Die Beatdown Band Missing Teeth aus Prenzlau in der Uckermark sieht sich in letzter Zeit schwerer Kritik seitens der Szene, der Öffentlichkeit und ihrer Eltern ausgesetzt. Der Grund: In ihrer 3-jährigen Bandgeschichte sollen sie aus Versehen Deutschlands größten Untergrund-Fightclub während ihren Liveshows aufgebaut haben. Doch wie kam es dazu? In einem exklusiven Interview mit der Szene Putzen Redaktion hat uns Missing Teeth Sänger Carsten Palahniuk tiefe Einblicke liefern können!

Hallo Carsten! Kannst du uns als Einstieg etwas über Missing Teeth erzählen? Ihr seid ja in der Szene als ziemlich harte Hausnummer bekannt.

„Hey. Danke für die Gelegenheit zum Gespräch. Wir haben schon immer richtig brutalen Hardcore rausgehauen. Beatdown, Downtempo, Mundschutz im Pit tragen, Leute kaputtschlagen. Missing Teeth haben sich schon immer auf die Fahne geschrieben, dass man bei unseren Shows seinen Emotionen freien Lauf lassen kann – und das kam bei den Fans immer gut an! Unsere Moshpits sahen aus wie eine Runde Streetfighter.“

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Und waren eure Shows auch immer gut besucht? Manche Leute, zb. Brillenträger, schreckt so Hauen und Treten ja durchaus ab.

„Klar war am Anfang nicht viel los, wir waren ja nur eine kleine deutsche Band. Bei unserem ersten Gig in Prenzlau stand da glaube ich nur ein einziger verwirrter Typ rum – aber mit der Zeit wurde es ziemlich schnell richtig krass. Immer mehr Leute kamen dazu.“

Aber es war trotzdem eher so ein Untergrund Ding, oder?

„Total. Ich weiß nicht warum, aber unsere Fans, Zines und sogar Konzertveranstalter haben partout nicht über uns gesprochen oder uns promoted. Meistens stand Missing Teeth nicht mal auf dem Line Up mit drauf. War in der Szene wohl sowas wie eine eiserne Regel. Kein Plan. Unsere Facebookseite hat offiziell nur 34 Likes.“

Und wann ist dir aufgefallen, dass an euren Fans etwas…außergewöhnliches ist?

„Hm, also lange Zeit haben wir nicht wirklich etwas gemerkt. Bald kam immer öfter der Krankenwagen – aber der kommt bei Florian Silbereisen auch wenn den Rentnern nach 3 Stunden Klatschen im Bierzelt das Öttinger in die Beine fährt…ähm wo war ich? Ach ja, komisch wurde es spätestens, als wir merkten, dass sich die Leute schon während dem Soundcheck verkloppten oder zwischen den Songs, zB. während meiner Ansagen, nicht aufhörten pausenlos Spinkicks zu verteilen. Ich glaube irgendwann kam fast jeder ohne Schuhe und Gürtel zu den Shows. Bandshirts wollte auch kaum jemand kaufen; sie mochten es lieber oberkörperfrei im Pit.“

Und dann habt ihr euch schließlich von der Szene distanziert?

„Leider erst als es zu spät war. Eines Abends klopfte die Polizei an meine Tür und meinte ich müsse mitkommen, ich sei festgenommen. Die Bullen sagten etwas von Beihilfe zum „Crowdkill“ oder sowas. Die drohen uns mit Freiheitsstrafe. Wir sagten in den sozialen Medien wir hätten nichts damit zu tun und plötzlich waren alle böse auf uns, vor allem unsere Fans…sie meinen wir hätten sie verraten.“

[Missing Teeth wird vorgeworfen während eines Konzerts Ende April im Beisein mehrerer Augenzeugen wiederholt das Publikum zu „Side to Side“ und „Fuck this pit up“ aufgefordert zu haben. In der daraufhin folgenden Massenschlägerei mit über 500 Teilnehmern wurden mehrere Dutzend Fans schwer verletzt, einige Brillen wurden verbogen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.]

Abschließend die Frage: Denkst du, eure Fans haben eure Shows nur besucht, um sich gezielt zu prügeln? So als Vorwand?

„Puh, keine Ahnung. Wer würde schon zu Shows gehen, nur um andere zu verhauen?“

Danke für das Interview Carsten

„Danke auch.“

Update:

Inzwischen hat der Prozess gegen Missing Teeth begonnen und wir waren live dabei. Ein Statement der Staatsanwaltschaft zu dem Fall:

„Das harte Musikgenres und Alltagskriminalität bzw. Gewalt in direkter Korrelation zueinanderstehen, ist unlängst bekannt. Auch wenn sich zum jetzigen Stand keine Aussagen über den Ausgang des Verfahrens treffen lassen können, sollten wir doch auf jeden Fall die Bandcamp Seite von Missing Teeth löschen. Ich glaube das sollte das Problem von selbst lösen.“

Unterdessen gab Carsten Palahniuk vor Gericht zu Protokoll, dass „Emmure“ seine Lieblingsband sei. Sein Rechtsanwalt plädiert auf Unzurechnungsfähigkeit.

 


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*Szene Putzen ist unsere augenzwinkernde Liebeserklärung an Hardcore, die Subkultur und all ihre Eigenarten. Schließlich heißt es doch so schön: Was sich liebt, das neckt sich.

 

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