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WTF Records

Das neue Sondaschule Album Unbesiegbar steht in den Startlöchern, auf jeden Fall ein Grund mit Sänger Costa Cannabis über das Album, aber auch über andere Themen zu sprechen. Gesagt getan, habe ich mich mit Costa virtuell im weltweiten Netz getroffen und wir haben nicht über Gott und die Welt gequatscht, aber über das neue Album, natürlich auch über den Tod von Blubbi und wie Sondaschule damit umgeht.

Aber neben vielen anderen Themen, wie Alkohol, Drogen und Musik haben wir auch darüber gesprochen wie es jetzt weitergeht, immerhin steht ja auch das 20-jährige Jubiläum vor der Tür. Eines möchte ich gerne noch vorher betonen, weil das natürlich im geschriebenen Wort nicht so rüberkommt, wie es im persönlichen Gespräch tatsächlich ist. Es war sehr emotional, vor allem wenn es um Blubbi ging. Auf der anderen Seite war es aber bei einigen Themen auch sehr entspannt und wir haben lange gequatscht und dabei auch viel gelacht.

Sondaschule – Unbesiegbar – Cover

AWAY FROM LIFE: Moin Costa! Erstmal herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album Unbesiegbar, das am 11. Februar 2022 endlich erscheinen wird. Vielen Dank das du dir die Zeit nimmst unsere Fragen zu beantworten.

Costa: Hallo. Vielen Dank und danke das du dir die Zeit nimmst ein Interview mit mir zu machen.

AFL: Lass uns gleich das traurige und unangenehme Thema am Anfang besprechen. Wie geht es Sondaschule, wie geht es dir, jetzt knapp ein halbes Jahr nach dem Tod eures Weggefährten Blubbi?

Costa: Ich sag mal so, Momente wie Silvester zum Beispiel, helfen bei sowas verdammt gut, auch wenn es nicht die Lösung ist. Ich habe gemerkt mit einem neuen Jahr hat das dieses Mal eine andere Stimmung in mir hinterlassen. Das man in ein neues Jahr geht und vieles hinter sich lassen kann. Das ist mir früher nie so aufgefallen, für mich war Silvester immer Silvester halt. Morgen ist ein neuer Tag und dann geht es weiter, ich habe da früher nie viel Wert draufgelegt. Sprich, dem nicht viel Bedeutung geschenkt. Aber dieses Jahr habe ich gemerkt, dass es mir sehr dabei geholfen hat auch ein paar Sachen einfach zurück zu lassen. Was Trauer und so weiter angeht. Verarbeitet ist nichts oder sagen wir besser vergessen, das wird sich auch nicht ändern! Der Jahreswechsel hat mir aber verdammt viel neue Energie gegeben und eine verdammt positive Einstellung zum Jahr 20222. Es kann alles nur besser werden.

„Es ist einfach verrückt auf einer Bühne zu stehen, zu spielen und auf den Ohren ist alles gleich, man hört keine Unterschiede. Auf einmal guckt man dann aber wie gewohnt nach rechts und dann steht da jemand anderes. Das war ein ganz krasser, komischer Moment.“

AFL: Wie war es die erste Show ohne Blubbi zu spielen?

Costa:  Hart! Also wirklich hart. Wir wussten vorher gar nicht können wir das überhaupt machen. Wir haben uns dann darauf vorbereitet, mit Faf, einem guten Freund, der vorher bei The Tips Bass gespielt hat und mit uns schon 2019 auf Tour war. Er hat uns den Rücken gestärkt und ausgeholfen. Er wusste aber auch, dass wir noch unsicher waren und nicht wussten ob wir das durchziehen können. Wir haben ihm vorher ehrlich gesagt, das wird sich erst in Trier beim ersten Auftritt zeigen, vielleicht sagen wir auch danach alles wieder ab, weil wir merken es geht nicht, vielleicht sogar schon während der Show.

Sondaschule (Photo by Flo Ehlich)
Sondaschule (Photo by Flo Ehlich)

Es ist einfach verrückt auf einer Bühne zu stehen, zu spielen und auf den Ohren ist alles gleich, man hört keine Unterschiede. Auf einmal guckt man dann aber wie gewohnt nach rechts und dann steht da jemand anderes. Das war ein ganz krasser, komischer Moment.

 

Und da muss ich allen Leuten die da waren danken. Unser Publikum hat uns so krass den Rücken gestärkt, die haben Plakate gemalt, die hatten Banner „Blubbi ist stolz auf euch“ und „It´s a Long Way To The Top If You Wanna Rock ’n’ Roll“. Da kribbelt es mir jetzt schon wieder in den Augen, das waren Momente die wir nie vergessen werden und im Nachhinein so viel positive Energie hinterlassen haben.

Nach dem letzten Song Bist Du Glücklich sind wir alle von der Bühne runter und da hat es uns dann alle nochmal umgehauen. Es war nicht gerade der fröhlichste Tag unseres Lebens, aber hat uns im Nachhinein wie gesagt so viel mehr positive Energie gegeben, als diese ganze konzertlose Zeit vorher. Es ist ja eh seit zwei Jahren schon nicht die beste Zeit, die man als Musiker haben kann. Wir haben da gemerkt das es sehr, sehr gut und wichtig für uns war weiterzumachen, wie man so sagt wieder aufs Pferd steigen, weil man es sonst nie wieder macht.

 AFL: Und wie geht es weiter? Gibt es schon einen Nachfolger?

Costa:  Faf wird hoffentlich bleiben. Wir sind da sehr guter Dinge und proben bereits gemeinsam für die Tour. Er ist ein herzensguter Mensch. Es war Schicksal und ganz großes Glück dass wir uns gefunden haben. Es gab noch andere Optionen, die wir gar nicht ausprobieren mussten, weil wir menschlich von Faf überzeugt sind und er mega gut bei uns rein passt. Es fühlt sich super an.

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AFL: Euer neues Album trägt ja den Titel Unbesiegbar. Ist dir durch Daniels Tod bewusst geworden das man als Individuum eben doch nicht unbesiegbar ist?

Costa:  Absolut. Es war aber auch nie in meinem Kopf, dass wir unbesiegbar sind, das ganze Album hat ja eher thematisch diesen roten Faden. Es geht um Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt.  Gerade das ist für uns nach zwanzig Jahren Bandgeschichte wichtig, dass die Liebe und die Freundschaft unbesiegbar sind. Es war also nie gemeint, dass wir als Individuen oder auch als Band Unbesiegbar sind, auch wenn das natürlich so rüberkommen kann. Und wenn Blubbi nicht gestorben wäre, dann wäre mir das sogar sehr recht, dass es so rüberkommt.

Im Nachhinein ist er aber jetzt ja noch mehr unbesiegbar, er ist zwar gestorben, aber seine Musik wird für immer weiterleben. So lange das Internet nicht abgeschaltet wird, wird er immer hörbar sein und selbst wenn es abgeschaltet wird, wird irgendwo eine Vinyl oder CD rumliegen auf der er immer noch lebt. Im Endeffekt ist er dadurch unbesiegbar geworden.

AFL: Ihr habt dann ja die Veröffentlichung des Albums lange verschoben, so dass die Fertigstellung von Unbesiegbar für euch ja schon ziemlich lange her ist. Wie sehr brennt ihr darauf das Album endlich Live zu feiern?

Costa: Am liebsten kann es sofort losgehen, wir wollen gar nicht mehr warten. Wir sind gerade auch schon im Proberaum und proben ausgiebig die neuen Songs. Wir haben teilweise schon richtig Gänsehaut, weil wir merken die werden Live immer besser und wir finden uns immer besser rein. Faf hat sich auch richtig gut eingebracht. Wir sind wieder eine Einheit, die dasteht und warten halt nur noch auf die Möglichkeit das es endlich wieder losgehen kann. Wir hoffen das es wie geplant im März losgeht und drücken alle Daumen die wir haben. Wer weiß, wer weiß. Spätestens im Sommer werden wir dann auf der Bühne wieder explodieren können.

AFL: Was ist aus deiner Sicht das Beste an Unbesiegbar und warum sollen sich die Leute das Album kaufen?

Costa: Das beste an Unbesiegbar ist das es ein sehr, sehr persönliches Geschenk an uns selbst ist zum zwanzigsten Jubiläum. Den Traum mit Vincent Sorg ins Studio zu gehen, haben wir uns erfüllt, wir haben eine Deluxe Edition, die das erste Mal auch eine edel bedruckte Box ist, mit Pantone Gold und so ein paar Schnickschnack Sachen drinnen, die man am liebsten auch selbst haben möchte. Im Endeffekt haben wir uns selbst in finanzielle Wahnsinnigkeit begeben und alles da reingesteckt, um uns selbst zum 20-Jährigen ein Riesen Geschenk zu machen.

Warum man es sich kaufen sollte, ist glaube ich uns als Band die Möglichkeit zu geben sowas in Zukunft noch einmal zu tun. Sonst wird es finanziell halt einfach eng. Aber wenn die Leute merken wieviel Liebe wir da reinstecken, dann ist das cool, wenn die Leute das kaufen um der Band Support zu geben und zu signalisieren wir finden das gut, macht weiter so. Ist ja auch eine einmalige Anschaffung. Wir verkaufen immer noch mehr Konzertkarten als Alben, man merkt halt in Zeiten von Spotify und dem Internet ist es halt oft vorbei, dass Leute sich Alben zulegen. Aber dabei sollten sie nicht vergessen, sie mieten im Moment nur, sobald sie eine Monatsrate nicht bezahlen, haben sie nichts mehr. Dem sollte man sich vielleicht wieder ein wenig bewusster werden und sich Unbesiegbar zulegen um wenigstens, wenn alles vorbei ist, dieses Album noch zu besitzen. Wenn das Internet abgeschaltet wird, hat man zumindest noch dieses Album.

Sondaschule (Photo by Flo Ehlich)
Sondaschule (Photo by Flo Ehlich)

AFL: Costa du schreibst ja die Texte, wovon handeln die Texte und stammen die Ideen aus deinem eigenen Umfeld oder woher kommen die Inspirationen?

Costa: Mittlerweile ist es ja das achte Album und ich habe mich textlich immer weiter entwickelt und neue Sachen ausprobiert und hab bei diesem Album ausschließlich alles was aus dem Bauch kam benutzt. Ich finde sonst auch oft Ideen in meiner unmittelbaren Umgebung. Bei „Deine Ängste und nicht meine“, hat zum Beispiel damals ein Kumpel von mir erzählt, dass er Vater wird und ein anderer sagte dann, wie willst du das denn machen, du bist ja selbst total unselbständig. Daraufhin sagte mein Kumpel dann, das sind doch deine Ängste und nicht meine. Zack hatte ich die Grundlage für den Song.

Bei diesem Album ist aber wie gesagt alles aus dem Bauch raus, viel persönlicher und alles aus meinem Leben und meinen Gedanken. Das persönlichste Album, das ich je geschrieben habe. Gerade deswegen ist mir dieses Album auch sehr lieb geworden.

AFL: Einer meiner Lieblings-Songs des Albums ist Keine Zeit, der mir und wie ich weiß auch ganz vielen Menschen aus der Seele spricht, manchmal will man einfach niemanden und vor allem den ganzen Scheiß in der Welt nicht sehen. Geht dir das oft so oder ist das während der ganzen Corona Zeit sogar mehr geworden?

Costa: Jetzt bringst du mich dahin, dass es alles in Frage stellt was ich gerade gesagt habe, denn der Song ist entstanden, als ich Blubbi angerufen habe, weil ich für die Lost Tapes noch Gitarren brauchte. Er sollte mir nochmal ein Solo einspielen, der war aber Dienstagsmittags schon total besoffen und sagte sowas nach dem Motto: „Heute nicht, kannst mich mal am Arsch lecken. Ich habe heut keine Zeit. Ruf mich an, wenn ich wieder nüchtern bin.“ Da habe ich mir dann gedacht, das ist die richtige Einstellung, so mache ich das jetzt auch und habe dann den Text aus seiner Sicht geschrieben. So ist der Song entstanden.

AFL:  Und kannst du das jetzt auch so umsetzen?

Costa: Ich kann das eher schlecht. Aber wenn ich mir tatsächlich mal bewusst eine Auszeit nehme, dann kann ich das auch sehr gut. Es passiert aber eher selten das ich mal nichts tue. Ich habe Blubbi dafür sehr bewundert, dass er sich die Freiheit nimmt, dass ihm in dem Moment alles scheißegal war und er das auch genau so gesagt hat. Das war die Inspiration für den Song und die Message ist sich das zu Herzen zu nehmen um am besten genauso zu handeln.

AFL: Welches ist denn dein persönlicher Favorit auf dem Album?

Costa: Mein absoluter Favorit ist auf jeden Fall „Ich verspreche mir selbst“ aber auch „Merkst du nicht“. Die Beiden. Der eine ist der persönlichste und emotionalste Song den ich je geschrieben habe und bei „Merkst du nicht“ ist es die Musik, dieses Ska Ding, der Bläsersatz und der etwas fröhlichere spaßige Text, mit sehr viel Sarkasmus. Auf die Beiden freue ich mich auch Live mit am meisten.

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AFL: Wie würdest du jemanden eure Musik beschreiben, der euch noch nie gehört hat?

Costa: (lange Pause) Früher haben wir immer gesagt so wie die Ärzte mit Bläsern, aber das liegt weit, weit in der Vergangenheit. Da gab es das Farin Urlaub Racingteam noch nicht und wir wollten uns ein bisschen mit fremden Federn schmücken. Mittlerweile sehe ich das gar nicht mehr so, dass es da viele Parallelen gibt. Ich würde wahrscheinlich sagen es ist poppiger Punk, mit Ska und Reggae Elementen und deutschen Texten um es erstmal grob zu halten. Wenn dann noch jemand nachfragen würde, dann würde ich nochmal detaillierter erklären.

AFL: 2022 feiert ihr ja auch 20 Jahre Sondaschule, ich habe aber eigentlich immer gelesen das ihr euch 1999 gegründet habt. 2022 gab es ja eure erste EP Lieber Einen Paffen, ist das für euch euer Grundstein?

Costa: Wir machen uns jünger, wir schummeln.

Genau, zum einen kam die erste EP 2002 und außerdem fand auch das erste Sondaschule Konzert statt. 1999 gab es die Idee und wir haben uns im Proberaum getroffen und Session gemacht, wie man halt so früher im Proberaum rumhing. Trinken, Freunde mitbringen und froh sein das man in so einem Bunker rumhängt wo keiner einem auf den Sack geht. Laut sein und Musik machen. Daraus wurde dann 2002 das erste Konzert als Vorband der Lokalmatadore. Auf diesem Konzert war auch Mosh von Knockout Records und hat uns direkt im Anschluss an unsere Show die Möglichkeit gegeben einen Plattenvertrag zu unterschreiben. Daher ist alles 2002 entstanden. Wir sagen immer eine Band ist erst eine Band, wenn sie einen Auftritt hatte.  Das war dann das erste Mal, dass wir unsere Musik vor fremden Menschen gespielt haben. Seitdem sind wir eine Band.

AFL: Wo wir gerade bei Livemusik und Tour sind. Wie sieht so ein typischer Tag aus, wenn ihr unterwegs seid? Macht ihr immer das gleiche? Aus dem Alter immer zu saufen seid ihr ja schon raus oder nicht?

Costa: Ich sag mal so, wir haben ja auch Leute dabei, die einfach konstant saufen. Da ist dann oft gar nicht die Frage, ob sie wollen. Das sind Genuss-Trinker, also immer ein Bier dabei. Bei mir ist das eher ne Tüte. Das zelebrieren wir auch noch, nur nicht mehr so exzessiv wie damals. Wir haben zum Beispiel irgendwann festgelegt, dass der Whiskey und der Wodka erst nach der Show in den Kühlschrank gestellt werden dürfen. Es kam einfach viel zu oft vor, das auf der Bühne irgendjemand nicht mehr in der Lage war zu spielen und das war auch immer mal jemand anderes. Wir haben das alles zu Hauf erlebt und sind da mittlerweile geschulter im Umgang, wie wir uns selbst davor bewahren nicht mehr spielen zu können. Da sind wir alle schlauer geworden, aber wir lieben es immer noch uns zusammen zu betrinken, zu feiern und die ganze Nacht Musik zu hören. Deswegen haben wir damals angefangen auch selbst Musik zu machen, wir wollten immer möglichst viele Konzerte spielen und Party machen.

„Wir sagen immer eine Band ist erst eine Band, wenn sie einen Auftritt hatte.“

AFL: Habt ihr Rituale vor einem Auftritt?

Costa: Wenige. Ein kleines Ritual ist, das wir uns, wenn das Intro läuft, hinter der Bühne alle kurz abklatschen. Ist eine Kleinigkeit, aber ohne das würde kein Konzert stattfinden. Auch das wir uns 10-15 Minuten vorher zur Bühne begeben und sich alle eine halbe Stunde vorher im Backstage treffen. Wir hören dann zusammen Musik, auf einer Tour haben wir immer Against Me!White Crosses gehört, wir singen uns zusammen warm, hüpfen rum und machen uns für die Bühne fertig.  Das ist auch schon so Ritual mäßig. Aber das Einzige was wirklich konstant ist, ist das abklatschen während des Intros. Das ist wie den Motor zu starten, nur ein kurzer Moment, aber total wichtig und effektiv.

AFL: Wie haben sich den Sondaschule Konzerte verändert? Mal davon abgesehen, dass die Locations größer geworden sind. Habt ihr noch viele Fans vom Anfang im Publikum oder wird das Publikum jünger?

Costa: Wir können von Glück reden, das unser Publikum im Gegensatz zu uns immer noch jüngere Semester zieht. Also immer noch Leute ab 18 -30 vielleicht 35 Jahre ist so unsere Haupt Fanbase. Aber wir konnten auch viele von früher halten, gerade bei Jubiläen merkt man das. Die Leute gehen nicht mehr so oft auf Konzerte, weil sie mittlerweile Familie haben, im Berufsleben sind und dadurch nicht mehr mit uns auf Tour gehen und bei jedem Konzert dabei sind, so wie das früher durchaus passiert ist. Aber man trifft immer wieder Leute die man länger nicht mehr gesehen hat und merkt dann, die Leute verfolgen uns immer noch und sind mit uns zusammen älter geworden. Das freut mich auch immer, dass wir da keinen verlieren. Früher waren natürlich auch viele Straßen-Punks auf unseren Konzerten, wenn wir im Jugendheim gespielt haben. Aber das lag weniger an uns, sondern daran, dass die immer in dem Jugendheim waren, bei jeder Band die da gespielt hat. Die haben eher zu dem Jugendheim gehört als zu der Band. Aber selbst davon sind ganz viele 15-20 Jahre später immer noch auf unseren Konzerten, wenn wir in ihrer Stadt spielen am Start. Da sind über die Jahre echte Freundschaften entstanden. Es freut mich wirklich sehr, dass wir das Fundament der Szene nicht verloren haben.

AFL: Vom finanziellen Mal abgesehen, würdet ihr lieber wieder kleinere Shows spielen können?

Costa: Es macht wirklich richtig Spaß kleinere Clubs zu spielen, das lassen wir uns auch nicht nehmen. Natürlich müssen wir auch an das Finanzielle denken und in größeren Clubs spielen um so vielen Leuten wie möglich zu ermöglichen, nach zwei Jahren Stilstand unsere Konzerte zu besuchen. Wir hatten im November im Zentrum Altenberg in Oberhausen ein Clubkonzert angekündigt, was dann innerhalb von 2 Minuten ausverkauft war. Es gab nur 650 Tickets. Da war richtig Druck auf dem Kessel und hat so viel Spaß gemacht. Die Leute lechzen zurzeit nach Konzerten. Daher glaube ich sollten wir jetzt erstmal größere Sachen spielen, um allen die Möglichkeit zu geben, daran teilnehmen zu können. Wir hoffen also auf den März, im Moment ist ja leider auch wieder gar nichts möglich.

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AFL: Wo wir gerade bei Schmankerln sind, Gelsenkirchen wird ja euer Jubiläumskonzert. Habt ihr da was Besonderes geplant?

Costa: Das besondere ist an sich ja schonmal das wir das wieder im Amphitheater machen können. Wir haben da bereits unser 15 jähriges gefeiert was für uns ein unfassbares Erlebnis war. Alleine in der Location zu spielen, wo sonst dass Rock Hard Festival stattfindet oder Die Antwort spielt, also riesen Bands die sonst Headliner bei den großen Festivals sind, ist schon krass. Natürlich haben wir auch ein paar Specials geplant, aber das machen wir ja immer. Da ist uns egal wie viele Menschen vor der Bühne stehen, ob 6500 oder 500 – wir überlegen uns eigentlich immer was Spezielles. Wir haben immer Ideen und kleine Überraschungen, auch für uns selbst. Wir sind auch nicht bange das es mal in die Hose gehen könnte. Das ist aber auch ein Punk Urgedanke das man einfach erstmal macht und dann mal schaut ob es funktioniert.

AFL: Mit der neuen Regierung scheint eine Legalisierung von Cannabis in greifbarer Nähe. Ihr habt der Rauchware auch immer ein gewisses Sprachrohr gegeben, wie würdest du den Tag der Legalisierung feiern?

Costa: Ich höre auf zu kiffen! (Darauf folgen erstmal 15 Sekunden lachen von uns beiden, bevor Costa dann folgendes rauspresst) Nein Quatsch!

Ich glaube es wird mein Leben nicht beeinflussen, aber ich bin sehr froh, dass damit hoffentlich ein bewussterer Umgang mit Drogen in der nächsten Generation einhergehen wird. Da ich aus einer Generation komme, wo selbst kiffen total verpönt war und man sich verstecken musste, war das auch der Eintritt in die Welt der Drogen und ich bin früher nicht nur beim Kiffen geblieben. Da wo es was zu rauchen gab, gab es auch alles andere und als Jugendlicher hat man immer das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben. Dadurch habe ich leider viele Freunde die den Absprung nicht geschafft haben, weil es halt einfach irgendwann nicht mehr ging. Ich bin ja auch Cannabis süchtig. Ich kann zwar auch ohne, wenn es sein muss, aber besser ist nicht ohne und das merke ich auch. Ich hoffe einfach die nächste Generation wird einen bewussteren Umgang durch die Legalisierung erleben, vielleicht so wie in Holland. Da gehen die Leute, wenn sie Lust haben in einen Coffee-Shop und rauchen mal einen. Wenn sie keine Lust haben gehen sie in die Kneipe und trinken vielleicht ein Bier oder zwei – und wenn sie darauf keine Lust haben, dann fahren sie vielleicht mit dem Fahrrad ins Grüne. Wir haben uns damals versteckt um Drogen zu nehmen. Wir haben uns wie Outlaws gefühlt, absolut cool und raus aus der Gesellschaft. Vielleicht wird durch die Legalisierung der Umgang damit bewusster und im Endeffekt sicherer als wie wir das gelernt haben.

AFL: Beschreibe Sondaschule in drei Worten

Costa:  Laut-Emotional-Ehrlich

AFL: Was läuft bei dir zurzeit auf dem Plattenteller oder CD-Player oder Spotify?

Costa: Verschiedenes, ich bin ja mehr so ein Oldschool Hörer. Ich höre aber natürlich auch in neue Sachen immer gerne mal rein und hör mir neue Alben an. Ich fand jetzt zum Beispiel Alarmsignal – „Ich hoffe du findest was du suchst“ richtig gut. Auch höre ich gerne alles was Dritte Wahl so rausbringt, das Broilers Santa Claus Album habe ich natürlich auch gehört. Ich höre mir das immer ein paar Mal an und lande dann am Ende aber doch wieder bei alten Klassikern wie Against Me!, NOFX, Social Distortion oder auch Hardcore Sachen wie Agnostic Front oder Blood For Blood. Ich liebe diese Asozialität in der Musik – ich lieb das einfach.

AFL: Welche Frage würdest du gerne mal bei einem Interview gestellt bekommen?

Costa: Spontan, keine Ahnung. Freunde fragen mich immer warum bist du kein Rapper geworden, das kannst du viel besser als deine Scheiß Punk Musik. Das sind natürlich nur die Leute die Rap hören aus meinem Freundeskreis. Aus Spaß haben wir ab und zu gerappt und mit „Morgens um halb vier“ hat es ja jetzt auch mal ein Rapsong aufs Album geschafft. Ansonsten habe ich mir da nie drüber Gedanken gemacht, wie du merkst bin ich ja auch bei Interviews eher so, ich denke nicht viel nach, sondern ballere einfach raus. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, was soll mich mal jemand Fragen. Ich bin froh das mich überhaupt jemand fragt, das heißt die Musik hat zumindest irgendeine Relevanz.

„Bleibt Anders -Bleibt Frei“

AFL: Hast du noch was zu ergänzen, irgendeine Message die du beziehungsweise Sondaschule rüberbringen möchtest, irgendwas was euch auf der Seele brennt?

Costa: Unser Motto ist Bleibt Anders -Bleibt Frei, das gebe ich immer gerne weiter. Das ist zwar gerade in der jetzigen Zeit sehr schwer, weil man keine Ablenkung hat, die doch so wichtig ist. Es gibt nur noch das reale Leben, das momentan sehr auf die Arbeit und auch viel auf Einsamkeit reduziert ist. Deswegen: Bleibt anders – bleibt frei – probiert bei euch zu bleiben. Man muss immer das Beste aus allem machen, egal wie schlecht es gerade um die Welt steht. Probiert positiv zu bleiben.

Ich habe im letzten halben Jahr gelernt wie es einem den Boden unter den Füssen wegziehen kann, aber wie gesagt – spätestens Silvester wird sich alles ändern, Freunde. Da Silvester gerade vorbei ist, nutzt einfach Geburtstage, nutzt irgendwelche speziellen Tage um nach vorne zu Blicken und achtet auf die kleinen Dinge, die das Leben immer noch schön machen. Es gibt zu Hauf davon.

AFL: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Vielen Dank das du dir die Zeit genommen hast und mit mir gequatscht hast.

Costa: Sehr gerne. Wir sehen uns hoffentlich dann beim Tourstart in Hamburg

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Moin! Ich bin Sven aus der Nähe von Hamburg, 72er Jahrgang und seit über 20 Jahren glücklich verheiratet. Ich bin seit Sommer 2018 bei AWAY FROM LIFE und mache hauptsächlich Konzertfotos, Reviews und Interviews. Wenn ich nicht meinem „normalen“ Job nachgehe oder für AWAY FROM LIFE schreibe, könnt ihr mich entweder im Stadion beim FC. St. Pauli, auf Konzerten, beim Fotografieren oder beim Sport treffen. Bei letzterem schlägt mein Herz für‘s Boxen und Kraftsport, mittlerweile laufe ich aber auch einige Kilometer in der Woche. Ich liebe NYHC, bin aber auch für viele andere Genre offen, die zu unserer Szene gehören oder zumindest daran angrenzen. Meine All-Time Lieblingsbands sind Sick Of It All, Misfits, Ramones, Agnostic Front, und Slipknot. Hardcore lives!

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