The Turbo AC´s feiern in diesem Jahr das zwanzigste Jubiläum ihres Debütalbums „Damnation Overdrive“, was sie zum Anlass nahmen, dieses bisher vergriffene Album nochmals auf den Markt zu bringen und uns dieser Tage auch einen Besuch, in Form ihrer derzeit laufenden Tour, abzustatten. Somit nutzten wir die Chance, um mal etwas mit Sänger Kevin Cole über ihr Debüt und den weiteren Verlauf der Band zu sprechen.

Wenn das was ich tue nun eine Inspiration oder ein Einfluss für jemand anderen ist, dann war ich erfolgreich.

Interview mit THE TURBO AC´s Sänger Kevin

The Turbo AC´s - LogoAFL: Zwanzig Jahre sind mittlerweile ins Land gezogen, seit ihr euer Erstlingswerk „Damnation Overdrive“ veröffentlicht habt und dieses war ja auch lang Zeit vergriffen.
Bis jetzt, denn nun habt ihr euer Debütalbum zum zweiten Mal re-released und dieses auch wieder in einer limitierten Version, so dass es wohl leider auch nicht mehr lange dauern wird, bis es zum dritten Mal ausverkauft sein wird. Was ist denn der Grund dafür, es wieder nur limitiert auf den Markt zu bringen?

Kevin: Nun, bei der Erstveröffentlichung war unser Label Blackout! Records und dieses war damals ein Teil von MCA Records . Somit mussten wir uns mit sehr viel rechtlichen Bullshit auseinandersetzen. Was damit begann, dass es nicht in den Staaten gepresst werden konnte und somit als Import auf den Markt gebracht werden musste. Dieses hatte zur Folge, dass viele am Anfang dachten, wir seien aus UK, Schweden oder ähnlichen – das war ein Alptraum.
Nach dieser Erfahrung entschieden wir uns, die Rechte an den Alben bei uns zu halten und den Labels die Lizenzen nur noch für eine gewisse Zeit zu übergeben. Wir dachten dieses ist der beste Weg für eine kleine Band wie uns und so arbeiten wir auch weiterhin mit kleineren Labels, die diese Lizensvereinbarungen eingehen. Das ist der eigentliche Grund, warum ihr doppelte Releases von uns auch von verschiedenen Labels seht.

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AFL: Ihr habt euren ganz eigenen Stil des Punkrocks kreiert, welcher mittlerweile auch gerne kopiert wird bzw. welcher auch manch andere Band beeinflusst hat. Macht dieses euch eher Stolz oder sagt ihr ganz einfach, dass ihr immer nur eure Musik gemacht habt und mehr nicht?

Kevin: Ja, das ist schon Wahnsinn und wenn wir wirklich jemanden beeinflusst haben sollten, bin ich natürlich stolz darauf. Eine der Hauptgründe warum ich Musik mache ist ja auch, dass ich etwas von mir zur Welt beitragen möchte. Ich bin nicht reich und ich muss auch irgendwie meinen Lebensunterhalt bestreiten, egal ob mit meiner Musik oder mit was auch immer, aber ich kann es mir nicht vorstellen dieses mit etwas zu tun, was ich nicht von ganzen Herzen tue. Wenn das was ich tue nun eine Inspiration oder ein Einfluss für jemand anderen ist, dann war ich erfolgreich.

AFL: Wie du schon sagtest, habt ihr „Damnation Overdrive“ zum ersten Mal 1996 über Blackout! Records veröffentlicht, welches eher als Hardcore Label und nicht als Punkrock Label bekannt ist. Wie kam es dazu?

Kevin: Blackout! war eher für seine Hardcore Bands bekannt, das stimmt, aber sie hatten auch ein paar Punk Bands unter Vertrag. Zu dem Zeitpunkt zum Beispiel auch eine Female-Fronted Band namens THE GOOPS, mit welcher wir auch aus NYC-Szenekreisen befreundet waren und diese kamen dann auch einmal in das Restaurant, in dem ich arbeitete, um von mir eine Gratis-Pizza zu bekommen. Dort fragten sie mich dann, ob ich bei ihnen nicht für die kommende Tour am Bass einspringen könnte. Ich glaube sie wollten die LUNACHICKS auf Tour begleiten, aber egal denn die Tour fand nie wirklich statt. Dafür lernte ich während der gemeinsamen Zeit mit ihnen den Besitzer von Blackout! kennen, welcher mich fragte, ob THE TURBO AC´s nicht Interesse daran hätten, einen Track für die Punk Rock Jukebox aufzunehmen. Das war eine Compilation auf der Punk und Hardcore Bands ihren liebsten Punksong coverten. Auf dieser Compilation waren einige echt große Bands vertreten, so dass es für uns ein echt großer Deal war. Wir coverten „Woman“ von ANTI NOWHERE LEAGUE, was Blackout! Gefiel und so fragten sie uns, ob wir nicht auch noch eine 7´´ machen könnten. Diese mochten sie dann auch und wir machten dann gemeinsam „Damnation Overdrive“.

AFL: Die neue Version von „Damnation Overdrive“ beinhaltet drei Bonus-Tracks. Sind das komplett neue Songs oder welche aus einer älteren Schublade?

Kevin: Die Bonus-Tracks stammen von Aufnahmen, welche wir nach „Damnation Overdrive“ für eine weitere 7´´ mit Blackout! gemacht haben. Die EP trug den Namen „Chupacabra“.

AFL: Gibt es noch weitere Musikstile, die du sehr gerne spielst und hast du neben THE TURBO AC´s auch noch andere Bands?

Kevin: Ja, ich mache mache eine Menge und habe auch zahlreiche kleine Nebenprojekte. Zuletzt habe ich einiges an Reggae Zeug produziert und als Fan dieses Stils ist es auch echt toll etwas tiefer darin einzutauchen. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich auch noch eine Trash-Punk-Rock´n´Roll-Band mit ein paar Japanischen Freunden. Wir nannten uns THE THUNDERFUCKS – ich spielte Schlagzeug und trug eine Gorillamaske, um die Tatsache zu verstecken, dass ich kein Japaner war. Eine wahre Geschichte und wirklich guter Stuff…hört mal rein.

EP 2012 by The Thunderfucks

AFL: THE TURBO AC`s sind ja nicht gerade als politische Band bekannt – man könnte sogar sagen, dass ihr eine unpolitische Band seid. Ist das korrekt und auch so gewollt bzw. ist nicht immer ein gewisser Teil von Punkrock politisch?

Kevin: „Now I wanna sniff some glue; Now I wanna have something to do“…ist das politisch? Nein…, aber es ist wichtig, wichtig für den Punkrock. Und ich hoffe dieses ist die Botschaft der Turbo AC´s auch.
Unsere Botschaft ist klar und ich denke dieses ist eine, die viele von uns verbindet. Wenn dir dein Leben, was du bekommen hast, nicht als gut genug erscheint, musst du kämpfen um es zu verbessern. Wir wollen es schneller und lauter, auch wenn uns das genau in die Katastrophe steuert.

AFL: Du lebst ja mittlerweile in Puerto Rico und hast dort ja auch deinen eigenen Pizzastand, so dass du dort ja auch, neben dem Surfen und der Musik, deiner Arbeit nachgehen kannst. Wie kann ich mir denn nun eure Schreib- und Übungsprozesse innerhalb der Band vorstellen?

Kevin: OMG…wir erzählten dieses einmal in einem Interview und seitdem sind wir anscheinend eine wahrhaftige „International-Rock-And-Roll-Machine“. Aber wie es heutzutage bei uns läuft ist so, dass ich einen Haufen an Zeug schreibe und dieses an die Jungs schicke, welche mittlerweile von NYC über Newport/Rhode Island, Canada und Österreich verteilt leben. Sie arbeiten dann für sich an dem Material und wenn wir ins Studio gehen wird einfach losgerockt. Wir spielen ja wirklich schon eine Weile gemeinsam, so dass das echt gut klappt und auch vor einer Tour treffen wir uns einfach eine Woche vorher um das Live-Set einzuproben und dann sitzt das.

AFL: Was ist die beste Pizza, die du uns servieren könntest? Eine wahre Punkrock-Pizza?

Kevin: Ich versuche immer wieder dem Punk meinen Respekt zu zollen und dieses auf verschiedenen Wege. Auf meiner Karte bei Revolution findet sich zum Beispiel The Crucial BBQ (MURPHYS LAW), The Milano Mosh (SOD), The Pamparius (TURBONEGRO), The World Peace (CRO MAGS), The Dictator (THE DICTATORS), The Ready To Die (ANDREW WK), … The Pizza Who Cannot Named (THE DWARVES).
Nur um einmal ein paar zu nennen…diese Antwort könnte ich unendlich weiterführen…darum müssen wir diese für das nächste Interview aufheben. Aber es war echt ein Reisenspaß einige dieser Pizzen mit den Jungs auszuarbeiten. So kamen dafür z.B. TURBONEGRO, HANDSOME DICK, ANDREW WK und MURPHYS LAW zu mir und spielten hier auch eine Show.

AFL: Ihr tourt derzeit durch Europa. Gibt es hier ein Festival oder einen ganz bestimmten Ort auf den ihr euch besonders freut bzw. gefreut habt?

Kevin: Ich freue mich einfach wieder hier zu sein. Unser letzter Besuch ist nämlich echt schon eine Weile her und ich vermisste es hier unterwegs zu sein.

AFL: Spielt ihr dann einen Mix eurer Songs oder vorwiegend Lieder von der „Damnation Overdrive“. Dieses ist ja mittlerweile recht angesagt, wenn Albenjubiläen anstehen.

Kevin: Wir werden schon einige Songs der „Damnation Overdrive“ spielen, welche wir noch nie auf einer Show gespielt haben. Wir spielen aber auch unseren favorisierten Mix von all unseren Alben, genauso wie Songs vom kommenden Album „Radiation“. Ich werde auch noch ein paar Solo-Akkustik Shows auf dieser Tour spielen, auf welchen ich dann die „Damnation Overdrive“ komplett spielen werde. Das wird echt klasse.

AFL: Wenn ich mir eure Bandfotos anschaue, sehe ich euch immer in richtig dicken Karren. Fahrt ihr selber auch so einen Big-Block oder ist es doch eher ein Prius, das Skateboard oder die Straßenbahn?

Kevin: Ich habe mich von der Custom-Culture, dem Surfstyle und Muscle Cars immer inspirieren lassen. Bin aber selber ein Stadtkind, welches arm aufgewachsen ist, um dann von Zuhause fort zu laufen und auf den Straßen zu leben. Somit waren solche Dinge immer außerhalb meiner Reichweite. Mich umgaben da eher drogenabhängige und runtergekommene Leute. Ich sah diese Autos und das Leben welches sie vermitteln dann immer als eine Art Erlösung an und die Leute um mich lachten mich immer aus, wenn ich sagte, dass ich eines Tages diesem Scheiß entfliehen werde und mit meinem eigenen kleinen Pizzastand am Strand stehen und Musik machen werde. Irgendwie habe ich es nun aber geschafft!

Ich hatte zwischendurch auch mal einen 70er Challenger, den ich allerdings zu Schrott fuhr und nun habe ich einen 4×4 87er Cherokee. Ich bin aber nicht wirklich ein Gearhead der dir dein Auto reparieren kann…aber unser Drummer Mike kann das.

Punkrocker werden nicht zu Partys eingeladen, wo populäre Musik für populäre Menschen gespielt wird…aber das ist uns egal, denn wir haben etwas besseres.

AFL: Was ist deine Bedeutung von Punkrock?

Kevin: Punkrock ist mir sehr wichtig. Es ist etwas das Rasse und Religion ausklammert und uns alle in einem vereinigten Pit aus Chaos, Liebe, Blut und Schweiß zusammen bringt. Punkrocker werden nicht zu Partys eingeladen, wo populäre Musik für populäre Menschen gespielt wird…aber das ist uns egal, denn wir haben etwas besseres.

AFL: Was wäre wohl dein Rat an die jungen TURBO AC´s, wenn du durch die Zeit reisen könntest?

Kevin: Schwer zu sagen – mich fragen öfter Leute diese „wenn-du-mit-deinem-jetzigen-Wissen-zurück- in-der-Zeit-gehen-könntest-Frage“ und ich denke ich werde dieses nie tun können.
Aber selbst wenn…auf einige falsche Abbiegungen und Unfälle könnte ich zwar schon verzichten, aber ich bin sehr zufrieden wo ich jetzt stehe und am Ende hat auch alles Sinn gemacht und somit würde ich meinem jüngeren ich wohl gar nichts sagen.

AFL: Wenn du es dir wünschen könntest, was wäre dann die Überschrift der morgigen Zeitung?

Kevin: THE TURBO A.C.’S NEW ALBUM „RADIATION“ TOPS THE CHARTS! FREE PIZZA AND BEER FOR EVERYONE!!

THE TURBO AC´s auf Tour

23.07. Töging Am Inn/Silo 1
24.07. Wien/Das Bach
25.07. Augsburg/Haifisch Bar
26.07. Bregenz/Low Life
27.07. Frankfurt/Das Bett
28.07. Düsseldorf/Pitcher
29.07. Kiel/Schaubude
30.07. Hamburg/Welt-Turbojugend-Tage Festival

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