Einer der mitglieder trägt ein Bolt-Thrower-Shirt, das passt schon mal recht gut. Death Metal kann man tatsächlich als Einfluss heraushören. Aber auch Balladen kann die Band. Ein sehr guter Opener, wie ich feststellen durfte. das Demo gibts übrigens über Bandcamp für Umme, das Debüt erschien 2017 über Last Exit Music als Tape oder für nen 3er als Download.

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Danach traten The Day We Fall aus Neunkirchen. Mit dieser Band verbindet mich doch einiges, waren die doch die erste Band, die ich damals für Iamhavoc interviewen durfte (hier). Damals hatten sie gerade ihr erstes Demo draußen. Daher war es schön, diese wiederzusehen. Habe sie etwas aus den Augen verloren, wusste zwar noch, dass sie weiterhin aktiv waren, aber habs nimmer zu ihren Konzerten geschafft. 2016 hatten sie eine EP aufgenommen (Bandcamp). Für diesen Gig konnten sie ihren alten Schlagzeuger verpflichten, der es immer noch drauf hat. Auch ein bisschen metallischer Hardcore, aber mit melodischen Passagen und Breakdowns. Sehr politisch und gesellschaftskritisch. Unter anderem präsentierte die äußerst agile Band auch ihren Song Love, der sich mit Homophobie beschäftigt und dessen Video hier geschaut werden kann.

Born As Lions aus Frankfurt am Main traten kurzfristig auf, nachdem AYS aus persönlichen Gründen absagen mussten. Born As Lions zeigten sich dankbar, diesen Slot ausfüllen zu dürfen. Sie hatten auch ihren Fan No. 1 dabei, der viel Stimmung machte. Wie eigentlich alle Bands an diesem Abend war die Band auf der Bühne sehr agil. Ihr Sänger suchte auch den Weg ins Publikum und performte auch mehrere Songs vor der Bühne. Musikalisch näher am modernen Hardcore wie Lionheart oder Rise of The Northstar mit gegrowlten Vocals orientiert wusste die Band ebenfalls zu überzeugen. Interessant auch hier: jede Band bedankt sich artig bei den Veranstaltern sowie den Supportbands. Auch wenn es viele Krakelen innerhalb der Szene gibt, solche Shows zeigen doch, dass dieses One Struggle – One Scene – United & Strong usw.-Gebabbel durchaus ernstzunehmen ist. Wäre es nur immer so… Schön eine Ansage gegen das unerträgliche Rechtsrock-Konzert in Thüringen an diesem Wochenende, das durch alle Medien ging (hier auf Zeit online) und leider auch ohne größere Störungen verlaufen konnte. Es sind gerade solche politischen Aussagen, die die Szene lebendig machen.

Finding Faith muss man im Saarland nicht lange vorstellen. Von 2008 bis 2012 aktiv existiert die Band seit 2016 wieder (Reunionshow hier). Fünf Freunde, die Musik machen, nicht mehr, nicht weniger. Und es machte richtig Spaß der Band zuzusehen. Auch hier gab es einige schöne Sprünge zu beobachten. Die Lieder stammten bis auf eines alles aus ihrer Wirkungsperiode. Wie so oft sei hier auf Bandcamp und Last Exit Music (dessen Macher an diesem Abend aber durch Abwesenheit glänzte) hingewiesen, wo es die Diskographie digital oder als Tape gibt. Allerdings ohne ihren neuen Song Story of a Girl, der von psychischen Störungen handelt. Schöner Auftritt vor Heimpublikum!

Wold Eater sind natürlich auch Lokalhelden und hatten an diesem Abend den meisten Zulauf, sogar noch mehr als der vermeintliche Headliner. Aber sie haben es auch verdient. Der Auftritt bewies, wie eigentlich wie das ganze Festival, genau das, was Sänger auch sagte: bei Hardcore-Shows braucht es keinen Headliner aus Übersee, sondern ein Network of Friends. Hier, in dieser kleinen Nische kann man sich ausleben, da fühlt man sich zu Hause. Es gab viele Ansagen, vor allem auch wiederum eine gegen Nazis. Das Publikum war heiß, das war auch deutlich. Hieß es bei Finding Faith noch, dass keine Windmühlen gebaut werden, so war dies hier obsolet. Einige demonstrierten die für mich immer noch irgendwie befremdliche Tanzart. Dazu auch ein bisschen Pogo. Auch vor den Helden der Szene wurde sich verneigt, zum einen vor Warzone mit dem Cover von As One, bei dem auch fröhlich mitgegröhlt wurde, zum andern beim obligatorischen Rausschmeißer World Peace von den Cro-Mags, bei dem sich ein Gastsänger auf der Bühne einfand, der das auch ganz gut konnte. Der Name ist mir entfallen, soll aber auch bei Teenagers from Mars, einer Misfits-Coverband aus dem Saarland, mitgewirkt haben.

Danach standen Risk It auf der Bühne. Die Dresdner Band hatte mit Sicherheit den längsten Anfahrtsweg. Props an deren Gitarristen für das Shirt im Onkelz-Stil. Dafür bekam ich ja auch Props für mein Judge-Shirt später 😉 Konnte aber nicht erkennen, welche Band das war. Built on Trust vielleicht, Gitarrengurt war im Weg. Risk It spielen Hardcore New Yorker Prägung, ein ausführliches Interview von uns gibt es hier. Leider war etwas weniger los als bei World Eater, aber davon ließ sich die Gruppe nicht beirren. Sie kämpfte zwar etwas mit der ziemlich breiten Lücke zwischen Publikum und Band, konnte diese leider immer nur kurzfristig ausfüllen. Ist aber auch schwierig wegen den Windmühlen und Pogern, auch wenn es an diesem Abend nicht zum Kampfsport kam. Dafür war dann doch alles zu Old School (oder halt New Old School sozusagen). Angenehm fand ich die breit sächselnden Ansagen des Sängers, der wie bereits seine Vorgänger die Verbundenheit der Szene betonte. Spaßeshalber wurde auch noch ein kurzes Drumsolo reingeknüppelt. Man merkte der Band an, dass sie Spaß hat an der Sache. So um 23:30 war dann Schluss. Keine Zugabe, wie es sich für Hardcore-Shows gehört.

Fazit: Eine wunderschöne Show war diese zweite Ausgabe des Rock Your Holidays Festivals. Es war viel los und die Musik war einfach nur fantastisch. Ich hoffe auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr!

Demons Run Amok - Fest

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